Herborn


Herborn
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Herborn
Herborn
Deutschlandkarte, Position der Stadt Herborn hervorgehoben
50.68258.3061111111111287
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Lahn-Dill-Kreis
Höhe: 287 m ü. NN
Fläche: 63,82 km²
Einwohner:

20.595 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 323 Einwohner je km²
Postleitzahl: 35745
Vorwahlen: 02772, 02777 (nur Schönbach)
Kfz-Kennzeichen: LDK
Gemeindeschlüssel: 06 5 32 012
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 39
35745 Herborn
Webpräsenz: www.herborn.de
Bürgermeister: Hans Benner (SPD)
Lage der Stadt Herborn im Lahn-Dill-Kreis
Dietzhölztal Haiger Eschenburg Siegbach Dillenburg Breitscheid (Hessen) Driedorf Greifenstein (Hessen) Bischoffen Herborn Sinn (Hessen) Mittenaar Hohenahr Ehringshausen Aßlar Lahnau Wetzlar Hüttenberg (Hessen) Solms Leun Braunfels Schöffengrund Waldsolms Nordrhein-Westfalen Rheinland-Pfalz Landkreis Marburg-Biedenkopf Landkreis Gießen Wetteraukreis Hochtaunuskreis Landkreis Limburg-WeilburgKarte
Über dieses Bild

Herborn ist eine alte, pittoreske Fachwerkstadt an der Dill im Lahn-Dill-Kreis in Deutschland, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg Eigenwerbung als „Nassauisches Rothenburg“ betrieb.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Nachbargemeinden

Blick von Osten auf Herborn

Herborn grenzt im Norden an die Stadt Dillenburg, im Nordosten an die Gemeinde Siegbach, im Osten an die Gemeinde Mittenaar, im Südosten an die Gemeinde Sinn, im Süden an die Gemeinde Greifenstein sowie im Westen an die Gemeinden Driedorf und Breitscheid (alle im Lahn-Dill-Kreis).

Stadtgliederung

Herborn setzt sich aus der Kernstadt sowie den Stadtteilen Amdorf, Burg, Guntersdorf, Hirschberg, Hörbach, Merkenbach, Seelbach, Schönbach und Uckersdorf zusammen.

Einwohner

(jeweils zum 31. Dezember)

  • 1998: 21.334
  • 1999: 21.415
  • 2000: 21.380
  • 2001: 21.254
  • 2002: 21.304
  • 2003: 21.214
  • 2004: 21.158
  • 2005: 21.260
  • 2006: 20.810
  • 2007: 20.921
  • 2008: 20.962
  • 2009: 20.975

Geschichte

Herborn – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655

Mittelalter

Herborn wurde 1048 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt 1251 auf Betreiben der Grafen Walram II. und Otto I. von Nassau die Stadtrechte.

Der Ort war Vorort der nach ihm benannten Herborner Mark, die während der Auseinandersetzungen um die Landeshoheit zwischen den Grafen von Nassau und den Landgrafen von Hessen(-Thüringen) hart umkämpft war. Diese Streitigkeiten und heftigen Kämpfe sind unter dem Begriff „100-jährige Dernbacher Fehde“ (um 1230 bis 1333) in die Geschichtsschreibung eingegangen.

Hohe Schule

1584 erhielt Herborn die Hohe Schule, eine Gründung Johanns VI. von Nassau-Dillenburg, eines jüngeren Bruders Wilhelms von Oranien und Namensgebers des heutigen Gymnasiums Johanneum.

Das Gebäude der Hohen Schule Herborn von 1588–1817
Gedenktafel für Johann Amos Comenius am Gebäude der ehemaligen Hohen Schule Herborn

1584 wurde von Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg die Academia Nassauensis, die Hohe Schule Herborn, gegründet. Diese später reformierte universitätsähnliche Hochschule war mit vier Fakultäten ausgestattet. Trotz wiederholter Bemühungen lag noch um 1750 kein kaiserliches Privileg für die Führung der Bezeichnung „Universität“ und die damit verbundenen Privilegien vor.

Herborn war die kleinste deutsche Hochschule mit nie mehr als 100 Studenten, was allerdings in ein Verhältnis mit der damaligen durchschnittlichen Hörerzahl von 300 bis 400 Studenten zu setzen ist. Weil sich der Kaiser trotz der unbestritten hohen Qualität der Lehre weigerte, der Hohen Schule die Universitätsprivilegien zu verleihen, hatte diese niemals ein Promotionsrecht.

