Ich steh an deiner Krippen hier


Ich steh an deiner Krippen hier

Ich steh an deiner Krippen hier ist ein bekanntes evangelisches und ökumenisches Weihnachtslied.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Den im Original fünfzehnstrophigen Text schuf der lutherische Theologe und Dichter Paul Gerhardt 1653. Obwohl der lutherischen Orthodoxie verpflichtet, schlägt Gerhardt sehr innige und persönliche Töne an, wie sie später für den Pietismus kennzeichnend wurden. Insbesondere tritt an die Stelle des Wir der meisten Lieder der Reformationszeit die Ich-Form. Dieses Ich ist jedoch in Paul Gerhardts Verständnis exemplarische Selbstaussage des kirchlichen Glaubens, nicht quasi-biografische Selbstdarstellung. Der Text lebt von Kontrasten wie Größe – Kleinheit, Armut – Reichtum, wobei das scheinbar arme und schwache Kind in der Krippe als wahrhaft mächtig und reich erkannt wird, der Glaubende, der ihm begegnet, sich dagegen als armselig und leer erfährt, solange das Kind ihn nicht beschenkt und verwandelt.

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf verstärkte um die Mitte des 18. Jahrhunderts in einer siebenstrophigen Textbearbeitung im Sinne des Pietismus die subjektiven und erfahrungsbezogenen Akzente des Gerhardtschen Textes.

Das Evangelische Gesangbuch von 1993 enthält unter Nr. 37 neun von Paul Gerhardts 15 Strophen (1, 3, 4, 5, 7, 10, 11, 13 und 14) in behutsamer textlicher Überarbeitung, das katholische Gotteslob von 1975 unter Nr. 141 die Strophen 1, 3, 4 und 5. Das Mennonitische Gesangbuch enthält unter dem Titel Ich steh an deiner Krippe hier unter der Nr. 251 sieben Strophen (1, 3, 4, 5, 7, 10, 11, 13 und 14).

Melodie

Als Melodie wurde etwa hundert Jahre lang die von Martin Luther 1529 geschaffene Weise „Es ist gewisslich an der Zeit“ (EG 149) verwendet, mit der das Lied in zahlreiche ältere Gesangbücher aufgenommen wurde. Mit dieser Melodie erscheint es auch in Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium von 1734.

1736 gab Georg Christian Schemelli in Leipzig ein Musicalisches Gesang-Buch heraus, für das Johann Sebastian Bach zu Paul Gerhardts Text eine arienartige, eher für die Privatandacht und den Solo-Gesang gedachte Melodie in c-moll komponierte. Diese Melodie erlangte im 18. und vor allem 19. Jahrhundert große Volkstümlichkeit und fand schließlich auch in den Gemeindegottesdienst und die evangelischen Kirchengesangbücher Eingang. Das katholische Gotteslob enthält weiterhin die ältere Melodie.

Text

Originaltext[1] Evangelisches Gesangbuch

1. Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesulein, mein Leben,
Ich stehe, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Muth, nimm Alles hin,
und laß dirs wohlgefallen.

1. Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
und laß dir's wohlgefallen.

2. Du hast mit deiner Lieb erfüllt
mein' Adern und Geblüte,
Dein schöner Glanz, dein süßes Bild
liegt mir stets im Gemüthe,
Und wie mag es auch anders sein,
wie könnt ich dich, mein Herzelein,
aus meinem Herzen laßen?

3. Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren,
Und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hat dein Herze schon bedacht,
wie du mein wolltest werden.

2. Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir bedacht,
wie du mein wolltest werden.

4. Ich lag in tiefer Todesnacht,
du wurdest meine Sonne,
Die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werthe Licht
des Glaubens in mir zugericht't,
wie schön sind deine Strahlen.

3. Ich lag in tiefster Todesnacht,
du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht',
wie schön sind deine Strahlen!

5. Ich sehe dich mit Freuden an,
und kann mich nicht satt sehen,
Und weil ich nun nicht weiter kann,
so thu ich, was geschehen.
O daß mein Sinn ein Abgrund wär
und meine Seel ein weites Meer,
daß ich dich möchte faßen.

4. Ich sehe dich mit Freuden an
und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann,
bleib ich anbetend stehen.
O daß mein Sinn ein Abgrund wär
und meine Seel ein weites Meer,
daß ich dich möchte fassen!

6. Vergönne mir, o Jesulein,
daß ich dein Mündlein küsse,
Das Mündlein, das den süßten Wein,
auch Milch und Honigflüße
Weit übertrifft in seiner Kraft,
es ist voll Labsal, Stärk und Saft,
der Mark und Bein erquicket.

