Java (Indonesien)


Java (Indonesien)
Java
Vulkan Bromo. Im Hintergrund rechts der höchste Berg Javas, der Vulkan Semeru.
Vulkan Bromo. Im Hintergrund rechts der höchste Berg Javas, der Vulkan Semeru.
Gewässer Indischer Ozean
Inselgruppe Große Sunda-Inseln
Geographische Lage 7° 30′ 0″ S, 111° 15′ 0″ O-7.5111.253676Koordinaten: 7° 30′ 0″ S, 111° 15′ 0″ O
Karte von Java
Fläche 126.700 km²
Höchste Erhebung Semeru
3.676 m
Einwohner 130 Millionen dep1
Hauptort Jakarta

Java (indonesisch Jawa) ist eine der vier Großen Sunda-Inseln der Republik Indonesien neben den weiteren Hauptinseln Sumatra, Borneo (Kalimantan) und Sulawesi.

Auf Java liegt auch die indonesische Hauptstadt Jakarta.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Java

Java liegt bei etwa 6° Süd/105° Ost bis ca. 9° Süd/115° Ost südlich von Kalimantan beziehungsweise dem Süden von Borneo und östlich von Sumatra im Indischen Ozean. Die Insel hat eine Fläche von 126.650 km² – mit kleineren vorgelagerten Inseln wie Madura sind es 132.107 km².

Java hat etwa 130 Millionen Einwohner (Stand 2006), mehr als jede andere Insel der Erde. Mit über 1.000 Einwohnern je km² ist die Bevölkerungsdichte eine der höchsten der Welt. Auf Java befindet sich die Hauptstadt der Inselrepublik Indonesien, Jakarta, mit über acht Millionen Einwohnern. Jakarta dehnt sich in der Fläche immer weiter aus und wächst mit den Nachbarstädten Bogor, Tangerang und Bekasi zusammen, wofür inzwischen der Kunstbegriff „Jabotabek“, zusammengesetzt aus den Anfangssilben der Namen der vier Städte, gebräuchlich wurde.

Die Insel ist außerordentlich fruchtbar. Im Westen finden sich noch kleinere Dschungelflächen, während es nach Osten zu allmählich trockener wird. Freie Flächen sind weitgehend kultiviert, wobei von Kaffee über Tabak und Mais zahlreiche Ackerbauprodukte gewonnen werden. Beherrschend aber ist der Reisanbau mit großen Feldern und Reisterrassen.

Neben den zu beobachtenden unterschiedlichsten Erscheinungsformen der Natur (Dschungel, Savannen, Mangrovensümpfen, einer Reihe teils noch aktiver Vulkane und Kraterseen), zeugen zahlreiche Tempelanlagen auf Java von einer wechselvollen Kulturgeschichte vor der Kolonialzeit. Die bedeutendsten sind der buddhistische Tempel von Borobudur sowie der hinduistische Tempel von Prambanan.

Geologie

Lage der Insel Java und die umlaufende Subduktionszone

Java befindet sich, zusammen mit der größeren nordwestlichen Nachbarinsel Sumatra und den kleineren östlich gelegenen Inseln, an der so genannten Sundarinne bzw. dem Sundagraben. Der Sundagraben wiederum stellt die Subduktionszone nördlich der Australischen Platte dar.

Java, selbst fast zur Gänze vulkanischen Ursprungs, ist Teil des so genannten Pazifischen Feuerrings, des Vulkangürtels, der den gesamten Pazifischen Ozean umgibt. Auf der Insel gibt es 38 teils erloschene, teils noch aktive Vulkane; in ganz Indonesien beläuft sich die Zahl der aktiven Vulkane auf etwa 130.

Zu den bekanntesten Vulkanen der Insel zählen der Bromo (2.329 m) und der Merapi (ca. 2.985 m), der als einer der gefährlichsten Vulkane der Welt gilt. Südlich des Tengger-Gebirges mit dem Bromo erhebt sich der höchste Berg Javas, der 3.676 m hohe tätige Vulkan Semeru.

