Hermann Dwerg

Hermann Dwerg

Hermann Dwerg (* vor 1380 in Herford; † 14. Dezember 1430 in Rom) war päpstlicher Protonotar.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Dwerg stammte aus bescheidenen Verhältnissen. Er studierte zunächst in Herford, dann in Paris, wo er durch Betrug an Kaufleuten vermögend wurde. Heimlich verließ er Frankreich und ging nach Bologna, wo er den akademischen Grad eines Doktors der Rechte erlangte.

Anschließend ging er nach Rom, wo er als Geistlicher in päpstliche Dienste trat und diverse Ämter und Würden erlangte. Dwerg stieg bis zum Vertrauten und Protonotar Papst Martins V. auf, ein äußerst angesehenes und einflussreiches Amt.

Dwergs genaues Todesdatum ist nicht bekannt; er ist jedoch nicht vor 1430 gestorben.

Die Dwergsche Stiftung

In seinem Testament bestimmte Dwerg, dass sein beträchtliches Vermögen aufgeteilt werden sollte. Legate gingen etwa an Deventer, Köln und Herford, damit diese Städte jährlich einem mittellosen Mädchen die Hochzeit ermöglichten; die Kirche St. Johann und Dionys zu Herford, in der Dwergs Eltern begraben waren, erhielt gleichfalls Anteile an der Erbschaft.

Das Gros seines Vermögens aber ließ Dwerg in eine Stiftung einfließen, aus der Studenten-Stipendien finanziert werden sollten. Er legte fest, in seiner Heimatstadt Herford ein Kolleg einzurichten, an dem die Stipendiaten zunächst ein vierjähriges Grundstudium der Grammatik absolvieren mussten. Danach konnten sie das fünfjährige Hauptstudium an der Universität zu Köln antreten, wo gleichfalls ein Kolleg der Stiftung einzurichten war. Die Stiftungsordnung sah vor, dass die Stipendiaten an den Studienorten, wo sie täglich dem Unterreicht beizuwohnen hatten, Kleidung, Nahrung und Unterkunft erhalten sollten sowie unter Aufsicht eines Rektors standen. Für das Herforder Kolleg stiftete Dwerg 4.000 Rheinische Gulden, das Kölner Kolleg wurde mit 6.000 Rheinischen Gulden finanziert.

Ferner legte Dwerg fest, dass es stets zwölf Stipendiaten geben sollte, jeweils zwei aus Köln, Herford, Lübeck, Deventer, Breslau und Lüttich; es handelte sich dabei um Städte, in denen Dwerg Pfründen innehatte.

Die Dwergsche Stiftung hatte über fünf Jahrhunderte Bestand. Erst 1950 wurde sie vom Rat der Stadt Herford aufgelöst, da infolge der Inflation im 20. Jahrhundert und der Währungsreform von 1948 kein Kapital mehr vorhanden war.

Literatur

  • Guido Görres (Hg.): Historisch-politisch Blätter für das katholische Deutschland. Band 25, Jahrgang 1850, S. 803 ff.
  • Klaus Wriedt: Schule und Universität. Bildungsverhältnisse in Norddeutschen Städten des Spätmittelalters. Brill Academic Publishers 2005, ISBN 9004140530.
  • Rainer Pape: Sancta Herfordia: Geschichte Herfords von den Anfängen bis zur Gegenwart. Busse, 1979. ISBN 9783871208577
  • Tobias Daniels: Dwerg, Hermann. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 32, Nordhausen 2011, ISBN 978-3-88309-615-5.

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