Herzogtum Großpolen


Herzogtum Großpolen
Das Wappen des Herzogtums Großpolen
Das Herzogtum Großpolen (Greatpoland) bereits als eine der Hauptprovinzen des Königreichs Polen. Politische Lage in den Grenzen des Jahres 1341 (Englische Karte)

Das Herzogtum Großpolen entstand im 12. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Großpolens nach der Erbteilung des Königreichs Polen 1138 in Teilherzogtümer durch das Testament von Herzog Bolesław III. Schiefmund.

Großpolen (poln. Wielkopolska) war ursprünglich die Hauptprovinz des westslawischen Stammes der Polanen und Kerngebiet des polnischen Staates, im Einzugsgebiet der Warthe mit den Hauptburgen Posen und Gnesen. Mit der Einbeziehung immer weiterer Gebiete in den polnischen Staatsverband entstand im 13. Jahrhundert die Notwendigkeit, die alte Stammesprovinz der Polanen durch Einführung des Namens „Polonia Magna“ im Sinne von „Polonia maior“ (älteres Polen) von den Neuerwerbungen zu unterscheiden.

Erster Herzog von Großpolen wurde Mieszko, einer der Söhne von Boleslaw Schiefmund. Er war der Begründer der großpolnischen Linie der Piasten. Im Verlauf des 13. Jahrhunderts erlag das Herzogtum der feudalen Zersplitterung in drei Unterherzogtümer in Posen, Gnesen und Kalisch, damit einer politischen Schwächung. Bedingt durch das entstandene Machtvakuum gerieten die großpolnischen Herzogtümer in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts bis zur Mongoleninvasion von 1241 in den Einflussbereich der Schlesischen Piasten.

Alle drei Herzogtümer wurden 1279 unter Herzog Przemysław vereinigt. Er plante eine Einigung des politisch zersplitterten Polen unter seiner Führung. Seine Krönung zum polnischen König 1295 sollte seine Autorität und Vormachtstellung im Kampf gegen konkurrierende Nebenlinien der Piasten-Dynastie und König Wenzel von Böhmen einstweilen stärken. Ein Jahr darauf starb er jedoch als Folge einer Adelsverschwörung, die im Bund mit den Markgrafen von Brandenburg und dem Königreich Böhmen stand. Mit ihm starb die großpolnische Linie der Piasten im Mannesstamm aus.

In den Jahren zwischen 1296 und 1314 unterstand das Herzogtum verschiedenen Herrschern, bis sich schließlich Herzog Władysław I. Ellenlang in Großpolen ab 1314 endgültig durchsetzte.

Das Herzogtum wurde formell aufgelöst und 1320 in zwei Wojewodschaften aufgeteilt, eine mit Sitz in Posen, die andere in Kalisch (Palatinatus Posnaniensis und Palatinatus Calisiensis). Die Wojewodschaften gehörten seitdem zu den wichtigsten Regionen des vereinigten Königreichs Polen bis zu den Teilungen. Nach der Gründung der Polnisch-Litauischen Adelsrepublik wurde eine Provinz namens Großpolen geschaffen, die außer der namengebenden Landschaft auch Masowien und das Königliche Preußen umfasste.

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