Jean-Paul Belmondo


Jean-Paul Belmondo
Jean-Paul Belmondo bei den Filmfestspielen von Cannes 2001.

Jean-Paul Belmondo (* 9. April 1933 in Neuilly-sur-Seine) ist ein französischer Film- und Theaterschauspieler. Belmondo wurde in den späten 1950er-Jahren zunächst als einer der wichtigsten Darsteller der Nouvelle Vague bekannt. Ab Mitte der 1960er-Jahre war er zwei Jahrzehnte lang als Komödiant und sportlicher Held actionbetonter Filme einer der erfolgreichsten Stars des europäischen Kinos.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jean-Paul Belmondo wurde als Sohn des renommierten Pariser Bildhauers Paul Belmondo (1898–1982) und der Tänzerin Madeleine Belmondo geboren. Paul Belmondo, der im Alter von 17 Jahren aus Sizilien nach Paris gekommen war, zählte bekannte Autoren und Künstler wie Albert Camus, die regelmäßig bei ihm zu Besuch waren, zu seinen Freunden. Jean-Paul Belmondo hat einen älteren Bruder, Alain, der ab den 1960er-Jahren als Produktionsmanager und ab den 1970er-Jahren als Produzent seiner Filme tätig war. Belmondos jüngere Schwester Muriel arbeitete wie ihre Mutter als Tänzerin.

Belmondo hatte ein sehr gutes Verhältnis zu seinem Vater, der seine vielfältigen Talente stets förderte und ihn frühzeitig für Kunst und Kultur interessierte. Als Schüler galt Belmondo als schwierig und undiszipliniert und musste mehrmals die Schule wechseln. Am Gymnasium begeisterte er sich für den Boxsport und bestritt ab seinem 13. Lebensjahr mehrere Kämpfe. „Ich übte diesen Sport nie aus, um daraus einen Beruf zu machen. Es war für mich einfach ein Spiel, bei dem man viel zu zahlen hatte, um zu gewinnen.“ Mit 16 Jahren wurde der erkrankte Belmondo zur Genesung in die Auvergne geschickt und machte sich dort Gedanken über seine Zukunft. Er fasste den Entschluss, Schauspieler zu werden.

Bereits in den frühen 1950er-Jahren war Belmondo als Amateurschauspieler tätig und trat beispielsweise auf einer Tournee durch die Pariser Krankenhäuser auf. Sein Vater vermittelte den Kontakt zu André Brunot, einem Mitglied der angesehenen Comédie-Française. Belmondo sprach dem erfahrenen Schauspieler vor und erhielt von diesem den freundschaftlichen Rat, auf keinen Fall eine Schauspielerkarriere anzustreben, da es ihm offensichtlich an Talent fehle. Er gab trotzdem nicht auf und bereitete sich sechs Monate lang auf die Aufnahmeprüfung am Pariser Konservatorium vor, bei dem er problemlos als Schauspielschüler aufgenommen wurde. „Schauspielen muss man lernen“, meinte Belmondo. „Es ist nicht allzu schwer, aber man muss es lernen.“ Auf dem Konservatorium traf er junge Darsteller wie Jean Rochefort, Bruno Crémer, Annie Girardot, Jean-Claude Brialy oder Jean-Pierre Marielle, die zu lebenslangen Freunden wurden und später auch in seinen Filmen zu sehen waren.

Belmondo arbeitete als schlechtbezahlter Tourneeschauspieler und begann, im Theater aufzutreten. Er galt als talentierter Nachwuchsdarsteller, schien aber wegen seines Aussehens kaum dazu prädestiniert, im Kino Karriere zu machen. Er selbst meinte: „Ich dachte nie daran, eines Tages berühmt zu werden. Mit meinem Gesicht hatte ich nichts von einem Verführer an mir, und zu jener Zeit spielte das Äußere noch eine große Rolle.“ Belmondo absolvierte Probeaufnahmen für spätere Filmklassiker wie Fahrstuhl zum Schafott, wurde aber nicht engagiert. 1957 drehte er seinen ersten Film. 1959 gelang ihm schließlich in der Hauptrolle von Außer Atem (Regie: Jean-Luc Godard) der Durchbruch zum Kinostar.

