Jussi


Jussi
2011 als bester Drehbuchautor geehrt: Pekko Pesonen (Napapiirin sankarit) mit seiner gewonnenen Preisstatuette
Katja Küttner und Ville Virtanen gewannen 2011 die Preise für die besten Hauptdarsteller

Der Jussi (fi.: Jussi-palkinto, dt.: Johannes, bzw. Hans) ist der nationale Filmpreis Finnlands und eine der ältesten Filmauszeichnungen in Europa. Er wurde erstmals im Jahr 1944 auf Initiative mehrerer Filmkritiker vergeben, die sich zur Filmiaura zusammenschlossen, der finnischen Filmakademie. Seither werden alljährlich Ende Januar bzw. Anfang Februar die besten finnischen Kinoproduktionen und Filmschaffenden des vergangenen Kinojahres prämiert. Unter den Preisträgern der letzten Jahre sind u. a. so bekannte Künstler wie Renny Harlin, Mika und Aki Kaurismäki, Outi Mäenpää und Kati Outinen vertreten. Als Erfinder des Filmpreises gilt der finnische Szenenbildner Tapio Vilpponen, der bei der ersten Verleihung für seine Arbeit an Herra ja ylhäisyys ausgezeichnet wurde.

Bei der letzten Verleihung des Jussis, am 6. Februar 2011 im Kaapelitehdas von Helsinki, konnte sich Dome Karukoskis Napapiirin sankarit als Bester Film durchsetzen. Die Komödie (internationaler englischsprachiger Titel Lapland Odyssey) handelt von drei arbeitslosen jungen Männern, die für eine Digital Converter Box in den Norden Finnlands reisen.[1] Napapiirin sankarit hatte im Vorfeld sechs Nominierungen erhalten und gewann drei Preise.

Inhaltsverzeichnis

Nominierungs- und Abstimmungsrichtlinien

Die Jussi-Gewinner werden in zwei Stufen ermittelt. Zuerst wählt eine jährliche wechselnde Jury bestehend aus professionellen Filmschaffenden (Regisseure, Schauspieler, Filmproduzenten, Kameraleute, Autoren, Cutter, Szenenbildner und Musiker) drei Nominierte in jeder der 14 Preiskategorien aus. Über diese stimmen dann die aus ca. 260 Filmschaffenden bestehende Filmiaura in einer geheimen Wahl ab. Die Preisträger werden während einer Gala mit der gleichnamigen stilisierten Statuette ausgezeichnet, die von dem finnischen Künstler Ben Renvall (1903–1979) kreiert wurde. Sie zeigt einen stehenden, die Arme verschränkenden Mann mit Strohhut und besteht vollständig aus Gips. Der Name ist der Hauptfigur des bekannten finnischen Films Pohjalaisia (1925 sowie 1936 mit Eino Kaipainen verfilmt) entnommen.

Der Film muss eine Laufzeit von mindestens 60 Minuten aufweisen und im der Preisverleihung vorangegangenen Kalenderjahr uraufgeführt sowie mindestens sieben Tage in einem öffentlichen Kino gezeigt worden sein. Auch muss der Film als finnische Produktion eingeordnet werden können, beispielsweise anhand der Nationalität der mitwirkenden Künstler, der Koproduzenten oder einer mindestens 50 prozentigen Finanzierung aus Finnland. Die Einstufung erfolgt auf Basis eines Punktekatalogs (sogenannte „Talent-Punkte“).

Die Aufbewahrung und der Transport der Briefumschläge, die die Sieger verkünden, obliegt den Notaren der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), die selbige Aufgabe auch bei der Verleihung des US-amerikanischen Filmpreises Oscar innehaben.

Kategorien

Ursprünglich wurde der finnische Filmpreis in acht Kategorien vergeben, aktuell werden Preisträger alljährlich in vierzehn verschiedenen Kategorien prämiert, in denen jeweils drei Nominierte gegeneinander antreten. Irregulär werden u. a. ein Publikumspreis (Katsojien valinta), ein Spezialpreis (Special Jussi) und eine Auszeichnung für das Lebenswerk (Betoni-Jussi kunnianosoituksena elämäntyöstä elokuvan alalla) vergeben.

Seit 1992 nicht mehr zur Bewertung herangezogen werden die Leistungen ausländischer Filme und Filmschaffender, die von den 1950er bis 1980er Jahren unter anderen Gewinner wie Ingmar Bergman (Schreie und Flüstern), Klaus Maria Brandauer (Mephisto), Marlon Brando, Charles Chaplin, James Dean (Jenseits von Eden), Alfred Hitchcock, Pier Paolo Pasolini (Das 1. Evangelium – Matthäus), Maria Schell (Die letzte Brücke) oder Andrei Tarkowskis Andrej Rubljow hervorbrachte. Ebenfalls nicht mehr zum offiziellen Programm gehört die Auszeichnung finnischer Fernsehfilme oder -serien, die in den 1960er und 1970er Jahren in den Siegerlisten Erwähnung fanden. Seit 1983 werden Fernsehproduktionen alljährlich mit dem Venla ausgezeichnet.

Kategorie Originalbezeichnung verliehen seit
Bester Film Paras elokuva 1987
Beste Regie Paras ohjaus 1944
Bestes Drehbuch Paras käsikirjoitus 1945
Bester Hauptdarsteller Paras miespääosa 1944
Beste Hauptdarstellerin Paras naispääosa 1944
Bester Nebendarsteller Paras miessivuosa 1944–1965, 1981–
Beste Nebendarstellerin Paras naissivuosa 1944–1965, 1981–
Beste Kamera Paras kuvaus 1944
Bester Schnitt Paras leikkaus 1964
Bester Ton Paras äänisuunnittelu 1994
Bestes Szenenbild Paras lavastus 1944
Beste Kostüme Paras puvustus 1992
Beste Filmmusik Paras elokuvamusiikki 1950
Bester Dokumentarfilm Paras dokumentti 1985, 2002–

Ehemalige Kategorien (Auswahl):

  • Bester Kurzfilm (Paras lyhytelokuva, 1946–1958, 1966–1980)
  • Bester Filmproduzent (Paras tuottaja, 1955–1998)
  • Bester Fernsehfilm (Paras televisioelokuva, 1966–1980)
  • Bester Kinderfilm (Paras lastenelokuva, 1974, 1983)
  • Beste Fernsehserie (Paras televisiosarja, 1976)
  • Bestes Make-up (Paras maskeeraus, 1992)
  • Bester ausländischer Darsteller (Ulkomaisen miespääosan Jussi, ab 1955)
  • Beste ausländische Darstellerin (Ulkomaisen naispääosan Jussi, ab 1955)
  • Beste ausländischer Regisseur (Ulkomaisen ohjauksen Jussi, 1957, 1973, 1975)
  • Auslandspreis (Ulkomaisen Jussin saaja, 1962–1985)

Weblinks

 Commons: Jussi-Filmpreis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. vgl. Beschreibung des Films bei tiff.net (englisch; aufgerufen am 10. März 2011)

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