Ildefonso Cerdá


Ildefonso Cerdá
Ildefons Cerdà.

Ildefons Cerdà i Sunyer [ildəˈfɔns sərˈda i suˈɲe] (gelegentlich auch in spanischer Schreibweise Ildefonso Cerdá Suñer; * 23. Dezember 1815 in Centelles; † 21. August 1876 in Caldas de Besaya bei Santander) war ein fortschrittlicher katalanischer Stadtplaner, der Barcelonas Stadtteil Eixample entworfen hat.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Ursprünglich war er Bauingenieur. Als die spanische Regierung schließlich dem öffentlichen Druck nachgab und die Stadtmauern Barcelonas abriss, wurde ihm klar, dass sie die Erweiterung der Stadt planen mussten, damit der neue Stadtteil effizient und lebenswert werden würde, im Gegensatz zur seuchengefährdeten und verstopften Innenstadt. Er konnte keine passenden Referenzwerke finden, weshalb er sich entschied, selbst eins zu schreiben. Währenddessen entwarf er Eixample und bediente sich dabei einiger Ideen seiner Zeitgenossen, um ein einzigartiges, durch und durch modern integriertes und sorgfältig durchdachtes Konzept zu kreieren.

Für den Rest seines Lebens arbeitete er an neuen Projekten und der Verbesserung existierender Entwürfe, aber er entwickelte auch neue Theorien auf größerem Level. Durch diese Entwicklung verlor er das gesamte Familienerbe und starb als schwer verschuldeter Mann, denn er wurde nie für sein Meisterwerk Eixample entlohnt.

Er war ein facettenreicher Mann, der seinem Traum nachjagend einen festen Job im Bauingenieurswesen aufgab, sich zur Wahl stellte und Mitglied der Cortes Generales (dem spanischen Parlament) wurde, nützliche bahnbrechende Gesetze entwarf, eine unglaublich detaillierte topographische Übersichtskarte über die Umgebung Barcelonas erstellte und eine Abhandlung für jedes seiner größeren Projekte schrieb. Er ist auch für die Entstehung neuer spanischer Wörter verantwortlich, darunter urbanización.

Arbeitsweise

Er konzentrierte sich auf Grundbedürfnisse der Menschen in der Stadt: Sonnenlicht, Belüftung, Pflanzen, effektive Abfall- und Abwasserbeseitigung und Transport von Menschen, Waren, Energie und Informationen.

Seinen Entwürfen liegt ein Vernetzungskonzept, das seiner Zeit weit voraus war, zu Grunde. Sein Straßenlayout und Rasterdesign war optimiert für Fußgänger, Fuhrwerke, pferdegezogene Straßenbahnen, Stadtbahnen (die noch völlig unbekannt waren), natürliche Gasversorgung und große Abwasseranlagen, um regelmäßige Überschwemmungen zu verhindern; er vergaß aber auch nicht private Gärten und andere Annehmlichkeiten. Die neuesten technischen Innovationen waren in seinen Entwürfen enthalten, wenn sie für die Integration förderlich waren, aber Cerdà brachte auch neue eigene Konzepte mit ein, darunter ein System zur Bodennivellement, welches für den Erfolg seiner Projekte essentiell war und außerdem eine statistische Analyse der Situation der Arbeiterklasse zu der Zeit ermöglichte.

Kontroverse

Originalplan der Stadterweiterung Barcelonas von 1859

Seine Pläne für Barcelona erfuhren zwei größere Überarbeitungen, die zweite Version, der die spanische Regierung zugestimmt hat, kann man immer noch am heutigen Layout von Eixample ausmachen, obwohl die niedrigen Gebäude und die Gärten in jedem Viertel schnell verschwanden. Nur eine der beiden geplanten Diagonalstraßen wurde wirklich gebaut. Eixample war und wird immer noch von der Oberklasse bewohnt, anstatt von allen Schichten gemeinsam. Viele katalanische Architekten kritisierten seine Ideen und beschuldigten ihn sogar, Ansichten des Sozialismus zu propagieren. Schließlich endeten die meisten aber damit, die modernistischen Fassaden des Viertels zu entwerfen.

Politische Entwicklungen in Spanien und Katalonien führten aber zu einer revisionistischen Version, mit der Cerdà die offizielle Zustimmung für seinen Plan einholte.

Tatsächlich entwickelte Cerdà seine Entwürfe unter der Aufsicht der damaligen Behörden, der spanischen Regierung und dem Stadtrat. Eine politisch veränderte Lokalregierung und der neue Stadtrat versuchten danach, die getroffenen Entscheidungen zu revidieren, indem sie 1859 einen Projektwettbewerb ausschrieben. Trotzdem konnte Cerdàs Entwurf sich durchsetzen, jedoch nicht ohne die betroffenen Großgrundbesitzer zu verärgern.

Werke

  • 1859: Teoría de la Construcción de Ciudades (Theorie der Städteplanung), als Unterstützung für die Erweiterung Barcelonas
  • 1861: Teoría de la Viabilidad Urbana y Reforma de la de Madrid (Theorie des städtischen Verkehrsnetzes und die Reform desselben in Madrid), als Unterstützung seines Reformentwurfes der Innenstadt der spanischen Hauptstadt
  • 1863: Teoría del Enlace del Movimiento de las Vías Marítimas y Terrestres (Theorie der Verkehrsverbindung von Transport auf dem Land- und Seewege), als Begleitwerk für ein Projekt im Hafen Barcelonas
  • 1867: Teoría General de la Urbanización (Allgemeine Theorie der Urbanisierung)
  • 1873: Teoría General de la Rurización (Allgemeine Theorie der Suburbanisierung, unvollendet)

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