Im selben Jahr heiratete er die Tänzerin Renée „Elodie“ Constant. Aus der Ehe, die 1965 geschieden wurde, gingen die drei Kinder Patricia, Florence und Paul hervor. Paul Belmondo verfolgte in den 1980er/90er-Jahren eine Karriere als Autorennfahrer. Patricia starb 1994 bei einem Brand. 1966 bis 1974 lebte er mit der Schauspielerin Ursula Andress zusammen.

Von 1963 bis 1966 war Belmondo Vorsitzender der Interessenvertretung der französischen Schauspieler. Am 8. August 2001 erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich aber rasch wieder erholte. 2002 heiratete er seine zweite Frau Nathalie und hat mit ihr eine Tochter. Im September 2008 bestätigte der Schauspieler, dass diese Ehe mittlerweile geschieden wurde.[1] 2010 geriet der Star wegen seiner jungen Geliebten Barbara Gandolfi, der er eine größere Geldsumme überwiesen haben soll, in die Schlagzeilen. Gandolfi soll das Geld an ihren Ex-Ehemann weitergeleitet haben, gegen den die Polizei unter anderem wegen Geldwäsche und Zuhälterei ermittelt.[2]

„Bébel“, wie Belmondo in seinem Heimatland liebevoll genannt wird, gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Mitgliedern des französischen Jetsets.

Werk

1957 bis 1959

Jean-Paul Belmondos Filmkarriere begann 1957 mit dem Film À pied, à cheval et en voiture (der nie in Deutschland lief), in dem er nur in einer einzigen Szene zu sehen war. Auch in seinem zweiten Film Sei schön und halt den Mund (1958) hatte er lediglich den Status eines besseren Statisten. (Er traf hier zum ersten Mal auf den ebenfalls noch unbekannten Alain Delon, dessen Karriere parallel zu seiner verlaufen sollte.)

1958 und 1959 trat Belmondo als Nebendarsteller in mehreren Filmen auf und spielte unter der Regie renommierter Regisseure wie Marcel Carné oder Marc Allégret. In Ein Engel auf Erden (1959) war er an der Seite von Romy Schneider zu sehen. Die Filme, in denen Belmondo zu sehen war, zählten in der Regel zum konventionellen französischen Unterhaltungskino. Dieses wurde von den jungen Kritikern der einflussreichen Filmzeitschrift Cahiers du cinéma scharf angegriffen, da sie es als blutleer und künstlerisch wertlos empfanden.

In den späten 1950er-Jahren wechselten die wichtigsten Kritiker der Cahiers auf den Regiestuhl und begannen mit geringen Budgets ihre ersten Filme zu inszenieren. Es war der Beginn der Nouvelle Vague, die dem nationalen und internationalen Kino auf Jahre hinaus wichtige Impulse gab. Den typischen Studioproduktionen des etablierten Kinos, die als steril bezeichnet wurden, begegneten die Regisseure der Nouvelle Vague mit einer modernen und unkonventionellen Filmsprache. Jean-Paul Belmondo arbeitete bis in die frühen 1970er-Jahre regelmäßig für die wichtigsten Nouvelle Vague-Regisseure (Jean-Luc Godard, François Truffaut, Claude Chabrol, Louis Malle, Alain Resnais) und wurde zum führenden Darsteller dieser Ära.

