John Dee


John Dee
Ein Porträt von John Dee (16. Jahrhundert), Künstler unbekannt. Angeblich zeigt es Dee im Alter von 67 Jahren. Es gehörte seinem Enkel Rowland Dee und später Elias Ashmole, der es der Universität Oxford vermachte.

John Dee (* 13. Juli 1527 in London; † 1608 in Mortlake-Surrey) war ein bekannter englischer Mathematiker, Astronom, Astrologe, Geograph, Mystiker und Berater der Königin Elisabeth I.. Er widmete einen Großteil seines Lebens auch der Alchemie, Wahrsagung und hermetischen Philosophie.

Dee stand zwischen den Welten der Wissenschaft und Magie, als sie gerade unterscheidbar wurden. Selbst einer der größten Gelehrten seiner Zeit, hielt er bereits in jungen Jahren Vorlesungen in überfüllten Hallen der Universität Paris. Er war ein leidenschaftlicher Befürworter der Mathematik, ein respektierter Astronom und führender Experte in Navigation und hat viele derjenigen ausgebildet, die Englands Entdeckungsreisen durchführen sollten. In einer von mehreren Abhandlungen, die Dee in den 1580er Jahren schrieb, um britische Erkundungsexpeditionen nach der Suche der Nordwestpassage anzuregen, prägte er den Ausdruck „Britisches Empire“.

Zur selben Zeit tauchte er tief in judäo-christliche Magie, Astrologie und Hermetische Philosophie ein. Tatsächlich widmete er das letzte Drittel seines Lebens nahezu ausschließlich dem Bemühen um Kontaktaufnahme mit Engeln, um so in weiterer Folge die Universalsprache der Schöpfung zu erlernen. Als Anhänger des Neuplatonismus von Marsilio Ficino in der Renaissance waren für Dee mathematische Forschungen und Untersuchungen in der hermetischen Magie sowie der Divination nicht unvereinbar, sondern er betrachtete diese Aktivitäten als unterschiedliche Aspekte einer konsistenten Weltanschauung mit der gleichen Aufgabe: die Suche nach einem transzendenten Verständnis der göttlichen Ideen, welche sich hinter der sichtbaren Welt befinden.

Dees Status als respektierter Gelehrter erlaubte es ihm auch, eine Rolle in der Elisabethanischen Politik zu spielen. Er diente als gelegentlicher Berater und Lehrer von Elisabeth I. und unterhielt Beziehungen mit ihren zwei führenden Ministern Francis Walsingham und William Cecil. Den Gelehrten Frances Yates und Peter French zufolge besaß Dee zu seinen Lebzeiten die größte Bibliothek Englands und eine der größten von Europa.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Frühes Leben

Dee wurde in Tower Ward (London) geboren; in einer walisischen Familie, deren Nachname sich vom walisischen „du“ („schwarz“) ableitet. Sein Vater Roland war ein Händler und geringerer Höfling. Dee besuchte die Chelmsford Chantry School (inzwischen King Edward VI Grammar School (Chelmsford)), danach – von 1543 bis 1546 – die St. John’s College, Cambridge. Seine großartigen Begabungen wurden erkannt, und er wurde zu einem founding fellow des Trinity Colleges gewählt.

In den späten 1540er und frühen 1550er Jahren bereiste er Europa, studierte in Löwen und Brüssel und hielt Vorlesungen in Paris über Euklid. Er studierte mit Gemma Frisius und wurde ein enger Freund des Kartografen Gerardus Mercator. Schließlich kehrte er mit einer wichtigen Sammlung mathematischer und astronomischer Instrumente nach England zurück. 1552 traf er Gerolamo Cardano in London. Während ihrer Bekanntschaft untersuchten sie ein Perpetuum Mobile, sowie einen Edelstein, dem magische Eigenschaften nachgesagt wurden.

Dee wurde 1554 in Oxford ein Lehrstuhl für Mathematik angeboten, den er ablehnte, da in seinen Augen die Englischen Universitäten zu sehr auf Rhetorik und Grammatik ausgerichtet seien - diese beiden Fächer bildeten zusammen mit Logik das akademische Trivium -, während die Fächer Philosophie und Wissenschaft vernachlässigt würden - das weiter fortgeschrittene Quadrivium, das Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie beinhaltete. 1555 wurde Dee, wie bereits sein Vater, durch das System der Vererbung (Patrimonium) der Zunft Mitglied der Worshipful Company of Mercers („Ehrenwerte Zunft der Händler“).

