Josephine Butler


Josephine Butler
Josephine Butler im Jahr 1851
Butler im Jahr 1894
Butlers Wappen

Josephine Elizabeth Butler (* 13. April 1828 in Northumberland; † 30. Dezember 1906) war eine britische Feministin der Viktorianischen Zeit und die Leitfigur in der Kampagne gegen die Contagious Diseases Acts (Gesetze zur Bekämpfung ansteckender Krankheiten). Von der Historikerin Jean Bauberot wird Butler als eines der bedeutendsten Beispiele für die protestantische Verbindung von sittlichem und sozialem Engagement im 19. Jahrhundert eingeordnet.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Herkunft

Butler war das siebte Kind von John Grey und Hannah Annett. John Grey war ein landwirtschaftlicher Reformer und ausgesprochener Gegner der Sklaverei. Durch ihre Mutter Hannah Annett erhielt sie eine sehr religiöse Erziehung. Ihre Familie besaß weitgehende verwandtschaftliche Beziehungen. Ihr Vater war beispielsweise ein Cousin des zu den britischen Reformern zählenden Premierminister Earl Grey. Josephine Butlers Tante Margaretta Grey zählte zu den frühen Feministinnen des 19. Jahrhunderts.

Beginn des öffentlichen Engagements

Josephine Butler heiratete 1852 den Erzieher und anglikanischen Priester George Butler, mit dem sie gemeinsam vier Kinder hatte. Zusammen mit ihrem Mann hatte sie sich seit dem Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkriegs 1861 auf die Seite der Union gestellt und in Großbritannien sowohl für die Unterstützung dieser Kriegspartei als auch deren geplanten Abschaffung der Sklaverei geworben. Sie war außerdem ehrenamtlich engagiert in der Wohlfahrtsbewegung, die unter Prostituierten missionierte. 1869 wurde sie durch eine Bekannte, die Feministin Elizabeth Wolstenholme gebeten, sich der Kampagne gegen die Contagious Disease Acts anzunehmen. Diese Gesetze zielten auf eine soziale und gesundheitspolitische Kontrolle von Prostituierten und machten allein diese, nicht aber ihre männlichen Klienten für die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten verantwortlich.

Josephine Butler besaß aufgrund ihres Engagements gegen die Sklaverei bereits Erfahrungen in der Durchführung einer politischen Kampagne. Keinerlei Erfahrung dagegen besaß sie als öffentliche Rednerin. Aufgrund ihres ehrenamtlichen Engagements in der Wohlfahrt war sie dagegen mit den Lebensumständen von Prostituierten wohlvertraut. Unter den mittellosen Prostituierten, die im Arbeitshaus einsaßen, sowie denen, die in den Docks auf Kunden wartete, hatte sie für ein religiöseres Leben missioniert. Um über den Unfalltod einer ihrer Töchter hinwegzukommen, gründete sie selber ein Heim, in dem Prostituierte Aufnahme fanden. Zumindest von zwei an Tuberkulose sterbenden Prostituierten ist bekannt, dass Josephine Butler sie in ihrem eigenen Heim pflegte, bis diese an ihrer Krankheit verstarben. Aus Butlers Sicht waren Prostituierte Opfer ihrer Lebensumstände.

Kampf gegen die Contagious Diseases Acts

Gegen die Contagious Diseases Acts führten sie und die von ihr geleitete Ladies' National Association for the Abolition of the State Regulation of Vice eine leidenschaftliche und lange Kampagne. Mit der Zeitschrift „The Storm Bell“ attackierte Sie vor allem die Doppelmoral der Erlasse und setzte sich für eine bessere Erziehung und bessere Beschäftigungsmöglichkeit von Frauen ein, um ihnen andere Berufsalternativen als nur die Prostitution zu offerieren.

Ihr langjähriger Kampf führte letztlich dazu, dass 1883 die Erlasse suspendiert und 1886 vollständig aufgehoben wurden. Sie setzte sich in den Folgejahren vor allem gegen den Frauenhandel ein. Sie trug außerdem dazu bei, dass 1885 das Ehemündigkeitsalter in Großbritannien von 13 auf 16 Jahre heraufgesetzt wurde. Über die langfristigen Auswirkungen, die ihre Kampagne hatte, schrieb die Autorin Melanie Phillipps:

[In den sechzehn Jahren, bis der Erlass widerrufen wurde] veränderte diese Kampagne die politische Landschaft. Mit der Kampagne wurden soziale und sexuelle Konventionen hinterfragt, die nie zuvor öffentlich diskutiert wurden. Die Kampagne radikalisierte zahlreiche Frauen, härtete sie ab gegenüber öffentlichen Angriffen und Verleumdungen und schuf eine Infrastruktur des politischen Protests. (Philipps, S. 86)

Literatur

  • Jean Bauberot; Die protestantische Frau in Georges Duby, Michelle Perrot (Hrsg); Geschichte der Frauen - 19. Jahrhundert, Campus Verlag Frankfurt/New York 1994, ISBN 3-593-34909-4
  • Melanie Phillips; The Ascent of Woman - A History of the Suffragette Movement and the ideas behind it, Time Warner Book Group London, 2003, ISBN 0-349-11660-1

Siehe auch

Die von Butler geführte Kampagne wird ausführlich im Artikel Contagious Diseases Acts beschrieben.


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