Hoher Meißner


Hoher Meißner

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Hoher Meißner
Hoher Meißner von Osten bzw. Meißner-Weidenhausen betrachtet

Hoher Meißner von Osten bzw. Meißner-Weidenhausen betrachtet

Höchster Gipfel Kasseler Kuppe (753,6 m ü. NN)
Lage Werra-Meißner-Kreis, Nordhessen
Teil vom Fulda-Werra-Bergland
Hoher Meißner (Deutschland)
Hoher Meißner
Koordinaten 51° 13′ 42″ N, 9° 51′ 50″ O51.2284722222229.8638888888889753.6Koordinaten: 51° 13′ 42″ N, 9° 51′ 50″ O
Typ Mittelgebirge
Gestein Basalt, Braunkohle
Fläche 50 km²
Gasthaus Schwalbenthal, mit Aussichtspunkt vom Hohen Meißner
Blick von Orferode südwestwärts zum Hohen Meißner

Der Hohe Meißner ist ein bis zu 753,6 m ü. NN[1] hohes Bergmassiv im Naturpark Meißner-Kaufunger Wald im östlichen Teil Nordhessens und zählt zum Fulda-Werra-Bergland im Norden des Osthessischen Berglandes.

Überregional bekannt ist der Hohe Meißner als eventuelle Heimat des Märchens Frau Holle. Großteile des Bergmassivs sind als verschiedenartige Schutzgebiete, darunter Natur- und Vogelschutzgebiete, ausgewiesen.

Inhaltsverzeichnis

Namensherkunft/-änderung

Der ursprüngliche Name des Hohen Meißners lautet „Wissener“, die erstmalige urkundliche Erwähnung des Namens erfolgte 1195. Er lässt sich auf die althochdeutschen Stammwörter „wisa“ („Wiese“), „wizon“ („Weissager“) oder „wiz“ („weiß“) zurückführen. Wahrscheinlich ist die Deutung des Namens als „Der Weiße“, da der Winter mit Schneefall auf dem Berg früh einsetzt und lange dauert. Der Name „Meißner“ wird in Akten der landgräflich-hessischen Verwaltung erstmals 1530 erwähnt.

Eine langsame Namensumbenennung erfuhr der Berg durch die Jugendbewegung. Durch den Ersten Freideutsche Jugendtag am 11. und 12. Oktober 1913 wurde der „Meißner“ als „Hoher Meißner“ über die Deutschen Zeitungen bekannt. Für die Wandervögel war dieser Ort schon vor 1913 ein beliebtes Ziel und mindestens seit 1908 wurde der Berg von ihnen als „Hoher Meißner“ bezeichnet. Diese Namensgebung könnte analog zu dem gern gewählten Ziel der Göttinger Wandervögel, dem Hohen Hagen, stattgefunden haben.[2] Mit der Zeit wurde immer mehr von dem Hohen Meißner gesprochen. Ein Gedenkstein mit einer Informationstafel ist am Parkplatz nahe dem Naturfreundehaus Meißnerhaus zu finden, die auf diese Namensänderung hinweisen.

Geographie

Geographische Lage

Der Hohe Meißner erhebt sich im Werra-Meißner-Kreis etwa 27 km (Luftlinie) ostsüdöstlich der Großstadt Kassel zwischen Bad Sooden-Allendorf (Nordosten), Berkatal und Meißner (Osten), Waldkappel (Süden), Hessisch Lichtenau (Westen) sowie Großalmerode (Nordwesten). Zusammen mit großen Teilen von Kaufunger Wald und Söhrewald bildet er den weitläufigen Naturpark Meißner-Kaufunger Wald.

Am wuchtigen Hohen Meißner, der überwiegend bewaldet, rund 10 km lang und 5 km breit ist, entspringen zum Beispiel die Berka und ihre Zuflüsse Hollenbach und Kupferbach, der Gelster-Zufluss Laudenbach und der Wehre-Zufluss Vierbach.

Geomorphologie

Hoher Meißner – höchster Berg in Nordosthessen

Der Hohe Meißner wird von einem Hochplateau gekrönt, das in Nord-Süd-Richtung maximal rund 4,2 km lang und in Ost-West-Richtung maximal etwa 2,2 km breit ist, gemessen von der 700-m-Höhenlinie aufwärts. Dessen höchste Stelle bildet mit 753,6 m ü. NN die Kasseler Kuppe. Diese ist nicht, wie in vielen Publikationen wiedergegeben, die höchste Erhebung Nordhessens, sondern „nur“ die höchste Nordosthessens. Die höchsten Berge im Nordteil von Nordhessen befinden sich weit westlich im Upland (max. 843,2 m ü. NN), dem Nordostausläufer des Rothaargebirges, und der höchste des oftmals mit dem Begriff Nordhessen gleichgesetzten Regierungsbezirks Kassel ist die Wasserkuppe (950,2 m ü. NN) in der weit südlich gelegenen Rhön.

