Johann Friedrich Höger


Johann Friedrich Höger
„Chilehaus“ in Hamburg, 1922–1924
„Sprinkenhof“ in Hamburg, 1927–1928, Innenhof
Zigarettenfabrik „Haus Neuerburg“ in Hamburg-Wandsbek, 1926–1929, Fassadendetail
„Klöpperhaus“ in Hamburg, 1912–1913
„Anzeiger-Hochhaus“ in Hannover, 1927–1928
Konsumzentrale in Leipzig, 1929–1932
Kirche am Hohenzollernplatz in Berlin, 1930–1933
Ev. Kirche am Hohenzollernplatz

Johann Friedrich Höger, gen. Fritz Höger (* 12. Juni 1877 in Bekenreihe bei Elmshorn; † 21. Juni 1949 in Bad Segeberg) war ein deutscher Architekt. Er gilt als einer der führenden Vertreter des norddeutschen Klinker-Expressionismus.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach einer Lehre als Zimmermann besuchte er die Baugewerkschule Hamburg und machte seinen Meister. Auf eine zweijährige Militärzeit folgte ab 1901 im Architekturbüro Lundt & Kallmorgen in Hamburg eine Tätigkeit als technischer Zeichner, die er später als sehr unfruchtbar bezeichnete, da überwiegend nach Musterbüchern gearbeitet wurde. 1907 machte er sich mit einem eigenen Architektenbüro selbständig und plante zunächst überwiegend Privathäuser. Wegen seiner fehlenden Hochschulausbildung wurde ihm die Mitgliedschaft im Bund Deutscher Architekten verwehrt, er bezeichnete sich selbst in der Folge als Baumeister.

Vor dem Ersten Weltkrieg entwarf er das Klöpperhaus (heute vom Kaufhaus „Kaufhof“ genutzt) und das Rappolthaus (heute unter anderem vom Schuhladen Elsner genutzt) an der Hamburger Mönckebergstraße.

Das Klöpperhaus wurde bereits in Klinkerbauweise errichtet. Klinker sind aufgrund der höheren Brenntemperaturen im Gegensatz zu Ziegeln frostbeständig und bedürfen keiner weiteren Behandlung.

Bekannt wurde Höger durch das Chilehaus in Hamburg, das er 1922–1924 für den Reeder und Salpeter-Importeur Henry B. Sloman in Hamburg baute. Hier verwendete er Bockhorner Klinker – wie auch für etliche seiner späteren Bauten – und fand einen eigenen Stil mit sehr ausgeprägten Oberflächenstrukturen und starker Gliederung des Baukörpers im Stil des Art Déco. Den Klinker bezeichnete er als seinen Bauedelstein. Er verarbeitete den Klinker spielerisch und schuf eigene Schmuckelemente. Dieser Stil wurde allerdings teilweise auch als gotisierend abgelehnt. 1926 erbaute er auch das Gymnasium Curschmannstraße in Hamburg-Eppendorf, nahe dem Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE). Besonderheit dieses Gebäudes, das als Mädchengymnasium 1926 fertiggestellt wurde und heute als Gesamtschule Eppendorf dient, war die Integration eines Observatoriums im hochaufragenden Turm zur Breitenfelder Straße hin. Dieser Plan wurde aber aus Kostengründen verworfen und die Räume wurden anderweitig genutzt. 1926–1928 errichtete er für den Verleger August Madsack das erste Hochhaus in Hannover, das Anzeiger-Hochhaus, dessen Stilelemente vielfach denen des Chilehauses ähneln. Es folgten das Broschek-Haus in Hamburg (später Hotel Ramada, heute Renaissance Hamburg Hotel), das Rathaus von Wilhelmshaven und der Ostflügel des Sprinkenhofes in Hamburg.

Obwohl Höger mit den Nationalsozialisten sympathisierte, entsprach sein expressionistischer Baustil nicht Hitlers Geschmack. Dem bevorzugten neoklassizistischen Stil wollte Höger sich nicht anschließen und kam daher für die von ihm erhoffte Position des Staatsarchiteken nicht in Frage. Nach 1945 fand der inzwischen 68 Jahre alte Höger nicht mehr zu seinen früheren Leistungen zurück, größere öffentliche Aufträge blieben aus.

Literatur

  • Alfred Kamphausen: Der Baumeister Fritz Höger. Neumünster: Verlag K. Wachholtz, 1972.
  • Piergiacomo Bucciarelli: Fritz Höger. Hanseatischer Baumeister 1877–1949. Berlin: Vice Versa Verlag, 1992.