Vom Krakatau bis zum Tambora. Vulkanismus auf Java, Bali, Lombok und Sumbawa

Neben Vulkanismus kommt es auf Grund der geologischen Gegebenheiten auch häufig zu Erdbeben. Das letzte schwere Beben mit der Stärke 6,3 auf der Momenten-Magnituden-Skala ereignete sich am 27. Mai 2006 um 5.54 Uhr Ortszeit. Das Hypozentrum lag nach Angaben des USGS etwa 25 km südsüdwestlich der Stadt Yogyakarta in einer Tiefe von circa 10 km. Das Hauptbeben, gefolgt von mehr als 1000 Nachbeben bis zu einer Stärke von 5,2, kostete nach Angaben der UNO vom 5. Juni 2006 annähernd 5.800 Menschen das Leben, bis zu 57.800 wurden verletzt, mehr als 130.000 Häuser wurden zerstört oder schwer beschädigt und bis zu 650.000 Menschen obdachlos. Am schwersten betroffen war die Stadt Bantul, wo allein etwa 2.400 Menschen starben und vier Fünftel der Gebäude zerstört wurden. Schwer beschädigt wurde auch die Tempelanlage Prambanan, die vorerst für Besucher geschlossen wurde. Der nahe gelegene Vulkan Merapi, der in den Wochen zuvor bereits verstärkt Aktivitäten gezeigt hatte, stieß kurz nach dem ersten Beben eine rund 3,5 km hohe Wolke aus Gasen und Asche aus. In den weiteren Tagen nach dem Beben verstärkte sich seine Aktivität noch weiter um mindestens das Doppelte.

Eine weitere Gefahr geht von Seebeben aus, die Tsunamis verursachen können. Das Seebeben vor Java am 17. Juli 2006 mit einer Stärke vom 7,7 auf der Richterskala, dessen Epizentrum rund 400 km vor der Küste lag, verursachte eine Flutwelle, die nach Augenzeugenberichten eine Höhe von bis zu 4 m erreichte. Ihr fielen auch durch einstürzende Gebäude mehr als 660 Menschen zum Opfer, etwa 300 werden noch vermisst. Zudem wurden rund 30.000 Menschen obdachlos. Besonders schwer betroffen war der Ort Pangandaran, der vor allem bei Einheimischen als Urlaubsort beliebt ist.

Im Mai 2006 bohrte die regionale Firma Lapindo ein ca. 3 km tiefes Loch, um auf vermutetes Öl zu stoßen. Jedoch entpuppte sich das Ölvorkommen als ein unterirdisches Wasservorkommen, welches sich nun als Schlammvulkan, einer großen, 140 °C heißen Schlammfontäne bemerkbar macht. Der Schlammvulkan auf Java überflutete bereits viele Dörfer und Städte im Osten Javas. Versuche, den fauligen Schlick in Flüsse zu leiten, schlugen bislang fehl. Geologen vermuten, dass es noch Jahre dauern könnte, bis sich das Wasservorkommen ausreichend geleert hat, dass der Vulkan zum Versiegen kommt. Ob das überhaupt geschehen wird, ist außerdem umstritten. Der neueste Versuch besteht darin, die angebohrte Stelle des Wasservorkommens mit einer schweren Flüssigkeit namens Micromax zu verschließen.

Geschichte

Prähistorische Zeit

Dass die Insel Java bereits in prähistorischer Zeit besiedelt war, beweist der Fund des „Java-Menschen“, einer Unterart von Homo erectus, der vom niederländischen Anthropologen Eugene Dubois 1891 bei Trinil am Solo-Fluss in der Provinz Jawa Timur gefunden wurde.