Dominanz und Prominenz

Mit einer Dominanz von etwa 59 km ist der Meißner (genauer: sein höchster Punkt, die Kasseler Kuppe) einer der dominantesten Berge Deutschlands. Die dem Meißner am nächsten gelegene, nächsthöhere Stelle liegt in ebendieser Entfernung unmittelbar an Ausläufern des 916,5 m hohen Großen Inselsbergs im südöstlich gelegenen Thüringer Wald, der sein Umland ähnlich wie der Meißner überragt.

Im nordöstlich gelegenen Harz findet sich der nächsthöhere Punkt erst in etwa 66 km Entfernung am maximal 865,1 m hohen Kamm Auf dem Acker, in der südlich gelegenen Rhön wird die Höhe des Meißner erst am 756,9 m hohen Auersberg in rund 70 km Entfernung erreicht, im westlich gelegenen Rothaargebirge gar erst in 84 km Entfernung an der 775,3 m hohen Kahlen Pön.[3]

Für die Prominenz der Kasseler Kuppe ist nicht der durch das Tal der Werra abgetrennte Thüringer Wald Bezugsgebirge, sondern die ebenfalls zwischen Fulda und Werra gelegene Rhön. Der niedrigste Punkt, zu dem man herab muss, um einen nächsthöheren Punkt in der Rhön zu erreichen, ist nordwestlich von Hönebach an der Fulda-Werra-Wasserscheide zwischen Richelsdorfer Gebirge und Seulingswald, 426 m tiefer gelegen als der Gipfel.

Berge und Bergkuppen

Blick von der Kalbe im Winter

Zu den Bergen und Bergkuppen des Hohen Meißners gehören sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalnull (NN)[1]:

  • Heiligenberg (583,4 m)
  • Bühlchen (537,2 m)
  • Hässelkuppe (514,8 m)

Verkehrsanbindung

Der Hoher Meißner ist über von den Bundesstraßen 7, 27 und 451 abzweigenden Landesstraßen zu erreichen; die zuerst und zuletzt genannte Bundesstraße haben Anschluss an einen bereits fertig gestellten Abschnitt des nordosthessischen Teils der A 44. Über die Meißner-Westflanke sowie insbesondere über den Südteil des Meißner-Hochplateaus und die Meißner-Ostflanke verläuft im Rahmen der Landesstraßen 3241 und 3242 ein Abschnitt der „Frau-Holle-Route“ der Deutschen Märchenstraße.

Geologie

Der Untergrund des Hohen Meißners entstand vor 225 Millionen Jahren im Trias und besteht aus Muschelkalk und Buntsandstein. Im Tertiär vor 20 Millionen Jahren befand sich in dem Gebiet eine Senke, wo in tropischem Klima Sumpfwälder wuchsen. Sie bildeten mächtige Torfschichten, aus denen Braunkohlelager entstanden. Aufgrund vulkanischer Aktivitäten trat vor 13 bis 5 Millionen Jahren durch Spalten und Verwerfungen mehrfach dünnflüssige Lava aus und füllte die vorhandene Senke. So erhielt der Hohe Meißner eine heute noch 150 m dicke Basaltdecke, die ihn widerstandsfähiger gegenüber Erosionsprozessen machte als sein basaltfreies Umfeld. Bei der weiträumigen Hebung der gesamten Region, die bis in die Jetztzeit andauert, wurde das Basaltplateau als "Härtling" aus den weicheren umgebenden Schichten herauspräpariert (Reliefumkehr), sodass der Hohe Meißner sein Umland heute deutlich überragt.[4]

Schutzgebiete

Insbesondere die Flanken des Hohen Meißner, aber auch Teile seines Hochplateaus, sind als Naturschutzgebiet Meißner (NSG-Nr. 6969) ausgewiesen; es wurde 1970 gegründet und ist knapp 9,33 km² groß. In diesen Bereichen liegen zudem das 2009 gegründete Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Nr. 4725-306) Meißner und Meißner Vorland mit dem daran anschließenden FFH-Gebiet Werra- und Wehretal (FFH-Nr. 4825-302) mit 241,7 km² Fläche. Gänzlich liegt das Bergmassiv im 36,90 km² großen Vogelschutzgebiet Meißner (VSG-Nr. 4725-401).[1]

Bergbau am Hohen Meißner

Blick in den ehemaligen „Tagebau Kalbe“ an der Kalbe

Der Braunkohlebergbau begann am Hohen Meißner ab 1560, nachdem man in einem Bach Glanzkohlestückchen gefunden hatte, und dauerte bis 1929 ausschließlich untertage an. Die Kohle wurde beispielsweise für den Salzsiedebetrieb in Bad Sooden-Allendorf und das große Kraftwerk in Kassel gefördert.