Bauten

(in Auswahl)

  • 1905: eigenes Wohnhaus in Hamburg, Langenhorner Chaussee 109
  • 1909: Büro- und Geschäftshaus der Fa. Heinrich Niemann (gen. „Niemannhaus“) in Hamburg, Graskeller / Admiralitätsstraße (kriegszerstört)
  • 1910: Wohn- und Geschäftshaus der Fa. Busse in (Hamburg-) Altona, Große Bergstraße / Präsidentenweg (nicht erhalten)
  • 1910: Schule in (Hamburg-) Moorwerder (nicht erhalten)
  • 1910–1911: Wohn- und Geschäftshaus der Fa. Glass (gen. „Predigerhaus“) in Hamburg, Mönckebergstraße / Bergstraße 7
  • 1910–1911: Büro- und Geschäftshaus der Fa. Olff, Feindt & Köpke (gen. „Klostertorhof“) in Hamburg, Bahnhofsplatz 1 (kriegszerstört)
  • 1911: Wohn- und Geschäftshaus in Glückstadt, Am Markt 1 (verändert)
  • 1911–1912: Büro- und Geschäftshaus der Fa. Rappolt & Söhne (gen. „Rappolthaus“) in Hamburg, Mönckebergstraße 11 / Barkhof / Jacobikirchhof (verändert)
  • 1912: Fabrikgebäude der Fa. W. C. Bröcker in Itzehoe (stark verändert)
  • 1912–1913: Büro- und Geschäftshaus für Heinrich Adolf Klöpper (gen. „(Neues) Klöpperhaus“) in Hamburg, Mönckebergstraße 3 / Lange Mühren / Bugenhagenstraße (1966/1967 im Inneren zum Warenhaus umgebaut)
  • 1912–1913: Schule in Großhansdorf bei Hamburg
  • 1913–1914: Verwaltungsgebäude für die Westfälische Transport-AG (WTAG) bzw. die Emder Verkehrsgesellschaft AG in Emden (Ostfriesland), Schweckendieckplatz 1
  • 1913–1914: Geschäftshaus der Handelskammer (gen. „Handelshof“) in Hamburg, Lange Reihe 29
  • 1913–1919: Umbau und Erweiterung des „HAPAG-Hauses“ in Hamburg, Ballindamm 25
  • 1919–1920: Direktionsgebäude der Elektrizitätswerke Schleswig-Holstein AG (Schleswag) (gen. „Schleswag-Haus“) in Rendsburg, Stormstraße 1
  • 1921–1922: Aufstockung und Erweiterung des Geschäftshauses der Reederei Robert M. Sloman (gen. „Slomanhaus“) in Hamburg, Baumwall 3 / Steinhöft 11−17
  • 1922: Verwaltungsgebäude für die Deutsche Werft AG in Hamburg-Finkenwerder (kriegszerstört)
  • 1922–1923: Erweiterung(?) des Bezirksamtes Stormarn (gen. „Stormarn-Haus“, später Bezirksamt Wandsbek) in Hamburg-Wandsbek, Schloßstraße 60 (verändert)
  • 1922–1924: Büro- und Geschäftshaus für Henry B. Sloman (gen. „Chilehaus“) in Hamburg, Meßberg / Pumpen / Burchardstraße / Burchardplatz 1/2 / Niedernstraße / Depenau / Klingberg
  • 1923–1924: Wohnhaus für Edye in Hamburg-Wohldorf-Ohlstedt, Alsterblick 1
  • 1924–1925: eigenes Wohnhaus in Hamburg-Wohldorf, Duvenstedter Triftweg (nicht erhalten)
  • 1926–1927: Fabrikgebäude der Parfümeriefabrik Scherk (heute Institut für pharmazeutische Technologie der FU Berlin) in Berlin-Steglitz, Kelchstraße 31 (nur 1. Bauabschnitt ausgeführt, stark verändert)
  • 1926–1927: Büro- und Geschäftshaus für den Verlag Broschek & Co. (gen. „Broschek-Haus“) in Hamburg, Heuberg 2 / Große Bleichen (nur 1. Bauabschnitt ausgeführt, 1981 in Anlehnung an Högers Entwürfe ergänzt, heute Renaissance Hamburg Hotel)
  • 1926–1928: Schulgebäude mit Turnhalle (gen. „Lyzeum Curschmannstraße“, später Teilstandort der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf) in Hamburg-Hoheluft, Curschmannstraße 39 / Breitenfelder Straße
  • 1926–1929: Erweiterungsbau der Zigarettenfabrik „Haus Neuerburg in Hamburg-Wandsbek, Walddörferstraße 103 / Feldmannstraße (1983/1984 zum Bürogebäude umgebaut)
