K-141


K-141
Schwesterschiff der Kursk – U-Boot Omsk (K-186) der Oscar-II-Klasse

Die K-141 Kursk (russisch Курск) war ein mit Marschflugkörpern bestücktes russisches Atom-U-Boot (Ship Submersible Guided Missile Nuclear) des Projektes 949A (NATO-Code: Oscar-II-Klasse), gebaut 1990/91. Als es im Jahre 2000 – durch eine Explosion, vermutlich durch einen technischen Defekt ausgelöst – sank, wurde vom russischen Militär behauptet, es sei von einem amerikanischen U-Boot gerammt worden. Durch die zögerliche russische Informationspolitik wurden die etwa 23 Besatzungsmitglieder, die die Explosion überlebt hatten, zu spät durch norwegische Taucher geborgen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bau

Am 22. März 1990 wurden die ersten Sektionen verschweißt, damit wurde K-141 auf Kiel gelegt. Die Seekriegsflotte nahm das neue Schiff am 31. Januar 1991 in die Bestandliste auf und ordnete es am 3. Juni 1992 den atomgetriebenen Raketen-U-Kreuzern zu. Auf Befehl des Oberkommandos der Seekriegsflotte wurde K-141 am 6. April der Name Kursk verliehen. Am 16. Mai 1994 wurde K-141 Kursk aus der Bauhalle gerollt und damit der Stapellauf vollzogen. Die Unterschrift unter der Abnahmeakte und das Hissen der Andreasflagge erfolgten am 30. Dezember 1994. Schließlich erfolgte am 1. März 1995 die Übergabe an die Nordmeerflotte sowie die Stationierung in Ura Guba / Widjajewo.

Erste Fahrten

Der erste Kommandant der Kursk, Wiktor Roschkow, konnte sich seine Mannschaft neu zusammenstellen. Der Besatzung gelang es, K-141 Kursk innerhalb von sechs Monaten in den Kampfbestand einzugliedern. Die Probleme in der inneren Führung nahmen jedoch zu. 1996 wurde bereits spekuliert, was passieren würde, wenn keine Befehle mehr ausgeführt würden. An Bord gab es unregelmäßige und unzureichende Verpflegung. Daraufhin bat Roschkow den Bürgermeister der Stadt Kursk um Hilfe. Von da an fuhren alle drei Monate Lastwagen mit Lebensmitteln zum Stützpunkt. 1997 gab Roschkow schließlich den Dienst auf und verließ die Flotte.

Der neue Kommandant wurde der Kapitän Ersten Ranges Gennadi Ljatschin. 1998 wurden in Sewerodwinsk die Waffensysteme und Sensoren modernisiert. Danach begann eine Mittelmeerfahrt. 1999 wollte Russland nach den NATO-Luftangriffen auf Jugoslawien wieder Stärke in diesem Gebiet zeigen. Ljatschin gelang es, die Kursk unbemerkt durch die Straße von Gibraltar zu bringen. Später wurde das Boot jedoch durch Sonarbojen geortet und verfolgt. Am 19. Oktober 1999 lief die Kursk nach 78 Tagen auf See wieder in Widjajewo ein. Daraufhin wurde die Kursk das Flaggschiff ihrer Flottille.

Untergang der Kursk

Am 12. August 2000 nahm die Kursk an einem Manöver der russischen Nordmeerflotte in der Barentssee teil. Um 11:28 Uhr Moskauer Zeit wurde in Norwegen in diesem Seegebiet eine Explosion mit der Stärke 1,5 auf der Richter-Skala, um 11:30 Uhr eine weitere der Stärke 3,5 aufgezeichnet. Laut dem offiziellen Untersuchungsbericht wurde vermutlich der Motor eines Übungstorpedos zu früh eingeschaltet. Aufgrund der fehlenden Kühlung durch das Wasser überhitzte das Geschoss, wodurch eine Wasserstoffperoxidleitung leckte (Wasserstoffperoxid wird für den Torpedoantrieb verwendet). Die Chemikalie reagiert stark mit Messing und Kupfer (beides befindet sich im Torpedo) und bildet dabei Wasserstoff und Sauerstoff, zusammen das hochentzündliche Knallgas. Da sich dadurch sein Volumen um das 50.000-fache vergrößerte, platzte der Torpedo kurz darauf. Es brach ein Feuer aus, welches sich schnell bis in den Bugtorpedoraum ausbreitete und dort durch eine gewaltige Explosion der Sprengköpfe (vergleichbar mit einem Erdbeben der Stufe 4 oder 5) ein großes Loch in die Wand des U-Bootes riss. Durch das daraufhin eindringende Wasser sank die Kursk 180 Kilometer nordöstlich von Murmansk (etwa 69° 40′ N, 37° 35′ O69.66666666666737.5833333333337) auf eine Tiefe von 108 Meter.

Amerikanische Untersuchungen unter Zuhilfenahme russischer Insider kommen zu einem ähnlichen Schluss, wobei diese anstelle des Frühstarts des Torpedomotors jedoch Undichtigkeiten des Wasserstoffperoxidsystems infolge mangelhafter Wartung als Ursache annehmen. Als Grund, dass die wesentlich stärkere innere Torpedorohrklappe bei der ersten kleineren Explosion brach, wird angenommen, dass die Matrosen in diesem Moment versuchten, die Klappe erneut zu öffnen oder zu schließen, um Probleme mit den elektrischen Kontakten der Klappe zu beseitigen. Dass es nach dem Brandausbruch nicht zu einem Löschversuch oder irgendwelchen Notfallmaßnahmen (Auftauchen) kam, führt der Bericht darauf zurück, dass ein Lüftungschacht zwischen Bug- und Kommandosektion der ersten Explosion nicht standhielt und so die Brückenbesatzung ebenfalls getötet wurde.

