Hexamilion (Bauwerk)


Hexamilion (Bauwerk)
Isthmus von Korinth, Lageplan.

Das Hexamilion (griechisch Εξαμίλιον τείχος, „Sechs-Meilen-Mauer“) war eine Befestigungsanlage, die quer durch die Landenge bei Korinth erbaut wurde, um die Peloponnes [das zugrundeliegende Wort νήσος (sprich: nesos) = Insel ist femininum!] gegen Angriffe aus dem Norden zu schützen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Hexamilion wurde zwischen 408 n. Chr. und 450 n. Chr. unter der Herrschaft von Theodosius II. erbaut, um die Peloponnes gegen die Einfälle der Westgoten aus dem Norden zu schützen. Der Angriff von Alarich I. auf Griechenland 396 n. Chr. oder die Eroberung von Rom im Jahre 410 durch die Westgoten werden zu dem Entschluss beigetragen haben, die gewaltige Anlage aus Türmen, Seebastionen und mindestens einer Festung zu errichten.[1] Die eine bekannte Festung hatte zwei Tore, ein nördliches und ein südliches. Das nördliche Tor war die Pforte zur Peloponnes.[2] Die Mauer bestand auf beiden Seiten aus großen Steinquadern; der Raum dazwischen war mit Mörtel und Bruchsteinen ausgefüllt.

Viele Bauwerke in der Region wurden für dieses gewaltige Vorhaben als Steinbruch verwendet, um Baumaterial zu gewinnen. Die Steine wurden zum Teil direkt für den Bau der Mauer genutzt – so wie die Quader vom Tempel des Poseidon von Isthmia – oder es wurde Kalk daraus gebrannt, wie aus dem Material vom Heraion von Perachora oder dem von antiken Statuen aus Korinth. Es ist unbekannt, wie lange der Bau der Befestigungsanlage dauerte, ihre Bedeutung jedoch ist von ihren Ausmaßen abzuleiten: Das Hexamilion war das größte antike Bauwerk Griechenlands.

Unter der Herrschaft von Justinian wurde das Hexamilion mit weiteren Türmen verstärkt. Es erwies sich jedoch gegen die Landnahme der Slawen auf dem Balkan als wirkungslos, nicht zuletzt, weil die Slawen auf ihren Einbäumen an den Küsten landeten und die Befestigungen so umgingen. Seit dem 8. Jahrhundert wurde die strategische Bedeutung der Befestigungsanlage geringer. Im 11. Jahrhundert wurde die Mauer zunehmend mit Wohngebäuden überbaut.

Der byzantinische Kaiser Manuel II. leitete 1415 selbst die Reparaturarbeiten am Hexamilion. Tausende von Arbeitern begannen am 8. April 1415, eine gewaltige Mauer mit tiefen Gräben, zwei großen Festungen und 153 festen Türmen zu errichten. Mit einem Brief von 26. Juni 1415 übermittelte Manuel seinem Verbündeten, dem venezianischen Dogen Tommaso Mocenigo, die Nachricht von der Fertigstellung des Bauwerks; die Venezianer beglückwünschten ihn.[3]

Sultan Murad II. nahm 1422 die Expansionspolitik seiner Vorfahren wieder auf. Im Mai 1423 fielen die Osmanen unter Turahan Bey in die Morea ein. Sie stürmten die Isthmusmauer und zogen sich wieder von der Halbinsel zurück, nachdem sie Theodoros II., den Despoten der Morea, zu Tributzahlungen an den Sultan verpflichtet hatten.

Der letzte Kaiser von Byzanz, Konstantin XI., restaurierte 1444 noch einmal das Hexamilion. Doch am 14. Dezember 1446 nahmen türkische Truppen unter Murad II. erneut das Befestigungswerk ein. Sie zerstörten durch konzentriertes Geschützfeuer die Verteidigungswälle. Der türkische Geschichtsschreiber Ashigpasazade erwähnte, dass die Kanonenrohre erst vor Ort gegossen worden seien.[4]

Als 1463 der venezianische General Berthold d’Este im Kampf um Korinth schwer verwundet wurde, musste das Hexamilion geräumt werden. Die Morea fiel in die Hände der Türken. Während der gesamten Geschichte der Befestigungsanlage erfüllte sie nie die Funktion, für die sie konstruiert wurde, es sei denn, dass sie als ein Mittel zur Abschreckung diente. Von 1715 an behielten die Türken die Kontrolle über das Land unangefochten, und die Befestigungsanlagen verfielen. Teile der Mauer sind südlich von Korinth und am Tempel des Poseidon von Isthmia erhalten geblieben.

