Hormizd IV.


Hormizd IV.
Münze von Hormizd IV.

Hormizd IV. (auch Hormisdas; persisch ‏هرمزHormoz [horˈmoz], englisch Hormozd; * vor 579; † nach 6. Februar 590) war ein persischer Großkönig aus dem Geschlecht der Sassaniden. Er regierte das spätantike Persien von 579 bis 590.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Hormizd, dessen Mutter eine Tochter des Khagan der Göktürken gewesen sein soll, wurde von seinem Vater Chosrau I. als Nachfolger ausgewählt und durchgesetzt.[1] Offenbar kam es bald nach seiner Krönung zu starken Spannungen mit dem Hochadel; sowohl in den westlichen (Theophylaktos Simokates) als auch in den orientalischen (Tabari) Quellen wird er überwiegend negativ dargestellt, wenngleich dies seiner Regierungszeit vielleicht nicht ganz gerecht wird, zumal die Quellen weitgehend parteiisch gefärbt sind.[2] Zudem hat sogar Tabari auch eine Tradition bewahrt, die Hormizd nicht als tyrannischen Feind des Adels, sondern als gerecht, wohlerzogen, klug und militärisch erfolgreich schilderte. Der König, der laut Tabari den zoroastrischen Priestern untersagte, gegen die Christen im Reich vorzugehen, wird in einigen christlichen Berichten sehr positiv gezeichnet. Er versuchte offenbar, seine Stellung durch ein hartes Vorgehen gegen den mächtigen Adel des Reiches zu sichern oder auszubauen, während er Unterstützung vor allem beim Volk gesucht habe; die späten arabischen Quellen, die spätsassanidische Traditionen bewahren dürften, werfen ihm die Hinrichtung und Verbannung zahlloser Adliger sowie den Versuch einer Entmachtung der zoroastrischen Priester vor.[3] Wieso der König im Unterschied zu seinem Vater in so scharfen Konflikt mit dem Adel geriet, ist aus den Quellen nicht ersichtlich. Einige Jahre lang konnte sich Hormizd, dessen tatsächliche Rolle letztlich schwer einzuschätzen ist, vermutlich dadurch auf dem Thron halten, dass er verschiedene Adelsparteien gegeneinander ausspielte.

Außenpolitisch hatte Persien in seiner Regierungszeit sowohl im Westen als auch an der stets gefährdeten Nordostgrenze zu kämpfen: Im Nordosten mussten verschiedene Stämme (die wohl unter türkischer Oberhoheit standen) abgewehrt werden.[4] Hormizd setzte auch den Krieg mit dem oströmischen Reich fort, der seine gesamte Regierungszeit über andauern sollte (siehe Römisch-Persische Kriege). Chosrau I. hatte kurz vor seinem Tod mit Friedensverhandlungen begonnen, doch Hormizd scheint sich direkt nach seiner Thronbesteigung außerstande gesehen zu haben, den Römern entgegenzukommen. Er hatte sich zudem gegenüber den oströmischen Gesandten überaus arrogant geäußert, so dass es zu keinen weiteren Verhandlungen kam.[5] Der Krieg verlief jedoch für keine Seite besonders günstig. Mehrmals stießen persische bzw. oströmische Truppen vor, nur um dann wieder zurückgeschlagen zu werden. Auch ein großer oströmischer Sieg bei Solachon 586 brachte keine Entscheidung; die Perser gewannen derweil die Kontrolle über weite Teile Armeniens, doch verlief der Krieg auch für sie alles andere als gut.[6]

Im Jahr 588 gelang es dem Heerführer Bahram Chobin, der aus einer angesehenen Adelsfamilie (den Mihran, die sich auf die Arsakiden zurückführten) stammte, türkische Invasoren im Nordosten zu besiegen. 589 kämpfte er im Kaukasus gegen die Römer, doch sind die Einzelheiten nicht ganz klar. Noch im Jahr 589 erhob sich Bahram gegen Hormizd, der anscheinend zum Jähzorn neigte und seinem General wohl seine Erfolge missgönnte; umgekehrt mag sich Hormizd, wie die folgenden Ereignisse zeigen, auch durchaus mit Recht von Bahram bedroht gefühlt haben. Möglicherweise spielte zudem auch der Umstand eine Rolle, dass Bahram nun eine kleinere Niederlage gegen ein römisches Heer unter dem General Romanus erlitten hatte.[7] Während sich Bahrams Armee auf Ktesiphon zubewegte, der Hauptresidenz der Sassaniden, wurde der König wohl am 6. Februar 590 (nach neuen Untersuchungen vielleicht etwas später) von einer anderen Adelspartei gestürzt. Diese Adelsgruppe war offenbar mit Hormizd und seiner Politik unzufrieden, stand aber loyal zu den Sassaniden und ersetzte ihn daher durch seinen Sohn Chosrau II., der offenbar nun ebenfalls gegen Hormizd intrigierte. Wenig später wurde Hormizd im Kerker ermordet – ob dies auf Befehl seines Sohnes geschah, der sich zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon auf der Flucht vor Bahram Chobin befand, ist unklar. Bahram bestieg für kurze Zeit den Thron, wurde dann aber von Chosrau, der sich oströmischer Hilfe versicherte, gestürzt.

