José Figueres Ferrer


José Figueres Ferrer

José María Hipólito Figueres Ferrer (* 25. September 1906 in San Ramón; † 8. Juni 1990 in San José) war ein Politiker der Partido Liberación Nacional (PLN) in Costa Rica und vom 8. Mai 1948 bis zum 8. November 1949, vom 8. November 1953 bis zum 8. Mai 1958 und vom 8. Mai 1970 bis zum 8. Mai 1974 Präsident seines Heimatlandes. Seine politische Heimat war die Sozialdemokratie (PLN). Er wird als einer der wichtigsten Politiker in der Geschichte Costa Ricas angesehen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

José Figueres Ferrer wurde als das älteste von vier Kindern eines Arztes und einer Lehrerin geboren, die aus der spanischen Region Katalonien nach Costa Rica ausgewandert waren. Von 1924 bis 1928 studierte er in Boston, Vereinigten Staaten. In Costa Rica erwarb eine Farm, auf der er Kaffee und Hanf anbaute.

Ab 1940 führte er mit seinem Anwalt Alberto Martén und dessen Sozius, dem Abgeordneten Francisco José Orlich Bolmarcich, politische Diskussionen. Am 8. Juli 1942 wurde eine dieser Diskussionen live im Radio América Latina übertragen. In der Diskussion wurde die Korruption der Regierung Rafael Ángel Calderón Guardia benannt. Die Sendung wurde durch die Regierung unterbrochen. Orlich genoss als Parlamentsabgeordneter Immunität. Figueres wurde verhaftet und am 11. Juli 1942 nach Mexiko abgeschoben. [1] Aus dem Centro de Estudios de los Problemas Nacionales und der Acción Demócrata wurde 1944 die Partido Social Demócrata gebildet, welche die Koalition aus rerum novarum orientierter Partido Republicano Nacional und der Vanguardia Popular beenden sollte.

Luis Rafael de la Trinidad Otilio Ulate Blanco kandidierte gegen Rafael Ángel Calderón Guardia bei den Präsidentschaftswahlen am 8. Februar 1948. Die Wahlbehörde Tribunal Supremo de Elecciones de Costa Rica erklärte Ulate als gewählten Kandidaten. Das von der bisherigen Regierungskoalition dominierte und durch die Wahl bestätigte, Parlament erließ jedoch kein Gesetz, welches Ulate zum Präsidenten ernannte, sondern annullierte die Wahl, wegen angeblichen Wahlbetruges am 1. März 1948.

Bürgerkrieg

In der Folge kam es im März und April 1948 zu einem 44-tägigen Bürgerkrieg dem etwa 2.000 Menschen zum Opfer fielen. Die sozialdemokratische Partido Demócrata de Costa Rica setzte Söldner aus Panama und Waffen aus Guatemala ein, für den Waffentransport wurde der Aeropuerto Juan Santamaria mit der TACA in Betrieb genommen. Ebenso wurde die durch Fernando Valverde Vega geleitete Polizei eingesetzt. Die rerum novarum orientierte Partido Republicano Nacional vertraute Söldner aus der Dominikanischen Republik und Honduras. [2] [3] Teodoro Picado Michalski und Rafael Ángel Calderón Guardia suchten bei Anastasio Somoza García Unterstützung. Gegen den Einspruch der USA ließ Anastasio Somoza García am 17. April 1948 Guardia Nacional de Nicaragua Villa Quesada aus der Luft angreifen. Am 19. April 1948 wurde in der mexikanischen Botschaft in San José ein Abkommen für ein Ende des Bürgerkrieges geschlossen. Am 20. April 1948 übergab Teodoro Picado Michalski sein Amt an den dritten Stellvertreter Santos León Herrera und verließ Costa Rica in Richtung Nicaragua. [4]

Junta Fundadora de la Segunda República

Santos León Herrera übergab die Macht an eine Junta, welcher Figueres vorsaß und Ulate angehörte. Diese Junta brach die bestehende Verfassung, da sie das von bisherigen Regierungskoalition dominierte Parlament auflöste und eine verfassungsgebende Versammlung einberief, welche die heute gültige Verfassung erarbeitete. Da sich die Armee im Bürgerkrieg neutral verhielt, wurde sie in der Verfassung abgeschafft. Die Junta verstaatlichte Banken. Sie herrschte 18 Monate und erließ schließlich das Gesetz mit welchem Ulate zum Präsidenten erklärt wurde. [5]

Von 1953 bis 1958 und von 1970 bis 1974 fungierte Figueres für die 1951 gegründete sozialdemokratische Partido Liberación Nacional als Präsident. Er versuchte dabei durch verschiedene Maßnahmen, den privaten Wirtschaftssektor sowie die Mittelschicht des Landes zu stärken. Darüber hinaus wandte er sich gegen die Diktaturen in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern und kritisierte deren Unterstützung durch die Vereinigten Staaten. Am 17. Mai 1957 scheiterte ein von Rafael Trujillo initiiertes Attentat auf Figueres.

José Figueres Ferrer gilt als Vordenker und Vater der modernen Demokratie in Costa Rica sowie als einer der einflussreichsten Politiker in der Geschichte des Landes. Die Tatsache, dass Costa Rica im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern Mittel- und Südamerikas von Diktaturen, Armut und lang anhaltenden Bürgerkriegen weitestgehend verschont blieb und heute eines der wohlhabendsten und politisch stabilsten Länder Lateinamerikas ist, wird wesentlich den Auswirkungen der Reformen während seiner Regierungszeit zugeschrieben. Sein Sohn José María Figueres amtierte von 1994 bis 1998 ebenfalls als Präsident Costa Ricas.

Einzelnachweise

  1. http://www.elespiritudel48.org/docu/h005.htm
  2. Time, Mar. 29, 1948, Everybody's War
  3. Time, Apr. 05, 1948, The President Is Sick
  4. Time, Apr. 19, 1948, Commissar in San José
  5. Time, Dec. 27, 1948, Uneasy Guests

Literatur

  • Nikolaus Werz: José Figueres Ferrer, in: Nikolaus Werz (Hg.): Populisten, Revolutionäre, Staatsmänner. Politiker in Lateinamerika, Frankfurt a. M. 2010, S. 434−448.

Weblinks


Vorgänger Amt Nachfolger
Santos León Herrera
Luis Rafael de la Trinidad Otilio Ulate Blanco
José Joaquín Trejos Fernández
Präsidenten von Costa Rica
Junta 8. Mai 1948 - 8. November 1949
8. November 1953 - 8. Mai 1958
8. Mai 1970 - 8. Mai 1974
Luis Rafael de la Trinidad Otilio Ulate Blanco
Mario Echandi Jiménez
Daniel Oduber Quirós

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