John Cowper Powys


John Cowper Powys
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John Cowper Powys [dʒɒn ˌkuːpɚ ˈpoʊɪs] (* 8. Oktober 1872 in Shirley, Derbyshire; † 17. Juni 1963 in Blaenau Ffestiniog, Wales) war ein walisischer Dichter und Schriftsteller. Er verfasste Lyrik, Essays, umfangreiche Romane sowie philosophische Schriften.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

John Cowper Powys’ Vater war Vikar in Derbyshire. Seine Mutter war eine Nachfahrin des Dichters William Cowper, dem er seinen zweiten Vornamen verdankt. Er war der älteste Sohn einer vielköpfigen Künstlerfamilie. Seine beiden Brüder Llewelyn Powys und Theodore Francis Powys wurden ebenfalls bekannte Schriftsteller ihrer Zeit. Andere seiner Brüder und Schwestern ergriffen ebenfalls eine künstlerische Laufbahn. Powys studierte an der Sherborne School und am Corpus Christi College (Cambridge). Bevor er ab der Jahrhundertwende mit literarischen Vorträgen seinen Lebensunterhalt verdiente, unterrichtete er als Lehrer.

Er unternahm ausgedehnte und erfolgreiche Vortragsreisen: zuerst in England, danach in Kontinentaleuropa und zuletzt in den USA, wo er von 1904 bis 1934 lebte. Allabendlich schlüpfte er in die Rolle seiner literarischen Idole Dostojewski, Whitman, Homer, Goethe und Shakespeare, um einem Massenpublikum deren Werke nahe zu bringen. Powys nahm an öffentlichen Streitgesprächen teil: Legendär sind seine Diskussionen mit G. K. Chesterton, Bertrand Russell und G. B. Shaw. Im Verfahren wegen angeblicher Obszönität des Romans Ulysses von James Joyce trat er als Verteidiger auf.

Die Anarchistin und Feministin Emma Goldmann erwähnt ihn in ihrer Autobiografie voller Anerkennung und der Schriftsteller Theodore Dreiser setzte sich für ihn ein.

Zwischen 1915 und 1957 veröffentlichte er beinahe jedes Jahr eines seiner umfangreichen Bücher, in denen er seine persönliche Anleitung zum Glücklichsein propagiert. Er gibt sich in seinen Werken als ironischer Skeptiker, der selbst die eigene Weltanschauung immer wieder in Frage stellt. Powys war bekennender Polytheist und zugleich überzeugter Agnostiker auf der Suche nach poetischem und nicht spirituellem Sinn. Er ist ein „englischer Dostojewski“ und das unbekannteste Genie des 20. Jahrhunderts.[1]

Nachdem Powys sich 1929 von der Hektik seiner Vortragsreisen nach Columbia County nördlich von New York zurückgezogen hatte, schrieb er dort innerhalb kürzester Zeit seine auch in Deutschland erfolgreichsten Romane: Wolf Solent, Glastonbury Romance und Der Strand von Weymouth.

Im August 1933 begann er mit seiner über 700 Seiten umfassenden Autobiografie, die er im Mai 1934 vollendete. Er selbst schrieb über das Werk in einem Brief an seine Schwester Marian:

„Sie folgt einem höchst eigenartigen Prinzip: es werden keinerlei Frauen darin vorkommen – nicht einmal meine Mutter. ...Das Buch wird sich auch nicht sehr eingehend mit Männern oder Knaben befassen, und wen ich darin erwähne, wird von dem, was ich sagen werde, nur erfreut sein. ...Auch über mich selbst wird nicht sehr viel darin stehen – außer insofern sich meine Erfahrungen, Empfindungen, Gedanken, Gefühle, Zwischentöne, Sünden, Laster, Schwächen, Manien, Bekehrungen, Bücher, Orte, Bilder, Szenen, Umgebungen für eine Art faustische Pilgerfahrt der Seele – oder eine Art goethesche Pilgerfahrt zur Stadt Gottes – eignen! ...Das Buch...wird jedoch amüsant zu lesen sein, gar nicht gespreizt und ermüdend idealistisch – davor brauchst Du keine Angst zu haben.“

Nach Vollendung seiner Autobiografie fuhr er zurück nach England, wo er sich allerdings nur für kurze Zeit niederließ. 1935 zog er nach Corwen in Wales und später nach Blaenau Ffestiniog, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 1963 lebte.

