Heinrich-Hertz-Turm


Heinrich-Hertz-Turm
Heinrich-Hertz-Turm
Fernsehturm Hamburg.jpg
Basisdaten
Ort: Hamburg
Verwendung: Fernsehturm
Bauzeit: 1966-1968
Technische Daten
Gesamthöhe: 279,2 m
Aussichtsplattformen: 150 m
Baustoff: Stahl, Beton
53.5630555555569.9758333333333
Heinrich-Hertz-Turm (Hamburg)
Heinrich-Hertz-Turm
Heinrich-Hertz-Turm
Heinrich-Hertz-Turm im Sonnenuntergang
Gedenktafel am Turm
Von Planten un Blomen aus gesehen, 1973
Heinrich-Hertz-Turm (2009)

Der Heinrich-Hertz-Turm (im Volksmund kurz Fernsehturm genannt) ist ein Fernmeldeturm in Hamburg-Mitte, der unter anderem der Abstrahlung von Rundfunk- und Fernsehprogrammen dient und eines der Wahrzeichen der Stadt ist. Er steht gegenüber dem Park Planten un Blomen vor den neuen Hallen der Hamburg Messe an der Rentzelstraßenbrücke über die Verbindungsbahn.

Inhaltsverzeichnis

Namensgebung

Der Turm ist nach dem in Hamburg geborenen deutschen Physiker Heinrich Hertz benannt, wird aber üblicherweise meist kurz als Fernsehturm bezeichnet. In Anlehnung an die Bezeichnung Hamburger Michel für die St.-Michaelis-Kirche wird durch Fremdenführer auch die Bezeichnung Telemichel als gebräuchlich bezeichnet, sie ist in der Bevölkerung aber unüblich. Das weithin sichtbare Bauwerk gilt als eines der modernen Wahrzeichen der Stadt.

Technisch spezifische Daten

Der Fernsehturm ist als sogenannter Sonderturm von 1965 bis 1968 in Stahlbetonweise erbaut. Für Besucher wurde der Turm bereits am 12. April 1968 freigegeben. Die offizielle Eröffnung folgte am 1. Mai 1968. Für den ästhetischen Bau als Architekten verantwortlich zeichneten Fritz Trautwein, Fritz Leonhardt und Rafael Behn. Die Planungen dazu begannen bereits 1958.

In einer Höhe von 204 Metern endet der Stahlbetonteil des Turms. Darüber ist der stählerne Gittermast errichtet mit der darauf montierten Rundfunk- und Fernsehsendeantenne. Der Mast und die Antenne erreichen zusammen eine Länge von 75,2 Metern, dadurch erreicht der Turm seine Gesamthöhe von 279,2 Metern über Grund. Das Gesamtgewicht des Heinrich-Hertz-Turms beträgt 43.000 Tonnen. Ursprünglich war der Turm ohne weißen Anstrich. Erst in den 1980er Jahren wurde die Außenhaut mit einem weißen Schutzanstrich versehen, da die damalige Hafenluft einen negativen Effekt auf die Bausubstanz hatte.

Nachdem sich im Winter 2004/05 erste Betonteile in 160 Meter Höhe lösten, wurde seit dem Herbst 2005 aufwändig mithilfe zweier motorgetriebener Gerüste von außen saniert. Zeitgleich bekam der Stahlgitterteil nach sandstrahlen und grundieren einen neuen rot/weißen Anstrich.

Einrichtungen

In 128 Meter Höhe bietet der Turm eine Aussichtsplattform mit spiegelfreier Verglasung für Besucher, vier Meter darüber eine Plattform, die für Gastronomie oder Veranstaltungen genutzt werden könnte. Der äußere Ringboden dieser Plattform ist drehbar und kann in einer Stunde einmal um die Turmachse rotieren. Aussichts- und Restaurantplattform wurden gemeinsam als eine geschlossene, zweistöckige Kanzel gebaut.

Die Kanzel mit dem größeren Durchmesser ist die in 150 Metern Höhe gelegene Betriebsplattform. Sie ist für Besucher nicht zugänglich, hier sind die fernmeldetechnischen Einrichtungen des Turms in geschlossenen Räumlichkeiten untergebracht.

Über der Arbeitsplattform befinden sich sechs Freiluftplattformen. Diese tragen die fernmeldetechnische Antennenausrüstung (vorwiegend Richtfunkantennen) des Turms. Eine weitere neue Plattform (ca. vier Meter tief für Satellitenschüsseln zur Einspeisung ins Kabelnetz) kam Mitte Juli 2005 in rund 25 Meter Höhe – knapp oberhalb der Heinrich-Hertz-Platte – hinzu, da im Zuge des Messehallen-Neubaus das ursprüngliche Betriebs- und Empfangsgebäude abgerissen werden musste.

