Hohenhaus

Hohenhaus

Hohenhaus ist ein ehemaliger, heute denkmalgeschützter[1] Weinbergsbesitz mit Herrenhaus im Stadtteil Zitzschewig der sächsischen Stadt Radebeul.

Das heute zu großen Teilen verwaldete Parkanwesen des Hohenhauses befindet sich im Westteil von Radebeul an den bis 211 m hohen Barkenbergen. Das Grundstück umfasst eine Fläche von 11 Hektar und weist Höhenunterschiede von etwa 80 Metern auf.

Zu dem im 19. Jahrhundert auch Schloss Hohenhaus genannten Gebäude in der Barkengasse 6, direkt gegenüber dem Herrenhaus Zechstein, kommen in der Mittleren Bergstraße 20 noch ein weiteres Wohnhaus nebst dem Heizhaus des Anwesens und unter der Nummer 22 die Gebäude der Gärtnerei hinzu.

Der Dramatiker Gerhart Hauptmann, der sich in den 1880er Jahren häufig in dem von ihm so genannten „Nest der Paradiesvögel“ aufhielt, heiratete ebenso wie seine Brüder Carl und Georg eine der Töchter des damaligen Hausherrn Thienemann. Aus diesen Anlässen wurden dort seine Frühwerke Liebesfrühling und Der Hochzeitszug uraufgeführt. Auch einige spätere Werke beziehen sich auf seine Zeit auf Hohenhaus.

Hohenhaus Radebeul

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Herrenhaus

Das schlossartige, zweigeschossige Haupthaus liegt an einem Hang nach Süden, wodurch sich dort mit dem Kellergeschoss der Eindruck von drei Geschossen ergibt. Auf dem Gebäude sitzt ein hohes Walmdach mit Giebelgauben.

Auf der nach Süden liegenden Hangseite steht ein Vorbau, der im Kellergeschoss ein rundbogiges Tor als Eingang in die große Kellertonne hat. Darüber im Erdgeschoss ist der Vorbau als massive, dreiachsig verglaste Veranda ausgebildet, obenauf mit einem Austritt. Vor der Veranda befindet sich eine auf beiden Seiten nach unten in den Garten führende Freitreppe. Oben im Dach befindet sich ein großer Zwerchgiebel.

Auf der Westseite des Gebäudes, zur Straße und zum Eingangstor hin, steht ein giebelbekrönter Risalit mit einem Seitenportal. Links daneben angesetzt steht ein rundausgebildeter Treppenhausturm mit Auslucht und Haube.

Auf der Bergseite befindet sich als Eingangsportal eine Rundbogentür mit konsolengestützter Verdachung.

Nebengebäude

Die ebenfalls denkmalgeschützten[2] Nebengebäude, ein Wohnhaus nebst dem Heizhaus des Anwesens und die Gebäude der Gärtnerei, liegen an der Mittleren Bergstraße.

Park

Der große Park des Hohenhauses gilt als Werk der Landschafts- und Gartengestaltung, er liegt im Denkmalschutzgebiet Historische Weinberglandschaft Radebeul.[3] Dendrologischen Seltenheitswert besitzt der in geschützter Lage an der Ostseite des Hohenhauses wachsende Osagedorn (Maclura pomifera), welcher in Nordamerika beheimatet ist. Markant sind im Herbst seine großen, runden Früchte mit gelbgrüner Farbgebung und genarbter Oberflächenstruktur.

Direkt vor der Südfront des Herrenhauses steht ein Japanischer Schnurbaum (Styphnolobium japonicum). Diese aus Ostasien stammende Baumart ist wegen ihrer späten Blüte im August sehr dekorativ.

Ein charakteristisches Merkmal des Hohenhaus-Parkes sind die Zürgelbäume (Celtis occidentalis) mit schöner goldgelber Herbstfärbung. Sie gehören zu den Ulmengewächsen. Ihre Heimat ist Nordamerika. Zürgelbäume können bis zu 35 m hoch werden und sehr breite Kronen ausbilden. Auffallend ist auch die silbergraue, tiefgefurchte Rinde. Im südlichen Parkteil steht ein altehrwürdiges Exemplar, von dem vermutlich auch die anderen, im Park vorhandenen jüngeren Zürgelbäume abstammen.