Powys’ Hauptwerke Glastonbury Romance und Porius gehören zu den monumentalen Werken der Moderne und stehen in einer Reihe mit dem Ulysses von James Joyce, Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften oder Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit.

Werke

Autobiographie
  • Autobiographie („Autobiography“). Verlag P. Kirchheim, München 1992, ISBN 3-87410-020-0.
  • Confessions of Two Brothers. Browne, London 1982, ISBN 0-86300-004-5 (Nachdr. d. Ausg. New York 1916).
Briefe
  • Letters from John Cowper Powys to C. Benson Roberts. Village Press, London 1975.
  • Letters from John Cowper Powys to Glyn Hughes. Woolf Press, London 1994, ISBN 0-900821-79-5.
  • Janet Fouli (Hrsg.): Letters of John Cowper Powys and Dorothy Richardson. Woolf Press, London 2008, ISBN 978-1-89796-727-0.
  • Letters of John Cowper Powys to Louis Wilkinson. 1935 – 1956. Macdonald, London 1958.
Lyrik
  • Poems. Village Press, London 1975, ISBN 0-904247-76-7 (Nachdr. d. Ausg. London 1899).
  • Wolf’s-Bane. Rhymes. Village Press, London 1975 (Nachdr. d. Ausg. New York 1916).
  • Mandragora. Poems. Village Press, London 1975, ISBN 0-904247-79-1 (Nachdr. d. Ausg. London 1917).
  • Samphire. Village Press, London 1975, ISBN 0-904247-80-5 (Nachdr. d. Ausg. London 1922).
  • Lucifer. A poem. Village Press, London 1974 (Nachdr. d. Ausg. London 1956).
Prosa
  • Wood and Stone. A romance. Village PRess, London 1974 (Nachdr. d. Ausg. London 1915).
  • Rodmoor. A romance. Macdonald, London 1974, ISBN 0-356-04532-3 (Nachdr. d. Ausg. London 1916).
  • The Complex Vision. Village Press, London 1975 (Nachdr. d. Ausg. New York 1920).
  • Ducdame. Faber & Faber, London 2009, ISBN 978-0-571-24214-6 (Nachdr. d. Ausg. New York 1925).
  • Wolf Solent. Roman („Wolf Solent“). Hanser Verlag, München 2003, ISBN 3-446-19817-2 (Nachdr. d. Ausg. Frankfurt/M. 1999).
  • A Glastonbury Romance. Roman („Glastonbury Romance“). Verlag Zweitausendeins, Frankfurt/M. 2000, ISBN 3-86150-258-5 (Nachdr. d. Ausg., München 1998).
  • Der Strand von Weymouth („Weymouth Sands“). Verlag Zweitausendeins, Frankfurt/M. 2001, ISBN 3-446-19776-1 (Nachdr. d. Ausg. München 1999).
  • Owen Glendower. A historical novel. Walcot Books, Charlbury 2002, ISBN 0-9538442-0-X (Nachdr. d. Ausg. New York 1940).
  • Mortal Strife. Village Press, London 1974, ISBN 0-904247-37-6 (Nachdr. d. Ausg. London 1941).
  • Porius. A novel. Overlook Duckworth, New York 2007, ISBN 978-1-585-67995-9 (Nachdr. d. Ausg. New York 1951).
  • The Inmates. Village Press, London 1974, ISBN 0-904247-49-X (Nachdr. d. Ausg. London 1952).
  • Atlantis. Chivers Press, Bath 1973 (Nachdr. d. Ausg. London 1954).
  • The Brazen Head. Picador Books, London 1978 (Nachdr. d. Ausg. London 1956).
  • Up and Out. A novel. Village Press, London 1974, ISBN 0-904247-28-7 (Nachdr. d. Ausg. New York 1957; Inhalt: Up and out und The mountain of the moon).
Sachbücher
