Hippie trail


Hippie trail
Tramperin in Luxemburg, 1977

Hippie trail ist ein Ausdruck, der die Reiserouten der Hippies in den 1960ern und 1970ern von Europa über Land nach Südasien beschreibt.

Viele Reisende auf dem Hippie trail wurden durch Ideen der Selbstfindung, Sinnsuche und Kommunikation mit anderen Völkern getrieben, die der Hippie-Bewegung zugrunde lagen. Westeuropäer, Nordamerikaner, Australier und Japaner stellten einen Großteil der Reisenden. Ideen und Erfahrungen wurden in bekannten Unterkünften und Hotels entlang der Route ausgetauscht, so zum Beispiel im Pudding Shop in Istanbul oder dem Amir Kabir in Teheran. Die meisten Reisenden waren junge Rucksackreisende, obwohl bisweilen auch ältere Reisende oder Familien derartige Reisen unternahmen.

Inhaltsverzeichnis

Transportmittel

Ausgebautes Wohnmobil aus dem Jahr 1968

Eines der Kennzeichen war das Bestreben, so günstig wie möglich zu reisen, weshalb das Reisen per Anhalter populär war. Es gab günstige private Busverbindungen und öffentliche Zugverbindungen für die Streckenabschnitte durch Osteuropa und durch die Türkei nach Teheran oder Mashad in Iran. Vereinzelt fuhren Menschen jedoch die gesamte Strecke mit dem Auto, Motorrad, einem Wohnmobil oder einem bewohnbaren VW Bus.

Route

Solche Reisen starteten normalerweise in verschiedenen Ländern Europas. Reisende aus den USA benutzten häufig die damals für besonders günstige transatlantische Flüge bekannten Icelandair und landeten in Luxemburg. Die weiteren Stationen beinhalteten etwa Istanbul, Teheran, Kabul, Peshawar und Lahore mit den Endzielen Goa, Dhaka, Bangkok oder Kathmandu. Eine alternative Route führte über die Türkei, Syrien und Jordanien nach Irak sowie Iran und dann weiter ostwärts.

In Kathmandu gibt es immer noch eine Straße mit dem Spitznamen Freak Street, die an die tausenden Hippies, die damals durchreisten (und gelegentlich noch durchreisen), erinnert. Weitere Reisen nach Südindien, Sri Lanka und noch östlichere Ziele wurden ebenfalls unternommen.

Passierbarkeit heute

Die Überlandroute wurde durch die politischen Veränderungen in den 1970er-Jahren unpassierbar: Die Sowjetunion fiel in Afghanistan ein und der Schah wurde durch die Islamische Revolution in Iran gestürzt. Damit war es unmöglich, entlang der alten Seidenstraße zu reisen.

Mit dem Ende des Ersten Golfkrieges wurde Iran zu Beginn der 1990er-Jahre auf der Basis eines Transitvisums wieder passierbar und wenige Rucksacktouristen reisten auf der Route Istanbul - Teheran - Isfahan - Zahedan - Quetta - Lahore nach Indien. Diese Alternativroute, die Afghanistan im Süden umgeht, kann (2010) bereist werden, führt aber durch eine Krisenregion im Osten Irans und durch Pakistan, wo es in Teilen des Landes zu Anschlägen kommen kann.

Einflüsse bis zur Gegenwart

Reisende mit einem Van

Die Reisekultur der Hippies ist noch bis heute Vorbild zahlreicher Rucksack-Touristen.

Die von ausgewanderten und noch heute in Indien ansässigen Hippies beeinflusste Goa-Kultur, aus der sich die Musikrichtung Psytrance entwickelte, ist stark mit den Ideen und Symbolen der 68er-Bewegung verbunden und stellt heute eine Untergruppe der Technokultur dar.

Der Hippie Trail wird auch in dem bekannten Lied Down Under der australischen Band Men at Work besungen. Dort heißt es in der ersten Strophe:[1]

Traveling in a fried-out combie
On a hippie trail, head full of zombie
I met a strange lady, she made me nervous
She took me in and gave me breakfast
And she said,
Do you come from a land down under?
Where women glow and men plunder?
Can't you hear, can't you hear the thunder?
You better run, you better take cover.

Viele Reisende trugen nach ihrer Heimkehr auch zur Popularisierung von Piercings im westlichen Kulturkreis bei, nachdem sie sich in Indien von Nostril- und Ohrpiercings hatten inspirieren lassen.

Filme

Dokumentationen

  • Die Karawane der Blumenkinder - Zweiteilige Dokumentation von Maren Niemeyer (2008)[2]
  • High sein, frei sein, überall dabei sein - Fünfteilige Arte-Dokumentation (2007)[3]

Spielfilme

Literatur

  • Klaus Bergmann, Winfried Hammann, Solveig Ockenfuß (Hrsg.): Abhauen. Flucht ins Glück. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1981.
  • Ulrich Günthner: Narren des Glücks. Unter Hippies, Haschern und Globetrottern von Australien zum Bosporus. Econ, Düsseldorf/Wien 1972 (auch: Fischer, Frankfurt 1974).
  • Christian Kracht, Eckhart Nickel: Gebrauchsanweisung für Kathmandu und Nepal. Piper-Verlag, München 2009, ISBN 3492275648.
  • Rory Maclean: Magic Bus: On the Hippie Trail from Istanbul to India. Viking Penguin, 2006 (auch Editions Hoebeke, Paris 2008).

Weblinks

  • Steve Abrams' Diary
  • Beyond the Beach - An Ethnography of Modern Travellers in Asia by Klaus Westerhausen Abstract
  • „On the Hippie Trail“ - An impression of the Hippie Trail in 1968 Link

Einzelnachweise

  1. "Down Under" Lyrics
  2. Die Karawane der Blumenkinder. Abgerufen am 16. Dezember 2010.
  3. High sein, frei sein, überall dabei sein. In: ARTE. 2. September 2008, abgerufen am 16. Dezember 2010.

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