Dees Glyphe, deren Bedeutung in seinem Werk „Monas Hieroglyphica“ erklärt wird.

Im selben Jahr, 1555, wurde er verhaftet und wegen Erstellung von Horoskopen für Königin Maria I. und Prinzessin Elisabeth angeklagt; den Anklagen wurde später der Vorwurf des Verrats an Maria hinzugefügt. Dee erschien vor der Star Chamber und verteidigte sich selbst, wurde aber dem reaktionären katholischen Bischof Bonner zur religiösen Begutachtung zugewiesen. Seine starke und lebenslange Vorliebe für Geheimhaltung verschlimmerte möglicherweise seine Position, diese ganze Episode war immerhin die dramatischste in einer Serie von Angriffen und Verleumdungen, die Dee sein ganzes Leben lang verfolgen sollten. Nachdem er seinen Namen erneut reinwaschen konnte, wurde Dee bald zu einem engen Freund Bonners.

Dee präsentierte Königin Maria I. einen visionären Plan für die Erhaltung alter Bücher, Manuskripte und Aufzeichnungen und schlug 1556 die Gründung einer Nationalbibliothek vor, doch sein Plan fand keine Unterstützung. Stattdessen baute er in seinem Haus in Mortlake eine private Bibliothek auf, indem er ständig Bücher aus England und dem europäischen Kontinent zukaufte. So wurde seine Bibliothek zur größten Sammlung Englands seiner Zeit und zog viele Gelehrte an.

Als Elisabeth I. 1558 den Thron bestieg, wurde Dee zu ihrem vertrauten Berater in Sachen Astrologie und Wissenschaft. Er wurde sogar mit der Wahl von Elisabeths Krönungsdatum betraut. Von den 1550er bis 1570er Jahren diente er als Berater bei Englands Entdeckungsreisen, bot technische Hilfe bei der Navigation und ideologische Unterstützung bei der Gründung des „Britischen Empires“; er war der Erste, der diesen Ausdruck gebrauchte. Im Jahre 1577 veröffentlichte Dee „General and Rare Memorials pertayning to the Perfect Arte of Navigation“, eine Arbeit, die seine Vision eines maritimen Weltreichs und angeblichen englischen Territorialsansprüchen an die Neue Welt darlegt. Dee war mit Humphrey Gilbert bekannt und stand Sir Philip Sidney sowie dessen Kreis nahe. Es ist außerdem bekannt, dass Königin Elisabeth I. sein Haus in Mortlake mehrfach besuchte.

1564 schrieb Dee die hermetische Arbeit „Monas Hieroglyphica“ („Die Hieroglyphische Monade“), eine erschöpfende kabbalistische Interpretation einer Glyphe einzigartigen Aufbaus, mit der die mystische Einheit der gesamten Schöpfung zum Ausdruck gebracht werden sollte. Diese Arbeit wurde von vielen Zeitgenossen Dees hoch geschätzt, aber der Verlust der geheimen mündlichen Überlieferung von Dees Umfeld lässt es schwierig erscheinen, die Arbeit heutzutage zu interpretieren.

Er veröffentlichte 1570 „Mathematical Preface“ („Mathematische Einleitung“) zu Henry Billingsleys englischen Übersetzung von Euklids Elementen, worin er die zentrale Bedeutung der Mathematik, sowie deren Einfluss auf die anderen Künste und Wissenschaften, hervorhob. Obwohl eigentlich für den ungebildeten Leser gedacht, erwies es sich als Dees einflussreichstes Werk und wurde häufig nachgedruckt.

Späteres Leben

In den frühen 1580er Jahren wurde Dee zunehmend unzufriedener, da er wenig Fortschritte beim Lernen der Geheimnisse der Natur machte und nur über wenig Einfluss und Bekanntheitsgrad verfügte. Er begann sich dem Übersinnlichen zuzuwenden, in dem Bemühen, Weisheit zu erlangen. Er suchte den Kontakt mit Engeln mithilfe eines „Scryers“, respektive Kristallsehers, der als Medium zwischen Dee und den Engeln fungierte.

