Jure Francetić


Jure Francetić

Jure Francetić (* 3. Juli 1912 in Otočac; † 28. Dezember 1942 Slunj) war Ustascha-Offizier und Oberbefehlshaber der Schwarzen Legion (kroatisch Crna Legija).

Inhaltsverzeichnis

Jugend und Vorkriegszeit

Jure Francetić wurde am 3. Juli 1912 in einem kleinen Dorf namens Vizove in der Nähe von Otočac geboren. Die Grundschule absolviert er in Otočac und setzte seine weitere Schulbildung in Senj fort. Weiter wurde ihm durch seinen Onkel ermöglicht in Križevci sein Abitur zu machen. 1930 nahm er ein Jurastudium auf, wurde jedoch kurz darauf wegen staatsfeindlicher Aktivitäten zu drei Monaten Haft und fünf Jahren Verbannung aus Zagreb verurteilt. Nach der Haftstrafe kehrte er in die Lika zurück. Im März 1933 emigriert er nach Österreich und kurz danach nach Italien. Als 1934 Vjekoslav Servatzy das Kommando über das Lager Janka-Puszta in Ungarn übernimmt, wird ihm Francetić als Helfer zugeteilt. 1936 kehrt er nach Italien zurück, wo er auf der Insel Giglio interniert wird. Ende 1937 kehrt er ins Königreich Jugoslawien zurück.

Bei seiner Rückkehr wird er in Zagreb verhaftet und in die Lika verbannt. 1938 gelingt es ihm trotz Verbannung nach Zagreb zu gelangen, wo er erneut sein Studium aufnimmt, jedoch wird er kurz darauf von der Königlichen Jugoslawischen Armee eingezogen. Nach seinem Militärdienst, aus dem er als Feldwebel entlassen wird, kehrt er abermals nach Zagreb zurück, wo er sich dann aktiv für die faschistische Ustaschabewegung stark macht. Er wird erneut verhaftet und ende 1940 verurteilt und abermals aus Zagreb verbannt. Anfang 1941 versteckt er sich in Deutschland.

Kriegsanfang

Nach der Ausrufung des Unabhängigen Staates Kroatien (NDH) am 10. April 1941, kehrt er kurz darauf nach Kroatien zurück. Er wird Ende April von Ante Pavelić zum Vertrauten für die Region Bosnien ernannt, wo er dann in Sarajevo die Macht der Ustascha ausbaut und Soldaten rekrutiert. Nachdem der Ustaschafunktionär Bećir Lokmić von Tschetniks aus dem Hinterhalt erschossen wird, übernimmt er das Kommando der Ustaschaverbände in Sarajevo. Am 15. November wird Francetić in den Rang eines Ustascha Majors ernannt und gründet zusammen mit seinem Stellvertreter Hauptmann Rafael Boban die Schwarze Legion. Nach einigen erfolgreichen Operationen in Bosnien wird er am 6. März 1942 zum Oberstleutnant befördert.

Operation Trio

Am 15. April sollte die Operation Trio starten. Rund 18.000 Partisanen und 4.500 Tschetniks operierten in Ostbosnien, Wehrmachtsgeneral Paul Bader hat das Kommando über die Operation. Insgesamt standen ihm 50.000 Soldaten zur Verfügung:

Deutsche Truppen

  • 718. Infanterie-Division
  • 737. Infanterie-Regiment der 717. Infanterie-Division

Italienische Truppen

  • 1. Alpen-Division „Taurinense“
  • 5. Gebirgsjäger-Division „Pusteria“
  • 22. Infanterie-Division „Cacciatore di Alpi“
  • 1. Alpen-Brigade „Alpi Valle“
  • 2. leichte Panzer-Brigade „San Marco“
  • 12. Artillerie-Brigade des 105. Regiments der 28. Division

Kroatische Truppen

Verbände der Domobrani

  • 1. Bataillon des 13. Infanterie-Regiments
  • 8. Infanterie-Regiment
  • 15. Infanterie-Regiment
  • 9. Artillerie-Brigade
  • 3. Grenzbataillon
  • 4. Grenzbataillon

