IRL IndyCar Series


IRL IndyCar Series
Dieser Artikel behandelt die vom amerikanischen Motorsportverband Indy Racing League ausgetragene Serie. Für die aktuelle Saison siehe IndyCar-Series-Saison 2009, für die bis 1996 unter diesen Namen von CART veranstaltete Rennserie, siehe Champ Car.
Logo der Serie

Die IndyCar Series ist eine von der Indy Racing League veranstaltete Motorsportserie aus den USA. Sie hatte sich 1996 als Indy Racing League (IRL) von der CART und dessen damaliger IndyCar World Series abgespaltet und stand seitdem bis zum Ende der CART in direkter Konkurrenz zu dieser Serie.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Abspaltung

Im November 1991 schlug Tony George, Präsident des Indianapolis Motor Speedway (IMS) für die IndyCar-Serie eine neue Struktur mit der Gründung eines neuen Dachunternehmens, der Indy Car Inc. vor. Die CART lehnte dies ab. Im Februar 1992 lizenzierte die CART den Namen „IndyCar“ vom IMS, während George die Indy Car Inc. gründet. Diese beiden Vorgänge sollten der CART in Zukunft noch erhebliche Probleme bereiten. In den folgenden Jahren wuchs der Unmut beim Indianapolis Motor Speedway. Das Unternehmen beklagte die zurückgehende Bedeutung der 500 Meilen von Indianapolis in der IndyCar (CART)-Serie. Im März 1994 kündigte George an, eine Konkurrenzserie zur PPG IndyCar World Series zu gründen: die Indy Racing League. Die CART protestierte erfolglos gegen das Vorhaben. Im September 1995 formierte sich die Konkurrenzserie, während die meisten IndyCar (CART)-Teams die Teilnahme an der Indy Racing League ablehnten. Im Januar 1996 veranstaltete die IRL unter Kontrolle des USAC ihr erstes Rennen in Orlando. Das wichtigste Rennen der Saison, das Indianapolis 500, fand seit diesem Jahr nicht mehr in der PPG IndyCar World Series, sondern in der IRL statt. Die entstandene Formelrennserie richtete bis 2004 ausschließlich auf Ovalstrecken Rennen aus.

Konkurrenzsituation

Unmittelbar nach der Gründung der neuen Serie bestand die IRL vor allem aus Teams, die bei der IndyCar World Series nur mäßig erfolgreich waren. Im Fahrerfeld fehlten die bisher traditionell vertretenen ehemaligen Formel-1-Fahrer aus allen Teilen Amerikas. Entsprechend wurde die Serie öffentlich kaum beachtet, einzig das Indianapolis 500 hatte hohe Zuschauerzahlen.

Die großen Teams blieben hingegen zunächst in der nach einer Markenrechtsklage jetzt CART World Series genannten, alten Serie. Hierbei entstand ein Problem für beide Seiten: Den CART-Teams fehlte das Top-Rennen in Indianapolis, welches die Einschaltquoten der anderen Rennen um ein vielfaches übersteigt; die IRL-Teams fuhren den Rest der Saison praktisch ohne Zuschauer. Hierdurch versuchten sich zunächst einige CART-Teams dennoch für das Indianapolis 500 zu melden, was jedoch meist nur von mäßigem Erfolg geprägt war, da die Erfahrung mit den Autos fehlte und die doppelte Entwicklungsarbeit sich als zu teuer erwies.

Der große Umbruch begann mit der Saison 2002: Penske Racing, eines der erfolgreichsten Teams der Szene, wechselte in die IRL. Mit der Saison 2003, seit der die IRL den Namen IndyCar Series nutzen darf, wechselten dann gleich mehrere Top-Teams, unter anderem Chip Ganassi Racing und Andretti Green Racing. Hierdurch verlor die CART einen Großteil ihrer Substanz; in der IndyCar Series wurden damit jedoch vornehmlich auch nur die Verluste kaschiert: Abgesehen von drei Fahrer der beiden bisherigen Top-Teams Panther Racing und Kelley Racing lagen am Ende der Saison auf den ersten 13 Meisterschaftsplätze nur Fahrer ehemaliger CART-Teams. Dennoch konnte die IRL kaum die traditionellen 33 Autos für das Indianapolis 500 aufbringen. Ab der Saison 2005 startete die IndyCar Series erstmals auch auf Stadt- und Rundkursen.

