Juncus

Juncus
Binsen
Dreiblatt-Binse (Juncus trifidus)

Dreiblatt-Binse (Juncus trifidus)

Systematik
Abteilung: Bedecktsamer (Magnoliophyta)
Klasse: Einkeimblättrige (Liliopsida)
Unterklasse: Commelinaähnliche (Commelinidae)
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Binsengewächse (Juncaceae)
Gattung: Binsen
Wissenschaftlicher Name
Juncus
L.
Schematische Darstellung einer sechsspelzigen, zwittrigen Binsen(Juncus)- Blüte

Die Binsen (Juncus) sind die namengebende Gattung der Binsengewächse (Juncaceae), die mit weltweit etwa 300 Arten, in Deutschland 29 Arten, verbreitet ist. Kennzeichnendes Merkmal dieser ausdauernden Gräser sind die starren, rundlichen und borstlich zugespitzten Blattspreiten. Diese sind meist hohl oder mit einem schwammartigen, sogenannten Sternparenchym (Durchlüftungsgewebe, Aerenchym) erfüllt, welcher der Versorgung mit Sauerstoff dient.

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung und Standort

Binsen sind mit Ausnahme der Antarktis weltweit verbreitet (kosmopolitisch). Die Arten bevorzugen feuchte bis nasse, zum Teil überflutete Standorte in Feuchtgebieten an Gewässern, in Mooren, Feuchtwiesen und in Sümpfen.

Beschreibung

Die stängelähnlich rundlichen, seltener abgeflachten Blattspreiten sind in der Regel unbehaart - im Gegensatz zu den ebenfalls zu den Binsengewächsen gehörenden Hainsimsen (Luzula). Diese setzen den Stängel oft in gerader Linie fort, so dass dann der Blütenstand seitenständig erscheint. Stängel und Blätter sind mit einem schwammartigen, weißen Mark erfüllt oder hohl und dann nur etagenweise durch Markschichten quer gegliedert. Die Blattscheiden sind offen, geschlitzt und oben oft geöhrt.

Der Blütenstand der Binsengewächse ist eine Spirre, eine abgewandelte Form der Rispe. Die randlichen beziehungsweise unteren Blüten sind am längsten gestielt, die zentralen oder oberen stehen dagegen gestauchter. Auf diese Weise entsteht ein fast trichterförmiges Gebilde. Mehrere Blüten können zusätzlich knäuelig zusammengefasst sein. Die einhäusigen Blüten der Binsen sind klein und im Grundaufbau ähnlich jenen der Liliengewächse. Die Blütenorgane - sechs Blütenhüllblätter (Tepalen), sechs Staubblätter (Stamen) und drei Fruchtblätter (Karpellen) - sind regelmäßig und meist vollständig ausgebildet. Die Blütenhüllblätter (Perigon) sind zu spelzenartigen Schuppen umgewandelt. Sie sind grün bis braun, purpurn oder schwarz gefärbt, zuweilen auch transparent. Die Fruchtknoten sind immer oberständig und enden in drei relativ langen, papillösen, oft eingedrehten Narbenästen. Die Zahl der Staubblätter ist selten auf drei reduziert. Die Pollenkörner sind immer in Viererpaketen zusammengefasst. Der Fruchttyp der Binsen ist eine mehrsamige Kapsel. Sie ist durch innere Rippen (Plazenten) dreiteilig gegliedert.

Die Binsengewächse sind immergrün. Ihre vegetative Vermehrung erfolgt in der Mehrzahl über Ausläufer (Rhizome). Etliche Arten sind horstwüchsig.

Ökologie

Binsen verfügen im Mark über ein Sternparenchym. Es handelt sich dabei um ein Durchlüftungsgewebe (Aerenchym). Die Zellen erhalten durch örtlich begrenztes Wachstum der Zellwand armartige Auswüchse und erscheinen so sternförmig. Die großen Interzellularen und Lakunen erleichtern den Gasaustausch bei untergetauchten Organen und erhöhen die Schwimmfähigkeit des Pflanzenkörpers.

