Jerry Cotton

Jerry Cotton

Jerry Cotton ist die im deutschsprachigen Raum kommerziell erfolgreichste Serie von Kriminalromanen. Sie werden der Trivialliteratur bzw. den so genannten Heftromanen zugerechnet. Erfinder der Serie ist Delfried Kaufmann. Die Gesamtauflage beträgt ca. 850 Millionen Exemplare; gleichzeitig dient Jerry Cotton als Verlagspseudonym, unter dessen vorgeblicher Autorenschaft die Serie erscheint. Die Heftserie erscheint im Bastei-Verlag und wird vor allem über Kioske und Zeitschriftenläden vertrieben.

Nach einer Serie von acht Kinofilmen mit George Nader in den 1960er Jahren erschien 2010 eine Neuverfilmung.

Das Logo der Kriminalromane

Inhaltsverzeichnis

Charakterisierung der Figur

G-Man Jerry Cotton, geboren als Jeremias Cotton im fiktiven Harpersvillage, Connecticut,[1] ausgebildet an der FBI-Akademie in Quantico, Virginia, ist New Yorker FBI-Agent und löst Straftaten im Umfeld des organisierten Verbrechens auf. Eine der wenigen deutschsprachigen Veröffentlichungen des FBI versichert, dass die fiktionale Figur Jerry Cotton kein tatsächlicher Mitarbeiter dieser Behörde sei. Das Aussehen von Jerry Cotton wird in den Romanen, die in der Ich-Form geschrieben sind, nur vage beschrieben, sodass sich jeder Leser sein eigenes Bild von ihm machen kann. Man kann allerdings davon ausgehen, dass die Filme, in denen der US-amerikanische Schauspieler George Nader Cotton verkörperte, die Vorstellung, wie Jerry Cotton auszusehen habe, bis heute prägen.

Wichtige Figuren der Serie sind neben Cotton seine Kollegen Phil Decker, Annie Geraldo († 2005), Zeerookah (indianischer Abstammung), Steve Dillaggio, John D. High (FBI-Chef von New-York-City, Ehefrau und Kinder wurden von Gangstern ermordet), Helen (Mr. Highs Sekretärin), June Clark, Ruby O’Hara (auch Roby O’Hara), Les Bedell, Joe Brandenburg (früherer Captain bei der New Yorker City-Police), Myrna (Mitarbeiterin in der Telefonzentrale des FBI) und Windermeere. Jerry Cotton fuhr erst einen Jaguar XK 150, dann in den Filmen einen Jaguar E-Type, Baujahr 1966. Dieser Wagen wurde jedoch in Band 2217 (Die letzte Fahrt im Jaguar) verschrottet. Zunächst fuhr er einen originalen Jaguar XKR. Mittlerweile benutzt er einen sogenannten Hybriden, bestehend aus Fahrgestell und Antrieb einer Dodge Viper mit einer am Jaguar XKR orientierten Kohlefaserkarosserie.

Geschichte

1954 erschien das erste Romanheft mit dem Titel Ich suchte den Gangster-Chef als Nr. 68 in der Reihe Bastei Kriminalroman. Nach etwa zwanzig Heften wurde Jerry Cotton aus dem Bastei-Kriminalroman 1956 ausgekoppelt und erschien mit dem Titel Ich jagte den Diamanten-Hai erstmals als eigenständige Heftserie. Band 500 der Serie, Sterben will ich in New York, erschien in der ersten Auflage im Überformat mit New-York-Stadtplan und Anfangsgeschichte von Jerry Cotton (Jeremias Baumwolle). 2005 erreichte die Heftserie die 2500. Ausgabe. Wegen des großen Erfolges startete am 7. März 1959 die zweite Auflage Welterfolg mit dem Untertitel Nichts ist spannender. Die dritte Auflage Bestseller, in der ausgesuchte Romane der Serie zum Abdruck kamen, startete am 19. Januar 1970 und wurde am 8. November 2005 mit Nummer 1600 eingestellt.

Zum Höhepunkt des Jerry Cotton-Fiebers erschien alle zwei Wochen außerdem eine vierte Auflage, die am 17. Januar 1978 begann, jedoch am 16. Februar 1996 mit Band 554 eingestellt wurde.

Die dritte Auflage wurde von den Jerry Cotton Classics abgelöst, die seit dem 25. Oktober 2005 mit dem Untertitel Die Fälle der frühen Jahre erscheint. Bei Band 1 handelte es sich um ein bisher unveröffentlichtes Originalmanuskript, alle weiteren Romane wurden, wie auch in der vierten Auflage, in einer völlig zusammenhanglosen Reihenfolge abgedruckt.