Südöstlich des Goldfischteiches befindet sich ein Ginkgobaum (Ginkgo biloba), der allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt angepflanzt wurde.

Im Bereich des Tennisplatzes stehen große Exemplare der amerikanischen Roteiche (Quercus rubra), die nach der Grundstücksübernahme durch die Familie Stechow (ab 1885) vermutlich im Zusammenhang mit dem Tennisplatzbau angepflanzt worden sind. Das Exemplar von Jeffreys Kiefer (Pinus jeffreyi) im unteren Grundstücksteil (Gärtnereigelände) wurde 1887 unter dem damaligen Besitzer gemeinsam mit anderen, nicht mehr erhaltenen Koniferen angepflanzt. Sie ist in den USA vor allem in Kalifornien beheimatet. Markant sind die bis etwa 20 cm langen Nadeln und sehr großen Zapfen.

Von den bei uns heimischen Arten sind vor allem ein alter Bergahorn (Acer pseudoplatanus) sowie einige stattliche Flatterulmen (Ulmus laevis) neben dem Gärtnerhaus und im unteren Parkteil erwähnenswert. Interessante alte Feldahorn-Exemplare (Acer campestre) stehen auf einer Steinrippe neben der Barkengasse.

Geschichte

Bereits im 13. Jahrhundert wurde der Hang als Weinberg erwähnt. Hier entstand im 15. Jahrhundert auf dem Bischofsberg die Sommerresidenz der Meißner Bischöfe, die bis zur Säkularisierung 1539 in deren Besitz verblieb. 1584 erwarb der Naundorfer Bauer Simon Clauß sowohl das Hohenhaus[4] wie auch die bei Matthias Oeder nach ihm genannte Simon Clauß Preß, die heutige Bischofspresse. Während des 17. Jahrhunderts erfolgte unter Hofmarschall Johann Georg von Rechenberg, Besitzer ab 1657, der Umbau eines vorhandenen Winzerhauses; aus dem Bischofsberg wurde Hohenhaus[4]. Seine Frau Rachel Freiin von Werthern, Tochter von Dietrichen von Werthern zu Frohndorf, Besitzer des Schlosses Triestewitz, brachte einen weiteren Weinberg zum Besitz hinzu, der ab da sechzehn zusammenhängende Bergteile umfasste. Nach dem Tod ihres Mannes agierte sie als Vormund ihrer Söhne Hans Dietrich und Hans Georgen.[5]

1699 erwarb der im Folgejahr zum Reichsgrafen erhobene Feldmarschall Heino Heinrich von Flemming den Besitz von Hohenhaus. Ihm folgte sein Sohn Adam Friedrich von Flemming nach[6], der 1748 das Anwesen versteigern ließ. Den Besitz erwarb der Hoffuttermarschall Grundmann, der den Wertherischen Weinberg an zwei Zitzschewiger Bauern verkaufte.

Für die Parkentstehung und die Wirkung der Gesamtanlage in ihrer heutigen Form ist vermutlich erst die Grundstücksentwicklung seit dem Jahr 1864 ausschlaggebend, als der Handelskaufmann Berthold Thienemann den Besitz von „Schloss Hohenhaus“ als Sommersitz erwarb. Bereits 1865 ließ sich Thienemann sämtliche Stall- und Schuppengebäude durch den Kötzschenbrodaer Maurermeister August Große neu errichten.

Im Zusammenhang mit dem Gebäudeausbau als Landsitz entstand eine großzügige Parkanlage, die mit zahlreichen Elementen der Kleinarchitektur ausgestattet war. Vorhandene Gehölzbestände wurden durch Neupflanzungen ergänzt und mit einem weitläufigen Wegesystem erschlossen. Aufgewertet wurde der Park durch die Einordnung und Gestaltung zahlreicher Aussichtspunkte und kleiner Erlebnisbereiche.

Der Dramatiker Gerhart Hauptmann hielt sich im Zeitraum von 1881 bis 1885 häufig im Hohenhaus auf und nannte es ein „Nest der Paradiesvögel“.