Zum bedeutendsten Film der Nouvelle Vague avancierte Jean-Luc Godards Debütwerk Außer Atem. Der frühere Cahiers-Kritiker Godard, 29, drehte diesen Schwarzweißfilm 1959 mit einem sehr geringen Budget in und um Paris. Er filmte mit einer wackligen Handkamera auf den Straßen, ließ Dialoge improvisieren und verwendete unkonventionelle Schnittechniken. Hauptdarsteller von Außer Atem war der 26jährige Jean-Paul Belmondo, der in der Rolle des Kleinganoven Michel Poiccard zu sehen ist, der ziellos in den Tag hineinlebt, obwohl ihm nach einem Polizistenmord die Fahnder dicht auf den Fersen sind. Nachdem ihn seine Freundin Patricia (Jean Seberg) an die Polizei verraten hat, wird er auf offener Straße erschossen – hat aber noch Zeit, zu Patricia den berühmten Schlusssatz zu sprechen: „Du bist wirklich zum Kotzen!“

Außer Atem wurde zu einem großen Kassenerfolg und zu einem Klassiker des internationalen Kinos. Die innovative Filmsprache Godards inspirierte weltweit die jungen Filmemacher, zum Beispiel die Regisseure des New Hollywood oder des Neuen Deutschen Films. Mit der Figur des Poiccard schuf Belmondo einen modernen Antihelden, dessen fatalistisch-zynische Grundhaltung bereits auf die 1960er-Jahre verwies. Der Film etabliert Belmondo als ersten Protagonisten einer neuen Generation von Leinwandstars, die nicht mehr der Tradition des gutaussehenden Helden verpflichtet waren, sondern durch realitätsbezogene Darstellungen auffielen. Ein Jahrzehnt später konnten sich in den Vereinigten Staaten Darsteller wie Dustin Hoffman oder Jack Nicholson in diesem Rollenfach profilieren.

Belmondo wurde durch Außer Atem über Nacht zur Identifikationsfigur eines vorwiegend jungen Publikums, das sich in der von ihm dargestellten Figur wiederfand. Er spielte auch in anderen Filmen mit großer Sicherheit und Natürlichkeit die Rolle des rebellischen Außenseiters, der nur seine eigenen Regeln akzeptiert.

1959 trat Belmondo an der Seite von Lino Ventura in Claude Sautets Gangsterfilm Der Panther wird gehetzt auf, der zu einem Klassiker seines Genres wurde. Belmondo ist der beste Freund von Abel Davos (Ventura), eines zum Tode verurteilten Verbrechers, dessen Verhaftung er nicht verhindern kann. Der junge Schauspieler war hier erstmals gleichwertiger Partner eines führenden Kinostars. 1960 arbeitete Belmondo für Die Französin und die Liebe zum ersten Mal mit Henri Verneuil zusammen, unter dessen Regie er bis 1984 in vielen Kassenhits zu sehen war. In diesem Liebesfilm spielte Belmondo allerdings noch eine Nebenrolle.

1960 bis 1964

Zwischen 1960 und 1964 absolvierte Belmondo ein enormes Arbeitspensum und war in 28 Filmen zu sehen. Er profilierte sich als wandlungsfähiger Darsteller in allen Genres und wurde neben Alain Delon zum populärsten französischen Schauspieler seiner Generation.

In Peter Brooks' Film Stunden voller Zärtlichkeit (1960), nach einem Roman von Marguerite Duras, trat Belmondo als Fabrikarbeiter auf, der eine Affäre mit einer gelangweilten Industriellengattin (Jeanne Moreau) beginnt. (Während der Dreharbeiten wurde Belmondo zusammen mit Moreaus Sohn in einen schweren Autounfall verwickelt.) Unter Star-Regisseur Vittorio de Sica spielte er 1961 neben Sophia Loren in ... und dennoch leben sie, einem Drama aus dem Rom des Jahres 1943. Im selben Jahr war er an der Seite von Claudia Cardinale in Das Haus in der Via Roma zu sehen, einem romantischen Melodram im Florenz des 19. Jahrhunderts. 1961 spielte Belmondo zum zweiten Mal unter Jean-Luc Godard und trat in Eine Frau ist eine Frau auf, einem Liebesfilm im Stil der Nouvelle Vague, der bei den Berliner Filmfestspielen ausgezeichnet wurde. In Eva und der Priester (1961) war Belmondo erstmals unter der Regie von Jean-Pierre Melville zu sehen und trat in der ungewohnten Rolle eines Pfarrers auf, in den sich, zur Zeit der deutschen Besatzung Frankreichs, eine junge Frau verliebt. Melville zeigte sich von seinem Star begeistert: „Belmondo ist der außergewöhnlichste Schauspieler seiner Generation. Er kann einfach alles.“