In den Folgejahren trat die IndyCar Series bezüglich ihrer Popularität auf der Stelle, wogegen es mit CART weiter abwärts ging: Mit Mühe und Not konnte man die in den Verträgen mit den Streckeneignern festgeschriebenen 18 Autos an den Start bringen. Den Tiefpunkt markierte die Saison 2007, in der es bei fast jedem Rennen wechselnde Fahrerbesetzungen gab.

In der Zwischenzeit war dafür die NASCAR zu einem übermächtigen Konkurrenten herangewachsen: Deren Tourenwagen-Rennen sind durchweg ausverkauft und haben sogar dem Indianapolis 500 den Rang bei den Einschaltquoten abgelaufen.

Fusion

Im Februar 2008 war die von Open Wheel Racing Series (OWRS), der Nachfolgeorganisation von CART, ausgetragene ChampCar-Serie, finanziell endgültig am Ende. In einem als Merger (Fusion) bezeichneten Akt wurden die Reste durch die IRL übernommen und ein Teil der Teams wechselte in die IndyCar Series. Diese erhielten von Tony George Dallara-Fahrzeuge gratis. Die ChampCar-Teams trugen lediglich noch ein Abschlussrennen in Long Beach mit den ChampCar-Fahrzeugen aus, welches jedoch voll mit IRL-Punkten gewertet wurde (ebenso wie das zeitgleich stattfindende IRL-Rennen in Motegi, Japan, in dem die „alten“ IRL-Teams antraten).

Die neuentstandene Serie ist von einer gewissen Aufbruchstimmung gekennzeichnet: 25 Fahrzeuge waren über die Saison durchgehend am Start, bei den Live in einem der großen US-Sender gezeigten Rennen in Texas und Chicago je 28 – die besten Werte seit langem. Einzig beim Indianapolis 500 mit „nur“ 37 Qualifikanten (von denen 33 starten) hielt sich die Verbesserung in Grenzen. Die ehemaligen ChampCar-Teams waren auf den Ovalen zunächst hoffnungslos unterlegen, was sich jedoch im Verlauf der Saison besserte. Im Endeffekt entstand eine Saison, in der insgesamt zehn Fahrer die 18 Rennen gewannen, davon sechs zum ersten Mal in dieser Serie.

Technik

Fahrzeug

Im Gegensatz zur europäischen Formel 1 stellen die Teams die Hauptkomponenten Chassis und Motor nicht selbst her, sondern kaufen diese fertig ein. Hierdurch hat sich inzwischen de facto ein Einheitschassis mit nur einem Motor herausgebildet. Jedoch entwickeln die Teams die Chassis in eigener Arbeit weiter. So gehen Teams mit großem Budget zum Testen in Windkanäle und entwerfen neue Konstruktionen von Einzelteilen.

Je nach Streckencharakteristik sind unterschiedliche Flügelkonfigurationen vorgeschrieben. Auf den Ovalrennen kommt es zum Großteil auf das Fahrzeugsetup und den Mut des Fahrers an, sich bei weit über 300 km/h durch engste Lücken zu quetschen. Auf den Rundkursen ist dagegen der Fahrer entscheidend, der auch ein schlechtes Setup ausgleichen kann. Zudem sorgt die große Leistungsdichte insbesondere auf den Ovalen dafür, dass sich die Kräfteverhältnisse im Rennverlauf immer wieder deutlich ändern.

Auch spielt die Startaufstellung hier nur eine untergeordnete Rolle: Beim Saisonfinale 2008 lagen zeitweise drei der vier Fahrer aus den beiden letzten Startreihen in den Top-10 und Helio Castroneves gewann gar vom letzten Startplatz.

Kraftstoff

Ende der 1960er Jahre wurde als Kraftstoff Methanol eingeführt (damals in der Vorgänger-Organisation CART). Dies zwang die Teams, eine höhere Anzahl Boxenstopps durchzuführen, da der Brennwert von Methanol niedriger als der von Benzin ist, also mehr Liter pro Kilometer verbrannt werden. Da Methanol zudem ohne sichtbare Flammen verbrennt, wurde der charakteristische Wasserstrahl nach dem Tanken vorgeschrieben, um eventuell entzündetes Methanol zu löschen. Die Formel für 2004/2005 schrieb Fahrzeuge mit offenen Rädern, Einheitsreifen, sequentiellem 6-Gang Getriebe und 3.0-Liter-V8-Saugmotoren vor. Im Jahr 2006 wurde eine zehnprozentige Ethanolbeimischung erfolgreich getestet. Seit der Saison 2007 fahren alle Rennwagen mit 100 % Ethanol-Kraftstoff. Dafür wurde der Hubraum des Motors auf 3,5 Liter erhöht und die Tankgröße von 30 auf 22 Gallonen (83 Liter) verkleinert, um die Anzahl an notwendigen Boxenstopps konstant zu halten.

