Jane Parker


Jane Parker

Jane Boleyn, Viscountess Rochford (auch bekannt als Jane Rochford oder Lady Rochford; * um 1505; † 13. Februar 1542 in London) war eine englische Adelige am Hofe Heinrichs VIII. und hieß Jane Parker bevor sie George Boleyn, den Bruder von Heinrichs zweiter Ehefrau Anne Boleyn, heiratete. Sie nahm somit als Schwägerin der Königin und als deren Hofdame und Vertraute eine einflussreiche Stellung am Hofe ein.

Historische Bedeutung erlangte sie durch ihre Verstrickung in die Prozesse, die zum Tod von George und Anne Boleyn führten, in deren Verlauf ihre Aussage maßgeblich zu deren Verurteilung beigetragen haben soll. Später stand sie auch im Dienst von Catherine Howard, der fünften Ehefrau von Heinrich VIII., mit der zusammen sie 1542 enthauptet wurde.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend und Heirat um 1525

Unter dem Namen Jane Parker um 1505 geboren, war sie die Tochter von Henry Parker, Lord Morley und Alice St. John, der Tochter von Sir John St.John of Bletsoe,[1] der Ländereien in Bedfordshire besaß. Sie verbrachte ihre Kindheit wahrscheinlich auf den Gütern ihres Vaters in Essex, der ein Gelehrter und Übersetzer von Petarch und Plutarch war und treu der Partei des Königs angehörte, dessen Gesandter in Deutschland er auch zeitweilig gewesen war. Jane tauchte zum ersten Mal 1522 in historischen Aufzeichnungen auf, als sie zusammen mit den Schwestern Anne und Mary Boleyn als Tugenden verkleidet an einem Maskenspiel in der Londoner Residenz von Kardinal Wolsey teilnahm. Von Jane ist weder ein Porträt noch eine zeitgenössische Beschreibung überliefert, so dass sichere Aussagen über ihr Aussehen nicht getroffen werden können.

Porträt von Anne Boleyn von Hans Hohlbein.

Um das Jahr 1525 ging sie die Ehe mit George ein, welche sehr vorteilhaft für sie war, da die Familie Boleyn aufgrund der Affären von Mary und Anne Boleyn mit Heinrich VIII. in der Gunst des Königs stand. George selbst war wie der König spiel- und sportbegeistert und machte aufgrund seiner Neigungen schnell Karriere am Hof. Ebenso wie sein Vater Thomas Boleyn gelangte er zu Reichtum und Macht. George stieg vom königlichen Pagen zum königlichen Kammerherrn auf und war oft im Auftrag Heinrich VIII. als Diplomat in Frankreich unterwegs.

Diese Auslandsreisen führten dazu, dass die Eheleute häufig getrennt voneinander waren und es ist nicht bekannt, ob die Ehe glücklich verlief. Aus ihr entstanden zumindest keine Kinder, was Jane wahrscheinlich zu einer angenehmeren Gesellschafterin und Hofdame für die 1533 zur Königin gekrönten Anne Boleyn machte als deren mit Kindern gesegnete Schwester Mary. Im Jahr 1534 wurde Jane in den Depeschen des kaiserlichen Botschafters, Eustace Chapuys, erwähnt, nach denen sie sich an einer Intrige der Königin Anne gegen eine in der Gunst des Königs stehenden Hofdame beteiligt habe. Daraufhin sei Jane vom Hof verbannt und aufs Land geschickt worden. Bezüglich des Wahrheitsgehalts dieses Berichtes und dem Ort und der Dauer von Janes Verbannung liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor.

Prozess und Enthauptung ihres Mannes 1536

Die Familie Boleyn fiel im Jahr 1536 einer Verschwörung zum Opfer, welche zu einer Reihe von Verhaftungen führte. Unter den Verhafteten befanden sich auch die Königin Anne und ihr Bruder George. Er wurde zusammen mit weiteren vier Männern des Ehebruchs mit seiner Schwester und damit des Inzestes bezichtigt. Jane schrieb ihrem im Tower gefangen gehaltenen Ehemann, dass sie sich für ihn beim König einsetzen würde, Thomas Cromwell wies allerdings im Vorfeld des Prozesses alle Antragsteller des Königs ab. Ähnlich wie die anderen Hofdamen aus dem Umfeld der Königin wurde auch Jane von Cromwell bezüglich der Vorwürfe, die gegen ihren Mann und die anderen Verhafteten erhoben wurden, befragt.

Thomas Boleyn, Porträt von Hans Hohlbein.

