Joachim Witt

Joachim Witt

Joachim Witt (* 22. Februar 1949 in Hamburg) ist ein deutscher Musiker und Schauspieler. Bis 2009 wurden rund zwei Millionen seiner Tonträger verkauft.[1]

Inhaltsverzeichnis

Künstlerischer Werdegang

Die frühen Jahre (1973–1977)

Nach vielen Jahren des Spielens in Coverbands, entschloss sich Joachim Witt Mitte der 1970er Jahre, sein Leben der Musik zu widmen. Er begann seine Karriere mit dem Pseudonym „Julian“ und veröffentlichte bei Metronome die Single Ich bin ein Mann und Ich weiß, ich komm zurück im Jahr 1974. Allerdings blieb der kommerzielle Erfolg der Single aus und er verlor den Plattenvertrag.[2]

Ein Jahr zuvor, 1973, schloss sich Witt einer freien Theatergruppe an und wirkte beim Stück Gorilla Queen mit. Anschließend besuchte er eine Schauspielschule und wirkte beim Hamburger Thalia-Theater mit. Mangels Interesse verließ er das Theater 1977 wieder.[2]

Erste Erfolge mit Duesenberg (1977–1980)

Mitte 1976 gründete er mit zwei Freunden die Rockband Duesenberg. Bereits ein Jahr später brachte die Band ihr erstes Album Duesenberg 1 unter dem damaligem Nova-Label heraus. Die LP verkaufte sich rund 15.000 Mal und war auf einigen deutschen Musiksendungen vorgestellt worden. Witt hatte damals schon seine ersten Fernsehauftritte. 1979 wurde das dritte Album „Strangers“ veröffentlicht, für welches die Band 1980 mit dem deutschen Musikpreis für die beste Nachwuchsband ausgezeichnet wurde.[2]

Noch im selben Jahr verließ Witt die Band, um eigene Wege zu gehen.

Der Start als Solokünstler (1980)

Witt schickte einige Demoaufnahmen eigener Songs an diverse deutsche Musiklabels, welche allerdings alle abgelehnt wurden. Sein erstes Album „Silberblick“ musste Witt somit völlig alleine produzieren, lediglich einige seiner alten Bandkollegen von Duesenberg standen Witt zur Seite. Witt stellte sein Album fertig produziert dem deutschen Label WEA vor, welches ihn dann doch 1980 unter Vertrag nahm.[2]

Noch im Dezember desselben Jahres wurde das Album veröffentlicht, im Januar 1981 folgte die Single „Kosmetik“ und im Mai schließlich seine bekannteste Single Goldener Reiter, zu der auch ein Video produziert wurde. Allerdings konnte damit zunächst noch kein großer kommerzieller Erfolg erzielt werden, somit begann Witt noch im Spätherbst mit den Aufnahmen für sein zweites Album „Edelweiß“.[2]

Der große Durchbruch mit der NDW (1981–1982)

Im November wurde die Single „Goldener Reiter“ in der Sendung Musikladen in der ARD vorgestellt und somit einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Eine Woche darauf explodierten die Verkaufszahlen, und sowohl beide Singles als auch das Album „Silberblick“ platzierten sich in den deutschen Charts.

Besonders erfolgreich war die Single „Goldener Reiter“, die es bis auf Platz 2 schaffte. Daher wurde die Veröffentlichung des zweiten Albums verschoben. Insgesamt verkaufte sich der „Goldene Reiter“ über 250.000 mal und das Album „Silberblick“ sogar über 300.000 Mal. Mit der Single „Kosmetik“ und dem Album „Silberblick“ konnte Witt auch internationale Erfolge verzeichnen; so erreichte Witt beispielsweise den sechsten Platz in den Singlecharts von Österreich.

Im selben Jahr erhielt Witt auch eine Rolle im Fernsehfilm „Inflation im Paradies“ und wurde somit auch wieder als Schauspieler aktiv.

Das Nachfolgealbum Edelweiß, das sich stilistisch an der Band Deutsch-Amerikanische Freundschaft (DAF) orientierte, war ebenfalls ein kommerzieller Erfolg. Kurz nach der Veröffentlichung startete Witt auch seine erste große Tournee, welche ihn von ganz Deutschland über Österreich bis ins Baltikum führte. Witt galt zu dieser Zeit als bekanntester und erfolgreichster Solo-Künstler der Neuen Deutschen Welle.[2]

Noch gegen Ende desselben Jahres wurde die Single „Tri Tra Trullala (Herbergsvater)“ veröffentlicht, die ein Spottlied gegen Autoritäten darstellen sollte. Obwohl die Single schon sehr bald Kultstatus erreichte und von vielen Radiosendern gespielt wurde, erreichte die Single nur Platz 39 der Charts, zudem war dies seine letzte Chartplatzierung in den 1980er Jahren.[2]

Rückschläge (1983–1985)