  • 1927–1928: Fabrikgebäude der Fa. Leder-Schüler in Hamburg-Hammerbrook, Heidenkampsweg 32
  • 1927–1928: Büro- und Geschäftshaus für den Verlag A. Madsack & Co. (gen. „Anzeiger-Hochhaus“) in Hannover, Goseriede 9
  • 1927–1928: Städtisches Krankenhaus in Delmenhorst, Wildeshauser Chaussee 29 (in Zusammenarbeit mit dem Architekten Friedrich Ruppel)
  • 1927–1928: Büro- und Geschäftshaus für die Sprinkenhof AG (gen. „Sprinkenhof“) in Hamburg, Burchardstraße 6–14 / Johanniswall / Altstädter Straße 1–8 / Burchardplatz / Springeltwiete (1. Bauabschnitt (Mittelteil) gemeinsam mit Hans und Oskar Gerson; 2. Bauabschnitt 1930–1932 und 3. Bauabschnitt 1939–1943 durch Höger alleine)
  • 1927–1928: Einfamilienhaus in Hamburg-Groß Flottbek, Müllenhoffweg 35
  • 1928: Wasserturm in Bad Zwischenahn
  • 1928: Wohnhochhaus (gen. „Haus Günther“) in Hannover, Stephansplatz / Oesterleystraße 5 (verändert)
  • 1928: „Pavillon des Hamburger Fremdenblattes“ für den Verlag Broschek & Co. in Köln-Deutz (Messegelände), auf der Internationalen Presse-Ausstellung Köln 1928 („Pressa“) (nicht erhalten)
  • 1928: Verwaltungsgebäude der Bentheimer Eisenbahn AG in Bad Bentheim, Bahnhofstraße 24
  • 1928: Wohnhaus für den Verleger Erich Madsack in Hannover-List, Walderseestraße 3
  • 1928–1929: Mehrfamilienwohnhaus am Zoologischen Garten in Berlin-Tiergarten, Lützowufer 36 (verändert)
  • 1928–1929: Rathaus Rüstringen (seit 1937 Rathaus Wilhelmshaven) in (Wilhelmshaven-) Rüstringen
  • 1928–1930: Mehrfamilienwohnhaus in der Jarrestadt in Hamburg-Winterhude
  • 1929: Friedhofskapelle auf dem Städtischen Friedhof Bungerhof in Delmenhorst
  • 1929: Friedhofskapelle auf dem evangelischen Friedhof in Delmenhorst
    Zigarettenfabrik Garbáty
  • 1929–1932: Betriebszentrale (Fabrikation, Lager und Verwaltung) für den Konsumverein Leipzig-Plagwitz eGmbH in Leipzig-Plagwitz, Industriestraße 86–95
  • 1930–1933: evangelische „Kirche am Hohenzollernplatz“ mit Gemeindehaus in Berlin-Wilmersdorf, Hohenzollerndamm 202/203 / Hohenzollernplatz / Nassauische Straße 66/67 / Nikolsburger Straße 1
  • 1930–1931: Erweiterungsbau der Zigarettenfabrik Garbáty in Berlin-Pankow, Hadlichstraße 44 / Berliner Straße 123/124
  • 1933: evang.-freikirchliche „Martin-Luther-Kirche“ in Celle, Hannoversche Straße
  • 1933: Grabmal für die Familie Madsack in Hannover-Stöcken
  • 1934: Wasserturm in Hohenkirchen (Wangerland)
  • 1934–1935: Wohnhaus für Dr. Meyer in Wilhelmshaven, Baudissinweg 2 (zerstört)
  • 1935–1941: Siedlung „Siebethsburg“ für den Bauverein Rüstringen eGmbH in Wilhelmshaven-Rüstringen, Siebethsburger Straße / Banterweg / Bismarckstraße / Kirchreihe
  • 1936: Friedrich-Busse-Gedenkstätte (Busse-Denkmal) in Bremerhaven-Wesermünde, An der Geeste / Ludwigstraße
  • 1936–1937: Verwaltungsgebäude des Landkreises Meppen in Meppen (Emsland), Bahnhofstraße / Kolpingstraße
  • 1938-1939: Wohnsiedlung (für Kriegsopfer des 1. Weltkrieges) in Meppen, Heckenweg / Alte Moorbahn/Bürgermeister-Frye-Straße / Fullener Straße
  • 1941: Bauernhof für Schilling in Bekenreihe bei Elmshorn
  • 1947: Wiederaufbau des Wohn- und Geschäftshauses Seliger in Neumünster, Mühlenbrücke 2
  • 1948: evang. Kirche mit Pfarrhaus in Geschendorf

Siehe auch

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