  • Suspended Judgements. Essays on books and sensations. Village Press, London 1975 (zusammen mit Llewelyn Powys; Nachr. d. Ausg. New York 1916).
  • Visions and Revisions. A book of literary devotions. Village Press, London 1974 (Nachdr. d. Ausg. New York 1915).
  • Psychoanalysis and Morality. Village PRess, London 1975, ISBN 0-904247-56-2 (Nachdr. d. Ausg. San Francisco 1923).
  • The Religion of a Sceptic. Village Press, London 1975, ISBN 0-904247-57-0 (Nachdr. d. Ausg. London 1925).
  • Kultur als Lebenskunst („The Meaning of Culture“). Verlag Zweitausendeins, Frankfurt/M. 2001, ISBN 3-86150-403-0 (Nachdr, d, Ausg,. München 1999).
  • Die Verteidigung der Sinnlichkeit („In Defence of Sensuality“). Verlag Zweitausendeins, Frankfurt/M. 2001, ISBN 3-86150-354-9.
  • Dorothy M. Richardson. Village Press, London 1974 (Nachdr. d. Ausg. London 1931).
  • A Philosophy of Solitude. Village Press, London 1974 (Nachdr. d. Ausg. London 1933).
  • Die Kunst des Glücklichseins („The Art of Happiness“). Verlag Zweitausendeins, Frankfurt/M. 2002, ISBN 3-86150-355-7.
  • Maiden Castle. Overlook Press, Woodstock, N. Y. 2001, ISBN 1-585-67115-0 (Nachdr. d. Ausg. New York 1936).
  • Die Philosophie des Trotzdem („In Spite Of“). Verlag Zweitausendeins, Frankfurt/M. 2001, ISBN 3-86150-402-2.
  • Morwyn. The vengeance of god. Sphere Books, London 1977, ISBN 0-7221-6980-9 (Nachdr. d. Ausg. London 1937).
  • The Pleasures of Literature. Village Press, London 1975 (früherer Titel Enjoyment of literature).
  • Dostoievsky. Village Press, London 1974. (Nachdr. d. Ausg. London 1946).
  • Rabelais. His life, the story told by him. Village Press, London 1974 (Nachdr. d. Ausg. New York 1947).
  • Die Kunst des Älterwerdens ( „The Art of Growing Old“). Verlag Zweitausendeins, Frankfurt/M. 2002, ISBN 3-86150-356-5.
  • Homer and Aether. Macdonald, London 1959.
  • 100 beste Bücher („100 best books“). Ammann Verlag, Zürich 1986, ISBN 3-250-01061-8.

Ob der bei Overlook-Press im Sommer 2007 erstmals ungekürzt und in Originalfassung herausgekommene Roman Porius auf Deutsch erscheinen wird ist weiterhin offen.

Literatur

  • Henning Ahrens: John Cowper Powys' Elementalismus. Eine Lebensphilosophie. Vervuert Verlag, Frankfurt/M. 1997, ISBN 3-89354-264-7 (zugl. Dissertation, Universität Kiel, 1995).
  • Joe Boulter (Hrsg.): Postmodern Powys. Essays on John Cowper Powys. Crescent Moon Books, Maidstone 2008, ISBN 978-1-86171-178-6.
  • Harald W. Fawkner: Amorous life. John Cowper Powys and the manifastations of affectivity. Crescent Moon Books, Maidstone 2007, ISBN 978-1-86171-127-4.
  • Belinda Humfrey (Hrsg.): Essays on John Cowper Powys. University of Wales Press, Cardiff 1972, ISBN 0-7083-0456-7.
  • Elmar Schenkel: John Cowper Powys. Hanser Verlag, München 1995, ISBN 3-446-99210-3.

Fußnoten

  1. Elke Heinemann auf dradio.de [1] Zugriff: 9. April 2008

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