Sicherheit

Bei Rennen oder Trainingsläufen der Rennserie waren bisher (Stand: März 2006) drei Todesfälle von Rennfahrern zu beklagen. Am 17. Mai 1996 verstarb Scott Brayton, am 22. Oktober 2003 Tony Renna und am 26. März 2006 Paul Dana. Dies und eine im Vergleich zu anderen, vergleichbaren Rennserien sehr hohe Zahl an Verletzten sorgte zeitweise für einige Diskussionen. Inzwischen wurde deutlich an der Sicherheit gearbeitet. Zu den wichtigsten Veränderungen gehören veränderte Außenmauern an den Ovalen, die leicht nachgeben (SAFER Barrier) und ein verändertes Fahrzeug, bei dem das Getriebe nicht mehr als hinten hervorstehende starre Strebe wirkt – hierdurch nimmt das Fahrzeug mehr Energie bei einem Einschlag mit dem Heck auf.

Vergleich mit der Formel 1

Die IndyCar Series sowie früher auch die ChampCars werden oft als US-Pendant zur Formel 1 bezeichnet. Dieser Vergleich rührt daher, dass die Formel 1 in den USA praktisch keine Rolle spielt. F1-Rennen in den USA gibt es nur unregelmäßig; erfolgreiche Fahrer schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Zu Hochzeiten von CART vor der Aufspaltung konnte sie der Formel 1 in Sachen Medienwirksamkeit und Zuschauerinteresse durchaus gefährlich werden. Der Split sorgte dafür, dass der Vergleich der beiden Rennserien immer ungleicher wurde.

IRL- bzw. IndyCar-Series-Meister

Jahr Fahrer Team Rookie des Jahres
1996 the United Statesthe United States Buzz Calkins
the United Statesthe United States Scott Sharp
Bradley Motorsports
A.J. Foyt Enterprises
keine Auszeichnung
1997 the United Statesthe United States Tony Stewart Team Menard the United Statesthe United States Jim Guthrie
1998 SwedenSweden Kenny Bräck A.J. Foyt Enterprises the United Statesthe United States Robby Unser
1999 the United Statesthe United States Greg Ray Team Menard the United Statesthe United States Scott Harrington
2000 the United Statesthe United States Buddy Lazier Hemelgarn Racing BrazilBrazil Airton Daré
2001 the United Statesthe United States Sam Hornish Jr. Panther Racing BrazilBrazil Felipe Giaffone
2002 the United Statesthe United States Sam Hornish Jr. Panther Racing FranceFrance Laurent Rédon
2003 New ZealandNew Zealand Scott Dixon Target Chip Ganassi Racing the United Kingdomthe United Kingdom Dan Wheldon
2004 BrazilBrazil Tony Kanaan Andretti Green Racing JapanJapan Kosuke Matsuura
2005 the United Kingdomthe United Kingdom Dan Wheldon Andretti Green Racing the United Statesthe United States Danica Patrick
2006 the United Statesthe United States Sam Hornish Jr. Marlboro Team Penske the United Statesthe United States Marco Andretti
2007 the United Kingdomthe United Kingdom Dario Franchitti Andretti Green Racing the United Statesthe United States Ryan Hunter-Reay
2008 New ZealandNew Zealand Scott Dixon Target Chip Ganassi Racing JapanJapan Hideki Mutoh

Frauen am Start

Die IndyCar Series verfügt im Vergleich zu anderen bekannten Rennserien über einen hohen Frauenanteil. Seit 2007 sind deren drei am Start.

  • Sarah Fisher, seit 1999 aktiv, mit bisher 71 Rennen. Ein zweiter Platz 2001 in Homestead war ihr bestes Ergebnis.
  • Danica Patrick, seit 2005 aktiv, mit bisher 68 Rennen. Der Sieg 2008 in Motegi und ein zweiter Platz 2007 in Detroit sind ihre besten Ergebnisse.
  • Milka Duno, seit 2007 aktiv, mit bisher 19 Rennen und fünf Führungsrunden 2008 in Joliet.

Siehe Auch

Weblinks


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