Nutzung und Zustand

Die Gastronomie- und Aussichtsplattform ist seit dem 1. Januar 2001 geschlossen. Nachdem der Turm wegen Asbestbelastung saniert werden musste, konnte die Eigentümerin – die Deutsche Funkturm (DFMG), ein Tochterunternehmen der Deutschen Telekom mit Sitz in Münster – keinen neuen Mieter für die Räumlichkeiten finden. Nach vier Jahren Leerstand verloren die Räume Anfang 2005 auch den Bestandsschutz, sodass die ehemals öffentlich zugänglichen Bereiche des Turms vor einer Wiedereröffnung zuerst an die seit dem Bau 1968 verschärften Rettungsweg-Bestimmungen für geschätzte fünf Mio. Euro angepasst werden müssten – die als Rettungsweg dienende Treppe z. B. müsste von derzeit 80 auf 125 cm Breite ausgebaut werden. Weitere ca. fünf Mio. Euro sind für den übrigen Ausbau zu veranschlagen. Der Bezirksamtleiter von Hamburg-Mitte Markus Schreiber sucht seit 2010 nach Sponsoren für eine neue Nutzung; ein Verkauf der Namensrechte am Turm wird dabei nicht ausgeschlossen.[1][2] Nach der Sanierung befinden sich die Räume laut Betreiber im „Rohbau-Zustand“.

Bis Ende 2001 betrieb das Event-Unternehmen Jochen Schweizer dort eine ortsfeste Bungee-Jumping-Station, die wiedereröffnet werden sollte, falls der Zugang wieder möglich wird. Jedoch gestattet nach einem tödlichen Unfall im Jahre 2003 am Florianturm in Dortmund die Deutsche Funkturm GmbH kein Bungee-Jumping mehr an ihren Türmen.

Baustatiker haben 2010 im Turm eine Haltbarkeit von höchstens noch 30 Jahren erkannt; spätestens dann sei die Bausubstanz ausgehärtet und nicht mehr in der Lage, elastisch auf die Schwingungen zu reagieren. Aufgrund der zentralen Lage kommt eine Sprengung des Turmes nicht infrage, er müsste abgetragen werden. Die Sendefunktionen sind schon zu großem Teil vom Rundfunksender Hamburg-Rahlstedt übernommen.[3]

Beleuchtung

In der Planungsphase befindet sich ein neues nächtliches Lichtdesign, wobei in Zukunft auch die Freiluftplattformen und die Antenne beleuchtet bzw. angestrahlt werden sollen, während wie früher über viele Jahre auch wieder das Anstrahlen des Turms von der Basis und das Anstrahlen der Unterseite der größeren Kanzel vorgesehen ist. Aktuell (Sommer 2006) weist das Bauwerk keine nächtliche Illumination und eine reduzierte Anwendung der Flughindernisleuchten auf. Ab Mai 2007 sind nachts wieder die starken Hindernisfeuer auf der untersten Freiluftplattform (testweise?) reaktiviert.

Anfang März 2007 wurde in Zusammenarbeit mit der Hamburger Eishockey-Mannschaft Freezers eine spezielle Beleuchtung der Aussichtsplattform durch den Künstler Michael Batz eingerichtet. Ähnlich seinem Blue-Goals-Projekt werden blaue Leuchtröhren eingesetzt. Die Beleuchtung dient als Werbung für die Play-offs-Teilnahme der Freezers und läuft ab dem 5. März 2007 für zwei Wochen.

Im Normalfall warnen (rote) feste Hindernisfeuer am Schaft (in 50 und 100 m Höhe), an der großen Kanzel und am Mast sowie (ebenfalls rote) rotierende starke Hindernisfeuer auf der untersten Freiluftplattform und im oberen Drittel des Mastes den Flugverkehr. Bei Bedarf können Blitzleuchten zugeschaltet werden, die sich an der Mastspitze und an der Mastbasis befinden. Die Flughindernisbeleuchtung kann sowohl vom Turm als auch vom Flughafen Hamburg ein- und ausgeschaltet werden.

Abgestrahlte Programme

Hauptartikel: Sendeanlagen im Heinrich-Hertz-Turm

Eine der Hauptaufgaben, die Weiterleitung von Fernmeldeverbindungen über Richtfunkstrecken, wird immer mehr von Glasfaserkabeln sowie Satellitenstrecken übernommen, die direkt vom Nutzer abgehen. Trotzdem bleibt der Turm eines der wichtigsten Infrastrukturgebäude, ohne das in Hamburg der Mobilfunkverkehr, das Festnetz, Fernsehen, Polizei- und Zollfunk weitgehend lahmgelegt wären.

Am 8. November 2004 wurden die meisten Analog-TV-Sender im Bereich Hamburg/Lübeck abgeschaltet und die TV-Ausstrahlung auf digitale Übertragung umgestellt (DVB-T). Dazu wurden am 25. September 2004 die drei knapp 30 Meter hohen und jeweils rund vier Tonnen schweren gekapselten Antennensegmente per Hubschrauber ausgetauscht. Der Turm ist seither fünf Zentimeter höher. Bis zum 1. März 2005 wurden noch einige öffentlich-rechtliche Programme parallel analog abgestrahlt, dann wurden auch diese restlichen Analogsender abgeschaltet. Seitdem werden Fernsehprogramme im Hamburger Bereich ausschließlich digital abgestrahlt.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Heinrich-Hertz-Turm – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Nachweise

  1. Hamburg will den Fernsehturm wiederbeleben, Hamburger-Abendblatt, 2. Februar 2010
  2. Politik und Tourismusexperten pro Telemichel, Hamburger-Abendblatt, 3. Februar 2010
  3. Wie lange steht der Fernsehturm noch?, Bild, 30. Dezember 2010

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