Histrionicus histrionicus


Histrionicus histrionicus
Kragenente
Kragenente (Histrionicus histrionicus)

Kragenente (Histrionicus histrionicus)

Systematik
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Unterfamilie: Anatinae
Tribus: Meerenten (Mergini)
Gattung: Kragenenten (Histrionicus)
Art: Kragenente
Wissenschaftlicher Name
Histrionicus histrionicus
Linnaeus, 1758

Die Kragenente (Histrionicus histrionicus) ist ein Vogel in der Familie der Entenvögel. Der wissenschaftliche Name, histro, kommt vom Lateinischen und bedeutet Schauspieler. Der Name leitet sich von der ungewöhnlich bunten Färbung des Erpels im Prachtkleid ab, das entfernt an das Kleid eines Harlekins erinnert. Die Kragenente ist die kleinste in Europa vorkommende Entenart. Ihr Verbreitungsgebiet ist allerdings auf Island beschränkt, wo sie besonders häufig am Myvatnsee brütet.

Inhaltsverzeichnis

Erscheinungsbild

Die Kragenente ist eine kleine, kompakt gebaute Ente. Ihre Körperlänge beträgt zwischen 38 und 45 Zentimeter.[1] Kennzeichnend für die Art ist ein kleiner, kurzer Schnabel, eine hohe Stirn, ein rundlicher Kopf, ein dicker und kurz wirkender Hals sowie der keilförmig zugespitzte Schwanz. Jonathan Alderfer bezeichnet den Körperbau als so charakteristisch, dass die Ente bereits daran erkennbar ist.[2]

Die Männchen der Kragenente haben im Prachtkleid ein auffällig blauschwarz gefärbtes Gefieder. Die Flanken sind rötlich kastanienbraun. Auffallend ist der weiße Farbfleck vor den Augen, ein halbmondförmiger weißes Fleck hinter dem Ohr sowie ein weißes Längsband am hinteren Hals. Im Ruhekleid ist das Körpergefieder des Männchens überwiegend graubraun, weist aber immer noch die charakteristische weiße Kopffärbung auf. Männchen im ersten Lebensjahr weisen bereits die Färbung der adulten Männchen auf, sind aber insgesamt weniger farbkräftig.

Die Weibchen haben ein dunkelbraunes Körpergefieder. Der Bauch ist hell. Wie die Männchen haben sie weiße Farbmarkierungen am Kopf. Diese sind jedoch nicht so deutlich abgegrenzt wie beim Männchen. Am auffälligsten ist der weiße Farbfleck hinter dem Ohr.

Im Flug ist die Kragenente an ihrem kleinen Kopf und der steilen Stirn sowie an ihrem langen Schwanz erkenntlich. Die Flügel wirken bei beiden Geschlechtern sehr dunkel. Der helle Bauch des Weibchens ist im Flugbild meist nicht gut erkenntlich. Ihr Flug ist sehr schnell und meist fliegen sie dicht über dem Wasser. Gewöhnlich kann man sie in kleinen Trupps beobachten.

Stimme

Die Stimme der Kragenente ist sehr hoch. Die hohen und quietschenden Pfiffe, die an die Quietschlaute kämpfender Mäuse erinnern[3], sind überwiegend während der Balz zu hören. Das Männchen pfeift in dieser Zeit wiiah wii-ah. Die Rufe des Männchens sind staccato-förmig und erinnern an die Rufe der Zwergseeschwalbe. Fliegende Trupps rufen ein dicht gereihtes gü gü gü ...., das durchdringend ist. [4]

Verbreitung

Diese Art kommt hauptsächlich in den nördlichen Regionen von Asien und Amerika vor. Das Brutgebiet erstreckt sich von der Westküste Grönlands in östlicher Richtung bis zur Baffininsel. Es reicht von dort aus quer über Labrador bis nach Maine sowie von Alaska nach Mackenzie und im Süden über die Rocky Mountains bis nach Idaho. In Asien reichen die Brutgebiete von Ostsibieren bis nach Kamtschatka und Südjapan und erreichen auch den Baikalsee. Das einzige europäische Brutgebiet ist Island.[5] Besonders zahlreich sind sie am Fluß Laxa, der dem Myvatnsee auf Island entspringt.