In der Festschrift zur 400-Jahrfeier Von der Hohen Schule zum Theologischen Seminar steht im Text von Mitautor Gerhard Menk:[2]

„Im Dezember 1603 lag die Frequenz bei rund 400 Schülern und Studenten, darunter überaus zahlreichen Ausländern und Adligen – Ausweis genug für die zurzeiten überaus hohe Reputation der nassauischen Hohen Schule wie ihres Lehrpersonals.“

Sie wurde bald eine der wichtigsten Bildungsstätten der Kalvinistisch-Reformierten in Europa. Der bedeutendste Student war Johann Amos Comenius von 1611 bis 1613, ein bekannter Förderer der Pädagogik.

Im allgemeinen Teil der Festschrift von Stadtarchivar Rüdiger Störkel ist im Zusammenhang mit der Entwicklung der Studentenzahlen im 18. Jahrhundert folgendes zu lesen:

„Mit bis zu 50 Neueinschreibungen pro Jahr dürfte die Hohe Schule zwischen 100 und 150 Hörer gehabt haben. In der ersten Blütezeit gab es allerdings Jahre, wo diese Zahl bei über 300 gelegen haben muss. 1603 sollen 400 Studenten und Schüler in Herborn gewesen sein. Ab 1725 setzt ein (…) Niedergang des Besuchs ein.“

[3]

Die Hohe Schule hatte als zeitweise einzige reformierte Hochschule zu jener Zeit ein Alleinstellungsmerkmal.

Die Hohe Schule wurde 1817 geschlossen; die theologische Fakultät wurde in das einzige „Theologische Seminar“ der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau umgewandelt und im Herborner Schloss angesiedelt. 1825 wurde der spätere Prälat (Landesbischof) der Badischen Landeskirche, D. Ludwig Hüffell, zum Professor in Herborn ernannt.

Die ursprünglichen Gebäude werden noch als Hotel und Restaurant benutzt. Dazu bietet die Aula diversen Vereinen der Stadt (u. a. der Schlaraffia „Ob der Dill“) Veranstaltungsmöglichkeiten. In den Obergeschossen befindet sich das städtische Museum (Eingang Treppenturm) mit Sammlungen zur Frühgeschichte des Dillgebietes, der Geschichte der Hohen Schule und der Stadt Herborn. Wechselnde Sonderausstellungen bieten weitere Einblicke in die bewegte Geschichte der malerischen Fachwerkstadt.

Seit über 25 Jahren werden die Räumlichkeiten einmal jährlich im Rahmen von wissenschaftlichen Symposien genutzt. So treffen sich im Rahmen der Old Herborn University[4] Wissenschaftler der Life Science Gebiete und tauschen sich im Rahmen des Symposiums aus. Die Vorträge werden dann in den Old Herborn University Seminar Monographien veröffentlicht.

Neuzeit

In Herborn entstand ab 1602 die erste Bibelübersetzung der Reformierten durch Johannes Piscator, die in Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und den USA das kirchliche Leben der reformierten Gemeinden entscheidend geprägt hat. Sie ist in der akademischen Druckerei von Corvinus (heute Corvinsche Druckerei' bzw. Paul’s Hof, benannt nach dem Besitzer, der Familie Paul') gedruckt worden.

1626 verlor die Stadt durch ein Feuer, das durch einen Unfall bei der Einquartierung von Soldaten entstand, 214 Häuser. Wenig später erlebten Herborn und Umgebung eine Welle von Hexenprozessen.

Zum Ende des 30-jährigen Krieges pflegte die Bürgerschaft 50 schwedische Soldaten, was ihr den Schutz durch die schwedische Armee einbrachte und damit den Ruf einer „Lazarettstadt“, der bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs währte.

Nach dem Wiener Kongress geriet Herborn in eine Randlage zu Preußen und seine Wirtschaft litt unter den Einfuhrzöllen. Erst 1836 trat das Herzogtum Nassau dem Zollverein bei. Nach dem preußisch-österreichischem Krieg von 1866, bei dem Nassau auf Seiten Österreichs gestanden hatte, wurde das Herzogtum Nassau zusammen mit dem Kurfürstentum Hessen von Preußen annektiert und als preußische Provinz Hessen-Nassau dem Königreich Preußen einverleibt. Somit kam Herborn zu Preußen.

