Isle of Man TT


Isle of Man TT
Joey Dunlop zwischen Kate's Cottage und Creg ny Baa
Nick Jefferies am Creg ny Baa
Snaefell Mountain Course

Die Isle of Man TT (Kürzel: die TT, für engl. Tourist Trophy) ist ein seit 1907 auf der Isle of Man stattfindendes Motorradrennen. Es gilt als das älteste, gefährlichste und umstrittenste Motorradrennen der Welt.[1]

Inhaltsverzeichnis

Die Rennstrecke

Hauptartikel: Snaefell Mountain Course

Dieses älteste Motorradrennen der Welt findet auf dem Snaefell Mountain Course statt, der kein permanenter Rundkurs ist, sondern aus normalen Straßen der Insel besteht. Diese werden während der Trainings und der Rennen für den Individualverkehr gesperrt.

Start und Ziel der Strecke liegen in Douglas. Die 37,733 mi (60,725 km) lange Strecke stellt wie kein anderes Rennen Anforderungen an Mensch und Material. Es ist kaum möglich, sich jede Kurve und damit verbunden alle Bremspunkte zu merken. Siegfried Schauzu bemerkte dazu: „Die Ideallinie um 10 cm zu verfehlen, kann den Weg ins Jenseits bedeuten.“[2]

Beim Rennen gibt es kein gemeinsames Starterfeld, sondern die Kontrahenten starten einzeln zeitversetzt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit bei der TT beträgt in den Rennen mit den schnellsten Maschinen über 130 mph (209 km/h). Zum Vergleich: auf den modernen Rennstrecken, auf denen Motorrad-Grand-Prix gefahren werden, wird ein Schnitt von ca. 160 km/h erreicht.

Fast jedes Jahr kommt es zu tödlichen Unfällen. Sturzräume und -auffangbereiche sind spärlich bis gar nicht vorhanden. Die Teilnehmer bewegen sich auf dem Asphalt zwischen Häusern, Steinwänden und Böschungen. Auch Fahrbahnkuppen, wie etwa bei Brücken, sind kaum entschärft oder erst in späten Jahren nivelliert worden. Seit 1907 starben 223 Rennfahrer auf dem Straßenkurs (Stand Juni 2007).[3]

→ siehe auch: List of Snaefell Mountain Course fatal accidents

Mad Sunday

Zu jeder TT gehört auch der Mad Sunday, bei dem die Strecke abgesperrt und in einer Richtung auch für Privatfahrer freigegeben wird.[4] Dabei kommt es allerdings nicht zu weniger Unfällen als bei den eigentlichen Rennläufen. „Statistisch gesehen kommt auf einen toten Profifahrer pro Jahr auch wenigstens ein tödlich verunglückter Amateur.“[5]

Der erfolgreichste TT-Fahrer

Der erfolgreichste Fahrer der TT ist Joey Dunlop, der insgesamt 26-mal gewinnen konnte. Dunlop kam im Jahr 2000 bei einem Straßenrennen in Estland ums Leben. John McGuinness ist seit 2009 mit aktuell 17 Siegen der zweiterfolgreichste Fahrer und konnte somit Mike Hailwood, der 14 Siege bei der TT errang, ablösen.

McGuinness fuhr im Jahr 2009 außerdem den aktuell gültigen Streckenrekord. Er umrundete den Mountain Course auf seiner Honda CBR 1000 in 17:12,30 Minuten, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 211,75 km/h entspricht. McGuinness war auch der erste Fahrer in der Geschichte der TT, der einen Schnitt von über 130 mph erreichte. Deutschlands “Mr. TT” ist Siegfried Schauzu, der auf der Isle of Man nicht weniger als 9-mal den Gesamtsieg bei den Gespannen erringen konnte. Die erste Frau, die an diesem Rennen teilnahm, war Inge Stoll. 2010 konnten beide Rennen (5. Juni 2010 und 10. Juni 2010) der Seitenwagen von dem Österreicher Klaus Klaffenböck gewonnen werden, der damit der erste österreichische Sieger seit Rupert Hollaus im Jahr 1954 ist.

Entstehung des Rennens

Erst nach 1900 fanden die ersten Motorradrennen am Kontinent unter dem Namen "Coupe International" abwechselnd im Land des letzten Siegers statt. Dabei wurde ein Reglement angewendet, das Gewicht der Maschine samt Fahrer vorschrieb. Zu dieser Zeit zeichnete sich bereits ab, dass England die Spitze im Motorradrennsport einnehmen würde. Allerdings erließ schon bald die Britische Regierung eine Vorschrift, die Rennen auf nicht permanenten Rennstrecken verbot.