Wie seine Büchersammlung deutlich belegt, hatte Dee mehr als ein beiläufiges Interesse an Engeln; er suchte spezifisch alle schriftlich überlieferten Gespräche zwischen Mensch und Engel leidenschaftlich zusammen. Er hatte eine Reihe von Büchern, unter anderem von Ficino, Heinrich Cornelius Agrippa, und Johannes Trithemius als auch die weitverbreiteten biblischen Apokryphen, sowie die Pseudepigraphie. Dee studierte die Gemeinsamkeiten der Engels-Gespräche in diesen Werken, beschäftigte sich sehr mit Angelologie und insbesondere mit der Kommunikation mit Engeln. Der Engelslehre (Angelologie) war ein großer Teil von Dees Bibliothek gewidmet. Er war vertraut mit einem der größten Mathematiker seiner Zeit, Girolamo Cardano, ein Mann, der des Öfteren offen von seinem Schutzengel sprach. Agrippa ermutigte seine Leser „eine Stimme von Oben, eine Stimme die von oben lehrt“ zu suchen. Agrippas Lehrer, Johannes Trithemius, diskutierte in De septem secundeis eine Methode einer Fernkommunikation basierend auf den sieben klassischen Planeten und deren Engeln „gemäß der Tradition der Weisen des Altertums“. Dee besaß zudem mindestens 16 Werke von Robert Grosseteste, mit dem er ein synergistisches Interesse an Engeln, aber auch der Optik, Mathematik und Astronomie teilte. Alle diese Mathematiker, Kryptographen und Philosophen, die nach eigenen Angaben Offenbarungen durch Engel hatten, kamen darin überein, dass göttliche Boten, Begleiter bei Offenbarungsreisen und Engel der Apokalypse, gängige und vertrauenswürdige Informationsquellen der Patriarchen des Altertums waren.

Seine eigenen ersten Versuche in dieser Richtung stellten ihn nicht zufrieden, aber 1582 traf er auf Edward Kelley, der ihn mit seinen angeblichen Fähigkeiten in hohem Maße beeindruckte. Dee nahm Kelley in seine Dienste und begann sich ganz den übersinnlichen Zielen zu widmen. Diese „Engelsgespräche“ oder „spirituellen Konferenzen“ waren durchdrungen von intensiver christlicher Frömmigkeit und fortwährenden Perioden der Läuterung, des Gebets und Fastens. Dee war völlig davon überzeugt, dass sie mit den Ergebnissen der Menschheit helfen könnten. (Kelleys Persönlichkeit hingegen ist schwerer einzuschätzen: manche haben gefolgert, er habe aus komplettem Zynismus gehandelt, auch Trug und Selbsttäuschung stehen nicht gänzlich außer Frage. Andererseits ist Kelleys „Produktivität“ in Umfang, Komplexität und Klarheit außergewöhnlich bemerkenswert.) Dee sollen auf diese Weise mehrere Bücher von den Engeln diktiert worden sein, die ihm angeblich die henochische Sprache offenbarten und ein neues magisches System eröffneten.

1583 traf Dee auf den polnischen Edelmann Albert Laski, der die Engländer einlud, ihn auf seiner Rückreise nach Polen zu begleiten. Nach einigen Rückfragen bei den Engeln war Dee bereit, sich auf den Weg zu machen. Dee, Kelley und ihre Familien verließen England im September 1583, aber wie sich bald herausstellte, war Laski bankrott und in seinem eigenen Land nicht willkommen. Dee und Kelley begannen ein Nomadenleben in Mitteleuropa, führten jedoch ihre spirituellen Konferenzen fort, die Dee sorgfältig aufzeichnete. Er hatte Audienzen bei König Rudolf II. und König Stephan von Polen, in denen er ihnen ihre angebliche Gottlosigkeit vorwarf und sie von der Wichtigkeit seiner Engelsgespräche zu überzeugen versuchte. Er wurde von keinem der beiden Monarchen aufgenommen.

Während einer spirituellen Konferenz in Böhmen 1587 teilte ihm Kelley mit, der Engel Uriel hätte angeordnet, die zwei Männer sollten ihre Frauen tauschen. Kelley war zu dieser Zeit gerade dabei, sich einen Namen als Alchemist zu machen und weitaus gefragter als Dee; vielleicht versuchte er auf diesem Weg, die „spirituellen Konferenzen“ abzubrechen. Die Anordnung bereitete Dee große Qualen, aber er zweifelte die Echtheit derselben nicht an und ließ offenbar der Sache ihren Lauf, brach aber die Konferenzen kurz darauf unverzüglich ab und sah Kelley nie wieder.