1962 war Belmondo in dem Mantel-und-Degen-Film Cartouche (Regie: Philippe de Broca) erstmals in der Rolle eines charmanten Abenteurers zu sehen. Im vorrevolutionären Frankreich erleichtert er als Chef einer Diebesbande adlige Damen um ihren Schmuck, um ihn seiner Gefährtin Venus (Claudia Cardinale) zu schenken. In Ein Affe im Winter spielte er unter der Regie von Henri Verneuil an der Seite des legendären Jean Gabin, der sich als gelangweilter Hotelbesitzer mit dem jüngeren Belmondo befreundet. In dem Gangsterfilm Der Teufel mit der weißen Weste trat Belmondo erneut unter Jean-Pierre Melville auf. Dieser inszenierte ihn 1962 auch in Die Millionen eines Gehetzten. Belmondo ist als Privatsekretär des alten Charles Vanel zu sehen, der mit einem Geldkoffer durch die USA flüchtet. Beide Melville-Filme gelten als Klassiker des französischen Kinos.

Unter Marcel Ophüls trat Belmondo 1963 in dem Film Heißes Pflaster auf. Als Ehemann von Cathy (Jeanne Moreau) übt er zusammen mit dieser Rache an denen, die ihren Vater ruiniert haben. Im selben Jahr spielte Belmondo unter der Regie von Henri Verneuil und an der Seite von Lino Ventura einen Lastwagenfahrer in Nordafrika (100.000 Dollar in der Sonne). 1964 trat er unter anderem in der Boulevardkomödie Jagd auf Männer (Regie: Edouard Molinaro) und dem Kriegsfilm Dünkirchen, 2. Juni 1940 (Regie: Henri Verneuil), einer Verfilmung von Robert Merles Roman Wochenend in Zuidcoote auf.

1964 gelang dem Schauspieler mit Philippe de Brocas Abenteuer in Rio der endgültige Durchbruch zum internationalen Star. Der sehr erfolgreiche Abenteuerfilm zeigte Belmondo als jugendlichen Draufgänger, der in Frankreich und Brasilien in wilde Verfolgungsjagden verwickelt wird. Abenteuer in Rio gab dem Darsteller ausgiebig Gelegenheit, sich als Actionstar zu profilieren, der sich auch bei gefährlichen Stunts in der Regel nicht doubeln ließ (er turnt hier unter anderem über die Rohbauten von Brasília). Belmondo entsprach zwar rein äußerlich nicht dem klassischen Typus des Abenteuerhelden à la Errol Flynn. Dennoch wurde der durchtrainierte Schauspieler mit dem frechen Charme fortan in Action- und Abenteuerrollen sehr populär. (1963 erhielt der Titelheld der bekannten Western-Comicserie Leutnant Blueberry Belmondos Gesichtszüge.)

1965 bis 1969

In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre reduzierte Belmondo sein Arbeitspensum erheblich und drehte nur noch elf Filme.

