Helena Bonham Carter


Helena Bonham Carter
Helena Bonham Carter auf der Berlinale 2011

Helena Bonham Carter (* 26. Mai 1966 in Golders Green, London, England) ist eine britische Schauspielerin.

Bonham Carter hatte ihr Filmdebüt in Es geschah am See von K. M. Peyto, bevor sie in ihrer ersten Hauptrolle in Lady Jane zu sehen war. Bekanntheit erlangte sie für ihre Rolle als Marla Singer in dem Film Fight Club sowie für ihren Auftritt in dem Oscar-nominierten Film Die Flügel der Taube als Kate Croy und durch die Zusammenarbeit mit Tim Burton, der seit 2001 ihr Lebensgefährte ist.

Inhaltsverzeichnis

Frühes Leben und familiärer Hintergrund

Bonham Carter wurde in Golders Green, London geboren. Ihre Mutter Elena (geborene Propper de Callejón) ist Psychotherapeutin. Ihr Vater, Raymond Bonham Carter, war Bankier und stellvertretender Direktor, der während der 1960er Jahre beim Internationalen Währungsfonds in Washington, D.C. die Bank of England vertrat. Er stammt aus einer bekannten britischen Politikerfamilie, ist der Sohn des englischen Liberalen Sir Maurice Bonham Carter, war als politischer Redner angesehen und Mitglied im House of Lords. Der Vater ihrer Großmutter, Violet Bonham Carter, war der britische Premierminister Herbert Henry Asquith (1908–1916).

Bonham Carters Großvater mütterlicherseits, Eduardo Propper de Callejón, war halb spanischer, halb jüdischer Abstammung und diente als Diplomat und ehemaliger Minister-Kanzler an der Spanischen Botschaft in Washington, D.C.. Ihre jüdische Großmutter mütterlicherseits, Hélène Fould-Springer, war die Tochter des Barons Eugène Fould-Springer (eines französischstämmigen Bankiers) und Marie Cecile Von Springer (deren Vater der Industrielle Baron Gustav Springer war). Hélène Fould-Springers Schwester war die französische Philanthrophin Liliane de Rothschild (1916–2003), die Ehefrau von Élie de Rothschild. Ihre andere Schwester, Therese Fould-Springer, war die Mutter des britischen Schriftstellers David Pryce-Jones.

Bonham Carter hat zwei Brüder, Edward und Thomas, und ist eine entfernte Cousine von Jane Bonham Carter und ihres Schauspielkollegen Crispin Bonham Carter, der den Mr. Bingley 1995 in der BBC-Produktion des Jane-Austen-Klassikers Stolz und Vorurteil spielte.

Sie wurde an der South Hampstead High School ausgebildet, einer privaten Mädchenschule in Hampstead, London. Ihre Ausbildung verfolgte sie später weiter in der Westminster School, einer Privatschule nahe dem britischen Parlament. Die Aufnahme in das King’s College der Cambridge University wurde ihr verweigert, aber nicht aus Gründen der Leistungen oder der Testergebnisse, sondern weil die Schulbehörde befürchtete, sie werde ihr Studium zugunsten ihrer Schauspielkarriere abbrechen. Aufgrund dieser Entscheidung der Universität wandte sie sich nun vollständig der Schauspielerei zu.

Als Bonham Carter fünf Jahre alt war, bekam ihre Mutter einen Nervenzusammenbruch, von dem sie sich erst drei Jahre später erholte. Nach ihrer Erholung entschloss sie sich, selbst Psychotherapeutin zu werden. Sie liest ihre Skripte und bringt ihr die psychologischen Hintergründe ihrer Figuren näher. Fünf Jahre nach der Genesung ihrer Mutter erkrankte ihr Vater an einem Akustikusneurinom, einem gutartiger Tumor des Nervus vestibulocochlearis. Bei der Tumoroperation -- an sich ein Routineeingriff -- erlitt er im Alter von 50 Jahren einen Schlaganfall, der ihn halbseitig lähmte. Seither sitzt er im Rollstuhl. Bonham Carter half mit ihren beiden Brüdern ihrer Mutter, die daraus entstandenen Schwierigkeiten zu bewältigen. Für den Film Vom Fliegen und anderen Träumen studierte sie die Bewegungen und Angewohnheiten ihres Vaters.

