Heldengedicht


Heldengedicht
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Heldendichtung (oder Heldenepik) ist der Sammelbegriff für alle Dichtungen, in deren Mittelpunkt eine Figur des heroischen Zeitalters steht.

Grundlage der Heldendichtung ist die Heldensage, die geschichtliche Ereignisse (im germanischen Bereich meist solche aus der Zeit der Völkerwanderung) überliefert und frei weiterentwickelt. Die wichtigsten germanischen Sagenkreise handeln von Dietrich von Bern, Siegfried und den Nibelungen, Attila und Wieland. In der Romania stehen Karl der Große und Roland im Zentrum der Heldendichtung. Als die älteste Heldendichtung Europas gilt die homerische Epik (Ilias und Odyssee). Das längste Heldenepos der Welt ist mit über 50 000 Versen (verfasst als Gedichtsammlung) das persische Nationalepos Schahnama von Abū l-Qāsem-e Ferdousī (940–1020).

Die früheste poetische Form erhielt die Heldensage im Heldenlied, das im 5.–8. Jahrhundert als episch-balladeske Dichtform im germanischen Kulturkreis ausgeprägt wurde. Die Heldenlieder wurden an den germanischen Fürstenhöfen von den Sängern auswendig vorgetragen und in der Regel nicht aufgezeichnet. Das einzige überlieferte deutsche Heldenlied ist das stabreimende Hildebrandslied.

Mit der Entwicklung der Buchkultur und in Anlehnung an die schriftliterarischen Großepen in lateinischer Sprache wurde das Heldenlied zum Heldenepos ausgeweitet, das als epische Großform mit breiten Schilderungen und zahlreichen Nebenhandlungen ausgefüllt ist. Die europäische Entwicklung begann in England mit dem Beowulf (10. Jahrhundert), in Frankreich im 11. Jahrhundert (Chanson de geste) und erfasste dann im 12. Jahrhundert Spanien (Cantar de Mio Cid) sowie das deutschsprachige Gebiet, dessen ältestes und bekanntestes Epos das Nibelungenlied ist.

Das Heldenepos mit seinem Stoff aus der germanischen Heldensage steht im Gegensatz zum höfischen Ritterepos, das seinen Stoff aus französischen, lateinischen oder orientalischen Quellen nimmt.

Im Spätmittelalter wurden die gereimten Heldenepen in großen Sammlungen vereinigt (Heldenbücher) und fanden zum Teil, in Prosa aufgelöst, als Volksbücher eine große Leserschaft. Im 15. bis 17. Jahrhundert erscheinen die alten Stoffe im deutschen Sprachraum daneben in der kürzeren Form der Ballade in gedruckten Liederbüchern und auf fliegenden Blättern (zum Beispiel Jüngeres Hildebrandslied). Wie weit diese gesungene, strophische Ausformung der Heldendichtung historisch zurückreicht, ist umstritten.

Literatur

  • Heinrich Beck (Hrsg.): Heldensage und Heldendichtung im Germanischen. Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 2. De Gruyter, Berlin/New York 1988, ISBN 3-11-011175-6 , S. 15–34.
  • Alfred Ebenbauer, Johannes Keller (Hrsg.): Das Nibelungenlied und die europäische Heldendichtung. 8. Pöchlarner Heldenliedgespräch. Fassbaender, Wien 2006, ISBN 3-900538-87-5.
  • Carola L Gottzmann: Heldendichtung des 13. Jahrhunderts: Siegfried, Dietrich, Ortnit (Information und Interpretation). P. Lang, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-8204-9558-4
  • Victor Millet: Germanische Heldendichtung im Mittelalter. Walter de Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-11-020102-4.
  • Jan de Vries: Heldenlied und Heldensage.Francke, Bern 1961, ISBN 3-317-00628-5.
  • Klaus Zatloukal (Hrsg.): Mittelhochdeutsche Heldendichtung ausserhalb des Nibelungen- und Dietrichkreises (Kudrun, Ortnit, Waltharius, Wolfdietriche). 7. Pöchlarner Heldenliedgespräch. Fassbaender, Wien 2003, ISBN 3-900538-78-6.

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