In Godards surrealistischem Roadmovie Elf Uhr nachts (1965), dem vielleicht schönsten Liebesfilm der Nouvelle Vague, fährt Ferdinand alias „Pierrot le Fou“ (Belmondo) mit seiner Ex-Freundin Marianne Renoir, (gespielt von der dänischen Schauspielerin und Sängerin Anna Karina) auf eine einsame Insel, um dort sein Glück zu finden. Nachdem er erkennen muss, dass sie ihn betrogen hat, sprengt er sich mit Dynamit in die Luft. Mit Die tollen Abenteuer des Monsieur L. (nach Jules Verne) versuchte Philippe de Broca 1965 mit einem noch größeren Aufwand an den Erfolg von Abenteuer in Rio anzuknüpfen. Der Film war bei Kritik und Publikum aber weniger erfolgreich. 1966 erschien Belmondo in Brennt Paris?, einem hochbudgetierten Filmepos mit vielen internationalen Stars, das die Ereignisse kurz vor der Befreiung von Paris im Jahre 1944 nachzeichnet.

Louis Malle inszenierte Belmondo 1967 in Der Dieb von Paris, in dem der Darsteller einen Sohn aus gutem Hause spielt, der aus Trotz zum Berufseinbrecher wird. In der hochbudgetierten James Bond-Parodie Casino Royale (1967) hatte Belmondo einen kurzen Gastauftritt als französischer Legionär. 1968 spielte er (nachdem er von einer zweijährigen Weltreise zurückgekehrt war) in Robert Enricos Krimi Ho! einen Fahrer von Fluchtfahrzeugen. Regisseur Claude Lelouch, ein Spezialist für Melodramen, verwirklichte mit Belmondo 1969 Der Mann, der mir gefällt, in dem der Darsteller eine Affäre mit Annie Girardot beginnt (seiner ehemaligen Schauspielschulkameradin). Der renommierte François Truffaut besetzte Belmondo im selben Jahr in dem Klassiker Das Geheimnis der falschen Braut, in dem der Star in der passiven, eher ungewohnten Rolle eines Mannes zu sehen ist, der sich aus Liebe von einer schönen Blondine (Catherine Deneuve) verraten lässt.

Für Belmondo endeten die 1960er-Jahre mit dem Kassenerfolg von Das Superhirn (1969), einer hochbudgetierten Actionkomödie, in der Belmondo (neben internationalen Stars wie David Niven und Eli Wallach) als sympathischer Kleinganove zu sehen ist, der einen Zugraub durchführt.

1970 bis 1979

Borsalino, eine Gangstergeschichte aus dem Marseille der 1930er-Jahre, vereinigte 1970 mit Alain Delon und Jean-Paul Belmondo die beiden größten französischen Stars dieser Ära. Der Film (Regie: Jacques Deray) wurde wie erwartet zu einem großen Publikumserfolg. (Belmondo musste allerdings einen Prozess anstrengen, weil Alain Delon als Co-Produzent entgegen der Verträge doppelt bezahlt worden war.) Mit Jean-Paul Rappeneaus Musketier mit Hieb und Stich (1970) konnte sich der Darsteller acht Jahre nach Cartouche erneut als Mantel-und-Degen-Held profilieren und einen großen Kassenhit verbuchen. Als sehr erfolgreich erwies sich auch Henri Verneuils Actionthriller Der Coup (1971), in dem Belmondo mehrere gefährliche Stuntszenen absolvierte und neben Omar Sharif auftrat.

In Philippe Labros Der Erbe (1972) entlarvt Belmondo als Erbe eines Industrieimperiums die Verbrecher, die seinen Vater getötet haben. Claude Chabrols Doktor Popaul zeigte den Star 1972 in einer Gesellschaftssatire. Im selben Jahr war Belmondo auch an der Seite von Claudia Cardinale in dem Gangsterfilm Der Mann aus Marseille zu sehen. In der maßgeschneiderten Rolle eines charmanten Abenteurers konnte der Star 1973 in Le Magnifique (Regie: Phillipe de Broca) erneut einen großen Erfolg verbuchen: Belmondo trat hier als schüchterner Schriftsteller in Erscheinung, der sich in die von ihm verfassten Abenteuergeschichten halluziniert. Auf sehr viel weniger Publikumsresonanz stieß 1974 Alain Resnais' ambitionierter Film Stavisky, der den Skandal um den gleichnamigen Betrüger nachzeichnet, der in den 1930er-Jahren für Aufsehen gesorgt hatte.

