Involution (Mathematik)


Involution (Mathematik)

Der Begriff Involution bezeichnet in der Mathematik eine selbstinverse Abbildung. Die Bezeichnung leitet sich von dem lateinischen Wort involvere „einwickeln“ ab.

Inhaltsverzeichnis

Motivation

Eine lineare Abbildung f:\R^n\rightarrow \R^n mit f\circ f = \operatorname{id} ist eine Spiegelung; im Fall n = 3 eine Spiegelung an einem Punkt, einer Geraden oder einer Ebene. Ersetzt man \R^n durch eine beliebige, nichtleere Menge und verzichtet auf die Linearität, dann erhält man den Begriff der Involution.

Definition

Eine Abbildung f:A\rightarrow A mit übereinstimmender Definitions- und Zielmenge A heißt genau dann eine Involution, wenn für alle x\in A gilt: f(f(x)) = x.

Diese Forderung lässt sich auch kompakter formulieren als f\circ f = \operatorname{id}_A oder f^2=\operatorname{id}_A bzw. f = f − 1. Dabei bezeichnet \operatorname{id}_A die Identität auf A.

Gelegentlich wird die Identität \operatorname{id}_A selbst nicht als Involution angesehen.

Eigenschaften

  • Jede Involution ist eine Bijektion und es gilt f − 1 = f.
  • Ist π eine Bijektion der endlichen Menge \Bbb N_n=\{1,\ldots n \} (also ein Element der symmetrischen Gruppe Sn), dann ist π genau dann involutorisch, wenn es sich als Produkt aus lauter disjunkten 2-Zyklen schreiben lässt.
  • Eine Selbstabbildung  f\in\operatorname{End}(V) eines beliebigen Vektorraums V über einem Körper K ist genau dann involutorisch, wenn das Minimalpolynom von f die Form x2 − 1, x − 1 oder x + 1 hat. Das bedeutet: Ein involutorischer Endomorphismus ist stets diagonalisierbar, wenn K nicht die Charakteristik 2 hat, und alle seine Eigenwerte sind aus E = { − 1; + 1}.
  • Über Körpern K mit der Charakteristik 2 gibt es nicht diagonalisierbare involutorische Endomorphismen. So ist im zweidimensionalen Vektorraum \Bbb F_2^2 durch die Abbildung \left(\begin{matrix} 1 &1\\ 0 &1\end{matrix}\right) eine Involution gegeben, die nicht diagonalisierbar ist.

Beispiele

Negatives und Kehrwert

Die Abbildungen

\mathbb R\to\mathbb R,\quad x\mapsto -x

und

\mathbb R^\times\to\mathbb R^\times,\quad x\mapsto\frac1x

sind Involutionen, denn es gilt

− ( − x) = x für alle x\in\mathbb R

und

\frac1{1/x}=x für alle x\ne0.

Ist allgemein G eine abelsche Gruppe, so ist die Abbildung g\mapsto -g (bei additiver Schreibweise) bzw. g\mapsto g^{-1} (bei multiplikativer Schreibweise) ein Gruppenautomorphismus und eine Involution. Für eine nichtabelsche Gruppe ist diese Abbildung zwar auch eine Involution, aber kein Gruppenhomomorphismus.

Die komplexe Konjugation

Beim Rechnen mit komplexen Zahlen ist das Bilden der konjugiert-komplexen Zahl eine Involution: Für eine komplexe Zahl z = a + bi mit a,b\in\mathbb R ist die konjugiert-komplexe Zahl

\bar z = z^* = a - b\mathrm i.

Nochmalige Ausführung der Konjugation liefert \overline{\overline{z}} = z^{**} = a + b\mathrm i = z.

Die Quaternionen-Konjugation

Zur Quaternion

x = x0 + x1i + x2j + x3k

mit x_0,x_1,x_2,x_3\in\mathbb R wird die konjugierte Quaternion durch

\bar x=x_0-x_1 \mathrm i-x_2 \mathrm j-x_3 \mathrm k

gebildet. Wegen der Umkehrung der Reihenfolge (wichtig bei nicht-kommutativen Ringen!) der Faktoren bei der Multiplikation

\overline{x \cdot y}=\bar y \cdot \bar x

wird diese Konjugation als Antiautomorphismus bezeichnet.

Nochmalige Ausführung der Konjugation liefert

\overline{\overline{x}} = x.

Sie ist also eine Involution.

Beide Eigenschaften zusammen ergeben involutiver Antiautomorphismus.

Das Transponieren von Matrizen

In der Menge R^{n\times n} der quadratischen Matrizen über einem Ring R ist das Transponieren

\cdot^T:R^{n\times n}\rightarrow R^{n\times n}, A\mapsto A^T

eine Involution. Da R^{n\times n} ein Ring ist, sogar ein involutiver Antiautomorphismus.

Rechnen in F2

In der additiven Gruppe des Restklassenkörper \mathbb{F}_2 ist die Abbildung x \mapsto x+1 eine Involution:

(x + 1) + 1 = x.

Geometrie

In der Geometrie sind Punkt- und Geradenspiegelungen Involutionen.

Involutorische Chiffren

Involutorische Chiffren weisen die Eigenart auf, dass der Algorithmus zum Verschlüsseln und zum Entschlüsseln identisch ist. Sie sind damit besonders bequem zu handhaben. Ein einfaches Beispiel aus der Kryptologie ist die Verschiebechiffre ROT13, bei der zur Verschlüsselung jeder Buchstabe um den um 13 Stellen im Alphabet verschobenen Buchstaben ersetzt wird. Die zweimalige Anwendung dieser Methode ergibt eine Verschiebung um 26 Buchstaben und damit wieder den ursprünglichen Klartext. In der Geschichte gab es aber auch wesentlich komplexere involutorische Verschlüsselungsverfahren. Das wohl bekannteste Beispiel ist die deutsche Verschlüsselungsmaschine ENIGMA, die im Zweiten Weltkrieg im Nachrichtenverkehr des deutschen Militärs verwendet wurde.

Die logische Funktion Exklusives Oder ist ebenfalls selbstinvers und wird daher unter anderem in Verschlüsselungsalgorithmen wie One Time Pad eingesetzt.

Körperinvolution

Unter einer Körperinvolution versteht man üblicherweise eine Involution, die zugleich ein Körperautomorphismus ist.

Von einer Körperinvolution σ über einem Körper K fordert man also

\sigma^2 = \operatorname{id}_K

sowie für alle a,b\in K

σ(a + b) = σ(a) + σ(b)

und

σ(ab) = σ(a)σ(b).

Die bekannteste nichttriviale Körperinvolution ist die Konjugation über den komplexen Zahlen. Aus diesem Grund benutzt man für eine Körperinvolution oft die gleiche Schreibweise wie für die komplexe Konjugation: Anstelle von σ(a) wird häufig \overline{a} geschrieben.

Ein anderes Beispiel ist der Automorphismus des Körpers

\mathbb Q\left(\sqrt2\right)=\left\{a+b\sqrt2\mid a,b\in\mathbb Q\right\},

der durch

a+b\sqrt2\mapsto a-b\sqrt2

definiert ist. Man beachte, dass er im Unterschied zur komplexen Konjugation den Betrag nicht erhält:

|7-5\sqrt2|\approx0{,}1, aber |7+5\sqrt2|\approx14{,}1.

Literatur


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