Jovan Cvijic


Jovan Cvijic

Jovan Cvijić (* 12. Oktober 1865 in Loznica; † 16. Januar 1927 in Belgrad) war ein jugoslawischer Geograph. Als Professor in Belgrad (seit 1893) und Präsident der Serbischen Akademie der Wissenschaften machte er sich um die vielseitige Erforschung der Balkanhalbinsel verdient. Cvijić war Gründer der Serbischen Geographischen Gesellschaft (1910). Neben den grundlegenden Werken zur Geomorphologie sind die anthropo- und ethnographischen Arbeiten herausragend. Cvijić nahm an den Friedensverhandlungen in Paris 1919 als Präsident der Nationalen Expertengremien beratend teil.

Wegen seiner Verwicklung beim Attentat von Sarajevo wurde Cvijić zu 16 Jahren Haft verurteilt. Im Jahr 1936 verfasste er die geheime Denkschrift "Über die Vertreibung der Arnauten".[1]

In mehreren Werken bezeichnete Cvijić alle Südslawen von Istrien bis Makedonien als Serben und deren Sprache als Serbische Sprache. Daher wurden seine Arbeiten häufig für großserbische propagandistische Zwecke verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Cvijić studierte Geographie in Belgrad und Wien, wo er bei Albrecht Penck 1893 über Formen des Karstes promovierte. Diese herausragende Arbeit ist bis heute in ihren Aussagen gültig geblieben. Die von Cvijić verwendete Fachterminologie fand dabei auch Eingang in die geomorphologische und geologische Fachsprache. Zu seinem Werk gehören neben der Arbeit über Karsterscheinungen („Das Karstphänomen“), mehr als 1000 Publikationen zur Geographie und Quartärgeschichte der Balkanhalbinsel (Orjen). Seine geopolitische Tätigkeit im Sinne eines Panslawismus und der vollendeten Gründung Jugoslawiens mit seinem anthrophogeographischen Werk zu zur Ethnologie und Geschichte der Völker in Bosnien, Serbien und Makedonien sind heute je nach nationaler Zugehörigkeit umstritten.

Bedeutung

Cvijić war ein unermüdlicher Forscher, der zeitlebens entlegene Regionen der Balkanhalbinsel erkundete. Unter anderem bereiste er die damals zum Osmanischen Reich gehörenden Bereiche Makedoniens, des Sandschak, Kosovos sowie Bulgariens und die kleinasiatische Halbinsel. Seine daraus resultierenden Arbeiten zur Geographie der Balkanhalbinsel sind bis heute in Ihrem Umfang nicht wiederholt worden. Cvijić ist neben Penck auch Pionier der Quartärforschung der Gebirge der Balkanhalbinsel (Prokletije, Prenj, Pirin, Orjen). Die Glazialgeschichte in einer Gesamtschau des Balkans in seinem ersten Band der Geomorphologie ist grundlegend geblieben.

Cvijićs wissenschaftliches geomorphologisches Hauptwerk bildet aber die Erforschung von Karstphänomenen der Dinariden. Die in ihrem terminologischen Gerüst und der geomorphologischen Einteilung auf die Cvijiće Klassifikation zurückgehende Einteilung von Karstformen sind in die internationale Terminologie übertragen und auf weltweite Phänomene der auf Karbonatlösung beruhenden Oberflächenformen und unterirdischen Karstformenschatzes eingegangen. Beispiele sind Polje, Doline, Ponor, Jama.

Die in Europa einflussreiche Unterteilung Cvijićs von verschieden stark entwickelten Karsttypen in Holokarst und Merokarst sind zwar in der zeitgenössischen Geomorphologie stärkerer Kritik ausgesetzt, aber dennoch feststehende Begriffe die den Dinarischen Karst als Typform des Holokarsts, den Mitteleuropäischen Karst Schwäbische Alb, Jura zum Merokarst zählen. Damit ist auch die klimageomorphologische Unterteilung, die erst später von Büdel herausgearbeitet wurde, vorweggenommen.

Cvijić lehrte 1917 und 1919 an der Sorbonne. Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges berief die Serbische Regierung Cvijic als ersten Experten für Ethnische Grenzen und 1919 wurde er als Vorsitzender der territorialen Sektion der serbischen Delegation zur Pariser Friedenskonferenz berufen. Nachhaltig war Cvijićs nach ethnischen Kriterien basierende Grenzziehung auf dem Territorium der ehemaligen K.u.K. Monarchie im entstehenden Staat der Serben, Kroaten und Slowenen. Aufgrund der hohen Reputation von Cvijić und seines Kollegen Pupin, konnte sich der neuentstandene Staat wichtige territoriale Zugewinne sichern (Banat, Baranja Dalmatien, Julische Alpen). Damit erreicht man auch erstmals, dass die Hauptstadt Serbiens und des ehemaligen Jugoslawiens Belgrad nicht mehr an der ehemaligen Militärgrenze lag und mit der Vojvodina eines der fruchtbarsten Gebiete Europas mit dem starken ungarischen Bevölkerungsanteil als Hinterland Belgrads zu Serbien kam.

Werke

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Johann Georg von Hahn, Albanesische Studien, Jena 1854, S. 232


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