Anfangs galt eine Fehlfunktion eines Superkavitationstorpedos vom Typ „Schkwal“ als mögliche Ursache, was sowohl laut russischen als auch amerikanischen Analysen später verworfen wurde.

Putin am 23. August 2000 in einem TV-Interview über die Kursk

Mindestens 23 Besatzungsmitglieder überlebten zunächst im Inneren des Bootes, konnten sich aber nicht aus eigener Kraft aus dieser Tiefe befreien. Damit der CO2-Gehalt im U-Boot nicht zu hoch wurde, versuchten die Männer, spezielle CO2-Filter aufzuhängen. Diese Filter entziehen der Luft das CO2. Kommt ein solcher Filter mit Wasser oder Öl in Kontakt, wird eine chemische Reaktion hervorgerufen, die zu einem Brand führt. Es ist anzunehmen, dass einer der Matrosen in der Dunkelheit einen dieser Filter ins Wasser fallen ließ. Der dadurch entstehende Brand verbrauchte den restlichen Luftsauerstoff und die Männer erstickten.

Russische Rettungsmannschaften versuchten unter anderem mit Rettungs-U-Booten der Pris-Klasse vergeblich, eine Rettung durchzuführen. Die angebotene internationale Hilfe unter anderem von Großbritannien, Norwegen und den USA, und selbst Vorbereitungen dazu waren zuvor von russischer Seite abgelehnt worden, so dass deren unter Umständen rechtzeitiges Eintreffen verzögert wurde. Die Medien und die Angehörigen der Besatzung wurden über den Zustand des Bootes und den Verlauf der Rettungsarbeiten nur schleppend und widersprüchlich informiert. Als norwegische Taucher über eine Woche später mit der Tauchplattform „Regalia“ zum Wrack hinabtauchten, konnten sie keine Überlebenden mehr finden. Mittlerweile waren auch die letzten der 118 Mann Besatzung ums Leben gekommen.

Am ersten Jahrestag der Katastrophe untersagte der Kreml Journalisten Nahaufnahmen von Trauernden und Interviews mit ihnen.

Das Schiff wurde von den niederländischen Firmen Mammoet und Smit International am 8. Oktober 2001 gehoben. Zuvor war der Bug mit der Torpedo-Sektion unter Wasser vom Rest des Schiffes abgetrennt worden. Die dazu eingesetzte Seilsäge wurde von einer deutschen Firma gefertigt. Diese Seilsäge bestand aus Hülsen, die mit Hartmetall beschichtet waren. Nach gleichem Prinzip wurde die Tricolor zersägt. Mit Hilfe des Pontons Giant-4 schleppte der Hochseeschlepper Singapur die Kursk in den Hafen von Rosljakowo.

Hintergründe

Monatelang behauptete das russische Militär, dass die Kursk durch ein amerikanisches U-Boot – erwähnt wurde die USS Memphis (SSN-691), (welches die Kursk angeblich bespitzelte) – gerammt worden sei und es so zu dem Unglück kam. Kollisionen zwischen amerikanischen und sowjetischen U-Booten gab es tatsächlich einige Male während des Kalten Krieges und auch später. So kollidierte am 11. Februar 1992 das US-U-Boot USS Baton Rouge (SSN-689) mit dem russischen Boot K-239. Diese Möglichkeit des Untergangs der Kursk konnte später ausgeschlossen werden, da bewiesen werden konnte, dass die Stärke der Druckwelle, die bei dem angeblichen Zusammenprall entstanden wäre, keinesfalls mit der tatsächlichen Stärke der Explosion übereinstimmen konnte.

Russischer Untersuchungsbericht

Im Februar 2002 präsentierte die staatliche Untersuchungskommission das Ergebnis ihrer Ermittlungen. Ein defekter Übungstorpedo habe letztlich die Katastrophe verursacht. Generalstaatsanwalt Wladimir Ustinow benannte die Chefs der Nordmeerflotte und die Besatzung der Kursk unter Kapitän Gennadi Ljatschin als Verantwortliche für schwere Nachlässigkeiten. Das Strafverfahren gegen die Marineführung endete jedoch im Juli 2002 ergebnislos und wurde eingestellt. Die Unterlagen werden amtlich für die Dauer von 25 Jahren geheim gehalten, ausgenommen der Teil über die Schlussfolgerungen der Untersuchung.

Mahnmal

In Murmansk sollte nahe der Kathedrale ein Mahnmal für das Unglück und seine Opfer entstehen[1]. In das Mahnmal sollte der Turm des U-Bootes eingearbeitet werden. Im März 2009 tauchte der Turm dann jedoch auf einem Schrottplatz bei Murmansk auf, wo er von Mitgliedern einer Organisation zur Unterstützung der russischen Flotte entdeckt wurde.[2]

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Artikel auf sueddeutsche.de
  2. Artikel auf spiegel.de

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