Julius Wiggers


Julius Wiggers

Julius Wiggers (* 17. Dezember 1811 in Rostock; † 7. März 1901 ebenda; vollständiger Name: Julius Otto August Wiggers) war ein deutscher evangelischer Theologe, Hochschullehrer und Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Wiggers war älterer Sohn des Rostocker Theologen, Hochschullehrers und späteren Universitätsrektors Gustav Friedrich Wiggers. Er studierte Philosophie und Theologie an der Universität seiner Geburtsstadt und wechselte später mit denselben Fächern nach Berlin. An der Universität Bonn konnte Wiggers 1835 sein Studium erfolgreich mit einer Promotion zum Dr. phil. beenden. Anschließend wirkte er als Privatdozent für Theologie und konnte sich dabei für seine Habilitation vorbereiten.

1840 wurde Wiggers habilitiert und bekam als außerordentlicher Professor der Theologie einen Lehrauftrag an der Universität seiner Heimatstadt. Seit seinem Studium politisch interessiert und engagiert, wurde Wiggers 1848/49 zusammen mit seinem Bruder Moritz als Mitglied der "Konstituierende Abgeordnetenversammlung" beider Teilstaaten von Mecklenburg ins erste demokratische Parlament von Mecklenburg-Schwerin gewählt, dem er bis zur Auflösung 1850 angehörte.

Wie viele standhafte Demokraten seiner Zeit hatte Wiggers nach dem Scheitern der 1848er Revolution die Repressalien der Reaktion zu ertragen, was auch bei ihm zu quasi Berufsverbot und Karriereende führte. 1850/51 konnte er sich zwar noch erfolgreich gegen die gesetzwidrige Haussuchung durch das Bützower Kriminalkollegium wehren. Im Sommer 1852 wurde er trotzdem seines akademischen Lehramtes entsetzt, 1853 im "Rostocker Hochverratsprozess" angeklagt und zu 15 Monate Haft verurteilt, die er bis 1857 verbüßte. Danach blieb Wiggers eine neuerliche Anstellung Hochschullehrer versagt. Er kehrte nach Rostock zurück, wo er sich fortan als freier Schriftsteller durchschlug.

1867 wurde Wiggers als Abgeordneter des Wahlkreises Mecklenburg-Schwerin 6 (Güstrow - Ribnitz) in den Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt, dem er bis 18171 angehörte. Von 1877 bis 1881 vertrat er den Wahlkreis erneut als Abgeordneter. Im Reichstag schloss er sich keiner Fraktion an und blieb ein unabhängiger Liberaler.[1]

Julius Wiggers war seit 1853 mit Auguste, geb. Schnelle (1832–1884) verheiratet, einer Tochter seines Kampfgefährten und demokratischen Gesinnungsgenossen, des Juristen und Gutsbesitzers Samuel Schnelle (1803–1877). Aus der Ehe gingen mindestens vier Kinder hervor, darunter mehrere Söhne.

Julius Wiggers starb im Alter von 89 Jahren am 7. März 1901 in Rostock.

Werke (Auswahl)

  • Geschichte der evangelischen Mission. Hamburg 1845/1846 (2 Bände)
  • (mit Moritz Wiggers): Geschichte der drei Mecklenburgischen Landesklöster Dobbertin, Malchow und Ribnitz. Erste Hälfte: Von der Stiftung der drei Klöster bis zur Überweisung derselben an die Stände im Jahre 1572. G. B. Leopoldsche Universitätsbuchhandlung, Rostock 1848
Digitalisat des Exemplars der Bayerischen Staatsbibliothek, mehr nicht erschienen
  • Grammatik der plattdeutschen Sprache. In Grundlage der Mecklenburgisch-Vorpommerschen Mundart. Hamburg 1858.
  • Kirchengeschichte Mecklenburgs. 1840
Digitalisat des Exemplars der Bayerischen Staatsbibliothek
  • Kirchliche Statistik oder Darstellung der gesammten christlichen nach ihrem gegenwärtigen äußeren und inneren Zustände. Hamburg/Gotha: Perthes 1842/43 (2 Bände)
Band 1: Digitalisat des Exemplars der Bayerischen Staatsbibliothek
Band 2: Digitalisat des Exemplars der Bayerischen Staatsbibliothek
  • Die kirchliche Bewegung in Deutschland in einer Reihe von öffentl. geh. Vorträgen dargestellt. Rostock: Leopold 1848
Digitalisat des Exemplars der Bayerischen Staatsbibliothek
  • Das Verfassungsrecht im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Berlin 1860
  • Vierundvierzig Monate Untersuchungshaft. Berlin 1861
Digitalisat des Exemplars der Bayerischen Staatsbibliothek
  • Aus meinem Leben. Hirschfeld, Leipzig 1901

Einzelnachweise

  1. Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: Verlag Carl Heymann, 1904, S. 271

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