Privatleben

Dee war dreimal verheiratet und hatte acht Kinder. Sein ältester Sohn war Arthur Dee, über ihn schrieb Dee einen Brief an seinen Direktor in der Westminster School, der die Sorgen der Eltern über Internatsschüler wiedergibt; Arthur war ebenfalls ein Alchemist und hermetischer Autor. John Aubrey gibt folgende Beschreibung von John Dee: „Er war groß und schlank. Er trug einen Umhang ähnlich einem Künstlerumhang, mit hängenden Ärmeln und einem Schlitz […] Einen sehr schönen, klar lebendigen Teint […] einen langen Bart so weiß wie Milch. Ein sehr gutaussehender Mann.“

Die letzten Jahre

1589 kehrte er nach England zurück, wo er seine Bibliothek ruiniert vorfand, viele seiner gepriesenen Bücher und Instrumente waren während seiner Abwesenheit gestohlen worden. Er ersuchte Elisabeth um Unterstützung, die ihn schließlich 1592 zum Rektor des Christ’s College in Manchester (inzwischen Manchester Grammar School) ernannte. Jedoch wurde er inzwischen weithin als Schwarzmagier verschmäht und hatte deshalb nur geringen Einfluss auf seine Untergebenen. Er verließ Manchester im Jahr 1605. In der Zwischenzeit war Elisabeth gestorben, und Jakob I. ihr auf den Thron gefolgt, der nichts für das Übersinnliche übrig hatte und Dee keinerlei Hilfe gewährte. So verbrachte er seine letzten Jahre in Armut und verstarb Ende 1608 oder Anfang 1609 in Mortlake. Sowohl das Sterberegister als auch Dees Grabstein sind verloren gegangen.

Errungenschaften

Im Denken

Dee war ein intensiv frommer Christ, aber seine Religiosität wurde von den hermetischen und platonisch-pythagoräischen Doktrinen tiefgreifend beeinflusst, die in der Renaissance weitverbreitet waren. Er glaubte, die Basis aller Dinge wären Zahlen und der Schlüssel zur Weisheit und dass Gottes Schöpfung ein Akt des Zählens war.

Der Hermetik entnahm er den Glauben an das Potential des Menschen, ein Gott zu sein, und er glaubte, die göttlichen Kräfte könnte man mit Mathematik kontrollieren. Seine kabbalistische Engelsmagie (die hochgradig numerologisch ist) und seine Arbeiten an praktischer Mathematik (etwa Navigation) sah er als verherrlichte und irdische Enden desselben Spektrums, und nicht als widersprüchliche Aktivitäten, für die man sie heute halten würde. Sein größtes Ziel war es, zu einer vereinigten Weltreligion beizutragen, durch die Überbrückung des Bruchs zwischen den katholischen und protestantischen Kirchen und die Wiedererlangung der reinen Theologie des Altertums.

Ruf und Bedeutung

Seine eigene Bibliothek in Mortlake war die größte des Landes, und wurde als eine der auserlesensten in ganz Europa angesehen, vielleicht nur übertroffen von jener de Thous. So gut er auch als astrologischer, wissenschaftlicher und geografischer Berater für Elisabeth I. und ihrem Hof war, so war er auch ein früher Vertreter für die britische Kolonisierung Amerikas und ein Visionär eines sich über den Nordatlantik streckenden Britischen Empires.

Dee förderte die Wissenschaft der Navigation und Kartografie. Er studierte eng zusammen mit Gerardus Mercator, und besaß eine wichtige Sammlung von Landkarten, Globen und astronomischen Instrumenten. Er entwickelte sowohl neue Instrumente als auch spezielle Navigationstechniken für den Gebrauch in Polarregionen. Dee diente als Berater für Englands Entdeckungsreisen und wählte persönlich Piloten aus, um sie in Navigation auszubilden. Er prägte den Begriff Embadometrie.

Er glaubte, dass Mathematik (welche er als mystisch verstand) zentral war für den Fortschritt des menschlichen Lernens. Die Zentralität der Mathematik in seiner Vision macht ihn in diesem Bereich moderner als Francis Bacon, obwohl einige Gelehrte glauben, Bacon habe absichtlich die Mathematik heruntergespielt in der anti-okkulten Atmosphäre zur Zeit der Regentschaft von Jakob I. Es sollte angemerkt werden, dass Dees Verständnis von der Rolle der Mathematik radikal von der heutigen Auffassung abweicht.