Während Belmondo bis in die frühen 1970er-Jahre eine Vielzahl unterschiedlichster Rollen übernommen hatte und unter der Regie der französischen Spitzenregisseure aufgetreten war (Godard, Malle, Truffaut, Melville, Resnais, Chabrol), waren seine Filme ab Mitte der 1970er-Jahre fast ausnahmslos auf sein Image als Komödiant und sportlicher Actionheld zugeschnitten und betont kommerziell ausgerichtet. Dies brachte dem Schauspieler, der bis Mitte der 1980er-Jahre weiterhin sehr erfolgreich war und auch im deutschsprachigen Raum zu den populärsten Stars zählte, Kritik ein.

Mit dem Actionthriller Angst über der Stadt, der deutlich von amerikanischen Polizeifilmen wie Dirty Harry inspiriert war, drehte Henri Verneuil 1975 einen seiner publikumswirksamsten und erfolgreichsten Filme. Als knallharter Kommissar Le Tellier jagt Belmondo einen Frauenmörder und absolviert auf den Dächern und U-Bahnen von Paris spektakuläre Stunts. Im Jahr darauf inszenierte Verneuil mit seinem langjährigen Hauptdarsteller den inhaltlich ambitionierten Film Der Körper meines Feindes, der ein kritisches Licht auf die Korruptheit der „besseren Kreise“ warf.

1975 war Belmondo als Verkleidungskünstler und charmanter Betrüger in Der Unverbesserliche von Phillipe de Broca zu sehen. Eine völlig gegensätzliche Rolle übernahm er 1976 in dem harten Thriller Der Greifer von Philip Labro. Belmondo trat als Spezialagent Pilard in Erscheinung und jagte einen brutalen Raubmörder (gespielt von seinem ehemaligen Schauspielschulkameraden Bruno Crémer). 1977 war der Star erneut in der Rolle eines sportlich-charmanten Filous zu sehen und spielte, an der Seite von Raquel Welch, in Ein irrer Typ den Stuntman Mike, der als Double für den eitlen Superstar Bruno Ferrari engagiert wird. Belmondo trat hier in einer Doppelrolle auf. In dem Actionfilm Der Windhund (1979) trat Belmondo erneut als harter Kommissar in Erscheinung und räumte in bewährter Weise in der Unterwelt von Nizza auf. Der Windhund war der erste von vier Erfolgsfilmen, die der Star zusammen mit Regisseur Georges Lautner realisierte.

1980 bis heute

Belmondo mit Lebensgefährtin Barbara Gandolfi und Festivalleiter Gilles Jacob (rechts) bei den Filmfestspielen von Cannes 2011

Lautner inszenierte Belmondo 1980 in der Gaunerkomödie Der Puppenspieler und drehte 1981 den Actionthriller Der Profi, der zu einem der bekanntesten Filme des französischen Stars wurde. Als Spezialagent Beaumont, der von seinen eigenen Auftraggebern verraten wurde, startet Belmondo, nachdem er aus einem afrikanischen Straflager fliehen konnte, einen Rachefeldzug in Paris. Komponist Ennio Morricone konnte mit seiner eingängigen Musik einen Hitparadenerfolg verbuchen.