Die Reglementierung der Kontinentalrennen hinsichtlich Gewicht, das Veranstaltungsverbot in England und der Drang nach Fortschritt im Motorradrennsport brachte die Lösung in Form eines Rundstreckenrennens auf der Insel Man, die eine Sonderstellung im Britischen Reich hatte und daher das Verbot nicht beachten musste.

Das erste Reglement der Tourist Trophy 1907 war einfach, einleuchtend und unkompliziert: Es gab keine Begrenzung für Motorhubraum oder Gewicht. Die Konkurrenten mussten jedoch mit einem Durchschnittsverbrauch von 3,1 Liter Benzin pro 100 km bei Einzylindermaschinen bzw. 3,8 l/100 km bei Zweizylindermaschinen auskommen (eine Gallone/4,55 Liter für 90 Meilen/144,837 km bzw. 75 Meilen/120,698 km.) Für das Rennen 1908 wurden die Werte auf 2,8 bzw. 3,5 l/100 km gesenkt.

Ebenso war ein Werkzeugsatz mitzuführen - er wurde auch wirklich gebraucht. Die Motorräder mussten gut funktionierende Auspuffanlagen, einen richtigen Sattel, Kotflügel und Reifen mit zwei Zoll Breite haben. Eine andere wichtige Bestimmung schrieb Pedale vor, damit man mit ihnen den Vorwärtsdrang unterstützen konnte - bei der ersten TT war also Pedalieren erlaubt.[6] Bereits 1908 wurden die Pedale verboten.

Geschichte des Rennens auf der Insel Man

Am 28. Mai 1907 fand das erste Rennen auf der Insel Man mit 25 Fahrern statt. Es ging damals über den so genannten Short Course, der von St. John’s über Ballacraine, Kirkmichael und Peel führte. Die rund 25 km lange Strecke war zehnmal zu umrunden.

1911 wurde der Kurs auf den 60,7 km langen Mountain Course geändert, den die Automobile schon seit 1904 benutzten. Die ersten drei Plätze gingen an die Marke Indian. 1912 wurde dann das Reglement geändert: die Senior-Klasse erlaubte Hubräume bis 500 cm³, die Junior-Klasse bis 350 cm³. Während des Ersten Weltkrieges gab es keine Rennen.

1920 brachte das erste Rennen nach dem Krieg eine neuerliche Erweiterung des Reglements: Junior 250 wird als weitere Klasse eingeführt. 1921 wird die TT zum ersten und einzigen Mal von einem Fahrer mit einer 350-cm³-Maschine gewonnen. Dies gelang Howard Dowies auf A.J.S.. 1925 war erstmals die gesamte Strecke asphaltiert. 1928 wurde die Rennpiste zum ersten Mal auch während des Trainings für den öffentlichen Verkehr gesperrt.

1931 lag die Durchschnittsgeschwindigkeit erstmals über 80 mph (rund 130 km/h). 1935 gewann der Ire Stanley Woods auf Moto Guzzi seinen fünften TT-Titel, nachdem er vorher schon vier Mal auf Norton gewonnen hatte. 1937 holte zum ersten Mal ein Ausländer in der Lightweight-TT, der 250er-cm³-Klasse, einen TT-Sieg: Omobono Tenni auf Moto Guzzi. Im folgenden Jahr gewann Ewald Kluge auf DKW, ebenfalls in der 250er-Klasse, als erster Deutscher ein TT-Rennen. 1939 sicherte sich Schorsch Meier auf BMW als erster Ausländer die begehrte 500er-Trophäe.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte die Tourist Trophy von 1949 bis 1976 zur Motorrad-Straßen-Weltmeisterschaft der FIM. 1951 wurde das Programm um die 125-cm³-Klasse ergänzt. 1957, zum Goldenen Jubiläum, überwand der Schotte Bob McIntyre auf seiner 500-cm³-Gilera erstmals die 100-mph-Grenze (ca. 161 km/h). 1958 gewann MV Agusta als erste Marke alle vier Soloklassen. 1959 schickte Honda zum ersten Mal ein Team zur TT und gewann auch gleich den Teampreis.[7] 1960 siegte John Surtees zum dritten Mal hintereinander in der Senior-TT.