1963 startete zusätzlich die Taschenbuchserie, deren erste Bände von Heinz Werner Höber stammten. Die Taschenbücher erreichten 2003 die 500. Ausgabe, zuständiger Lektor ist Ex-Heft-Lektor Peter Thannisch. Die Taschenbücher erschienen zudem als zweite Auflage in Einzel-Bänden; heute werden sie alle zwei Monate zu einem Dreierband zusammengefasst.

Erfinder der Serie ist Delfried Kaufmann, um dessen Person der Bastei-Verlag jahrelang ein großes Geheimnis machte, indem er nur vage von einem „Herrn K.“ sprach. Erst Jörg Weigand enttarnte Kaufmann 1998 in einem Artikel für die Welt als Erfinder der Cotton-Serie.[2] Kaufmann ist nach wie vor für die Cotton-Serie aktiv und schrieb unter anderem große Jubiläumsbände wie Nr. 500, 1000 und 2000. Ursprünglich hatte Kaufmann mit seinem ersten Roman die zur damaligen Zeit kursierenden und von ihm geringgeschätzten amerikanischen Krimis persiflieren wollen. Deshalb hatte er sich mit Cotton (engl.: „Baumwolle“) einen wenig heldenhaft klingenden Namen für die Hauptfigur ausgedacht.

Die Fahrzeuge von Jerry Cotton

(Unter-)Titel

Die Titel der Serie werden bewusst reißerisch gestaltet, um einen größeren Leserkreis anzuziehen (z.B. Band 386: Die Hölle war schon angeheizt).

Seit Jahren gab es zusätzlich Untertitel, die neben dem regulären Roman-Titel auf dem Cover abgedruckt wurden. Diese Untertitel wurden mit Band 2496 (Mord bleibt Mord!) abgeschafft. Die Verlagsentscheidung lautete, dass die Meinung der Leser über die Untertitel schon immer gespalten war. So wurden für die zweite Auflage ursprünglich meist Cover und Untertitel der ersten Auflage verwendet, allerdings wurde dies vom neuen Jerry-Cotton-Lektor verändert; neuerdings werden auch auf den Neuauflagen weder Untertitel noch Originalcover abgedruckt.

Von 1999 bis 2005 gab es ferner Aufdrucke wie „Gesamtauflage: Über 850 Millionen!“ oder „Jerry Cotton – der Weltbestseller“.

Sarah-Hunter-Zyklus

Anlässlich des 50-jährigen Jerry-Cotton-Jubiläums gab es im Bastei-Verlag einige Extras, u. a. zwei Hardcover im Lübbe-Buch-Verlag und ein Hardcover im Zaubermond-Verlag. Innerhalb der Heftserie gab es von Band 2445 bis 2457 den Sarah-Hunter-Zyklus, mit Auftaktband 2444. In Band 2444 (Das Terror-Camp) erhält Erzschurke Jeff Patrick vom New Yorker FBI eine herbe Schlappe. Er rächt sich im Sarah-Hunter-Zyklus, in dem Cottons Partner Phil Decker aus dem FBI-Dienst ausscheidet (siehe Band 2445: Als Decker vor die Hunde ging) und Jerry Cotton als neue Partnerin Sarah Hunter zur Seite gestellt bekommt. Innerhalb des Sarah-Hunter-Zyklus versucht Patrick u. a., Jerry Cottons Ruf zu ruinieren (siehe Band 2455: Ich – der Mann mit der Bombe), und plant, Cotton und Decker im letzten Zweiteiler des Sarah-Hunter-Zyklus (Band 2456: Die Festung des Feindes, Band 2457: Deckers Rückkehr), zu vernichten. Schließlich misslingt sein Plan, er wird allerdings noch immer nicht gefasst.

Autoren

Über 100 Autoren schreiben ohne Autorennennung bzw. unter dem Sammelpseudonym Jerry Cotton (früher wurde als Autor Jerry Cotton angegeben; inzwischen wird auf eine Autorennennung verzichtet). Derzeitiger Lektor und Redakteur der Serie ist Dr. Florian F. Marzin, der zuvor für die Verlagsunion Pabel-Moewig (u. a. Perry Rhodan) tätig war. Es ist nicht bekannt, wie viele Autoren an der Serie mitschrieben; als gesichert gilt die Zahl 100, andere Schätzungen gehen von 150 bis 180 aus. Lange Jahre wurden die Autoren vom Verlag geheim gehalten, bis Heinz Werner Höber (Der Mann, der Jerry Cotton war) 1970 den Bastei-Verlag verklagte und somit als einer der Autoren bekannt wurde. Die Autoren werden in den Romanen nicht genannt; die einzigen Ausnahmen sind Band 2500, in dem (vermutlich versehentlich) als Autor Michael Peinkofer vermerkt ist, und Band 2781, in welchem Delfried Kaufmann ausdrücklich als Autor angegeben ist.