Ustaschaverbände

  • Schwarze Legion mit 3 Bataillonen

Der Plan sah vor, dass am 15. April die Operation Trio I startet und die Gegend östlich und südlich von Sarajevo vom Feind säubern sollte, anschließend sollte an der Drina entlang in Richtung Norden vorgestoßen (Trio II) werden und dann am Berg Ozren (Trio III) abgeschlossen werden. Die Operation verlief von Anfang an nicht nach Plan. Die Schwarze Legion griff am 1. April, ohne General Bader zu informieren, die Tschetniks in Vlasenice an. Am 8. April erobert die Schwarze Legion den Ort Drinjača und am darauffolgenden Tag die Orte Bratunac und Srebrenica in Kämpfen gegen Tschetniks und Partisanen. In dem entstanden Chaos ziehen sich die größten Teile der Partisanentruppen nach Süden zurück, wo die italienischen Truppen stationiert sind. Die Italiener sind nicht in der Lage ihren Teil der Aufgabe aus der Operation früher zu beginnen und General Bader beantragt beim Oberkommando der Wehrmacht die Operation komplett abzusagen, was ihm auch gestattet wurde. Nach dem aber die Schwarze Legion am 10. April an den Grenzfluss Drina stößt, gibt General Bader den Befehl zur Unterstützung der Schwarzen Legion. Am 22. April startet die Wehrmacht ihre Offensive und vertreiben Partisanen und Tschetniks aus Ostbosnien, es gelingt ihn den Befehlshaber der Tschetniks Major Dangić gefangen zu nehmen. Am 23. April starten die Italienischen Verbände ihren Angriff. Die 5. Gebirgsjäger Division „Pusteria“ erobert Čajniče, es gelingt ihr aber nicht rechtzeitig Goražde einzunehmen, wegen des erfolgreichen Widerstands der Partisanen in der Westherzegowina, und so verpassen sie es weiter nach Ostbosnien vorzustoßen, was wiederum der Partisanen erlaubt sich ohne große Verluste hinter die Linie Kalinovik-Foča zurückzuziehen, am 27. April bricht die Wehrmacht ihre Offensive ab.

Ernennung zum Oberst

Nach erfolgreichen Aktionen bei Kozara und Kupres wird er am 24. Juni 1942 zum Oberst ernannt. Im Sommer 1942 wurde Oberst Jure Francetić als Kommandant der Schwarzen Legion vorübergehend abberufen, er sollte aber diese Position aufgrund seines baldigen Todes (im Dezember 1942) nie wieder bekleiden. Das Kommando der Legion, während der Abwesenheit von Francetić, übernahm der Ustascha Oberst Ivo Stipković. Francetić selber wurde in den Generalstab befördert und begleitete Ante Pavelić beim Besuch von Adolf Hitler in Deutschland. Anschließend besuchte Francetić die kroatischen Truppen das 369. Infanterie-Regiments, auch "Teufelsdivision" genannt, an der Ostfront in der Sowjetunion.

Tod

Vom 22. bis 27. Dezember 1942 unternahm Oberst Jure Francetić eine Inspektion seiner Einheiten in Bosnien. Auf dem Rückflug am 27. Dezember musste das Flugzeug infolge technischer Probleme in der Nähe des von Partisanen besetzten Dorfes Močilo bei Slunj notlanden. Bei dem darauf folgenden Angriff der Partisanen wurde Francetić tödlich verwundet und starb am 28. Dezember 1942.

Obwohl der „Unabhängige Staat Kroatien“ danach Jure Francetić glorifizierte und ihn posthum zum Ritter und General ernannte, war es bekannt, dass er im Konflikt mit dem Führer des Ustascha-Staates Ante Pavelić stand. Seine Kritik an der italienischen Besetzung und Verwaltung weiter kroatischer Landstriche hat ihn bei den radikalsten Kräften unter den Ustascha äußerst unbeliebt gemacht. Außerdem habe er mehrmals dessen rassistische Politik gegenüber Juden, Roma und Serben kritisiert, so dass einige vermuten, dass der Defekt an Francetićs Flugzeug nicht zufällig war. Kurz vor seinem Abflug schrieb er Pavelić ein Telegramm:

Poglavniče! Moji crnci (Crna legija) su samo meni vjerni i samo smrt će me zaustaviti da se pridružim tamošnjim partizanima u borbi protiv Talijana koji nisu ništa bolji od četnika, jer pale i uništavaju našu domovinu. A ja kao rodoljub ne mogu to više podnieti a vi poglavniče odlučite o daljnjim postupcima. Vaš vierni i uviek odani Jure Francetić

Mein Führer! Meine „Schwarzen“ (Schwarze Legion) sind nur mir treu und nur der Tod kann mich aufhalten, dass ich mich den Partisanen dort anschließe im Kampf gegen die Italiener, die nicht ein Deut besser sind als die Tschetniks, weil sie unsere Heimat genauso zerstören und niederbrennen. Ich als Patriot kann mir das länger nicht mehr mit ansehen. Mein Führer entscheiden Sie wie es weiter gehen soll. Ihr treuer und immer ergebener Jure Francetić.

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