Vorkoloniale Zeit

Buddhistische Tempelanlage Borobudur
Hinduistische Tempelanlage Prambanan

Im ersten Jahrtausend nach Christus fassten Buddhismus und Hinduismus auf der Insel Fuß und verschmolzen mit Glaubensvorstellungen der ursprünglichen Bauernkultur. Mehrere Reiche bildeten sich, von denen die mächtigsten Pajajaran und Majapahit waren. Letzteres wurde zwar 1304 vom Sultan von Ternate erobert, kam jedoch 1359 wieder in den Besitz des Monarchen Hayam Wuruk, der in der Folge längere Zeit als Kaiser die ganze Insel beherrschte. Wirtschaftlich profitierte Java von seiner Lage an wichtigen Seehandelswegen nach China. Kulturell blieben aber Übernahmen aus Indien entscheidend. Eine parallele Entwicklung vollzog sich auf der Nachbarinsel Sumatra.

Anfang des 15. Jahrhunderts kamen muslimische Händler aus dem vorderindischen Gujarat auf die Insel, und eine Konversion zum Islam begann.

Kolonialzeit

Zwar hatten die Portugiesen bereits 1579 erste Handelsverbindungen geknüpft, sie wurden aber bald von den erstmals 1594 gelandeten Niederländern verdrängt. Am 1. Juni 1619 eroberten die Niederländer Jakarta, das sie unter dem Namen Batavia zum Zentrum ihres Kolonialreiches in Asien machten. Auf Java selbst beschränkten sie sich vorerst auf die Herrschaft über die Stadt. 1629 belagerte Sultan Agum von Mataram die niederländische Kolonie, blieb aber erfolglos. Der javanische Adel fühlte sich durch Agum ebenfalls bedroht und griff auf Waffenhilfe der technisch überlegenen Niederländer zurück. Als Gegenleistung mussten sie der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) Land abtreten. Dadurch übernahm die VOC im Verlauf des 17. Jahrhunderts die Kontrolle über die ganze Insel. Java lag im Knotenpunkt der asiatischen Seerouten und erlaubte den Niederländern dadurch eine weitgehende Kontrolle des Handels außerhalb des von England dominierten Indien.

Gleichzeitig mit der Durchsetzung der Kolonialherrschaft breitete sich auch der Islam auf Java aus. Popularität gewann er vor allem, weil er von vielen Einheimischen als Gegengewicht zur Kultur der Europäer verstanden wurde. Auf der anderen Seite unternahmen die Niederländer kaum christliche Missionierungsversuche.

Die Niederländer setzten Chinesen als Händler und Steuereintreiber ein, wodurch diese sich bei der einheimischen Bevölkerung unbeliebt machten. Auch zwischen Niederländern und Chinesen wuchsen die Spannungen, weil die Kolonialherren die unkontrollierte Zuwanderung aus China zunehmend als Gefahr betrachteten. 1740 wurden tausende Chinesen in einem Pogrom in Batavia umgebracht. An den Morden beteiligten sich sowohl die lokale moslemische Bevölkerung als auch die niederländischen Kolonialtruppen. Ein Jahr später gab die Kolonialverwaltung offiziell alle Chinesen auf Java zum Abschlachten frei, was weitere Pogrome zur Folge hatte.

Am Anfang des 19. Jahrhunderts übernahm der niederländische Staat die direkte Kontrolle über die Kolonie, nachdem die VOC am 31. Dezember 1799 für insolvent erklärt worden war, und verstärkte in Zusammenarbeit mit dem javanesischen Adel die wirtschaftliche Ausbeutung der Landbevölkerung. Nach dem Britisch-Niederländischen Krieg um Java im Spätsommer 1811 fiel die Insel an die Briten, wurde jedoch nach Ende der Napoleonische Kriege wieder an die Niederlande zurückgegeben.

1825-1830 kam es zu einem Volksaufstand gegen die Niederländer wegen einer neuen Abgabe, die die Einheimischen auf die Reisernte entrichten mussten. Den Kämpfen fielen über 200.000 Javaner und 8.000 Europäer zum Opfer.