Stinksteinwand und Schwalbenthal

Ein guter Hinweis auf den jahrhundertelangen Bergbau am Hohen Meißner ist die „Stinksteinwand“, die sich oberhalb der ehemaligen Bergamtssiedlung Schwalbenthal hoch oben am Osthang des Bergmassivs befindet. Früher wurde dort untertage Kohle abgebaut. Doch ab 1952 wurde dort, wo sich jetzt der Kalbesee befindet, die Kohle auch übertage abgebaut. Zuerst musste der Basaltpanzer entfernt werden, welcher hier etwa 150 Meter dick ist. Dadurch entstand auch die Stinksteinwand. Schließlich wurde mit dem Braunkohleabbau begonnen. Aus finanziellen Gründen wurde dieser 1970 eingestellt und nach Demonstrationen 1974 auch nicht wieder aufgenommen. Der Tagebau hinterließ dadurch auch an der Ostseite des Meißners eine charakteristische Mulde im Berg.

Schon vor 300–400 Jahren, noch während des Untertagebaus, war die Braunkohle in Brand geraten, da sie bei Kontakt mit Sauerstoff zur Selbstentzündung neigt. So wurden dort immer wieder Schwelbrände in den Flözen beobachtet, die sich an der Erdoberfläche durch charakteristischen Brandgeruch und Rauchaustritt bis zum heutigen Tag bemerkbar machen. Mehrere derartige Rauchaustritte mit Schwefelsublimierungen („Schwefelblumen“) befinden sich insbesondere im südlichsten Steinbruchteil, 400 m nördlich des Parkplatzes Schwalbenthal. Das Betreten dieses Areals ist aus Sicherheits- und Naturschutzgründen untersagt.

Auch in jüngerer Zeit scheiterten sämtliche Versuche, diese im Flözbrand befindlichen Kohleflöze zu löschen, so dass man nicht nur am Parkplatz im Schwalbenthal oft einen schwefelartigen Geruch von nicht völlig verbrannter Braunkohle wahrnehmen kann – teils sogar sehr stark. Die nach dem Tagebau freigelegte Braunkohle wurde mit Erde überschüttet. in der bis zu 30 Meter tiefen Abbaugrube bildete sich ein 2 ha großer See, der Kalbesee. Dieser ist jedoch mit Schwefel verdreckt. Das etwas unterhalb der Stinksteinwand am Berghang stehende Gasthaus Schwalbenthal ist das letzte Überbleibsel einer einstigen rund zehn Häuser umfassenden Bergbausiedlung, deren Häuser infolge von Erdrutschen abgerissen werden mussten. Zu sehen sind auch noch der Bergbaufriedhof Schwalbenthal (etwa 400 Meter von dem Gasthaus entfernt) und am Neuen Erbstollen Schwalbenthal das Haus Halde, ein altes Bergmannshaus, mit einem Festplatz an der Kohlenstraße, die nach Germerode hinabführt.

Bransrode

Auf der Nordwestseite des Bergmassivs wurde 1929 bezüglich des Braunkohleabbaus bei der Bergarbeitersiedlung Bransrode der letzte Untertagestollen geschlossen, doch man begann sogleich mit dem Basalt-Übertageabbau, der noch bis 2003 betrieben wurde. Im Rahmen des Weiterbaus der A 44 im Werra-Meißner-Kreis wurde der Basaltabbau wieder aufgenommen.

Kalbe (Ex-Tagebau)

An der Basaltkuppe Kalbe wurde von 1952 bis 1974 übertage Braunkohle gefördert, was immer noch gut am ehemaligen Tagebaugelände zu erkennen ist, in dem sich der „Kalbesee“ gebildet hat.