Moderne

Gedenkinschrift für die jüdische Gemeinde Herborn im Tal der Gemeinden in Yad Vashem

Im Zweiten Weltkrieg blieb Herborn vom Bombenkrieg weitgehend verschont, nicht jedoch von der Auslöschung der jüdischen Gemeinde 1942 und der Deportation und Tötung zahlreicher Patienten der Psychiatrischen Kliniken.

Die Stadt wurde überregional bekannt durch ein Tanklastwagenunglück: Nach einer kilometerlangen Schussfahrt aufgrund defekter Bremsen raste am 7. Juli 1987 gegen 20:45 Uhr ein mit 34.000 Litern Kraftstoff beladener Tanklaster in ein Haus, in dem sich eine Eisdiele und eine – zum Zeitpunkt des Unglückes geschlossene – Pizzeria befanden. Der auslaufende Kraftstoff floss in die Kanalisation, explodierte und setzte zwölf Häuser in Brand. Auch der angrenzende Fluss, die Dill, in den Kraftstoffe geflossen waren, stand mitsamt dem Baumbewuchs auf ca. 500 m in Flammen. Zu den Löscharbeiten wurde sogar die Berufsfeuerwehr aus dem ca. 100 km entfernten Frankfurt am Main hinzugezogen. Sechs Menschen kamen ums Leben, 40 wurden verletzt.


Politik

Bürgermeister

Stadtoberhaupt ist seit 2001 Hans Benner (SPD), Er erhielt bei der letzten Bürgermeisterwahl 2007 73 % der gültigen Stimmen. Der 1949 in Herbornseelbach geborene Politiker war 2001 in der Stichwahl mit 57 % der gültigen Stimmen zum Nachfolger von Bernd Sonnhoff, (CDU) gewählt worden.

Stadtverordnetenversammlung

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[5]

Gemeindewahl in Herborn 2011
 %
40
30
20
10
0
35,0%
32,9%
15,3%
9,0%
3,9%
3,9%
n. k.
SGH Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Kürzel
WASG
Gewinne und Verluste
Im Vergleich zu 2006
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-4,0%
-6,1%
+8,2%
+1,6%
-0,4%
+3,9%
-3,2%
SGH Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Kürzel
WASG
Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 35,0 13 39,0 14
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 32,9 12 39,0 14
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 15,3 6 7,1 3
FWG Freie Wählergemeinschaft 9,0 3 7,4 3
FDP Freie Demokratische Partei 3,9 2 4,3 2
SGH Sozialgruppe Herborn VDK 3,9 1
WASG Arbeit & soziale Gerechtigkeit – Die Wahlalternative 3,2 1
Gesamt 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 37,1 36,6

Städtepartnerschaften

Verbrüderungseid zwischen Herborn und Pertuis[6]

Herborn unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft:

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

  • Städtisches Museum Herborn in der Hohen Schule
  • Heimatmuseum Herborn-Seelbach „Alte Schule“
  • Heimat- und Industriemuseum (Herd und Ofenmuseum) Burg
  • Heimatstube Hörbach
  • Psychiatriemuseum Herborn, Vitos GmbH Zentrum für Soziale Psychiatrie

Bauwerke

Rathaus

Rathaus mit Wappenfries

erbaut 1589, nach einem Brand 1626 wieder aufgebaut. Besonderheit des Herborner Rathauses ist der umlaufende Fries mit den Wappen Herborner Bürgerfamilien. Bis heute Sitz der gesamten Stadtverwaltung, des Stadtparlaments und der Räte (Anbau in der Turmstraße).

Am 8. Juni 2010 wurde bekannt, dass das Rathaus - wie beispielsweise auch die Hohe Schule, der Wilhelmsturm (Dillenburg), das Kloster Altenberg oder die Grube Fortuna - fortan dem Schutz der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten unterliegen. Ein vorsätzlicher Angriff und die Beschädigung wären im Falle eines Kriegs ein Kriegsverbrechen und könnte vom Internationalen Strafgerichtshof geahndet werden.[7]

