Johann t’Serclaes von Tilly


Johann t’Serclaes von Tilly
Johann t'Serclaes von Tilly, Stich von Pieter de Jode d. Ä. nach Anthonis van Dyck
Graf Tilly, Standbild auf dem Rathausplatz von Rain/Lech
Bronzestandbild in der Feldherrnhalle zu München
Denkmal des Feldherrn Johann t'Serclaes von Tilly in Altötting/Bayern
Tilly in zeitgenössischer Rüstung

Johann t’Serclaes Graf von Tilly (* Februar 1559 auf Schloss Tilly, Gemeinde Villers-la-Ville im Herzogtum Brabant; † 30. April 1632 in Ingolstadt) war Heerführer der Katholischen Liga und ein namhafter Feldherr des Dreißigjährigen Kriegs.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Bis zum Dreißigjährigen Krieg

Geboren wurde Johann t’Serclaes Tilly im Februar 1559 auf Schloss Tilly im heute belgischen Brabant westlich von Lüttich. Seine Erziehung erhielt er auf einer Jesuitenschule. Er trat zuerst in spanische Kriegsdienste, in denen er unter Alexander von Parma das Kriegshandwerk erlernte. Danach trat er in lothringische, 1598 in kaiserliche Dienste. Er focht 1600 als Oberstleutnant in Ungarn gegen die Aufständischen und gegen die Türken; 1601 stieg er zum Obersten eines Wallonenregiments auf und wurde nach und nach zum Artilleriegeneral befördert. 1610 wurde ihm von Maximilian I. von Bayern die Reorganisation des bayerischen Heerwesens übertragen.

Der Dreißigjährige Krieg

Beim Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges wurde Tilly zum Feldherrn der Katholischen Liga ernannt. Er gewann am 8. November 1620 die Schlacht am Weißen Berg und brach 1621 gegen den Grafen Ernst von Mansfeld auf. Diesen verfolgte er bis in die Oberpfalz und weiter in die Rheinpfalz. Am 27. April 1622 wurde Tilly in der Schlacht bei Mingolsheim vom Grafen von Mansfeld geschlagen, besiegte dann aber den Markgrafen Georg Friedrich von Baden-Durlach am 6. Mai in der Schlacht bei Wimpfen.

Danach besiegte er Herzog Christian von Braunschweig am 20. Juni in der Schlacht bei Höchst und eroberte Heidelberg, Mannheim und Frankenthal (Pfalz). Infolge des entscheidenden Siegs am 5. und 6. August 1623 bei Stadtlohn (Schlacht bei Stadtlohn) im Münsterland über den Herzog von Braunschweig wurde Tilly vom Kaiser in den Grafenstand erhoben.

Zunächst blieb er in Niedersachsen stehen, wo er die gewaltsame Restitution der protestantischen Bistümer und Klöster an die katholische Kirche und die Jesuiten ins Werk setzte und den niedersächsischen Reichskreis zum Kampf zwang. Er belagerte und eroberte in dieser Zeit mehrere niedersächsische Städte. Am 30. Maijul./ 9. Juni 1626greg. ergriffen Tillys Soldaten plündernd und mordend von der Stadt Münden Besitz.[1] Kurz darauf begann er, Göttingen zu belagern und zu beschießen. Durch Harzer Bergleute ließ er sogar die Leine umleiten und versuchte, alle Wasserzufuhren zu sperren. Anfang August 1626 war die Belagerung erfolgreich abgeschlossen und Tilly konnte einziehen.

Am 27. August 1626 schlug er den Dänenkönig Christian IV. in der Schlacht bei Lutter am Barenberge. Mit den kaiserlichen Truppen eroberte er unter Wallenstein Schleswig-Holstein und Jütland und zwang Christian am 12. Maijul./ 22. Mai 1629greg. zum Abschluss des Friedens von Lübeck.