Nahe dem Meißnerhaus: Gedenkstein und Informationstafel erinnern an den Ersten Freideutschen Jugendtag 1913
Blick vom Meißnerhaus in Richtung Hessisch Lichtenau (Heiligabend 2006)
Frau-Holle-Teich mit Holzfigur der Frau Holle

Sehenswürdigkeiten

An verschiedenen Standorten des Hohen Meißners gibt es schöne Aussichtspunkte:

  • Schwalbenthal: Einfacher zu erreichen als die eben erwähnte Basaltkuppe Kalbe befindet sich 108 m tiefer an einem Straßenabzweig der Landesstraße 3241, die von Meißner-Vockerode kommend in Richtung Meißnerhaus führt, ein ähnlich guter Aussichtspunkt: Nur wenige Meter unterhalb bzw. östlich der hier erwähnten Stinksteinwand liegt oberhalb eines Parkplatzes der „Aussichtspunkt Schwalbenthal“, von dem man aus 612 m ü. NN eine schöne Aussicht unter anderem auf das rund 322 m tiefer liegende Vockerode (ca. 290 m ü. NN) genießen kann, aber auch in Richtung Thüringen hinüber blickt.
  • Meißnerhaus und Berggasthof Hoher Meißner: Von der südwestlichen Seite des Bergmassivs schaut man vom Naturfreundehaus Meißnerhaus (ca. 665 m ü. NN) bzw. vom unweit südöstlich davon stehenden Berggasthof Hoher Meißner (ca. 715 m ü. NN) unter anderem zum Kellerwald, zum Habichtswald und zum Kaufunger Wald.

Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten am Hohen Meißner gehören (alphabetisch sortiert):

  • Frau-Holle-Teich (kleines, sagenumwobenes Stillgewässer)
  • Kalbe (ehemaliger Braunkohlentagebau mit Aussichtsberg Kalbe)
  • Kitzkammer (Naturdenkmal − eine Felsnische zwischen Basaltsäulen)
  • Seesteine (Basaltfelsen in einem Waldpark mit ehemaligen Stillgewässer)

Märchen/Sage

Der Hohe Meißner liegt auch im Land der Märchenfigur Frau Holle am Frau-Holle-Pfad. Der Frau-Holle-Teich, ein unter Naturschutz stehendes Stillgewässer auf dem Bergmassiv, soll lokalen Sagen zufolge bodenlos und der Eingang in Frau Holles Anderswelt sein. Am Teich befindet sich seit 2004 eine Holzstatue der Frau Holle.

Sport und Freizeitgestaltung

Am Hohen Meißner gibt es ein Wintersportgebiet mit zwei Skipisten inklusive Skiliftbetrieb für Skiabfahrt sowie ausgedehnte Loipen für Skilanglauf. Außerdem sind viele ausgedehnte und ausgeschilderte Wanderwege vorhanden, die unter anderem über das Hochplateau des Hohen Meißners führen.

Seit dem 8. Juni 2008 wird eine permanente Zeitnahme (Stoppomat) für Radsportler, Läufer, Nordic Walker, Skater und Handbiker betrieben. Die Bestzeit mit 19:30 min. hat derzeit der ehemalige Deutsche Meister Dirk Müller inne.

Sendeanlagen und militärische Einrichtungen

Hauptartikel Sender Hoher Meißner
Sendeanlagen

Der Hohe Meißner ist ein wichtiger Sendestandort des Hessischen Rundfunks (HR) für UKW und digitales Fernsehen (DVB-T).

Im April 1952 nahm der Hessische Rundfunk den Versuchsbetrieb für den Hörfunk auf, der im Juni 1952 abgeschlossen war. Drei Jahre später wurde der Fernsehsender auf dem Hohen Meißner in Betrieb genommen.

Existierende und ehemalige Antennenbauwerke bzw. Sendeanlagen auf dem Hohen Meißner:

  • 220 m hoher geerdeter, abgespannter Stahlfachwerkmast für UKW und TV
  • 155 m hoher geerdeter, abgespannter Stahlfachwerkmast, der eine Reusenantenne für Mittelwelle, Richtfunkantennen und Reserveantennen des Fernsehsenders HR trägt
  • 95 m hoher gegen Erde isolierter Stahlrohrmast als Reserveantenne für Mittelwelle
  • 40 m hoher freistehender Stahlfachwerkturm mit Mobilfunk-Antennen und UKW-Reserveantennen
  • bis 1995 existierte ein 1951 errichteter, gegen Erde isolierter, abgespannter Stahlrohrmast als Sendemast für Mittelwelle

Einzelnachweise

  1. a b c Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz
  2. vgl. Mogge/Reulecke 1988: Hoher Meißner 1913, S. 390
  3. Messung über Placemarks, Verifizierung über BfN-Kartendienste
  4. Der Hohe Meissner – Entstehung

Literatur

  • Ernst Baier, Cord Peppler-Lisbach, Volker Sahlfrank: Die Pflanzenwelt des Altkreises Witzenhausen mit Meißner und Kaufunger Wald. 2., ergänzte und verbesserte Auflage. Schriften des Werratalvereins Witzenhausen, Heft 39. Werratalverein (WTV) Witzenhausen, Witzenhausen 2005, ISBN 3-9807194-2-1

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Hoher Meißner – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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