Weitere Bauwerke

Die evangelische Stadtkirche
Das Haus Marktplatz 1/2 mit barockem Schnitzwerk, erbaut 1727
Der Dillturm an der ehemaligen Stadtmauer
  • Die historische evangelische Stadtkirche (dokumentarische Ersterwähnung 1219)
  • Die zahlreichen Fachwerkhäuser aus dem 15.–18. Jahrhundert (ältestes Haus Mühlgasse: 1445)
  • Die verschiedenen Marktplätze: Buttermarkt, Kornmarkt, Holzmarkt
  • Der Marktbrunnen aus dem Jahre 1732
  • Der Paulshof (Corvin’sche Druckerei) Druckerei der Hohen Schule
  • Die Hohe Schule (mit dem Heimatmuseum) gegründet 1584 (Ursprungsbau als Altes Rathaus, 1324 Ersterwähnung)
  • Die Reste der Stadtmauer mit den Türmen:
    • Steinerne Pforte (Erstes Stadttor, vermutlich ca. 1251)
    • Dillturm
    • Leonhardsturm mit Neuer Pforte
    • Hexenturm, als einziger Herborner Turm in Privateigentum (Eigentümer Jan Richter)
    • Bürgerturm
    • Speckturm mit Wassertor
    • Hainturm (zur Hälfte abgebrochen)
  • Das Schloss Herborn, Ersterwähnung 1350, heute Sitz des Theologischen Seminars der Ev. Kirche Hessen-Nassaus

Parks

Der Ortsteil Uckersdorf bildet mit dem Vogelpark einen überregionalen Anziehungspunkt. Im Park werden etwa 70 Vogelarten gezüchtet, darunter auch einige hochgefährdete Vogelarten wie der Balistar, die Krontaube oder der Palawan-Pfaufasan. Der Vogelpark betreibt seit 1981 ein Auswilderungsprojekt für Weißstörche. Ein Biotopgehege mit Rosa Flamingos, verschiedene, zum Teil begehbare Volieren, nach Themen und Regionen gestaltet (z. B. das Asiengehege) und einige Säugetierarten wie Liszt-Äffchen, Parma-Kängurus und winzige Muntjak-Hirsche beleben den Vogelpark und bieten, zusammen mit dem Streichelzoo und dem angeschlossenen Spielplatz, ein attraktives Ausflugsziel für Familien.

Naturdenkmäler

Touristisch ist nicht nur die Altstadt attraktiv, sondern auch die umgebende Mittelgebirgslandschaft des sich westlich anschließenden Westerwaldes.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Rock im Stadtpark (Pfingstsamstag)
  • Erdbeersonntag (1. Sonntag im Juni)
  • Weinfest (1. Wochenende im Juli)
  • Sommerfest (letzter Samstag im Juli)
  • Kinderspektakel im Stadtpark (August)
  • Kartoffelsonntag (1. Sonntag im September)
  • Martinimarkt (November)
  • Ponyfest in Herborn/Schönbach (Mai/Juni)

Ferienstraßen

Herborn liegt an der Deutschen Fachwerkstraße und an der Solmser Straße. Außerdem an der Oranier-Route von Nassau nach Bad Arolsen (Radtour).

Sport

Der Sportverein TTC Herbornseelbach spielte insgesamt drei Jahre lang in der Tischtennis-Bundesliga.

Die Wanderfreunde Herborn e. V. richten jedes Jahr im Februar eine Internationale Volkswanderung mit Schwimmen aus. Außerdem betreiben sie permanente Wanderwege mit Streckenlängen von 5, 6, 9, 10, 11, 13 und 42,2 km. Die Strecken werden für das Internationale Volkssportabzeichen gewertet. Der Marathon über 42,2 km ist der älteste permanente Wanderweg in Hessen; er wurde am 1. Januar 2005 eröffnet. Zum 1. Dezember 2008 werden die Wf Herborn zwei Schleifen an den Marathon, 42,2 km anbinden. Die Schleifen erhalten eine Streckenlänge von 5 (Alsbachtal) und 10 km (Dernbachtal). Start für alle Wege ist der Bahnhof Herborn. Alternativer Startort für die 9 und 11 km Strecke ist die Rezeption der Gutshofbrauerei.

Wandern/Radfahren: Herborn ist Portalsstadt des 235 km langen Prädikat-Wanderwegs „Westerwaldsteig“ (Herborn – Bad Hönningen am Rhein) und des Premium-Wanderwegs „Lahn-Dill-Berglandpfad“ (Herborn – Marburg). Des Weiteren liegt Herborn am Hessenweg 1 (Diemelsee-Eltville), am Thüringen-Rhein-Wanderweg (Inselsberg-Engers) und hat Zugangswege zum Rothaarsteig. Radwege bestehen entlang der Dill, zum Aartalsee und zur Krombachtalsperre (Radfernweg R8).