In Das As der Asse (1982) von Gérard Oury wird Belmondo – als Trainer der französischen Boxmannschaft – während der Olympiade 1936 zum Beschützer eines jüdischen Jungen. 1983 trat er erneut als knallharter Kommissar vor die Kamera (Der Außenseiter, Regie: Jacques Deray). Im Jahr darauf drehte Belmondo mit Die Glorreichen, einer Abenteuerkomödie vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs, seinen letzten Film mit Henri Verneuil. Auf Georges Lautners romantische Komödie Fröhliche Ostern (1984) folgte die Actionkomödie Der Boß von 1985, in der Belmondo einen trickreichen Bankräuber spielte. Bei den Dreharbeiten zu diesem Film trug der 52jährige Star während eines Stunts eine Kopfverletzung davon und entschloss sich, seine Karriere als Actionstar zu beenden. Seine letzte Rolle in diesem Genre spielte er 1987 in Der Profi 2, mit dem er allerdings nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen konnte.

Belmondo war seit den späten 1980er-Jahren nur noch in wenigen Filmen zu sehen, in denen er meist in Charakterrollen auftrat, die seinem Alter angemessen waren. Ab den 1990er-Jahren fanden seine Filme in der Regel keinen deutschen Verleih mehr. Auch die Actionkomödie Alle meine Väter (1998), in der Belmondo erneut mit Alain Delon auftrat, wurde nie in den deutschen Kinos gezeigt. Nach seinem Schlaganfall 2001 stand Belmondo jahrelang nicht mehr vor einer Kamera. 2009 erschien sein bisher letzter Film, Ein Mann und sein Hund.

2011 wurde Belmondo auf den 64. Filmfestspielen von Cannes im Rahmen eines Galaabends gewürdigt. Einher ging diese Ehrung mit der Premiere von Vincent Perrots und Jeff Domenechs Dokumentarfilm Belmondo, Itinéraire… (englischsprachiger Titel: Belmondo, The Career).[3]

Sonstiges

1987 nahm Belmondo (ab 1992 im eigenen Théâtre des Variétés) seine Bühnenarbeit wieder auf und ist seither in Komödien, aber auch in klassischen Tragödien erfolgreich.

Belmondo wurde bis Mitte der 1970er-Jahre hauptsächlich von Peer Schmidt und Klaus Kindler synchronisiert. Danach wurde Rainer Brandt zum Standardsynchronsprecher des Schauspielers. Brandt peppte Belmondos Dialoge mit den für ihn üblichen Jux-Dialogen auf („Joss Beaumont – Spionage und Schnauzenpolierer“).

Filmografie (Auswahl)