Quellen

Über Hormizds Regierungszeit berichten mehrere spätantike oströmische (griechischsprachige) Autoren, die wichtigsten sind Menander Protektor, Euagrios Scholastikos und Theophylaktos Simokates, sowie mehrere spätere Geschichtsschreiber aus mittelbyzantinischer Zeit (Theophanes, Johannes Zonaras). Bis auf wenige Fragmente verloren sind hingegen die Historien des Theophanes von Byzanz und des Zeitgenossen Johannes von Epiphaneia. Ebenfalls zu erwähnen ist eine anonyme syrische Chronik (Anonymus Guidi) und der armenische Chronist (Pseudo-)Sebeos. Von den (perso-)arabischen Autoren ist vor allem Tabari von Bedeutung, der sich auf verlorene Quellen stützen konnte; auch andere arabische Autoren wie Ad-Dīnawarī berichten teilweise ergänzende und abweichende Details.

Literatur

  • John Martindale: The Prosopography of the Later Roman Empire IIIa. Cambridge 1992, S. 603f.
  • Zeev Rubin: Nobility, Monarchy and Legitimation under the later Sasanians. In: J. Haldon/L. Conrad (Hgg.), The Byzantine and early Islamic Near East VI. Princeton 2004, S. 235–273.
  • A. Shapur Shahbazi: Hormizd IV.. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopædia Iranica, Stand: 15. Dezember 2004 (englisch, inkl. Literaturangaben)

Weblinks

 Commons: Hormizd IV. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Tabari, Übersetzung bei Nöldeke (1879), S. 252 und S. 264.
  2. Vgl. Nöldeke (1879), S. 264f., Anmerkung 5.
  3. Tabari, Übersetzung bei Nöldeke (1879), S. 267f.
  4. Tabari, Übersetzung bei Nöldeke (1879), S. 269ff.; vgl. auch Theophylaktos, Historien 3,6. Beide sprechen von Türken, doch ist es nicht ganz klar, siehe die Anmerkungen bei Nöldeke.
  5. Vgl. Menander Protektor, Historien, Fragment 55.
  6. Vgl. dazu Greatrex/Lieu (2002), S. 162ff.
  7. Greatrex/Lieu (2002), S. 171ff. Nach Theophylaktos hatte Bahram die besagte Niederlage erlitten und eine Bestrafung befürchtet. Siehe dagegen Tabari, Übersetzung bei Nöldeke (1879), S. 272ff. Tabari berichtet nicht von Kämpfen gegen die Römer (was nicht viel bedeutet), wohl aber davon, dass Bahram aus Furcht vor Hormizd rebelliert habe.


Vorgänger Amt Nachfolger
Chosrau I. König des neupersischen Reichs
579–590
Bahram Chobin

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Hormizd IV — Hormizd IV, son of Khosrau I, reigned as the twenty first King of Persia from 579 to 590.He seems to have been imperious and violent, but not without some kindness of heart. Some very characteristic stories are told of him by Tabari (Noldeke,… …   Wikipedia

  • Hormizd IV — Hormizd IV, fils de Khosro Ier, était un empereur sassanide de Perse qui régna de 579 à 590. Sommaire 1 Biographie 2 Postérité 3 Références 4 …   Wikipédia en Français

  • Hormizd IV — Hormizd IV. Hormizd IV u Ormuz IV, hijo de Khosro I, fue un emperador sasánida que gobernó entre 579 y 590. Al parecer fue un emperador imperioso y violento, pero no carente de un gran corazón. Algunas de sus historias más características son… …   Wikipedia Español

  • Hormizd — may mean any of the several kings of the Sassanid dynasty of Persia:*Hormizd I of Persia (272 273) *Hormizd II of Persia (302 310) *Hormizd III of Persia (457 459) *Hormizd IV of Persia (479 480) *Hormizd V of Persia (593) *Hormizd VI of Persia… …   Wikipedia

  • Hormizd — ist ein persischer Name und gleichbedeutend mit Ahura Mazda. Hormizd hießen unter anderem folgende Großkönige des persischen Sassanidenreichs: Hormizd I. (270/72–273); Hormizd II. (302–309); Hormizd III. (457–459); Hormizd IV. (579–590); Hormizd… …   Deutsch Wikipedia

  • Hormizd II — Pièce du règne de Hormizd II. Titre Empereur sassanide 302 – 309 Prédécesseur …   Wikipédia en Français

  • Hormizd I — was the third Sassanid King of Persia from 272 to 273.He was the son of Shapur I (241 ndash;272), under whom he was governor of Khorasan, and appears in his wars against Rome (Trebellius Pollio, Trig. Tyr. 2, where Noldeke has corrected the name… …   Wikipedia

  • Hormizd VI — Hormizd VI, twenty eighth Sassanid King of Persia, was one of the many nobility who rose after the murder of Khosrau II (590 ndash;628) in 628. He maintained himself about two years (631 ndash;632) in the district of Nisibis.There was also an… …   Wikipedia

  • Hormizd V. — Hormizd V. (englisch Hormozd; † nach 632) war ein spätantiker persischer Großkönig, der von 630 bis 632 regierte. In den Jahren nach dem Tod Chosraus II. 628 herrschten im Sassanidenreich chaotische Zustände: Kein Herrscher konnte sich… …   Deutsch Wikipedia

  • Hormizd V — est un souverain de la Perse sassanide qui a usurpé le trône et régné en 593. Portail de l’Iran Catégorie : Empire sassanide …   Wikipédia en Français