7. Wenn oft mein Herz im Leibe weint
und keinen Trost kann finden,
Da ruft mir's zu: Ich bin dein Freund,
ein Tilger deiner Sünden;
Was trauerst du, mein Fleisch und Bein?
du sollst ja guter Dinge sein,
ich zahle deine Schulden.

5. Wann oft mein Herz im Leibe weint
und keinen Trost kann finden,
rufst du mir zu: „Ich bin dein Freund,
ein Tilger deiner Sünden.
Was trauerst du, o Bruder mein?
Du sollst ja guter Dinge sein,
ich zahle deine Schulden.“

8. Wer ist der Meister, der allhier
nach Würdigkeit ausstreichet
Die Händlein, so das Kindlein mir
anlachende zureichet!
Der Schnee ist hell, die Milch ist weiß,
verlieren doch beid' ihren Preis,
wenn diese Händlein blicken.

9. Wo nehm ich Weisheit und Verstand,
mit Lobe zu erhöhen
Die Aeuglein, die so unverwandt
nach mir gerichtet stehen?
Der volle Mond ist schön und klar,
schön ist der güldnen Sternen Schaar,
dies' Aeuglein sind viel schöner.

10. O daß doch ein so lieber Stern
soll in der Krippen liegen!
Für edle Kinder großer Herrn
gehören güldne Wiegen:
Ach! Heu und Stroh ist viel zu schlecht;
Sammt, Seiden, Purpur wären recht,
dich, Kindlein, drauf zu legen.

6. O daß doch so ein lieber Stern
soll in der Krippen liegen!
Für edle Kinder großer Herrn
gehören güldne Wiegen.
Ach Heu und Stroh ist viel zu schlecht,
Samt, Seide, Purpur wären recht,
dies Kindlein drauf zu legen!

11. Nehmt weg das Stroh, nehmt weg das Heu,
ich will mir Blumen holen,
Daß meines Heilands Lager sei
auf Rosen und Violen,
Mit Tulpen, Nelken, Rosmarin
aus frischen Gärten will ich ihn
von oben her bestreuen.

7. Nehmt weg das Stroh, nehmt weg das Heu,
ich will mir Blumen holen,
daß meines Heilands Lager sei
auf lieblichen Violen;
mit Rosen, Nelken, Rosmarin
aus schönen Gärten will ich ihn
von oben her bestreuen.

12. Zur Seiten will ich hier und dar
viel weiße Lilien stecken,
Die sollen seiner Aeuglein Paar
im Schlafe sanft bedecken.
Doch liebt vielleicht das dürre Gras
dir, Kindlein, mehr, als alles das,
was ich hier nenn und denke.

13. Du fragest nicht nach Lust der Welt
noch nach des Leibes Freuden:
Du hast dich bei uns eingestellt,
an unsrer Statt zu leiden,
Suchst meiner Seelen Trost und Freud
durch allerhand Beschwerlichkeit,
das will ich dir nicht wehren.

8. Du fragest nicht nach Lust der Welt
noch nach des Leibes Freuden;
du hast dich bei uns eingestellt,
an unsrer Statt zu leiden,
suchst meiner Seele Herrlichkeit
durch Elend und Armseligkeit;
das will ich dir nicht wehren.

14. Eins aber, hoff ich, wirst du mir,
mein Heiland, nicht versagen,
Daß ich dich möge für und für
in, bei und an mir tragen.
So laß mich doch dein Kripplein sein,
komm, komm und lege bei mir ein
dich und all deine Freuden.

9. Eins aber, hoff ich, wirst du mir,
mein Heiland, nicht versagen:
daß ich dich möge für und für
in, bei und an mir tragen.
So laß mich doch dein Kripplein sein;
komm, komm und lege bei mir ein
dich und all deine Freuden.

15. Zwar sollt ich denken, wie gering
ich dich bewirten werde:
Du bist der Schöpfer aller Ding,
ich bin nur Staub und Erde.
Doch bist du ein so lieber Gast,
daß du noch nie verschmähet hast
den, der dich gerne siehet.

Weblinks

Melodie?/i

Einzelnachweise

  1. Fassung: Paulus Gerhardts geistliche Lieder getreu nach der bei seinen Lebzeiten erschienenen Ausgabe wiederabgedruckt. Stuttgart 1853; fotomechanischer Nachdruck Bern 1974, S. 13f; ISBN 3 261 00502 5

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