Zur Hochzeit seines Bruders Georg mit Adele, einer der fünf Thienemann-Töchter vom Hohenhaus, im September 1881 schrieb Gerhart Hauptmann das kleine Festspiel Liebesfrühling, das am Polterabend uraufgeführt wurde. Auf dieser Hochzeit lernte er die Schwester Marie Thienemann kennen, mit der er sich heimlich verlobte.

Sein Bruder Carl Hauptmann heiratete 1884 Martha Thienemann, eine weitere der fünf Schwestern.

Am 5. Mai 1885 heiratete Gerhart Hauptmann Marie Thienemann. Er verewigte das Radebeuler Leben in der Novelle Die Hochzeit auf Buchenhorst und in seinem Jugendwerk Die Jungfern vom Bischofsberg.

Nach dem Verkauf des Hohenhauses durch die Thienemannschen Erben im Jahr 1885 ließ der neue Eigentümer, Dr. Walther Stechow, das Gebäude durch das Dresdner Architekturbüro Giese & Weidner im Stil der Neorenaissance umbauen. Dem Haus wurde im Westen ein Wendelturm und im Süden ein großer Balkon vorgelagert. Sein 1883 in Berlin geborener Sohn, der Zoologe Eberhard Stechow, wuchs im Hohenhaus auf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Besitz nicht enteignet, jedoch durch die Stadt Radebeul genutzt.

Der Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Hauptmann-Sammler Hansgerhard Weiss (1902–1982) zog 1947 in das Hohenhaus. Dort wurde am 14. November 1948[7] die dortige Hauptmann-Gedenkstätte eröffnet, innerhalb derer Weiss eine Hauptmann-Werkstatt betrieb. Weiss' große Sammlung von Gerhart Hauptmann- und Carl Hauptmann-Werken, Lebensdokumenten, Briefen und Autographen sowie zusätzlicher Sekundärliteratur über diese beiden bildete den Grundstock für das am 6. Juni 1949 im Hohenhaus eröffnete Radebeuler Hauptmann-Archiv, das Hansgerhard Weiss anfänglich auch leitete. Hinzu kam die Privatsammlung von Alexander Münch (1900–1984). Das Archiv wurde unter der Schirmherrschaft der Radebeuler Ortsgruppe des Kulturbunds betrieben. 1950 siedelte Weiss nach Westdeutschland über.

Mit dem Weggang von Weiss übernahm Alexander Münch 1950 die Leitung des Forschungsarchivs. Durch weitere Sammeltätigkeit Münchs, durch Ausstellungen, Vorträge und Veröffentlichungen erwarb sich das Archiv internationale Bekanntheit. 1960 wurde dieses erst in das Kavaliershaus der Hoflößnitz und 1961 in die Villa Steinbach in der Bennostraße verlegt.

Ab 1960 bis 2004 war dann im Hohenhaus die Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden beherbergt. Nach Sanierungsarbeiten in den Jahren 1982 bis 1985 wurde das Hohenhaus als Museum geöffnet.

Aktuell wird dem Hohenhaus von einem Hamburger Unternehmer neues Leben eingehaucht, der im Juli 2003 das Anwesen von der Erbengemeinschaft Stechow erwarb.

Am 22. September 2007 wurde auf dem Gelände des Hohenhauses der ehemalige Grabstein Marie Hauptmanns als Gedenkstein aufgestellt.

Werke über Hohenhaus

Hohenhaus und seine dortigen Erlebnisse finden in folgenden Werken Gerhart Hauptmanns ihren literarischen Niederschlag:

  • Jugendwerke – Berlin (Propyläen) 1963 (Centenar-Ausgabe, Bd. 8):
    • Liebesfrühling. Ein lyrisches Gedicht (mit verteilten Rollen). Privatdruck 1881. UA 24. September 1881 Hohenhaus (zur Hochzeit von Georg Hauptmann und Adele Thienemann). Entstanden 1881
    • Der Hochzeitszug (Gedicht mit verteilten Rollen). UA 6. Oktober 1884 Hohenhaus (zur Hochzeit von Carl Hauptmann und Martha Thienemann). Entstanden 1884.
  • Die Jungfern vom Bischofsberg. Lustspiel (5 Akte). Berlin (S. Fischer) 1907. Entstanden 1904–1906 (Vorstufe: Goldene Zeiten. Ein Frühlingsmorgen, 1892). UA 2. Februar 1907 Berlin (Lessingtheater; Regie: Rudolf Lenoir [1863–1952]; Dramaturgie: Otto Brahm; mit Else Lehmann [Sabine], Ida Orloff [Ludowike], Albert Bassermann [Nast], Hans Marr [Vagabund])
  • Die Hochzeit auf Buchenhorst. Novelle. Berlin (S. Fischer) 1932. Entstanden 1927
  • Buch der Leidenschaft. Berlin (S. Fischer) 1929. Entstanden 1905–1929
  • Das Abenteuer meiner Jugend (Autobiografie). Berlin (S. Fischer) 1937. Entstanden 1929–1935 (Vorstufe: Die abgekürzte Chronik meines Lebens, 1919; Arbeitstitel: Die Bahn des Blutes, Wachsen und Werden, Wandelbares und Unwandelbares einer Jugend, Wesen und Gestalt einer Jugend, Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis). – Nachlese zur Autobiografie: Berlin (Propyläen) 1974 (Centenar-Ausgabe, Bd. 11)

Hohenhaus und seine dortigen Erlebnisse finden in folgendem Werk Carl Hauptmanns ihren literarischen Niederschlag:

  • Die Rebhühner. Komödie in fünf Akten. Leipzig (Kurt Wolff Vlg.) 1916.

Literatur

  • Frank Andert (Redaktion); Große Kreisstadt Radebeul. Stadtarchiv Radebeul (Hrsg.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz. 2. Auflage. Stadtarchiv, Radebeul 2006, ISBN 3-938460-05-9. 
  • Matthias Donath, Jörg Blobelt (Fotos): Sächsisches Weinland. Historische Weingüter und Weinberghäuser im Elbtal. 1. Auflage. Redaktions- und Verlagsgesellschaft Elbland, Dresden 2010.
  • Cornelius Gurlitt: Die Kunstdenkmäler von Dresdens Umgebung, Theil 2: Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, Band 26, C. C. Meinhold, Dresden 1904. (Digitalisat Zitzschewig. Das Hohe Haus. Blatt 325)
  • Josef Hebeda: Von Altkötzschenbroda zum Hohenhaus. Hellerau-Verlag, Dresden 2004, ISBN 3-910184-94-4.
  • Volker Helas (Bearb.); Landesamt für Denkmalpflege Sachsen und Stadt Radebeul (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Sachsen: Stadt Radebeul. SAX-Verlag, Beucha 2007, ISBN 978-3-86729-004-3. 
  • Hans F. Kammeyer: Hohenhaus – Haus und Garten. In: Gerhart-Hauptmann-Jahrbuch. 1937, S. 81–89.
  • Erhart Kästner: Hohenhaus. In: Über Dresden wäre viel zu sagen. 2. Auflage. Hellerau-Verlag, Dresden 2000, ISBN 3-910184-24-3.
  • Gert Morzinek: Historische Streifzüge mit Gert Morzinek. Die gesammelten Werke aus 5 Jahren „StadtSpiegel“. premium Verlag, Großenhain 2007.
  • Liselotte Schließer: Radebeul: Stadtführer durch Vergangenheit und Gegenwart. Radebeul 2000, ISBN 3-930846-05-5.
  • Hansgerhard Weiss; Manfred Altner (Hrsg.): Die Schwestern vom Hohenhaus. Edition Reintzsch, Radebeul 1996.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Verzeichnis der Kulturdenkmale der Stadt Radebeul. Große Kreisstadt Radebeul, 17. April 2008, S. 5, abgerufen am 5. April 2009 (PDF).
  2. Verzeichnis der Kulturdenkmale der Stadt Radebeul. Große Kreisstadt Radebeul, 17. April 2008, S. 18, abgerufen am 4. Mai 2009 (PDF).
  3. Volker Helas (Bearb.); Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Stadt Radebeul (Hrsg.): Stadt Radebeul. [Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Sachsen].. SAX-Verlag, Beucha 2007, S. 73/74 sowie beiliegende Karte.
  4. a b Hohenhaus Radebeul: Vom Bischofssitz zum Märchenschloss
  5. Schloss Triestewitz: Familie von Werthern, Familie von Rechenberg
  6. Besitzer des Schlosses Hermsdorf
  7. Geschichte des Hohenhauses
51.12103093611113.61070335

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