Nach der großen Tour zog sich Witt Ende 1982 zurück, um an neuen Songs zu arbeiten. Die dritte LP „Märchenblau“ und die gleichnamige Single wurde Anfang 1983 veröffentlicht. Allerdings blieben die Verkaufszahlen sowohl des Albums als auch die der Singleveröffentlichungen weit hinter den Erwartungen zurück. Die geplante Tour wurde mangels Interesse abgesagt, nur ein Konzert in Hamburg fand statt.[2]

Mit seinem vierten Album „Mit Rucksack und Harpune“ wandte sich Witt stilistisch wieder dem Rock zu. Auch arbeitete er mit Textern außerhalb des WEA Labels zusammen und komponierte erstmals auch englische Songs. Doch auch dieses Album konnte den Erwartungen der Plattenfirma nicht nachkommen; mangels Promotion verkaufte sich das Album weniger als 10.000 Mal. Allerdings ist dieses Album heute in CD-Version ein begehrtes Sammlerstück.

Witt veröffentlichte sein fünftes Album „Moonlight Nights“ unter dem Label Polydor und setzte hier ganz auf englische Texte. Doch auch hier stellte sich kein großer Erfolg ein.

Joachim Witt im Underground (1986–1996)

Seine Veröffentlichung „10 Millionen Partys“ enthält den damaligen Club-Hit „Pet Shop Boy“. Allerdings war er zu der Zeit weniger mit der Produktion eigener Songs beschäftigt, da er auch als Produzent einiger Underground Bands, wie Metallic Traffic, tätig war. Gegen Ende der 1980er-Jahre zog Witt für zwei Jahre nach Portugal.[2]

Zu Beginn der 1990er-Jahre wurden die NDW-Hits von Joachim Witt durch Danceacts wie Culture Beat geremixt und als Single veröffentlicht. Gegen Ende 1991 veröffentlichte er mit der Coverversion von Dr. Alban's „Hello Africa“ auch wieder eine eigene Single. „Hallo Deutschland“ ironisierte die damalige Wiedervereinigungshysterie von Ost- und Westdeutschland. 1992 veröffentlichte er sein siebtes Studioalbum „Kapitän der Träume“, worauf er wieder öfter im Radio gespielt wurde; Chartplatzierungen blieben dennoch aus. Die nächsten Jahre befand sich Witt in einem künstlerischen Tief, aus dem er sich erst einige Jahre später wieder befreite.

1994 wurde er als Sprecher für das Hörbuch „Felidae“ engagiert; ansonsten blieb es bis 1996 ruhig um ihn.

Wende zur Neuen Deutschen Härte (1996–1997)

1996 kam Witt in den Kontakt des deutschen Labels „Strangeways“, welches Bands wie Wolfsheim produzierte. Über Kontakte zu Peter Spilles (Frontman von Project Pitchfork) nahm ihn das Label unter Vertrag und im selben Jahr wurde die Single „Das geht tief“ veröffentlicht, welche ebenfalls markante Züge der Neuen Deutschen Härte aufweist.

Im nächsten Jahr begann Witt die Arbeiten an seinem neuen Album. Durch das Label kam Witt auch mit Peter Heppner ins Gespräch und die beiden entschieden sich, den Song „Die Flut“ gemeinsam aufzunehmen.

Das große Comeback (1998)

Noch Anfang 1998 wurde das neue Album fertiggestellt, und Witt entschied sich, „Die Flut“ als Vorabsingle auszukoppeln. Die Single wurde zum größten Erfolg in Witts Karriere, sie erreichte in allen deutschsprachigen Ländern hohe Chartpositionen und in Deutschland Doppel-Platin-Status für über 670.000 verkaufte Einheiten.

Auch das Album „Bayreuth 1“ war sehr erfolgreich und erhielt eine Platine Schallplatte für über 400.000 verkaufte Exemplare.[2]

Auch die zweite Singleauskopplung „Und … ich lauf“ konnte sich wochenlang in den Charts halten, und Witt wurde wieder als Produzent tätig. Zu Beginn des Jahres 1999 tourte Witt auch das erste Mal in den USA und weiten Teilen Europas.[2]

NDH bis heute

Seit 1998 sind alle Veröffentlichungen Witts stilistisch der Neuen Deutschen Härte zuzuordnen.

Während die nächsten beiden Alben Bayreuth 2 und Eisenherz noch erfolgreich waren (Eisenherz schaffte es sogar in die Top-Ten der Charts), verzeichneten seine Alben Pop und Bayreuth 3 nur noch mäßige Verkaufszahlen.

Die Veröffentlichung von Bayreuth 3 Anfang 2006 schließt die Bayreuth-Trilogie ab. Bayreuth 3 stellt ein sehr politisches Album dar, in dem Witt, der Mitglied des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac ist, auf gesellschaftliche Missstände in der Welt hinweist. So schlägt er mit seinen Liedern einen sozial- und gesellschaftskritischen Ton an.

