Indische Literatur


Indische Literatur

Wegen der Vielzahl der Sprachen, die in Indien gesprochen und geschrieben werden, kann von der indischen Literatur nur im Plural gesprochen werden. Die indischen Literaturen zählen zu den ältesten literarischen Traditionen der Welt. Die klassische Sanskrit-Dichtung wurde im Mittelalter durch mehrere vom Volk gesprochene mittelindische Prakrit-Sprachen abgelöst.

Unter Moghul-Einfluss kam ab dem 16. Jahrhundert die vorwiegend in Urdu verfasste islamische Lyrik des Ghasel hinzu.

Die romantische Literatur der indischen Nationalsprachen erfuhr mit der Unabhängigkeit des Landes 1946 eine modernistische Gegenbewegung, mit der jetzt soziale Themen ins Blickfeld gerieten.

Inhaltsverzeichnis

Werke und Autoren indischer Literatur sind in folgenden Kategorien zu finden:

  • Kategorie:Literatur (Vedisch)
  • Kategorie:Literatur (Sanskrit)
  • Kategorie:Literatur (Tamil)
  • Kategorie:Literatur (Urdu)
  • Kategorie:Literatur (Hindi)
  • Kategorie:Literatur (Bengalisch)
  • Kategorie:Literatur (Marathi)
  • Kategorie:Literatur (Englisch)

Der zeitgenössische Buchmarkt Indiens entwickelt sich derart rasant, dass die Frankfurter Buchmesse 1986 Indien als Gastland einlud und erstmals ein weiteres Mal 2006. Der internationale Verlagskonzern Random House vertritt vor allem die englischsprachige Literatur Indiens, die auch innerhalb des Landes dominiert. Literatur in Regionalsprachen gilt – häufig zu Unrecht – als provinziell; ein Grund, weshalb nur wenig Übersetzungen in westlichen Sprachen vorliegen.

Nach Zahlen des National Book Trust India gibt es 16.000 Verlage mit über 80.000 Neuerscheinungen pro Jahr, die 1,6 Milliarden Euro umsetzen - zu über der Hälfte im Lehr- und Bildungsbereich. 2008 eröffnete ein German Book Office u.a., um Literatur zu vermitteln.

Sanskrit-Literatur

Die ältesten Texte der indischen Literatur wurden in vedischer Sprache verfasst und mündlich überliefert. Der früheste Text ist die Rigvedasamhita, eine Sammlung von Hymnen an die Götter, die zwischen 1200 v. Chr. und 900 v. Chr entstanden und später zusammengefasst wurden. Viele alte Texte sind in den ersten Jahrhunderten der indischen Literatur ausschließlich mündlich überliefert worden, bevor erste Schriften erfunden worden sind.

Vedisches Sanskrit stammt aus der Zeit zwischen 1200 und 500 v. Chr., die literarischen Werke sind in erster Linie religiös, sie bilden die wichtigsten heiligen Texte des Hinduismus. Sie wurden anonym von vielen Gelehrten und Priestern erstellt. Die vier Veden (Rigveda, Samaveda, Yajurveda und Atharvaveda) bilden die vedische Literatur. Dazu gehören auch die Brahmanas (Ritualtexte), Aranyakas ("Waldtexte") und die Upanishaden (philosophische Lehren). Für das richtige Verständnis und die Übersetzung des Veda wurden die Vedangas verfasst, Schriften zu Phonetik und Grammatik.

Sanskrit entwickelte sich aus der vedischen Sprache. Oft spricht man auch von vedischem Sanskrit und dem späteren klassischen Sanskrit (ab 500 v. Chr.). Ihre Blüte fand die Sanskrit-Literatur in der Sanskrit-Dichtung.

Die bekanntesten Werke in klassischem Sanskrit sind die beiden Epen Mahabharata und Ramayana. Auch sie wurden über lange Zeit mündlich überliefert und erweitert, bevor sie schriftlich aufgezeichnet worden sind. Bestandteil des Mahabharata ist die Bhagavadgita (ein spirituelles Gedicht), der heute vielleicht wichtigste Text für Hindus. Für den populären Hinduismus sind auch die Puranas eine unentbehrliche Quelle. Das bekannteste Purana ist das Bhagavatapurana, das für die Krishna-Verehrung wichtig ist.

Von großer Bedeutung sind auch das Arthashastra (das oft mit Machiavellis Il Principe verglichen wird). Es handelt sich um ein Staatslehrbuch, das die Pflichten des Königs und strategische Prinzipien beschreibt. Die Manusmriti, das "Gesetzbuch des Manu", ist eine moralische Anleitung, die ethische Regeln und Normen des gesellschaftlichen Lebens aufstellt. Im Westen bekannt geworden ist auch das Kamasutra.

Bedeutende Sanskrit-Dichter waren Kalidasa, Amaru und Bhartrihari. Kalidasas Drama Shakuntala verzauberte auch Goethe, der aufgrund dieser Anregung sein Werk Schakuntala verfasste.

Viele Literaten waren Gelehrte und Philosophen. An erster Stelle ist hier Shankara zu nennen, der die Philosophie des Vedanta weiterentwickelte.

Ab dem 11. Jahrhundert n. Chr. nahm die Bedeutung von Sanskrit als Literatursprache ab, es wurde von den neuindischen Sprachen abgelöst. Sanskrit ist nicht völlig ausgestorben, viele Autoren schrieben gelegentlich in Sanskrit, doch sind diese Werke nur wenigen Indern verständlich.

Siehe auch

Literatur

  • Helmuth von Glasenapp: Die Literaturen Indiens. Von ihren Anfängen bis zur Gegenwart., Kroener 1961.
  • Klaus Mylius: Geschichte der altindischen Literatur, Bern (Scherz) 1988.
  • Moriz Winternitz: Geschichte der Indischen Literatur, Leipzig, 1905 - 1922, Vol. I - III. Reprint in englischer Übersetzung: Maurice Winternitz: History of Indian Literature, Motilal Barnarsidass, Delhi, 1985, Vol I - III.

Belletristik in deutscher Übersetzung

  • W. A. Oerley (Hg.): Der sprechende Pflug. Indien in Erzählungen seiner besten zeitgenössischen Autoren. Horst Erdmann Verlag, Herrenalb 1962
  • Cornelia Zetzsche (Hg.): Zwischen den Welten. Geschichten aus dem modernen Indien. Insel Verlag, Frankfurt 2006 ISBN 3-458-17314-5

Weblinks

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