Reiten: Im Jahr 1946 erhielt der Reiterverein Herborn als erster Reiterverein in Hessen nach dem Krieg die Lizenz zur Wiederaufnahme des Reitsports durch die amerikanische Militärregierung. Reiten galt damals noch als „militärisch“. Am 5. Oktober 1947 fand das erste Nachkriegsturnier in Hessen statt – in Herborn. 1952 nahm die komplette Mannschaft des deutschen Olympiade-Komitees am Turnier teil. Sponsoren stifteten eine Reihe neuer Hindernisse wie das „Herborner Hufeisen“ von der Firma Haas & Sohn sowie der „Fontänensprung“ der Herborner Pumpenfabrik. Zitat: „Die Herborner Turniere hatten eine solche Bedeutung und Ansehen gewonnen, dass der Hessische Rundfunk eine Reportage direkt vom Turnierplatz übertrug. Die für 70 Personen vorgesehene Pressetribüne konnte die Reporter kaum fassen...darunter die Vertreter der größten deutschen Tageszeitungen.“ 1964 fanden in Herborn die Deutschen Meisterschaften der Spring- und Dressurreiter statt. In den 1970er Jahren gelang es den Turnierveranstaltern, das Land Mexiko als Sonder-Ehrenpreisgeber für den erfolgreichsten Teilnehmer zu gewinnen. Ausgelobt wurde eine 14-tägige Mexikoreise erster Klasse. Gewinner war unter anderen Josef Neckermann. An den Turnieren in Herborn nahmen u. a. teil: Hans Günter Winkler (Ehrenmitglied des Reitervereins Herborn), Josef Neckermann, Fritz Thiedemann, Helga Köhler, Alwin und Paul Schockemöhle, Hugo Simon, Gerd Wiltfang, Franke Sloothaak. Der Reiterverein Herborn ist der einzige Reiterverein in Deutschland, der eine eigene Poloabteilung unterhält. Seit 2009 wird das Hallen-Polo-Turnier um den Bärencup veranstaltet.

Infrastruktur

Verkehr

Herborn besitzt heute zwei noch bediente Bahnstationen, dazu kommen vier weitere aufgelassene.

Bahnhof Herborn (Dillkr)

Empfangsgebäude des Bahnhofs Herborn (Dillkreis)

Herborn erhielt 1862 mit dem Bahnhof Herborn an der Dillstrecke einen Eisenbahnanschluss.

Das heutige Empfangsgebäude stammt von 1908 vom Kirchenbaumeister Ludwig Hofmann. Früher wurde der Bahnhof Herborn durch zwei weitere Strecken bedient:

Am Bahnhof Herborn halten die Regionalexpress-Züge zwischen Aachen über Köln nach Frankfurt am Main und ein Flügelzug des Mittelhessen-Express, der zwischen Dillenburg und Frankfurt verkehrt. Am Bahnhof Herborn hält seit Dezember 2009 ein EuroCity-Zugpaar auf der Relation Siegen-Klagenfurt mit Kurswagen nach Zagreb.

Bahnhof Burg (Dillkr)

Gelegen am Streckenkilometer 40,92 der Aar-Salzböde-Bahn, besaß dieser Bahnhof einmal drei Bahnsteiggleise[8].

Haltepunkt Burg (Dillkr) Nord

Die zweite noch betriebene Bahnstation, ebenfalls an der Dillstrecke gelegen, gehört zur Bahnhofskategorie 6. Der Haltepunkt dient im Gegensatz zum Bahnhof Herborn (Dillkr) ausschließlich dem Personennahverkehr.

Burg (Dillkr) West, Uckersdorf und Amdorf

Diese drei Bahnstationen befanden sich an der Westerwaldquerbahn.


Die Stadt ist Mitglied im Verkehrsverbund Lahn Dill (VLD); siehe auch: Nahverkehr Dillenburg/Herborn

Herborn ist über die Anschlussstellen Herborn-Süd und Herborn-West direkt an die Autobahn A 45 / (E 40/E 41) angebunden, die das Rhein-Main-Gebiet mit dem östlichen Ruhrgebiet verbindet. Im Stadtgebiet kreuzen sich die Bundesstraßen 277 (nach Wetzlar und Dillenburg) sowie 255 (nach Montabaur und Marburg).

Wirtschaft

In Herborn ist mit der Firma Rittal GmbH & Co. KG der größte Arbeitgeber der Region ansässig.