Titelblatt von Henry Billingsleys englischer Übersetzung der Elemente, mit einem Vorwort Dees (1570)

Seine vielleicht langanhaltendste praktische Errungenschaft war die Förderung der Mathematik außerhalb der Universitäten. Sein „Mathematical Preface“ zu Euklid war dazu gedacht, das Studium und die Anwendung der Mathematik bei Menschen ohne universitäre Ausbildung zu fördern, und war sehr populär und einflussreich unter den „mecanicians“, der neuen und im Aufsteigen begriffene Klasse der technischen Meister und Handwerker. Dees Einleitung beinhaltete Demonstrationen von Mathematischen Prinzipien, die die Leser selbst nachvollziehen konnten.

Dee war ein Freund von Tycho Brahe und war vertraut mit der Arbeit von Nicolaus Copernicus. Viele seiner astronomischen Kalkulationen basieren auf dem Kopernikanischen Weltbild, aber er unterstützte die heliozentrische Theorie nie öffentlich. Zwar wendete Dee dieses Wissen bei dem Problem der Kalenderreform an, seine daraus resultierenden vernünftigen Empfehlungen wurden jedoch aus politischen Gründen verworfen.

Er wird manchmal zusammen mit dem Voynich-Manuskript genannt. Wilfrid M. Voynich, der das Manuskript 1912 kaufte, hat angedeutet, dass das Manuskript vielleicht in Dees Besitz war, und er es an Rudolf II. verkaufte. Jedoch hatte Dee weit weniger Kontakte mit Rudolf II. als früher angenommen, und Dees Tagebücher geben keinen Aufschluss über einen derartigen Verkauf. Es ist jedoch bekannt, dass Dee das Buch Soyga besaß; ein anderes verschlüsseltes Buch.

Artefakte

Großes „Siegel Gottes“ (Sigillum Dei).

Das Britische Museum beherbergt mehrere Gegenstände, die einst John Dee gehörten und in Verbindung gebracht werden mit seinen sogenannten Engelsgesprächen:

  • Dees Spiegel, ein Azteken-Kultobjekt aus hochpoliertem Obsidian (Vulkanglas), in der Form eines Handspiegels; im Durchmesser 18,4 cm, und nach Europa gebracht in den späten 1520er. Der Spiegel wurde 1771 von Horace Walpole erworben.
  • Ein großes und gut erhaltenes Wachssiegel, das sogenannte Sigillum Dei Æmeth, welches als Sockel für den „Schaustein“ benutzt wurde.
  • Zwei kleinere Versionen des oben angesprochenen Wachssiegels, die die Tischbeine von Dees „Heiligen Tisch“ stützten.
  • Ein goldenes Amulett in Form einer Scheibe, graviert mit einer Darstellung von Kelleys Vision der vier Wachtürme, am 20. Juni 1584 in Krakau, die Dee für besonders wichtig erachtete. Die Scheibe wiegt 38,25 Gramm, hat einen Durchmesser von 8,8 cm, und besteht aus einer Rotgold-Legierung (90% Au und 10% Cu). Die Scheibenoberfläche wurde durch einen chemischen Prozess hochwertig veredelt. In der Mitte der Scheibe wurde ein Loch ausgestanzt, was offenbar der leichteren Handhabung diente. Die Scheibe wurde aber erst nach Dees Rückkehr in seiner Heimat angefertigt, wie das Zeichen eines Londoner Goldschmiedes auf ihr belegt.
  • Eine Kristallkugel, sechs Zentimeter Durchmesser. Dieses Stück lag viele Jahre unbeachtet in der Mineraliensammlung; möglicherweise gehörte es Dee, aber die Herkunft dieses Objekts ist weniger gewiss als die der anderen.

Im Dezember 2004 wurde der Schaustein, samt der dazugehörigen und mitausgestellten Anleitung für seinen Gebrauch (geschrieben von Nicholas Culpeper, Mitte 16. Jahrhundert), aus dem Science Museum in London entwendet. Die Ausstellungsstücke konnten kurz danach wiedererlangt werden.