Binsen sind windblütig (Anemogamie). Die Blütenhülle ist unscheinbar, Nektar und Duftstoffe fehlen. Die Narben sind oft korkenzieherartig eingedreht, um so die Oberfläche zu vergrößern und möglichst viel Pollen aufzunehmen zu können.

Die Kurzflüglige Schwertschrecke (Conocephalus dorsalis) ist aufgrund ihrer Fortpflanzungsbiologie überwiegend an Feuchtgebiete gebunden. Die Weibchen legen ihre Eier vor allem in die markhaltigen Stängel der Binsen. Die Eier verbleiben bis zum nächsten Frühjahr in den Pflanzenstängeln. Die Raupen etlicher Arten der Sackträgermotten (Coleophoridae) insbesondere jene der Gattung Coleophora ernähren sich ausschließlich von Juncus-Arten.

Binsen tragen zur Wasserreinigung bei, indem sie Schadstoffe abbauen. Einige Arten können Phenole aus dem Wasser aufnehmen und werden in sogenannten Pflanzenkläranlagen eingesetzt.

Verwendung

In Öl getränkte Schnüre aus dem Binsenmark wurden als Lampendochte genutzt. 1539 schrieb Hieronimus Bock: „… das weiss marck auss den Bintzen gibt reyn gute wiechen (Dochte) in die ampeln bevorzugt“. Die einzelnen toten Zellen des Durchlüftungsgewebes im Innereren der Binsenstängel und -blätter grenzen an den Fortsätzen aneinander und schließen zwischen sich große Hohlräume (Interzellularen) ein. Unter dem Mikroskop sind diese meist sechsstrahligen (sternförmigen) Zellen gut zu erkennen. Es entsteht ein saugfähiges Gewebe. Mehrere Markfäden können zu dünnen Fäden verbunden werden, wobei sich nur die Gattung Juncus mit einem durchgehenden, nicht gekammerten Mark eignet.[1]

Die Kombination aus dem weichem Mark und der festen, aber nicht starren, biegsamen Rinde macht die Binse zu einem Flechtmaterial für Körbe, Schuhe, Taschen, Matten oder Reusen. Der Gattungsname Juncus leitet sich so vom Lateinischen júngere = zusammenbinden ab. Im Volksmund werden auch andere Süßgrasartige (Poales) wie die Teichbinsen (Schoenoplectus) als „Binsen“ bezeichnet und als Flechtmaterial benutzt. So werden in der Weinfassherstellung „Binsen“ zum Abdichten des Bodens verwendet.[2]

Im alten Ägypten diente die Binse als Schreibgerät. Sie wurde getrocknet und in Tinte getaucht. Das Ende dieser Binsen wurde zerquetscht oder zerkaut und war so faserig wie ein Pinsel [3].

Sonstiges

Der Begriff Binse ist Bestandteil in Phraseologismen: in die Binsen gehen (missglücken, verloren gehen); kurz auch "eine Binse" für eine Binsenweisheit (eine Weisheit, die jeder kennt und die folglich keine ist).

Artenliste

Literatur und weiterführende Informationen

Einzelquellen

  1. Ein Binsen-Docht sorgt für Erleuchtung [1] PDF, abgerufen am 23. Februar 2007
  2. Fachverein der Schäffler Münchens [2], abgerufen am 13. Januar 2008, abgerufen am 13. Januar 2008
  3. Zur Technik des Schreibens [3], abgerufen am 26. Februar 2007
  4. Kew Monocot Checklist - Akzeptierte und nicht akzeptierte wissenschaftliche Pflanzennamen

Literatur

  • J. Grau, B. P. Kremer, B. M. Möseler, G. Rambold & D. Triebel: Gräser, Mosaik-Verlag, München 1996, ISBN 3-576-10702-9
  • H. Haeupler & Th. Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Ulmer Verlag, Stuttgart, 2000. ISBN 3-8001-3364-4.
  • E. Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Ulmer, Stuttgart 1994. ISBN 3-8252-1828-7.

Weblinks


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