Hermann Baumann (Ethnologe)


Hermann Baumann (Ethnologe)

Hermann Baumann (* 9. Februar 1902 in Freiburg im Breisgau; † 30. Juni 1972) war ein bedeutender deutscher Ethnologe, Afrikanist und Kulturhistoriker.

Eines der umfassendsten Werke der deutschsprachigen Afrikanistik, das von ihm herausgegebene, postum erschienene Hauptwerk Die Völker Afrikas und ihre traditionellen Kulturen trägt seinen Namen. Es ist aus dem Werk Völkerkunde von Afrika: mit besonderer Berücksichtigung der kolonialen Aufgabe hervorgegangen, an dem auch Diedrich Westermann und Richard Thurnwald mitgearbeitet haben.

Baumann war Leiter der Eurasischen Abteilung des Berliner Völkerkundemuseums (heute: Ethnologisches Museum) und Herausgeber der Zeitschrift für Ethnologie.

Baumann lehrte an der Universität Wien (1939–45) am Institut für Völkerkunde und in München am Institut für Völkerkunde und Afrikanistik der Ludwig-Maximilians-Universität (1955–72).

Beatrix Heintze, Hermann Amborn und Klaus E. Müller zählen zu seinen Schülern. László Vajda war sein Assistent von 1957 bis 1962.

Mit der Aufarbeitung seiner Einbindung in die Aufgaben der kolonialen Völkerkunde des Dritten Reiches wurde inzwischen an seinen einstigen Wirkungsstätten begonnen.

Werke

  • Die Mannbarkeitsfeiern bei den Tsokwe (N.O. Angola; Westafrika) und ihren Nachbarn. Reimer, Berlin 1932 (Baessler-Archiv. Beiträge zur Völkerkunde. Band XV / Heft 1)
  • Schöpfung und Urzeit des Menschen im Mythus der afrikanischen Völker. Herausgegeben mit Unterstützung der Staatlichen Museen in Berlin (Baesslerstiftung) und des Internationalen Instituts für afrikanische Sprachen und Kulturen. Dietrich Reimer / Andrews & Steiner Verlag, Berlin 1936
  • mit Richard Thurnwald, Diedrich Westermann: Völkerkunde von Afrika: mit besonderer Berücksichtigung der kolonialen Aufgabe. Essener Verl.- Anst., Essen 1940
  • Koloniale Völkerkunde, koloniale Sprachforschung, koloniale Rassenforschung: Berichte über die Arbeitstagung im Januar 1943 in Leipzig. Reimer/Andrews & Steiner, Berlin 1943
  • als Herausgeber: Koloniale Völkerkunde, I. In Zusammenarbeit m. d. Kolonialwiss. Abteilung d. Reichsforschungsrates i.d. dt. Forschungsgemeinschaft hrsg. (Wiener Beiträge zur Kulturgeschichte und Linguistik, Jahrgang 6). Horn: Ferd. Berger, 1944 (Mit Beiträgen von W. Becker-Donner, Mattenklodt, T. M. Bettini, H. v. Sicard u. H. Baumann)
  • Fritz Valjavec (Hrsg.): Historia Mundi. Ein Handbuch der Weltgeschichte in zehn Bänden. Begründet von Fritz Kern. 1. Band: Frühe Menschheit. Von Santiago Alcobe y Noguer, Hermann Baumann, Renato Biasutti u.a. Mit einer ausklappbaren Zeittafel. Francke, Bern 1952
  • Das doppelte Geschlecht: ethnologische Studien zur Bisexualität in Ritus und Mythos. Reimer, Berlin 1955
  • Afrikanische Plastik und sakrales Königtum. Ein sozialer Aspekt traditioneller afrikanischer Kunst. ( = Bayerische Akademie der Wissenschaften/ Philosophisch- Historische Klasse. Sitzungsberichte Jg. 1968 Heft 5). Beck, München 1969
  • Die Völker Afrikas und ihre traditionellen Kulturen. Steiner, Wiesbaden 1975–1979 (Studien zur Kulturkunde ; 34 und 35)
    • Teil 1 Allgemeiner Teil und südliches Afrika
    • Teil 2 Ost-, West- und Nordafrika

Literatur

  • Klaus E. Müller: Menschenbilder früher Gesellschaften: ethnologische Studien zum Verhältnis Mensch und Natur: Gedächtnisschrift für Hermann Baumann. Frankfurt/M.: Campus-Verl., 1983
  • Beatrix Heintze: Ethnographische Zeichnungen der Lwimbi/Ngangela (Zentral-Angola). Aus dem Nachlaß Hermann Baumann. Wiesbaden, Steiner 1988 (Sonderschriften des Frobenius-Instituts 5); ISBN 3515051708
  • Jürgen Braun: Eine deutsche Karriere. Die Biographie des Ethnologen Hermann Baumann (1902-1972). 1995; ISBN 3-929115-50-6 (Münchener ethnologische Abhandlungen)
  • Peter Linimayr: Wiener Völkerkunde im Nationalsozialismus, Frankfurt am Main, 1994

Weblinks


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