1830 wurde das sogenannte cultuurstelsel eingeführt. Statt Pacht zu zahlen, sollten die Bauern nunmehr ein Fünftel ihres Bodens zur Verfügung stellen, um auf diesem Land von der Regierung bestimmte Gewächse anzubauen. Zu diesem System gehörte auch, dass sie ihre Arbeitskraft 66 Tage im Jahr zugunsten der Regierung einsetzten. In der Praxis gingen die Belastungen für die Bauern häufig weit über die offiziellen Vorgaben hinaus. Die Waren wurden nach Europa verschifft und dort gewinnbringend verkauft. Dieses System kritisierte der niederländische Schriftsteller und ehemalige Kolonialbeamte Eduard Douwes Dekker in seinem 1860 unter dem Pseudonym Multatuli veröffentlichten Buch Max Havelaar.

Zeit bis heute

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Insel von den Truppen des japanischen Kaiserreichs besetzt. Seit der Ausrufung der Unabhängigkeit ist Java Teil des Staatsgebietes der Republik Indonesien.

Siehe auch: Japanische Invasion Javas

Bevölkerung

Sprache

Neben der Amtssprache Bahasa Indonesia wird im mittleren und östlichen Teil Javas die javanische Sprache gesprochen. Im westlichen Teil Javas ist die sundanesische Sprache vorherrschend.

Religion

Wie auf Sumatra (90 %) stellen Muslime auch in Java die Bevölkerungsmehrheit. Java wurde im 15. und 16. Jahrhundert islamisiert, so dass heute rund 91 % der Javaner und 97 % der Sundanesen Muslime sind.

Um 1815 schickten die Niederlande erstmals christliche Missionare nach Java. In der Folge traten viele Chinesen zum Christentum über, ebenso einige wenige Javaner, die noch nicht den Islam angenommen hatten.

Im Süden von Zentraljava gibt es einige christliche Gemeinden, die jedoch zum Großteil von Angehörigen der chinesischen Minderheit bewohnt sind.

58 % der moslemischen Javaner bezeichnen sich als Abangan, das heißt sie verstehen die Scharia symbolisch-mystisch, nicht als unmittelbar gültiges Gesetz. Die übrigen sind Santri, die eine eher orthodoxe Auslegung des Islams vertreten.

Wirtschaft

Infrastruktur

Administrativ ist Java in die Provinzen Banten, Jawa Barat (Westjava), Jawa Tengah (Mitteljava), Jawa Timur (Ostjava) und das autonome Fürstentum Yogyakarta unterteilt. Die Stadt Jakarta untersteht unmittelbar der Zentralregierung.

Städte auf Java:

Zentrum von Jakarta

Anhang

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • Mochtar Lubis: Dämmerung in Jakarta
    Mochtar Lubis entwirft in kräftigen Bildern das Panorama einer Großstadt - die Welt der Händler, Beamten, Journalisten, Rikschafahrer und debattierenden Intellektuellen. Der Autor arbeitete als Journalist für indonesische Zeitschriften, 1956 bis 1965 verbrachte er im Gefängnis oder unter Hausarrest, seine Haltung blieb ungebrochen. Nach seiner Rehabilitierung wurde er Chefredakteur der Literaturzeitschrift "Horison". ISBN 3-293-20098-2
  • Levelink/Mawdsley/Rijnberg: Vier Spaziergänge Botanischer Garten Bogor
    Umfassende Angaben zur Geschichte, Systematik der Anlage und etliche Abbildungen. ISBN 979-95078-3-9.
  • Spektrum der Wissenschaft, 1/1984: Der Ausbruch von Krakatau
  • Astronomie heute 3/2004: Der Schrei. Ausbruch des Krakatau und sein Einfluss auf das gleichnamige berühmte Gemälde
  • Norbert Hofmann: Der islamische Festkalender in Java und Sumatra. ISBN 3-88347-000-7
  • Maria Blechmann-Antweiler: Ohne uns geht es nicht - Ein Jahr bei Frauen in Indonesien. Der einjährige Aufenthalt in einer indonesischen Familie wird lebhaft beschrieben, LIT-Verlag, ISBN 3-8258-5645-3

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