Dee in Geschichten

John Dee und Edward Kelley, einen Geist herbeirufend

John Dee soll William Shakespeare als Vorbild für die Figur des Prospero in „Der Sturm“ gedient haben. In „Das Foucaultsche Pendel“ von Umberto Eco kommt der Figur des John Dee eine besondere Bedeutung zu, und im Roman „Maxie’s Demon“ von Michael Scott Rohan ist er sogar eine der Hauptfiguren. Der Schriftstellerin Mary Hoffman diente Dee als Vorbild für den Naturphilosophen William Dethridge in ihrer Trilogie „Stravaganza“. Gustav Meyrink spürte dem Leben des John Dee in seinem esoterischen Schlüsselroman „Der Engel vom westlichen Fenster“ auf ungewöhnliche Weise nach. In Lovecrafts Cthulhu-Mythos gilt Dee als derjenige, der das Necronomicon ins Englische übersetzte. In "Rettet die Rundwelt" von Terry Pratchett, Ian Stewart und Jack Cohen gelangen die Zauberer der Unsichtbaren Universität durch Dees Bibliothek, die durch den "L-Raum" mit der Scheibenwelt verbunden ist in unsere Welt um uns vor dem Einfluss der Elfen zu schützen. In der Romanreihe des irischen Schriftstellers Michael Scott um den "unsterblichen Alchemysten" tritt John Dee als Gegenspieler Nicholas Flamel und dessen Frau auf. In "In königlichem Auftrag" und "Im Haus des Zauberers" von Mary Hooper spielt Dee eine der Hauptpersonen. Auch in deutschen Romanreihen, wie zum Beispiel die Lycidas-Reihe von Christoph Marzi, ist John Dee eine tragende Figur. In diesen Romanen unterstellt man John Dee, dass er niemals gestorben sei und unter anderem John Milton gewesen sei und in der heutigen Zeit Lycidas (=Luzifer / Lichtbringer) ein treuer Gehilfe sei.

Literatur

  • I.R.F. Calder: John Dee Studied as an English Neo-Platonist. London: Warburg Institute, London University (1952)
  • Nicholas H. Clulee: John Dee's Natural Philosophy: Between Science and Religion. London: Routledge (1988) ISBN 0-415-00625-2
  • Stephen Clucas, ed. John Dee: Interdisciplinary Studies in Renaissance Thought. Dordrecht: Springer (2006) ISBN 1-4020-4245-0
  • Richard Deacon: John Dee: Scientist, Geographer, Astrologer and Secret Agent to Elizabeth I. London: Frederick Muller (1968)
  • John Heilbron Essay zu John Dee in John Dee on Astronomy: Propaedeumata aphoristica. University of California Press 1978, (Herausgeber und Übersetzer Wayne Shumaker)
  • Charlotte Fell Smith: John Dee: 1527–1608. London: Constable and Company (1909).
  • Peter J. French: John Dee: The World of an Elizabethan Magus. Londres: Routledge & Kegan Paul (1972) ISBN 0-7102-0385-3
  • Martin Kugler: Astronomy in Elizabethan England, 1558 to 1585: John Dee, Thomas Digges, and Giordano Bruno. Montpellier: Université Paul Valéry (1982)
  • Karl Kiesewetter und Michael Kuper (Hrsg.): John Dee und der Engel vom westlichen Fenster. Berlin: Verlag Clemens Zerling (1993) ISBN 3-88468-053-6; ursprgl. Leipzig (1893)
  • Ralf Löffler: Henoch – Die Magie des Dr. John Dee. Anrufungen in der Engelssprache. Neuenkirchen: Phänomen-Verlag (2006) ISBN 3-933321-94-8
  • William Howard Sherman John Dee: The Politics of Reading and Writing in the English Renaissance. Amherst: University of Massachusetts Press (1995) ISBN 1-55849-070-1
  • Frances A. Yates The Occult Philosophy in the Elizabethan Age. London: Routledge (2001) ISBN 0-415-25409-4
  • Frances A. Yates: "Renaissance Philosophers in Elizabethan England: John Dee and Giordano Bruno." in Lull & Bruno. Collected Essays Vol. I. London: Routledge Kegan & Paul (1982) ISBN 0-7100-0952-6
  • In "The Alchemyst" von Michael Scott ist Dr. John Dee ein unsterblicher Magier in der Rolle des Bösewichts, welcher gegen den ebenfalls unsterblichen Nicholas Flamel kämpft.

Musik

In dem Iron Maiden Lied "The Alchemist" von dem Album "The Final Frontier" wird über das Treffen von John Dee und Edward Kelley und den Übergang von Magie und Wissenschaft gesungen. (2010) (EMI-Records)

Weblinks

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