Die Firma Sell GmbH Zodiac Aerospace Group steht, industriegeschichtlich, auf einem der ältesten Industrie-Standorte der Stadt und ist weltbekannt durch den Bau von Flugzeugküchen.

Ebenfalls ein großer Arbeitgeber ist der Gewerbepark „Burger Eisenwerke“ mit ca. 30 auf dem Gelände angesiedelten Firmen.

Ab Juni 2010 gibt es wieder eine Brauerei in Herborn. Die Brauerei wurde von der Familie Hösl übernommen und in Ihre MH-Braugruppe integriert. Das Herborner Brauhaus kann auf eine über 130-Jährige Brautradition zurückblicken.

Medien

Neben dem Herborner Tageblatt, einer Lokalausgabe der Zeitungsgruppe Lahn-Dill (Sitz: Wetzlar), gibt es das Herborner Echo aus dem Verlag Weidenbach (Sitz: Dillenburg), welches mit erstgenannter, außer im Lokalbereich, eng verknüpft ist. Der Herborner Stadtanzeiger ist das amtliche Mitteilungsblatt der Stadt Herborn und wird wöchentlich donnerstags an alle Herborner Haushalte verteilt.

Öffentliche Einrichtungen

  • Polizei (Schutzpolizei)
  • Amtsgericht
  • Freiwillige Feuerwehr
  • Rettungswache und Notarztstandort (Rettungsdienst Eschenburg GmbH und DRK Dill GmbH)
  • Vitos Herborn gGmbH (Zentrum für Soziale Psychiatrie)
  • Staatliches Amt für Lebensmittelüberwachung, Tierschutz und Veterinärwesen
  • Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche
  • Gesundheitsamt des Lahn-Dill-Kreises

Bildung

Das Schloss Herborn

In Herborn gibt es nach dem Neubau und der Zusammenlegung von 2 Kindertagesstätten im Stadtteil Seelbach im Jahr 2007 noch 9 Kindertagesstätten von denen 4 durch die Stadt Herborn und 5 durch kirchliche und freie Träger betrieben werden. Insgesamt werden ca. 750 Kindergartenplätze angeboten. Darunter befinden sich auch mehrere Krabbelstubenplätze für Kinder unter 3 Jahren. Der Hauptsitz der Diesterweg-Schule befindet sich in der Innenstadt. Die integrierte Förderstufe der Diesterweg-Grundschule wurde im Februar des Jahres 2009 in die Räumlichkeiten der Comenius-Schule verlegt und damit desintegriert. In den ehemaligen Räumlichkeiten der Förderstufe werden nun Schüler des Johanneum-Gymnasiums unterrichtet. Die Comenius Grund-, Haupt- und Realschule befindet sich in der Alsbach und der Hauptsitz des Johanneum-Gymnasiums befindet sich in der Au. Das Johanneum-Gymnasium gehört zu den größten Gymnasien Hessens (aufgrund der Schülerzahlen). Außerdem ist im Schloss von Herborn das (einzige) Theologische Seminar der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau beheimatet, ein (letzter) Ableger der untergegangenen Hohen Schule und Erbe der bedeutenden Bibliothek.

Musik

Mehrere Bands kommen aus dem Raum Herborn, Unter anderem die Death-Metal-Band Lay Down Rotten sowie die Coverbands On-Line, Straight Bourbon und Limo.

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

  • Geschichtsverein Herborn (Hrsg.): 750 Jahre Stadt Herborn. 1251–2001. Herborn 2001.
  • Gerhard Menk: Die Hohe Schule Herborn in ihrer Frühzeit (1584–1660). Ein Beitrag zum Hochschulwesen des deutschen Kalvinismus im Zeitalter der Gegenreformation; Wiesbaden: Historische Kommission für Nassau, 1981; ISBN 3-922244-42-4 und ISBN 3-922244-43-2
  • Gottfried Zedler, Hans Sommer: Die Matrikel der Hohen Schule und des Paedagogiums zu Herborn; Wiesbaden 1908

Weblinks

 Commons: Herborn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden am 31. Dezember 2010 (Hilfe dazu)
  2. Menk 1981, S. 26.
  3. Geschichtsverein Herborn 2001, S. 71
  4. old-herborn-university.de
  5. Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011, Herborn, Hessisches Statistisches Landesamt. Abgerufen am 4. April 2011.
  6. a b Pertuis (Vaucluse) in der französischsprachigen Wikipedia
  7. Druckausgabe der Dill-Zeitung (8. Juni 2011)
  8. www.rostendeschienen.de

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