1630 wurde Tilly zusätzlich zu seinem Posten als Heerführer der ligistischen Truppen noch zum Generalleutnant der kaiserlichen Truppen ernannt und übernahm in dieser Doppelrolle die Durchführung des Restitutionsedikts in Norddeutschland. 1631 fand die Einnahme von Neubrandenburg unter grausamem Gemetzel statt. Da Tillys Truppen nicht schlagkräftig genug waren, um weiter ungefährdet vorzugehen, schloss sich Tilly mit dem größten Teil seines Heeres Pappenheim an, der Magdeburg belagerte. Es gelang ihm nicht, Gustav Adolfs Vordringen in Pommern zu verhindern. Tilly überschritt an der Fähre Westerhüsen die Elbe und bezog im Freihof des Dorfes Westerhüsen Quartier. Am 20. Mai 1631 eroberte er Magdeburg. Diese Eroberung war für ihn allerdings nutzlos, da der Brand die Stadt in einen Trümmerhaufen verwandelte. Die Verwüstungen der Stadt gingen so weit, dass Magdeburg als Sinnbild für Zerstörung und Grausamkeit („Magdeburgisieren“) galt. Zudem wurde Magdeburg zu einem beispiellosen Propaganda-Feldzug gegen die kaiserliche Kriegsführung benutzt. Er konnte sich an der Niederelbe gegen den Schwedenkönig nicht behaupten und fiel in Sachsen ein, das er plünderte und verwüstete. Hierdurch trieb er den sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. zum Bündnis mit Gustav Adolf, deren vereinigtem Heer er am 17. September 1631 in der Schlacht bei Breitenfeld unterlag. Tilly selbst wurde verwundet, sein Heer löste sich auf.

Daraufhin eilte er nach Halberstadt, wo er Verstärkungen an sich zog, und brach dann nach dem von den Schweden bedrohten Bayern auf. Kaiserliche Söldner unter seinem Befehl besiegten in der Schlacht bei Bamberg am 9. März 1632 schwedische Einheiten unter dem Befehl des Feldherrn Gustaf Graf Horn. Während der Schlacht bei Rain am Lech, bei der Verteidigung des Lechübergangs bei Rain am 15. April 1632, wurde Tilly durch eine Falkonettkugel der rechte Schenkel zerschmettert. Er starb an den Folgen der Verwundung am 30. April 1632 in Ingolstadt an Wundstarrkrampf.

Sein Leichnam wurde zunächst in der Ingolstädter Jesuitenkirche bestattet. Er wurde 1652 nach Altötting überführt und liegt dort heute in einem gefensterten Sarg in der Tilly-Gruft der Stiftskirche St. Philipp und Jakob.

Persönlichkeit

Tilly war von mittlerer Statur und hager. Er soll scharfe Gesichtszüge und große buschige graue Augenbrauen gehabt haben. Aufwand und äußere Ehrenbezeugungen soll er abgelehnt und in seinem Heer auf strenge Disziplin geachtet haben.

Sein Wirken ist in hohem Maße umstritten. Vor allem von protestantischer Seite wurden ihm von seinen Truppen begangene schwere Kriegsverbrechen angelastet. Spätere katholische Schriftsteller[2] haben versucht ihn zu entlasten. Von dem Vorwurf, Tilly habe die Zerstörung Magdeburgs gewollt, entlasteten ihn auch die protestantischen Autoren Heising[3] und Wittich [4] nicht.

Nachwirkung

Im Jahr 1843 wurde ihm in der Feldherrnhalle zu München eine Statue (Modell von Ludwig Schwanthaler) errichtet. Ein weiteres Denkmal steht seit 1914 auf dem Rathausplatz von Rain, der Stadt, in deren unmittelbarer Umgebung er seine tödliche Verwundung erlitt. Eine mittlerweile aufgelöste Bundeswehrkaserne im Gemeindegebiet von Oberhausen bei Neuburg a.d. Donau (1959–1994; jetzt als zivile Siedlung „Kreut“ genutzt) führte den Namen Tilly-Kaserne. In Freistadt, Oberösterreich, gibt es nach wie vor eine Tilly-Kaserne, welche eine Kompanie eines Panzerstabsbataillons beherbergt. Im Jahre 2005 wurde ein Reiterstandbild Tillys auf dem Kapellplatz in Altötting aufgestellt. Zu erwähnen sei noch der Ort Tillisburg mit Schloss Tillisburg nahe St. Florian in Oberösterreich. In Deutschland gibt es in der Oberpfalz einen kleinen Grenzübergang mit dem Namen Tillyschanze, dort kann man eine ehemalige Feldbefestigung besichtigen.

