Jacob Leisler


Jacob Leisler

Jakob Leisler (* um 1640; † 17. Mai 1691) war ein deutsch-amerikanischer Kolonialist. Von 1689 an führte er einen Aufstand im kolonialen New York an. Er übernahm die Kontrolle über die Kolonie, bis er gefangengesetzt und wegen Hochverrats an Jakob II. von England hingerichtet wurde.

Leben

Wahrscheinlich wurde er in dem Dorf Bockenheim, das heute ein Stadtteil von Frankfurt am Main ist, um 1640 geboren. Er wanderte 1660 in die niederländische Kolonie Nieuw Nederland (heute: New York) aus, heiratete eine reiche Witwe, beschäftigte sich mit Handel und brachte es in kurzer Zeit zu einem Vermögen.

Die Glorreiche Revolution in England von 1688 teilte die Bevölkerung New Yorks in zwei deutlich voneinander zu unterscheidende Gruppen. Kleine Ladenbesitzer und Farmer, Seeleute, arme Handelsvertreter und Handwerker waren im allgemeinen gegen die Patrizier, reiche Pelzhändler, Kaufleute, Rechtsanwälte und Offiziere der Krone eingestellt. Die erste Gruppe wurde von Leisler angeführt, während die zweite Gruppe ihre Führer in Peter Schuyler (1657–1724), Nicholas Bayard (ca. 1644–1707), Stephen van Cortlandt (1643–1700), William Nicolls (1657–1723) und anderen Repräsentanten der aristokratischen Familien des Hudson Tals hatte.

Den Leislerianer wird eine größere Loyalität zur protestantischen Erbfolge unterstellt. Als die Nachricht der Gefangennahme des Gouverneurs Andros in Massachusetts bekannt wurde, nahmen sie am 31. Mai 1689 das Fort James ein, benannten es nach Fort William um und bekundeten ihre Bereitschaft, das Fort so lange zu halten bis ein Gouverneur der neuen Herrschaft eingetroffen war. Die Aristokraten waren ebenfalls auf der Seite der Revolution, bevorzugten allerdings die Fortsetzung der Herrschaft von Jakob II., um das Risiko einer herrscherlosen Zwischenregierungszeit aus dem Weg zu gehen.

Der Leutnant Gouverneur Francis Nicholson stach am 24. Juni nach England in See. Eine Bürgerwehr der plebejischen Partei wurde gebildet und Leisler zu deren Chef ernannt. Im Dezember machte er sich zum Leutnant Gouverneur kraft der Autorität eines Briefes der Heimatregierung an Nicholson, rief einen Rat ein und übernahm die Regierung der gesamten Provinz New York, um den Frieden und die Umsetzung der Gesetze Seiner Majestät in dieser Provinz zu gewährleisten.

Er lud zu dem ersten zwischenkolonialen Kongress in New York am 1. Mai 1690 ein, der eine konzertierte Aktion gegen die Franzosen und die eingeborenen Amerikaner auf der Tagesordnung hatte. Colonel Henry Sloughter wurde am 3. September 1689 der eigentliche kommissarische Gouverneur, erreichte New York aber erst am 19. März 1691. In der Zwischenzeit landeten am 28. Januar 1691 Major Richard Ingoldsby und zwei Kompanien Soldaten und verlangten die Herausgabe des Forts. Leisler weigerte sich zu kapitulieren. Daraus folgte eine Attacke am 17. März, in deren Verlauf zwei Soldaten starben und zahlreiche verwundet wurden.

Als Sloughter zwei Tage später in New York eintraf, beeilte sich Leisler das Fort und die Insignien der Macht an ihn zu übergeben. Leisler und sein Schwiegersohn Jacob Milbourne wurden des Hochverrats aufgrund ihres Ungehorsams gegen Major Richard Ingoldsby angeklagt, verurteilt und am 17. Mai hingerichtet. In Bezug auf die Fakten und die Bedeutung der kurzen Regentschaft Leislers in New York hat es unter Historikern zahlreiche Kontroversen gegeben.

Literatur

  • Jerome R. Reich: Leisler's Rebellion. A Study of Democracy in New York 1674–1720, Chicago (IL) 1953
  • Hermann Wellenreuther: Niedergang und Aufstieg. Geschichte Nordamerikas vom Beginn der Besiedlung bis zum Ausgang des 17. Jahrhunderts, Hamburg 2000, S. 543–545 „Aufstieg und Fall von Jakob Leisler“
  • Claudia Schnurmann: Die Rekonstruktion eines atlantischen Netzwerkes – das Beispiel Jakob Leisler, 1660–1691. Ein Editionsprojekt., in: Jahrbuch für europäische Überseegeschichte 2 (2002), S. 19–39 – Beschreibung des internationalen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts einer zweibändigen Quellenedition von Dokumenten aus dem Umfeld Jakob Leislers.

Weblinks


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