Als Autoren sind bekannt:

Verfilmungen

In den 1960er-Jahren wurde in Deutschland eine Serie von B-Filmen auf der Basis der Cotton-Romane abgedreht, zu Anfang noch in schwarz-weiß. Die Rolle des Jerry Cotton spielte der vor allem dem deutschen Fernsehpublikum durch seine Hauptrolle als Versicherungsdetektiv Shannon in der 36-teiligen Vorabendkrimiserie Shannon klärt auf bekannte amerikanische Schauspieler George Nader, die des Phil Decker der deutsche Schauspieler Heinz Weiss und die ihres Chefs Mr. John High Richard Münch. Die Filmmusik schrieb der Komponist Peter Thomas und vertonte sie mit seinem Orchester (Jerry-Cotton-Marsch),[3] sie erschien zwischenzeitlich auf verschiedenen Tonträgern.

Am 11. März 2010 erschien eine aufwändige Neuverfilmung. Produziert wurde diese von der Rat Pack Filmproduktion in Koproduktion mit Studio Babelsberg. Zur Besetzung gehören unter anderem Christian Tramitz als Jerry Cotton und Christian Ulmen als dessen Partner Decker. In weiteren Rollen treten Mónica Cruz, Christiane Paul, Heino Ferch und Moritz Bleibtreu auf.[4]

Einzelnachweise

  1. Jerry Cotton (Delfried Kaufmann): Ich suchte den Gangster-Chef. G-man Jerry Cotton. In: Bastei Kriminal-Roman. 68, Bastei, März 1954, S. 64.
  2. Jörg Weigand: Jerry Cotton - endlich enttarnt. Der FBI-Agent ist das Geisteskind des Vertreters Delfried Kaufmann. In: Die Welt. Axel Springer Verlag, 6. Mai 1998 (hier online, abgerufen am 1. August 2009).
  3. Gerd Naumann: Der Filmkomponist Peter Thomas. Von Edgar Wallace und Jerry Cotton zur Raumpatrouille Orion. ibidem-Verlag, 2009, ISBN 978-3-8382-0003-3, ISSN 1866-3397.
  4. http://www.jerrycotton.film.de

Literatur

  • Klaus Kunkel: Ein artiger James Bond. Jerry Cotton und der Bastei-Verlag. In: Der Monat. 18, Nr. 208, Berlin Januar 1966, S. 61-70.
  • Wiederabdruck in: Klaus Kunkel: Ein artiger James Bond. Jerry Cotton und der Bastei-Verlag. In: Jochen Vogt (Hrsg.): Der Kriminalroman 2 (Zur Theorie und Geschichte einer Gattung). Wilhelm Fink Verlag, 1971, ISBN 3770506286, S. 559-578.
  • Wiederabdruck in: Klaus Kunkel: Ein artiger James Bond. Jerry Cotton und der Bastei-Verlag. In: Jochen Vogt (Hrsg.): Der Kriminalroman. Poetik - Theorie - Geschichte. 8147, UTB, Stuttgart 1998, ISBN 3-8252-8147-7, S. 581.
  • Friedrich Jakuba: Jerry Cotton. Nichts als Wahrheit und Legenden. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 2003, ISBN 3-7857-2139-0, S. 318 (Hardcover zum 50-jährigen Cotton-Jubiläum).
  • Jerry Cotton (Delfried Kaufmann): Jerry Cotton. Die Farben des Todes. Bastei-Lübbe-Verlag, 2004, ISBN 3-7857-2177-3, S. 365 (Hardcover zum 50-jährigen Cotton-Jubiläum).
  • Martin Compart: G-man Jerry Cotton. Eine Homage an den erfolgreichsten Krimihelden der Welt. Bastei-Lübbe-Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-7857-2400-2, S. 208.
  • Gerhard Teuscher: Perry Rhodan, Jerry Cotton und Johannes Mario Simmel. Eine Darstellung zu Theorie, Geschichte und Vertretern der Trivialliteratur, ibidem-Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-932602-76-5

Weblinks


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