Johann Friedrich Cassebohm


Johann Friedrich Cassebohm

Johann Friedrich Cassebohm (* 1699 in Halle (Saale); † 7. Februar 1743 in Berlin) war ein deutscher Professor der Medizin und Anatomie.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Johann Friedrich Cassebohm absolvierte sein Medizinstudium zunächst an der Universität Halle bei den Professoren Georg Ernst Stahl (1659–1734) und Friedrich Hoffmann (1660–1742) sowie anschließend noch einige Semester in Paris bei Professor Jacob Winslow (1669–1760). Mittlerweile wieder nach Halle zurückgekehrt, übernahm er an seiner alten Universität von 1738 bis 1741 den Lehrstuhl für Anatomie, den er anschließend an Philipp Adolf Boehmer (1711–1789) übergab, nachdem er selbst 1741 in die Humboldt-Universität Berlin berufen worden war um dort den gleichen Lehrstuhl zu übernehmen. Hier verstarb er allerdings plötzlich und unerwartet bereits 1743. Zwei Jahre zuvor wurde Cassebohm noch in die Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen.

Auf seinem Fachgebiet hatte sich Johann Friedrich Cassebohm schwerpunktmäßig auf die Anatomie des Ohres konzentriert und hierüber mehrere Abhandlungen geschrieben. Darüber hinaus entwickelte er ein verbessertes Injektionsverfahren zur Darstellung feinster Gefäße an anatomischen Injektionspräparaten. Er bevorzugte hierbei eine Mischung aus Wachs, Terpentin und Fett, wobei der Fettanteil variieren konnte, je nachdem wie lange ein Erstarren hinausgezögert werden sollte. Über diese Erkenntnisse schrieb er ausführlich in seinen „Methodus secandi“. Nebenbei hielt er auch von Zeit zu Zeit zoologische Vorlesungen, vor allem auf dem Gebiet der Entomologie, die in Halle eine lange Tradition hatte.

Da es zu damaliger Zeit üblich war, dass die Universitäten keine eigenen Sammlungen von Präparaten zur Verfügung hatten, musste Cassebohm mit eigenen Mitteln eine Sammlung von anatomischen Präparaten anlegen, die er für seine Studien und Vorlesungen benötigte. Dabei übernahm er zusätzlich noch die von Georg Daniel C. Coschwitz (1679–1729) erstmalig angelegte Sammlung, das so genannte „Theatrum Anatomicum“, musste aber dafür noch Raten an dessen Erben zahlen. Seine eigenen Präparate flossen später in die Meckelsche Sammlung der Universität mit ein.

Werke (Auswahl)

  • Tractatus quator anatomici de aure humana, tribusfigurarum tabulis illustrati. First edition. Halae Magdeburgicae 1734 (12), 84 pp. + 3 plates. Disbound. Lacks the plates. Important tracts on the anatomy and physiology of the ear. G-M, 1547. Waller, 1805. Wellcome II, p. 309.
  • Tractatus qvintus anatomicus de aure humana. Cui accedit Tractatus sextus anatomicus de aure monstri humani. 1735.
  • Kunstmässige Anweisung zu der Zergliederung und Betrachtung derer Mäusslein des menschlichen Leibe[s.] / Zum Nützen derer in der Artzney und Wundartzneykunst sich übenden. Aus dem Lateinischen übersetzt und mit vielen nützlichen Anmerkungen vermehret von Johann Friedrich Cassebohm, Med. D. & Prof. Renger, Halle 1740. (Origiginaltitel: Methodus secandi et contemplandi corporis humani musculos in usu medecinae et chirurgiae studiosorum.)
  • Methodus secandi oder deutliche Anweisung zur anatomischen Betrachtung und Zergliederung des menschlichen Cörpers. Berlin, 1746.
  • Joh. Friedr. Cassebohm's Anweisung zur anatomischen Betrachtung und Zergliederung des menschlichen Cörpers. Lange, Berlin; Stralsund 1769.

Literatur

Weblink und Quellen


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