1961 sicherte Mike Hailwood Honda die ersten beiden Titel (in der 125er- und 250er-Klasse) und gewann auf Norton die Senior-TT. 1962 wurde – für sechs Jahre – das Reglement nochmals erweitert: die 50-cm³-Klasse (Ultralightweight-TT) kam hinzu. 1965 schaffte Jim Redman zum dritten Mal hintereinander einen Doppelsieg.[8]

Boykott des Rennens und Veränderung des Status

Nachdem Gilberto Parlotti in der WM-Saison 1972 in der Klasse bis 125 cm³ in Führung liegend tödlich verunglückte, beschloss Giacomo Agostini, nie wieder auf dem gefährlichen Kurs zu fahren. Diesem Boykott schlossen sich Spitzenfahrer wie Phil Read, Barry Sheene und Rodney Gould an, sodass bis zur WM-Saison 1976 die Rennen mehr oder weniger nur von Privatfahrern bestritten wurden. Die FIM nahm die Tourist Trophy Ende 1976 aus der Wertung der Straßen-WM.[9] 1977 wurde mit der Formula TT als Ersatz eine neue Serie geschaffen, die ebenfalls WM-Status hatte. Diese war in drei Kategorien (TT-F1 bis TT-F3) unterteilt und bestand bis 1989 als Weltmeisterschaft, die von der neu entstandenen Superbike-Weltmeisterschaft abgelöst wurde. 1977 und 1978 war der TT-Sieger in der jeweiligen Klasse gleichzeitig Weltmeister, danach flossen weitere Rennen in die WM-Wertung ein.

Das Jubiläumsrennen der Veranstaltung fand 2007 in der Woche vom 2. bis zum 8. Juni statt. Die Trainingswoche ging vom 27. Mai bis zum 1. Juni 2007.

Kurioses

Bei der Junior TT 1926 erschien Garelli mit dem stärksten Motorrad der damaligen Zeit. Die Rennmaschine hatte vier Vergaser und leistete ca. 20 PS bei 4500 U/min. Auf jeder Seite befanden sich zwei Vergaser, die so gekoppelt waren, dass normal nur zwei in Betrieb waren, während die anderen zwei Vergaser erst dann arbeiteten, wenn der Fahrer den Gasgriff über einen bestimmten Punkt drehte. Bemerkenswert war auch, dass die Maschine über zwei Auslasskanäle verfügte. Die Fachleute vor Ort sprachen immer wieder von dem Riesenkrach, den der Zweitakter machte und von Erminio Visioli, der immer wieder beim Training aus der Kurve flog. Letztendlich schied er jedoch beim Hauptrennen wegen eines Bruchs des Gasgestänges aus.[10]