Als Lebensraum bevorzugen Kragenenten schnell fließende Gewässer mit einem reichhaltigem Angebot an Wasserinsekten. Sie halten sich häufig in der Nähe von Wasserfällen auf. Während des Winterhalbjahres ziehen sie an eine nahe gelegene Küste. Die ostsibirischen Kragenenten ziehen dabei häufig besonders weit, weil die Binnengewässer, an denen sie im Sommer brüten, während des Winterhalbjahres alle vereisen. Zu ihren Überwinterungsgebieten zählt die Pazifikküste von Kamtschatka bis Südjapan und Korea. Die in Nordamerika brütenden Kragenenten verbringen die Wintermonate in den Küstenabschnitten zwischen den Aleuten und Südkalifornien beziehungsweise im Bundesstaat New York an der Ostküste Nordamerikas. Auch während des Winterhalbjahres halten sie sich bevorzugt in stark bewegtem Wasser auf und finden sich häufig an Felsenküsten.

Lebensweise

Im Winter ziehen Kragenenten nur kurze Stecken zu den Küsten des Atlantiks oder des Stillen Ozeans. In Kontinentaleuropa ist dieser Vogel nur selten anzutreffen.

Kragenenten tauchen nach ihrer Nahrung, die aus Krebs- und Weichtieren, sowie Insekten besteht. Tauchgänge gehen bis zu einer Tiefe von drei bis vier Meter. Kragenenten bleiben zwischen 15 und 25 Sekunden unter Wasser.[6]

Die Kragenente ist stellenweise noch häufig, wenn auch die Bestände insgesamt zurückgehen. Die Populationen, die an der pazifischen Küste brüten, sind deutlich größer als die an der atlantischen Küste.[7]

Fortpflanzung

Die Brutzeit der Kragenente fällt in den Zeitraum von Mitte Mai bis Anfang Juli. Die meisten Kragenenten beginnen ab Mitte Juni mit der Brut. Sie ziehen nur ein Gelege pro Jahr groß.

Die Kragenente brütet bevorzugt an sehr schnell fließenden Flüssen. Auf geeigneten Flussinseln finden sich gelegentlich lockere Brutkolonien. Das Nest wird am Boden errichtet und ist meist im Zwergstrauchdickicht verborgen. Die Mulde ist mit wenig Pflanzenmaterial, ein paar Daunen und Federn ausgekleidet. Die verwendeten Daunen sind hellbraun mit einem hellem Zentrum. Das Vollgelege besteht normalerweise aus sechs bis acht Eier. Gelegentlich kommen auch Gelege mit neun Eiern vor. Die Eier sind elliptisch bis spindelförmig. Sie haben eine glatte Schale, die leicht glänzt. Sie sind rahmfarben bis blässlich bräunlichgelb und messen 58,3 x 42 Millimeter.[8]

Es brütet allein das WEibchen. Die Inkubationszeit beträgt 27 bis 33 Tage. Die Küken werden nur vom Weibchen geführt, auch wenn sich das Männchen zu Beginn der Brutzeit noch in Nestnähe aufhielt. Nach etwa 40 Tagen sind die Jungen flügge.

Belege

Einzelnachweise

  1. Kear, S. 706
  2. Alderfer, S. 33
  3. Kear, S. 706
  4. Hans-Heiner Bergmann; Hans-Wolfgang Helb; Sabine Baumann; Die Stimmen der Vögel Europas – 474 Vogelporträt mit 914 Rufen und Gesängen auf 2.200 Sonogrammen, Aula-Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-89104-710-1, S. 67
  5. Gooders und Boyer, S. 121
  6. Gooders und Boyer, S. 122
  7. Alderfer, S. 33
  8. Collin Harrison und Peter Castell: Field Guide Bird Nests, Eggs and Nestlings, HarperCollins Publisher, überarbeitete Auflage von 2002, ISBN 0007130392, S. 75

Literatur

  • Jonathan Alderfer (Hrsg): Complete Birds of Northamerica, National Geographic, Washington D.C. 2006, ISBN 0-7922-4175-4
  • Janet Kear (Hrsg): Ducks, Geese and Swans. Oxford University Press, 2005, ISBN 0198546459
  • John Gooders und Trevor Boyer: Ducks of Britain and the Northern Hemisphere, Dragon's World Ltd, Surrey 1986, ISBN 1-85028-022-3
  • Erich Rutschke: Die Wildenten Europas – Biologie, Ökologie, Verhalten, Aula Verlag, Wiesbaden 1988, ISBN 3-89104-449-6

Weblinks


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