2009 hatten Verwandte der Schauspielerin in Südafrika einen schweren Autounfall. Nur ihre Cousine überlebte das Unglück. Bonham Carter erreichte die Nachricht beim Dreh zum neuen Film Terminator: Die Erlösung, woraufhin sie den Dreh abbrach und nach England reiste. [1]

Karriere

Bonham Carter im Jahr 2011

Bonham Carter hatte keinen typischen Schauspielunterricht besucht. 1979 gewann sie einen nationalen Schreib-Wettbewerb und verwendete das Geld, das sie gewonnen hatte, um sich in die Schauspielschule „Spotlight“ einzukaufen. Ihr professionelles Schauspieldebüt hatte sie mit 16 Jahren in einem Fernsehwerbespot. Zudem bekam sie eine Rolle in dem Fernsehfilm Es geschah am See. Ihre erste Hauptrolle hatte sie in Lady Jane,welche von den Kritikern unterschiedlich bewertet wurde. Ihren Durchbruch feierte sie als Lucy Honeychurch in Zimmer mit Aussicht, welcher nach Lady Jane verfilmt, aber eher veröffentlicht wurde.

Sie erschien ebenso 1986 bis 1987 in Episoden von Miami Vice als Don Johnsons Liebe Theresa. Sie sprach für die Rolle der Nancy Spungen in Sid und Nancy vor, die sie allerdings an Chloe Webb verlor. Ebenso wurde ihr Part als Bess McNeill in Breaking the Waves umbesetzt. Die Rolle bekam Emily Watson, welche mit ihrer Arbeit für den Academy Award nominiert wurde.

Ihre frühesten Filme trugen dazu bei, dass sie auf einen bestimmten Typ festgelegt wurde. Sie galt als „Königin des Korsetts“ und „Englische Rose“, denn sie spielte hauptsächlich Figuren des frühen 20. Jahrhunderts (besonders in Merchant-Ivory-Filmen).

Sie konnte sich aber später auch in andersartigen Rollen behaupten. Zu ihren neueren Filmen gehören Fight Club, Wallace & Gromit: Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen und Tim Burtons Charlie und die Schokoladenfabrik, Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche und Big Fish.

Sie spricht fließend französisch und hatte eine Hauptrolle in dem französischen Film Portraits Chinois (1996). Im August 2001 wurde sie für die Zeitschrift Maxim fotografiert. Sie spielte die Königin Anne Boleyn für die ITV1-Mini-Serie Henry VIII. Ihre Rolle wurde aber eingeschränkt, da sie während der Dreharbeiten mit ihrem ersten Kind schwanger wurde.

Bonham Carter war Mitglied der Jury beim Cannes Filmfestival 2006, bei dem The Wind That Shakes the Barley als bester Film ausgezeichnet wurde.

Sie spielte Bellatrix Lestrange in Harry Potter und der Orden des Phönix (2007), Harry Potter und der Halbblutprinz (2009), Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (2010), sowie Teil 2 (2011). Darüber hinaus spielte sie Mrs. Lovett, Sweeney Todds verliebte Komplizin, in der Filmadaption von Stephen Sondheims Broadway Musical Sweeney Todd, das neun Tony Awards gewonnen hatte. Der Film wurde am 21. Dezember 2007 in den USA veröffentlicht und am 21. Februar 2008 in Deutschland. Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street stand unter Regie von Tim Burton und Carter erhielt für ihre Darbietung die Golden Globe-Nominierung als Beste Schauspielerin einer Komödie/eines Musicals.

Bonham Carter gewann den Evening Standard British Film Award für ihre Rolle als Mrs. Lovett und ihrer Rolle in dem Film Conversations with Other Women. 2009 erhielt sie als beste Schauspielerin den Empire Award.

Im Mai 2006 gründete sie ihre eigene Modelinie „The Pantaloonies“ mit der Bademoden-Designerin Samantha Sage. Ihre erste Kollektion nannte sich „Bloomin' Bloomers“, diese unterliegt dem viktorianischen Stil und bietet eine Auswahl an Jacken, Obershirts, Mützen und Pluderhosen.

Helena Bonham Carter gemeinsam mit Colin Firth bei den Dreharbeiten zu The King’s Speech im Jahr 2009.

Im Frühjahr 2009 wurde sie in der Zeitschrift The Times, unter die besten zehn britischen Schauspielerinnen aller Zeiten erwähnt. Neben ihr wurden auch die britischen Schauspielerinnen Julie Andrews, Helen Mirren, Judi Dench und Audrey Hepburn genannt. Bonham Carter spielte 2009 die Autorin Enid Blyton in einer BBC Four Fernseh-Biografie. Es ist die erste Darstellung von Blyton's Leben auf dem Bildschirm.[2]

Im Frühjahr 2010 war sie im deutschen Kino in der Rolle der Roten Königin im Film Alice im Wunderland zu sehen. Ihre Darstellung der Königinmutter Elizabeth in dem Drama The King’s Speech (2010) brachte ihr 2011 ihren ersten BAFTA Award sowie erneut eine Oscar- und Golden-Globe-Nominierung jeweils als beste Nebendarstellerin ein.