Sieger

Siege Fahrer
26 Joey Dunlop
17 John McGuinness
14 Mike Hailwood, Dave Molyneux
11 Steve Hislop, Phillip McCallen
10 Giacomo Agostini, Rob Fisher, Ian Lougher, Stanley Woods
9 Mick Boddice, David Jefferies, Siegfried Schauzu
8 Bruce Anstey, Ian Hutchinson, Jim Moodie, Phil Read, Charlie Williams
7 Mick Grant, Chas Mortimer, Tony Rutter
6 Geoff Duke, Jimmie Guthrie, Jim Redman, John Surtees
5 Alec Bennett, Nick Crowe, Robert Dunlop, Brian Reid, Carlo Ubbiali
4 Klaus Enders, Freddie Frith, Wal Handley, Trevor Ireson, Dave Leach, Chris Palmer, Ray Pickrell, Tarquinio Provini, Barry Smith, Bill Smith, Jock Taylor, John Williams
3 Ray Amm, Adrian Archibald, Graeme Crosby, Harold Daniell, Max Deubel, Carl Fogarty, Alex George, Tom Herron, Alan Jackson jr., Tony Jefferies, Geoff Johnson, Klaus Klaffenböck, Rob McElnea, Bob McIntyre, Phil Mellor, Dave Morris, Walter Schneider, Ian Simpson, Rolf Steinhausen, Luigi Taveri, Barry Woodland
2 Hugh Anderson, Fergus Anderson, Manliff Barrington, Artie Bell, Geoff Bell, Lowry Burton, Kel Carruthers, Bernard Codd, Charlie Collier, Steven Cull, Howard Davies, Freddie Dixon, Charlie Dodson, Cameron Donald, Iain Duffus, Michael Dunlop, Ryan Farquhar, Bob Foster, Dick Greasley, Shaun Harris, John Hartle, Fritz Hillebrand, Malcolm Hobson, Gary Hocking, Percy Hunt, Bill Ivy, Alistair King, Con Law, Eddie Laycock, Bill Lomas, Graeme McGregor, Trevor Nation, Gary Padgett, Steve Plater, Jock Porter, Michael Rutter, Cecil Sandford, Dave Saville, Tom Sheard, Edwin Twemlow, Malcolm Uphill, Eric Williams
1 Steve Abbott, Dario Ambrosini, Frank Applebee, Ken Arber, Reg Armstrong, Georg Auerbacher, Mark Baldwin, Rob Barber, Harry Bashall, Ian Bell, Dieter Braun, Eric Briggs, Norman Brown, Ralph Bryans, Jimmy Buchan, Trevor Burgess, Roger Burnett, Florian Camathias, Maurice Cann, Phil Carpenter, Phil Carter, Harold Clark, Rod Coleman, Harry Collier, Syd Crabtree, Dave Croxford, John Daniels, Leo Davenport, Geoff Davison, Tommy De la Hay, Ernst Degner, G. P. Douglas, Eddie Dow, Percy Evans, Helmut Fath, Jack Findlay, Frank Fletcher, Rem Fowler, Syd Gleave, Oliver Godfrey, Leslie Graham, Stuart Graham, Werner Haas, Dave Hallam, Roy Hanks, Bryan Hargreaves, Ron Haslam, Ronnie Hazlehurst, Chris Heath, Freddie Hicks, John Holden, Robert Holden, Rupert Hollaus, Clive Horton, Eric Houseley, Dennis Ireland, Mitsuo Itō, Brian Jackson, Nick Jefferies, Gary Johnson, Paddy Johnston, Ken Kavanagh, Bob Keeler, Neil Kelly, Basil Keys, John Kidson, Ewald Kluge, Ray Knight, Dennis Lashmar, Monty Lockwood, Frank Longman, Heinz Luthringshauser, Jack Marshall, Keith Martin, Hugh Mason, Cromie McCandless, Georg Meier, Ted Mellors, Mark Miller, Derek Minter, Brian Morrison, George O’Dell, Eric Oliver, Matt Oxley, Philip Palmer, Len Parker, Denis Parkinson, Graham Penny, Alex Phillip, Derek Powell, Cyril Pullin, Brian Purslow, Richard Quayle, Johnny Rea, Harry Reed, Brett Richmond, Tommy Robb, Alastair Michael Rogers, Nigel Rollason, Dave Roper, Fritz Scheidegger, Martin Sharpe, Dave Simmonds, Bill Simpson, Jimmie Simpson, Henry Tyrell-Smith, Cyril Taft, Omobono Tenni, Steve Tonkin, George Tucker, Kenneth Twemlow, Chris Vincent, Terry Vinicombe, Graham Walker, Frank Whiteway, Cyril Williams, Paul Williams, Peter Williams, Tim Wood, Tommy Wood, Stan Woods

Weblinks

 Commons: Isle of Man TT – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. MOTORRAD Revue, Ausgabe 1979, S. 100
  2. MOTORRAD Revue, Ausgabe 1979, S. 103
  3. Spiegel.de vom 8. Juni 2007 Tourist Trophy: Drei Tote zum hundertsten Geburtstag (abgerufen am 29. Oktober 2011)
  4. Spiegel.de vom 29. Mai 2007 100 Jahre Tourist Trophy: Insel in Schräglage (abgerufen am 29. Oktober 2011)
  5. süddeutsche.de vom 2. Juni 2007 Motorrad-Rennen auf der Isle of Man: Der Ritt auf der Rasierklinge (abgerufen am 28. Oktober 2011)
  6. Beitrag auszugsweise aus dem Buch "Motorrad Sport" von Peter Carrick und Helmut Krackowizer aus dem Kapitel "Die Goldenen Zwanziger und Dreißiger Jahre" mit freundlicher Genehmigung der Erben und Inhaber des Copyrights
  7. Motorradrennen. Traum vom Feuerzeug. Spiegel Online, 2. August 1961, abgerufen am 17. November 2011: „Zum erstenmal starteten japanische Rennmotorräder in der berühmten "Tourist Trophy" (TT) auf der englischen Insel Man.“
  8. Artikel in >>Oldtimer Markt<< 6/2007, Seite 20 - 27.
  9. MOTORRAD Revue, Ausgabe 1979, S. 102
  10. Erwin Tragatsch: Die schnellen Zweitakter von Garelli

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