Blick von Hann. Münden hoch zur Tillyschanze

In Hann. Münden in Niedersachsen gibt es eine Tillyschanze als Aussichtsturm von 1885. In einem kleinen Museumsanbau befindet sich ein Relief des Mündener Bildhauers Gustav Eberleins, das die Verteidigung der Stadt Münden im Dreißigjährigen Krieg zeigt. Eine Büste Tillys fand Aufstellung in der Ruhmeshalle in München.

Das Reduit Tilly, ursprünglich Tillyveste, ist ein Teil des klassizistischen Brückenkopfs der Landesfestung Ingolstadt und beherbergt heute die Abteilung Erster Weltkrieg des Bayerischen Armeemuseums. Auch eine benachbarte Tiefgarage trägt Tillys Namen.

Einmal jährlich findet in Breitenbrunn (Oberpfalz) das Tillyfest statt. Seit 1989 gedenkt der Ort damit des Feldherrns, der Breitenbrunn für seine Verdienste von Kurfürst Maximilian erhielt. Dort starb am 21. April 1744 mit Maria Theresia Reichsgräfin von Tilly die letzte Vertreterin des Geschlechts der Tilly.[5]

Museale Rezeption

Im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien wird ein Schwert aufbewahrt, das dem Feldherren Tilly zugeschrieben wird. Weiters ist eine Erinnerungsmedaille auf den Tod Tillys sowie ein Handschreiben des Feldherren der Öffentlichkeit zugänglich.[6]

Literatur

  • Anne Dreesbach; Jürgen Wurst, Alexander Langheiter (Hrsg.): Monachia. Johann Tserclaes Graf von Tilly. Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 2005, ISBN 3-88645-156-9, S. 133.
  • Marcus Junkelmann (Hrsg.): „Der Du gelehrt hast meine Hände den Krieg“. Tilly - Heiliger oder Kriegsverbrecher? Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung des Historischen Vereins Alt-Tilly und des Bayerischen Armeemuseums in Altötting vom 1. Mai bis 30. Juli 2007. Altötting 2007, ISBN 978-3-87245-036-4.
  • Michael Kaiser: Politik und Kriegführung. Maximilian von Bayern, Tilly und die Katholische Liga im Dreißigjährigen Krieg. Münster 1999, ISBN 3-402-05679-8.
  • Walter Krüssmann: Ernst von Mansfeld (1580-1626); Grafensohn, Söldnerführer, Kriegsunternehmer gegen Habsburg im Dreißigjährigen Krieg. Berlin 2010 (Duncker & Humblot, Historische Forschungen, Bd. 94; zuvor Phil. Diss. Köln 2007); ISBN 978-3-428-13321-5 (Tillys militärisches Vorgehen gegen Mansfeld im Böhmisch-pfälzischen Krieg seit 1620/21).
  • Bernd Rill: Tilly. Feldherr für Kaiser und Reich. Universitas Verlag, München 1984, ISBN 3-8004-1068-0.
  • Rudolf Saller: Reichsgraf Johann T'Serclaes von Tilly. Chronik über Leben und Laufbahn. Altötting 2007, ISBN 978-3-87245-035-7.
  • Guillaume Samsoen de Gérard: Tilly, der unerschrockene Feldmarschall. Ein Lebens- und Zeitbild. Stolz, Freiburg.
  • Wittich, Karl: Tilly, Johann Tserclaes Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 38, Duncker & Humblot, Leipzig 1894, S. 314–350.

Einzelnachweise

  1. s. Lotze, Geschichte der Stadt Münden, Seite 68ff
  2. Onno Klopp, T. im Dreißigjährigen Krieg, Stuttg. 1861, 2 Bde., und Villermont, T., Tournai 1859, 2 Bde.; deutsch, Schaffhausen 1860.
  3. „Magdeburg nicht durch T. zerstört“, 2. Aufl., Berlin 1855
  4. „Magdeburg, Gustav Adolf und T.“, Berlin 1874
  5. Webseite mit Hintergründen und Entstehungsgeschichte des Tillyfests in Breitenbrunn (Oberpfalz)
  6. Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Saal I - Von den Anfängen des stehenden Heeres bis zum Ende des 17. Jahrhunderts, Salzburg 1982 S. 27.

Weblinks

 Commons: Johann t’Serclaes von Tilly – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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