Handabruck und Unterschrift Belmondos vor dem Palais des Festivals et des Congrès in Cannes
1950er
  • 1956: Molière – Regie: Norbert Tildian
  • 1957: À pied, à cheval et en voiture – Regie: Maurice Delbez
  • 1958: Sonntagsfreunde (Les copains du dimanche) – Regie: Henri Aisner
  • 1958: Sei schön und halt den Mund (Sois belle et tais-toi) – Regie: Marc Allégret
  • 1958: Die sich selbst betrügen (Les tricheurs) – Regie: Marcel Carné
  • 1958: Leben und lieben lassen (Drôle de dimanche) – Regie: Marc Allégret
  • 1959: Schritte ohne Spur (À double tour)
  • 1959: Ein Engel auf Erden (Mademoiselle Ange)
1960er
  • 1960: Außer Atem (A bout de souffle) – Regie: Jean-Luc Godard
  • 1960: Der Panther wird gehetzt/The Big Risk – Volles Risiko (Classe tous risques) – Regie: Claude Sautet
  • 1960: Stunden voller Zärtlichkeit (Moderato cantabile) – Regie: Peter Brook
  • 1960: Die Französin und die Liebe (La Française et l’amour) – Regie: Michel Boisrond, Christian-Jaque
  • 1960: Riskanter Zeitvertreib (Les distractions) – Regie: Jacques Dupont
  • 1960: Charlotte und ihr Typ (Charlotte et son Jules) – Regie: Jean-Luc Godard
  • 1960: Die Nacht vor dem Gelübde (Lettere di una novizia) – Regie: Alberto Lattuada
  • 1960: Und dennoch leben sie (La ciociara) – Regie: Vittorio De Sica
  • 1961: Das Haus in der Via Roma (La viaccia) – Regie: Mauro Bolognini
  • 1961: Eine Frau ist eine Frau (Une femme est une femme) – Regie: Jean-Luc Godard
  • 1961: Eva und der Priester (Léon Morin, prêtre) – Regie: Jean-Pierre Melville
  • 1961: Galante Liebesgeschichten (Amours célèbres) – Regie: Michel Boisrond
  • 1961: Sie nannten ihn Rocca (Un nommé La Rocca) – Regie: Jean Becker
  • 1961: Die Nacht mit Anja (Riviera-Story) – Regie: Wolfgang Becker
  • 1962: Cartouche, der Bandit/Cartouche – Rächer der Armen (Cartouche) – Regie: Philippe de Broca
  • 1962: Ein Affe im Winter (Un singe en hiver) – Regie: Henri Verneuil
  • 1962: Der Teufel mit der weißen Weste (Le doulos) – Regie: Jean-Pierre Melville
  • 1963: Heißes Pflaster (Peau de banane) – Regie: Marcel Ophüls
  • 1963: Verrückte Seefahrt (Mare matto) – Regie: Renato Castellani
  • 1963: Die Millionen eines Gehetzten (L’aîné des Ferchaux)
  • 1964: 100.000 Dollar in der Sonne (Cent mille dollars au soleil)
  • 1964: Der Boß hat sich was ausgedacht (Echappement libre)
  • 1964: Jagd auf Männer (La chasse à l’homme)
  • 1964: Dünkirchen, 2. Juni 1940 (Week-end à Zuydcoote)
  • 1964: An einem heißen Sommermorgen (Par un beau matin d'été)
  • 1964: Abenteuer in Rio, auch: Der Unverwüstliche (L’homme de Rio)
  • 1965: Elf Uhr nachts (Pierrot le fou)
  • 1965: Die tollen Abenteuer des Monsieur L. (Les tribulations d'un Chinois en Chine)
  • 1966: Der Schlaufuchs, auch: Geliebter Schuft (Tendre voyou)
  • 1966: Brennt Paris? (Paris brûle-t-il?)
  • 1967: Der Dieb von Paris (Le voleur)
  • 1967: Casino Royale
  • 1968: Ho! Die Nummer Eins bin ich (Ho!)
  • 1969: Der Mann, der mir gefällt (Un homme qui me plaît)
  • 1969: Dieu a choisi Paris
  • 1969: Das Superhirn (Le cerveau)
  • 1969: Das Geheimnis der falschen Braut (La sirène du Mississippi)
1970er
1980er
1990er
  • 1992: Das unheimliche Haus, auch: Der Unbekannte (L’inconnu dans la maison)
  • 1995: 101 Nacht – die Träume des M. Cinéma (Les cent et une nuits)
  • 1995: Les Misérables (Les misérables du vingtième siècle) – Regie: Claude Lelouch
  • 1996: Désiré
  • 1997: Ventura
  • 1998: Alle meine Väter (Une chance sur deux), auch: Einer von beiden (Half a Chance )
  • 1999: Peut-être
2000er

Auszeichnungen

Literatur

  • François Guérif, Stéphane Levy-Klein: Jean-Paul Belmondo. Seine Filme – sein Leben. Heyne, München 1981, ISBN 3-453-86032-2.

Weblinks

 Commons: Jean-Paul Belmondo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Jean-Paul Belmondo: Scheidung nach 19 Jahren mit Natty, Focus Online vom 8. September 2008
  2. Jean-Paul Belmondo: Eine traurige Rolle, sueddeutsche.de vom 6. August 2010
  3. vgl. Offizielle Pressmitteilung bei festival-cannes.com, 30. März 2011 (aufgerufen am 16. April 2011).

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