An dieser Stelle gehen die Meinungen über Janes Verhalten und ihre Beteiligung am Tod ihres Mannes und ihrer Schwägerin auseinander. Oftmals wird in der traditionellen Geschichtsforschung die Ansicht vertreten, dass Jane zu diesem Zeitpunkt Anschuldigungen von Inzest gegen ihren Mann hervorbrachte, um dafür im Gegenzug eine gute Behandlung nach Georges Tod zu erhalten. Retha Warnicke stellte demgegenüber 1989 die These auf, dass Janes Aussagen gegen ihren Gatten ein Akt böswilliger Natur ihrerseits gewesen sein sollen, welche aufgrund seiner angeblichen Homosexualität von ihr hervorgebracht worden sind. Diese Theorie wurde von den meisten Experten allerdings abgewiesen, da es Beweise gibt, welche suggerieren, dass George Boleyn bei Hof durchaus den Ruf eines Frauenhelden hatte.

Julia Fox hingegen bringt neuere Argumente hervor, nach denen Jane durch solch ernste Anschuldigung gegen ihrem Mann nichts zu gewinnen hatte, da sie bei dessen Schuldigsprechung und darauffolgenden Tod, wie am 17. Mai 1536 geschehen, dessen nicht unbeträchtliche Ländereien und Besitztümer einzubüßen hatte. Dies war für sie in keinem Falle von Vorteil, da sie damit ihren hohen Status am Hof und ihren bisherigen Reichtum verloren hatte. Fox legt außerdem Beweise vor, die nahe legen, dass zwischen Cromwell und ihr keinerlei Abmachungen getroffen wurden. Ganz im Gegenteil musste sie, was ihre Geldangelegenheiten nach dem Tod ihres Mannes anbelangte, die Hilfe von Cromwell bezüglich der Streitigkeiten mit ihrem Schwiegervater Thomas Boleyn erbitten, der selbst aufgrund des Skandals an Stellung und Einfluss verloren hatte.

Catherine Howards und ihre eigene Enthauptung 1542

Porträt von Hans Hohlbein, das möglicherweise Catherine Howard darstellt.

Jane kehrte bald an den Hof zurück und war bis zu deren Tod 1537 zunächst eine Hofdame von Jane Seymour und später von deren Nachfolgerinnen als Königinnen von England, Anna von Kleve und Catherine Howard. Bei der Annullierung der Heirat mit Anna von Kleve bezeugte sie im Juli 1540, dass die Ehe nicht konsumiert wurde und half Heinrich VIII. damit bei seiner erneuten Verheiratung mit Annas Hofdame Catherine Howard noch im selben Monat. Jane wurde zur Vertrauten von Catherine und half der jungen Königin bei ihrer Liebesaffäre mit dem königlichen Kammerdiener Thomas Culpeper.

Als man die Affäre im November 1541 dem König zutrug und alle Beteiligten verhaftet wurden, machte Jane sehr belastende Aussagen gegen Catherine und ihren Liebhaber. Catherine ihrerseits beteuerte ihre Unschuld und warf ihrer Hofdame vor, sie mit Culpeper verkuppelt zu haben. Schlussendlich wurden beide am 13. Februar 1542 im Tower von London enthauptet und in der dortigen Kapelle St. Peter ad Vincula beigesetzt. Bei ihrer Hinrichtung soll Jane sich angeblich dazu bekannt haben, dass sie im Prozess gegen ihren Ehemann gelogen hatte: „Gott hat mir erlaubt, dieses beschämende Schicksal zu ertragen, da ich zum Tode meines Ehemannes beigetragen habe. Ich beschuldigte ihn fälschlich, seine Schwester, Königin Anne Boleyn, in inzestuöser Weise geliebt zu haben. Für dies habe ich den Tod verdient.“ [2]

Einzelnachweise

  1. Royal and Noble Genealogical Data on the Web
  2. Originalzitat: “God has permitted me to suffer this shameful doom as punishment for having contributed to my husband's death. I falsely accused him of loving in an incestuous manner, his sister, Queen Anne Boleyn. For this I deserve to die.“

Weblinks

Literatur

  • Julia Fox: Jane Boleyn: The True Story of the Infamous Lady Rochford, New York: Ballantine Books 2007. ISBN 978-0-345-48541-0
  • Julia Fox: Jane Boleyn: The Infamous Lady Rochford, London: Weidenfeld & Nicolson 2007. ISBN 978-0-297-85081-6
  • Retha M. Warnicke: The Rise and Fall of Anne Boleyn: Family Politics at the Court of Henry VIII., Cambridge University Press 1989. ISBN 0521406773 Voransicht des Buches.

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