Ältere Isthmuswälle

Das Hexamilion stand am Ende einer langen Reihe von Versuchen, den Isthmus zu befestigen, die bis in die mykenische Zeit zurück reichen. Als Xerxes 480 v. Chr. in Griechenland einfiel, wollten viele Städte der Peloponnes sich hinter die Palisaden am Isthmus zurückziehen, statt die Thermopylen zu verteidigen.[5] Die Frage der Befestigung stellte sich erneut vor der Schlacht von Salamis.[6] Obgleich das Konzept einer Festung Peloponnes wiederholt erwogen wurde, war eine Befestigung des Isthmus nutzlos, ohne die notwendigen Mittel zur Ausübung der Kontrolle über das Meer zu besitzen, wie Herodot schrieb.[7]

Literatur

  • Timothy E. Gregory: The Hexamilion and the Fortress. American School of Classical Studies at Athens, 1993, ISBN 0876619359.
  • Denys Pringle: The Defence of Byzantine Africa from Justinian to the Arab Conquest. In: British Archaeological Reports, International Series. Nr. 99, Oxford 1981.
  • Stroud, R.: An Ancient Fort on Mount Oneion. Hesperia 40 1971.
  • F. E. Winter: Greek Fortifications. London 1971.
  • Wiseman, J. R.: A Trans-Isthmian Fortification Wall. Hesperia 32 1963.
  • Oscar Broneer: The Cyclopean Wall on the Isthmus of Corinth and Its Bearing on Late Bronze Age Chronology. Hesperia 35 1966.
  • Manuel II.: The Letters of Manuel Palaeologus 1415–1416.
  • Pseudo-Phrantzes: Chronicum maius. Bonn 1452.

Weblinks

 Commons: Hexamilion (Bauwerk) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Gregory (siehe Literatur) benutzte numismatische Belege um die Konstruktion auf 400 bis 420 n. Chr. zu datieren.
  2. Gregory beschreibt das nördliche Tor als römischen Bogen aus dem ersten Jahrhundert.
  3. Ferdinand Gregorovius :Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter, Hille & Partner GbR, Projekt Gutenberg-DE
  4. Manfred Pittioni: Das osmanische Heerwesen im 15. und 16. Jahrhundert. Organisation, Taktik und Ausrüstung. Wien 2000 (Geisteswissenschaftliche Diplomarbeit).
  5. Historien des Herodot 7.206
  6. Herodot 8.40, 49, 56
  7. Herodot 7.138
37.94138888888922.987777777778

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Hexamilion — steht für: Hexamilion (Bauwerk), eine Befestigungsanlage am Isthmus von Korinth eine andere Bezeichnung für die Stadt Lysimacheia (Thrakien) Diese Seite ist eine Begriffsklärung zur Unterscheidung mehrerer mit demselben W …   Deutsch Wikipedia

  • Manuel II. — Kaiser Manuel II Manuel II. Palaiologos, (griechisch Μανουὴλ Β΄ Παλαιολόγος, * 27. Juni 1350; † 21. Juli 1425) war von 1391 bis 1425 byzantinischer Kaiser in Konstantinopel als Nac …   Deutsch Wikipedia

  • Manuel II. Palaeologos — Kaiser Manuel II Manuel II. Palaiologos, (griechisch Μανουὴλ Β΄ Παλαιολόγος, * 27. Juni 1350; † 21. Juli 1425) war von 1391 bis 1425 byzantinischer Kaiser in Konstantinopel als Nac …   Deutsch Wikipedia

  • Manuel II. Palaiologos — Kaiser Manuel II Manuel II. Palaiologos, (griechisch Μανουὴλ Β΄ Παλαιολόγος, * 27. Juni 1350; † 21. Juli 1425) war von 1391 bis 1425 byzantinischer Kaiser in Konstantinopel als Nac …   Deutsch Wikipedia

  • Manuel II. Paleologos — Kaiser Manuel II Manuel II. Palaiologos, (griechisch Μανουὴλ Β΄ Παλαιολόγος, * 27. Juni 1350; † 21. Juli 1425) war von 1391 bis 1425 byzantinischer Kaiser in Konstantinopel als Nac …   Deutsch Wikipedia

  • Slawische Landnahme — Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung. Die Ansiedlung der Slawen ab dem frühen 7. Jahrhundert (häufig… …   Deutsch Wikipedia

  • Theodoros II. (Morea) — Theodor II. Palaiologos (gr. Θεόδωρος Παλαιολόγος, Theodōros (II.) Palaiolόgos, * um 1396; † 1448) war von 1407 bis 1443 Herrscher (Despot) über das Despotat Morea. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Familie 3 Literatur 4 Siehe auch …   Deutsch Wikipedia

  • 1415 — Portal Geschichte | Portal Biografien | Aktuelle Ereignisse | Jahreskalender ◄ | 14. Jahrhundert | 15. Jahrhundert | 16. Jahrhundert | ► ◄ | 1380er | 1390er | 1400er | 1410er | 1420er | 1430er | 1440er | ► ◄◄ | ◄ | 1411 | 1412 | 1413 | 14 …   Deutsch Wikipedia

  • 8. April — Der 8. April ist der 98. Tag des Gregorianischen Kalenders (der 99. in Schaltjahren), somit bleiben 267 Tage bis zum Jahresende. Historische Jahrestage März · April · Mai 1 2 …   Deutsch Wikipedia


We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.