Diskografie

Chartplatzierungen Erklärung der Daten
Alben[3]
Silberblick
  DE 10 04.01.1982 (32 Wo.)
  AT 20 15.10.1981 (2 Wo.)
Edelweiss
  DE 20 19.04.1982 (14 Wo.)
Bayreuth eins
  DE 12 18.05.1998 (32 Wo.)
  AT 40 23.08.1998 (7 Wo.)
Bayreuth zwei
  DE 13 11.12.2000 (11 Wo.)
Eisenherz
  DE 7 10.06.2002 (8 Wo.)
Pop
  DE 39 09.02.2004 (3 Wo.)
Bayreuth 3
  DE 35 10.02.2006 (3 Wo.)
Auf ewig − Meisterwerke
  DE 36 14.09.2007 (2 Wo.)
Singles[3]
Goldener Reiter
  DE 2 14.12.1981 (29 Wo.)
Kosmetik
  DE 24 26.04.1982 (13 Wo.)
  AT 6 15.10.1981 (6 Wo.)
Tri Tra Trullala (Herbergsvater)
  DE 39 30.08.1982 (8 Wo.)
Die Flut (mit Peter Heppner)
  DE 2 11.05.1998 (36 Wo.)
  AT 12 26.07.1998 (7 Wo.)
  CH 24 23.08.1998 (10 Wo.)
Und… ich lauf
  DE 25 19.10.1998 (9 Wo.)
Das geht tief
  DE 74 26.04.1999 (3 Wo.)
Bataillon D’Amour
  DE 26 27.11.2000 (9 Wo.)
Eisenherz
  DE 28 06.05.2002 (9 Wo.)
Back in the Moment (mit Angelzoom)
  DE 59 07.02.2005 (3 Wo.)

Studioalben

  • 1980: Silberblick (WEA)
  • 1982: Edelweiss (WEA)
  • 1983: Märchenblau (WEA)
  • 1985: Mit Rucksack und Harpune (WEA)
  • 1985: Moonlight Nights (Polydor)
  • 1988: 10 Millionen Partys (RCA)
  • 1992: Kapitän der Träume (Metronome)
  • 1998: Bayreuth eins (Strangeways)
  • 2000: Bayreuth zwei (Epic)
  • 2002: Eisenherz (Epic)
  • 2004: Pop (SPV)
  • 2006: Bayreuth 3 (Megaphon)

Best-of-Alben und Kompilationen

  • 1996: Goldener Reiter (WEA)
  • 1998: Das Beste (WEA)
  • 2006: The Platinum Cellection (Warner)
  • 2007: Auf ewig − Meisterwerke (Edel)

Singles

  • 1981: Goldener Reiter (WEA)
  • 1981: Kosmetik (WEA)
  • 1982: Tri Tra Trullala (Herbergsvater) (WEA)
  • 1983: Märchenblau (WEA)
  • 1983: Hörner in der Nacht (WEA)
  • 1984: Wieder bin ich nicht geflogen (WEA)
  • 1984: Das Supergesicht (WEA)
  • 1985: Blonde Kuh (WEA)
  • 1986: How Will I Know (Polydor)
  • 1987: Mad News (Polydor)
  • 1988: Engel sind zart (RCA)
  • 1988: Pet Shop Boy (RCA)
  • 1988: Der Tankwart heißt Lou (RCA)
  • 1989: Herbergsvater Mix ’90 (WEA)
  • 1990: Goldener Reiter -Torsten Fenslau Remix (WEA)
  • 1991: Hallo Deutschland (Edel)
  • 1992: Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern (Metronome)
  • 1992: Restlos (Metronome)
  • 1992: In die falsche Welt geboren (Metronome)
  • 1992: Kapitän der Träume (Metronome)
  • 1994: Goldener Reiter Remix ’94 (WEA)
  • 1995: Goldener Raver (WEA)
  • 1997: Das geht tief (Zeitbombe)
  • 1998: Die Flut (Strangeways)
  • 1998: Und … ich lauf (Strangeways)
  • 1999: Das geht Tief (Strangeways)
  • 2000: Bataillon d’Amour (Epic)
  • 2002: Eisenherz (Epic)
  • 2002: Supergestört und Superversaut (Epic)
  • 2004: Erst wenn das Herz nicht mehr aus Stein (Epic)
  • 2004: Dein Kuss (mit Nik Page)
  • 2005: Back in the Moment (Angelzoom featuring Joachim Witt)
  • 2006: Sternenlicht (Megaphon)
  • 2007: Alle Fehler (mit Purwien) (Alive)
  • 2009: Dorian Hunter Theme (Zaubermond)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. myspace.de/joachimwitt: myspace.com (abgerufen am 20. April 2009)
  2. a b c d e f g h i j k ichwillspass.de/joachimwitt: ichwillspass.de (abgerufen am 20. April 2009)
  3. a b Chartquellen: chartsurfer.de / [http://www.musicline.de/de/chartverfolgung_summary/artist/Witt%2CJoachim/single musicline.de (Höchstplatzierungen Deutschland)

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