Isambard Kingdom Brunel

Isambard Kingdom Brunel
Brunel mit Zylinder und Zigarre vor der riesigen aufgewickelten Ankerkette des Dampfschiffes Great Eastern, Fotografie von Robert Howlett

Isambard Kingdom Brunel (* 9. April 1806 in Portsmouth; † 15. September 1859 in London) war ein britischer Ingenieur. Er ist vor allem mit dem Bau der Great Western Railway (GWR) und einer Reihe bekannter Dampfschiffe bekannt geworden.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Brunels Vater, Sir Marc Isambard Brunel, stammte aus Frankreich und floh vor der Französischen Revolution erst in die USA und 1799 nach Großbritannien. Auch Brunel selbst verbrachte einige Jahre in Frankreich, er besuchte das College von Caen in der Normandie und das Lycée Henri IV in Paris.

Bereits im Alter von 20 Jahren wurde er von seinem Vater zum leitenden Ingenieur beim Bau des Londoner Themsetunnels ernannt - eines der größten Projekte seines Vaters. Der Tunnel war der erste im Schildvortrieb gebaute Tunnel und der erste große Tunnel überhaupt unter einem Fluss. Es dauerte annähernd zwei Jahrzehnte (1825−1843), den Tunnel von einer Seite zur anderen zu treiben. In dieser Zeit gab es zwei schwere Zwischenfälle, bei denen Wasser in den Tunnel eindrang und den jungen Brunel verletzte. Die Arbeit am Tunnel wurde für mehrere Jahre eingestellt, letztlich wurde er aber fertig gestellt.

Eisenbahnbau

Bau der Royal Albert Bridge

1831 wurde er Chefingenieur der Bristol-Docks und entwarf und baute in der Folge die Dockanlagen in Plymouth, Cardiff, Brentford und Milford Haven. Schon 1833 wechselte er zum Eisenbahnbau für die Great-Western-Eisenbahngesellschaft, wo er anstelle der Normalspurweite eine 2.140-mm-Breitspur einführte. In den Jahren nach Brunel wurden die Strecken trotz der Vorteile auf Normalspur umgespurt. Neben mehr als 1.500 km unter seiner Regie gebauten Eisenbahnstrecken im Westen, den Midlands, Südwales und Irland wurde er vor allem für die Kunstbauten seiner Strecken gerühmt: Mit ihren zahlreichen Viadukten, Bahnhöfen und Untertunnelungen galten sie als eines der Wunder des viktorianischen England.

Trivia

Er nutzte eine Britschka als mobiles Büro zur Überwachung des Baus der Great Western Railway, wobei er ein Zeichenbrett, Streckenpläne, sein Werkzeug sowie 50 seiner liebsten Zigarren und ein Klappbett mitnahm.

Schiffbau

Brunels Great Eastern, Juli 1866

Noch vor Eröffnung der Great-Western-Eisenbahn nutzte Brunel sein Renommée, um die Anteilseigner der Bahngesellschaft zu überzeugen, die Great Western zu bauen, zu dieser Zeit das bei weitem größte Dampfschiff der Welt. Die Jungfernfahrt fand 1837 statt. 1843 folgte die Great Britain, der erste propellergetriebene Transatlantikdampfer, der zudem nicht mehr über einen Rumpf aus Holz, sondern einen aus Eisen verfügte. Weitere besondere Merkmale des Schiffes, das heute im von Brunel eigens dafür entworfenen Trockendock in Bristol liegt, sind ein Doppelboden und wasserdichte Schotts.

Aufbauend auf diesen beiden Erfolgen wandte sich Brunel 1852 mit der Great Eastern seinem dritten Schiff zu. Mit 18.916 Bruttoregistertonnen war es ein wahrer Gigant der Meere, ein Rekord, den erst die Celtic im Jahr 1901 einstellen konnte. Schon während des Baus gerieten die Kosten außer Kontrolle, und es gab eine Reihe technischer Probleme. Auch die Größe wurde zu einem Problem, mit etwa 4.000 Passagierplätzen war es für die damalige Zeit bei weitem zu groß dimensioniert. So wurde es bald als Kabelleger über den Atlantik eingesetzt.

Das oben rechts stehende Foto des Fotografen Robert Howlett (1831−1858) mit Brunel vor der Ankerkette ist eine Leitikone des 19. Jahrhunderts, es zeigt die selbstbewusste Ausstrahlung eines Mannes, der alles technisch Mögliche auch für machbar hält.

Sonstige Bauprojekte

Neben der Eisenbahn und den Dampfschiffen war Isambard Brunel auch am Bau einiger großer Brücken beteiligt, darunter die Clifton Suspension Bridge in der Nähe von Bristol und die Royal-Albert-Brücke in Saltash (Cornwall), beide wurden erst nach seinem Tod fertiggestellt (siehe auch: Geschichte des Brückenbaus).

Kurz vor der Jungfernfahrt seines größten Schiffes Great Eastern erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. Zehn Tage später starb er und wurde - wie sein Vater - auf dem Kensal-Green-Friedhof in London begraben.

Ehrungen

Statue von Brunel auf dem Bahnhof London-Paddington

Es gibt eine Anekdote, nach der der Box Tunnel auf der Great Western Main Line so gebaut worden sein soll, dass die Sonne immer an Brunels Geburtstag durch den ganzen Tunnel scheint.

Viele seiner Originalnotizen und -zeichnungen sind heute Teil der Brunel Collection der University of Bristol.

In der Umfrage der BBC nach den 100 größten Briten gehörte er zu den Top 10 und wurde in der zweiten Runde nach Winston Churchill auf den zweiten Platz gewählt.

In Swindon, welches durch die GWR Bedeutung erlangte, ist ein großes Einkaufszentrum im Stadtkern, das Brunel Center, nach Brunel benannt. Dort steht auch, ebenso wie im Bahnhof Paddington, eine Brunel-Statue. Eine weitere Statue, die dem Foto von Brunel vor der Ankerkette nachempfunden ist, steht unweit des Bahnhofs Temple Meads in Bristol vor dem Hauptsitz der Anwaltskanzlei Osborne Clarke, deren Mandant Brunel war. Des Weiteren trägt die Brunel University in Uxbridge (Stadtteil in Greater London) seinen Namen.

Seit 1985 wird von einer internationalen Jury aus Designern und Architekten ein Preis für Eisenbahndesign (Bauten und Fahrzeuge) vergeben, der nach Brunel benannt ist (Brunel Award).

Nach Brunel wurde die Brunel GmbH benannt, ein Dienstleistungsunternehmen im Ingenieurbereich, dessen 1995 gegründete deutsche Zentrale sich in Bremen befindet.

Werke

Eine Auswahl seiner bekanntesten Werke:

Literatur

  • L.T.C. Rolt Isambard Kingdom Brunel, Penguin 1976
  • John Griesemer: Rausch. München. Piper 2005. ISBN 3-49224-226-X (In diesem historischen Roman spielt Brunel eine nicht unwesentliche Rolle.)

Weblinks

 Commons: Isambard Kingdom Brunel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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