Helena Bonham Carter wurde bisher hauptsächlich von Melanie Pukaß synchronisiert, aber auch von Susanna Bonaséwicz, Diana Borgwardt, Sandra Schwittau, Vera Teltz, Elisabeth Günther und Anja Rybiczka.

Im Juni wurde sie von Marc Jacobs für die Herbst/Winterkampagne 2011 als Model gebucht.[3]

Persönliches Leben

Seit 2001 ist Bonham Carter mit Tim Burton liiert, den sie während der Dreharbeiten zu Planet der Affen kennenlernte. Das Paar hat zwei gemeinsame Kinder. Johnny Depp, langjähriger Freund von Tim Burton, ist der Patenonkel der Kinder.

Filmografie

Auszeichnungen

Bonham Carter auf der Berlinale (2011)
  • 1996: International Fantasy Film Award in der Kategorie „Beste Schauspielerin“ für Das Ende aller Träume
  • 1997: Film Excellence Award in der Kategorie Beste Schauspielerin für Die Flügel der Taube
  • 1997: Boston Society of Film Critic Award in der Kategorie Beste Schauspielerin für Die Flügel der Taube
  • 1997: Los Angeles Film Critics Association Award in der Kategorie „Beste Schauspielerin“ für Die Flügel der Taube
  • 1997: NBR Award in der Kategorie „Beste Schauspielerin“ für Die Flügel der Taube
  • 1998: Critics Choice Award in der Kategorie „Beste Schauspielerin“ für Die Flügel der Taube
  • 1998: Chlotrudis Award in der Kategorie „Beste Schauspielerin“ für Die Flügel der Taube und Das Ende aller Träume
  • 1998: Sierra Award in der Kategorie „Beste Schauspielerin“ für Die Flügel der Taube
  • 1999: London Critics Circle Film Award in der Kategorie „Beste Schauspielerin“ für Die Flügel der Taube
  • 2000: Empire Award in der Kategorie Beste Britische Schauspielerin für Fight Club
  • 2005: Best Actress Award in der Kategorie „Beste Schauspielerin“ für Conversations with Other Women
  • 2008: Evening Standard British Film Award für Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street und Conversations with Other Women
  • 2009: Empire Award in der Kategorie „Beste Schauspielerin“ für Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street
  • 2010: Emmy Kategorie beste Leistung einer Schauspielerin für Enid
  • 2011: British Academy Film Award für ihre Rolle als Elizabeth Bowes-Lyon in The King’s Speech (beste weibliche Nebenrolle)

Nominierungen

  • 1993: British Academy Film Award, „Beste Hauptdarstellerin“ in Wiedersehen in Howards End
  • 1994: Golden Globe, „Beste Hauptdarstellerin in einem Fernsehfilm“ in Fatal Deception: Mrs. Lee Harvey Oswald
  • 1998: Golden Globe, „Beste Hauptdarstellerin“ in Wings of the Dove – Die Flügel der Taube
  • 1998: British Academy Film Award, „Beste Hauptdarstellerin“ in Die Flügel der Taube
  • 1998: Oscar, „Beste Hauptdarstellerin“ in Die Flügel der Taube
  • 1998: Emmy, „Beste Nebendarstellerin“ in Merlin
  • 1999: Golden Globe, „Beste Nebendarstellerin in einem Fernsehfilm“ in Merlin
  • 2002: Empire Award, „Beste Britische Schauspielerin“ in Planet der Affen
  • 2003: Emmy, „Beste Hauptdarstellerin“ in Live aus Bagdad
  • 2003: Golden Globe, „Beste Hauptdarstellerin in einem Fernsehfilm“ in Live aus Bagdad
  • 2008: Golden Globe, Nominierung für „Beste Schauspielerin in einer Komödie/Musical“ für Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street
  • 2009: Scream Award,"Best Villain" in Harry Potter und der Halbblutprinz
  • 2009: Scream Award, "Best Cameo" in Terminator Salvation
  • 2010: Press Guild Awards, "Beste Schauspielerin" in Enid
  • 2011: Golden Globe, „Beste Nebendarstellerin“ in The King’s Speech
  • 2011: Oscar, „Beste Nebendarstellerin“ in The King’s Speech

Weblinks

 Commons: Helena Bonham Carter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Angehörige tödlich verunglückt auf Fan-Lixikon.de
  2. The Guardian: Can Bonham Carter bring Blyton back from the dead?
  3. fashion.telegraph.co.uk: Helena Bonham Carter models for Marc Jacobs. Zugriff am 17. Juni 2011.

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