KGZ


KGZ
Кыргыз Республикасы

Kirgisische Republik

Flagge Kirgisistans
Wappen Kirgisistans
Flagge Wappen
Amtssprache Kirgisisch¹
Hauptstadt Bischkek
Staatsform Präsidialrepublik
Staatsoberhaupt Präsident Kurmanbek Bakijew
Regierungschef Premierminister Igor Tschudinow
Fläche 199.900 km²
Einwohnerzahl 5.260.000 (Stand 2005)
Bevölkerungsdichte 26,3 Einwohner pro km²
BIP nominal (2007)[1] 3.748 Mio. US$ (141.)
BIP/Einwohner 713 US$ (144.)
HDI 0,696 (116.)
Währung Som
Unabhängigkeit von der Sowjetunion am 31. August 1991
Nationalhymne Ak möngülüü aska
Nationalfeiertag 31. August
Zeitzone UTC+6
Kfz-Kennzeichen KS
Internet-TLD .kg
Telefonvorwahl +996
(¹) In Gebieten mit mehrheitlich russischer Bevölkerung ist Russisch gleichberechtigte Amtssprache.

Kirgisistan (kirgisisch Кыргызстан; in Umschrift Kyrgysstan geschrieben) ist ein Staat in Zentralasien.

Es grenzt im Norden an Kasachstan, im Südosten an China, im Süden an Tadschikistan und im Westen an Usbekistan. Die Hauptstadt ist Bischkek.

Inhaltsverzeichnis

Landesname

Im allgemeinen Sprachgebrauch und in den Medien Deutschlands herrscht eine gewisse Unklarheit über den genauen Landesnamen. Die laut Auswärtigem Amt offizielle deutschsprachige Landesbezeichnung (neben der amtlichen Bezeichnung Kirgisische Republik) lautet Kirgisistan. Ebenfalls verbreitet sind der Name Kirgistan sowie die zu Sowjetzeiten gängige Bezeichnung Kirgisien. Die Bezeichnungen Kirgisistan und Kirgistan auf der einen sowie Kirgisien auf der anderen Seite enthalten jeweils unterschiedliche politische Untertöne. Der Name Kirgisien stellt eine Eindeutschung der russischen Bezeichnung Киргизия/Kirgisija dar, die während der Zarenzeit und in der Sowjetunion galt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion versuchten die Kirgisen, ihre nationale Identität durch die Rückbesinnung auf ihre turksprachige Kultur zu stärken und wählten als Landesnamen Кыргызстан/Kyrgysstan. Dieser Name mit der ursprünglich persischen Endung für Region oder Land „-stan“ unterstreicht die kulturelle Beziehung zu anderen turksprachigen Ländern wie Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan. Umstritten ist hier, ob die korrekte Übertragung dieser Bezeichnung ins Deutsche Kirgisistan oder Kirgistan lautet. Kirgistan kommt der Aussprache des Landesnamens in kirgisischer Sprache am nächsten, ist jedoch strenggenommen nicht korrekt (möglicherweise vom englischen Kyrgyzstan falsch transkribiert), da diese Bezeichnung den Namen des Volkes verkürzt und übersetzt „Land der Kirgen“ bedeuten würde. Das „i“ stellt nicht, wie häufig angenommen, den Genitiv dar, sondern ist ein sogenanntes Bindungs-i, um die beiden Morpheme Kirgis (Kirgisen) und -stan (Land) zu verdeutlichen und zu verbinden.

Geographie

Satellitenbild von Kirgisistan

Kirgisistan liegt im Hochgebirge Tianshan; die höchsten Erhebungen erreichen 7.439 m (Dschengisch Tschokusu) und 7.134 m. Die Bevölkerung konzentriert sich vor allem im Tschüital im Norden und dem Ferghanatal im Süden sowie in geringerem Maße in Bergtälern wie dem um den großen See Yssykköl (kirgis. Ысыккөл). Den südlichen Abschluss des Landes bildet die Gebirgskette des Alai. Zu den bedeutendsten Flüssen des Landes gehören der Naryn, der Tschüi und der Talas.

Bis in eine Höhe von 1.500 m besteht das Land aus Steppe, die allerdings durch weitläufige Bewässerungssysteme urbar gemacht worden ist. Ab 1.500 m herrschen alpine Wiesen und Weiden vor, die bis an die Schneefelder und Gletscher heranreichen. Die Wälder befinden sich in Höhenlagen von 1500 bis 4000 m ü. NN und beherbergen etwa 120 Baum- und Straucharten. Mit nur 4 % Waldfläche ist Kirgisistan eins der waldärmsten Länder Asiens.

Klima

Tianshan-Gebirge

Das Klima Kirgisistans ist von trockenen und kontinentalen heißen Sommern und von kalten Wintern geprägt. Die täglichen Temperaturschwankungen sind erheblich. Im Süden des Landes werden im Sommer Temperaturen von 45°C gemessen, während im Winter die Temperaturen auf minus 18°C fallen können.

Tiere und Pflanzen

Trotz seiner geringen Waldbestände beherbergt Kirgisistan aber die größten Walnusswälder der Welt. In den Wäldern leben Reh, Bär, Marder, Wildschwein, Wolf und Luchs. In den Hochlagen gibt es die höchst seltenen Schneeleoparden und Marco-Polo-Schafe. Die Schneeleopardenpopulation brach aufgrund massiver Wilderei in jüngerer Zeit stark ein. Unter anderem durch die vom NABU Kirgistan, dem Innen- und Umweltministerium eingesetzte Anti-Wilderereinheit BARS ging die Jagd auf und der Handel mit geschützten Arten zurück. Murmeltiere sind in den Hochwiesen weit verbreitet, und seit dem Zusammenbruch der sowjetischen Massenweidetierhaltung dringen Wölfe wieder in wachsender Zahl in die Weidegegenden ein.

Die Avifauna trägt der gebirgigen Lage des Landes Rechnung. In höher gelegenen Landesteilungen leben vor allem Greifvögel, wie Beispielsweise Schwarzmilane (Milvus migrans), Gänsegeier (Gyps fulvus) und verschieden Adler und Falkenarten. Seit Mitte der 80er Jahre wandert der Hirtenmaina verstärkt aus Indien nach Kirgistan ein. Vogelzug findet sowohl horizontal (von Norden nach Süden) als auch vertikal (von höher gelegenen Berggegenden hinab bzw hinauf) statt. Der Bienenfresser (Merops apiaster)ist in den Sommermonaten landesweit anzutreffen.

Bevölkerung

Die Kirgisen (64,9 % der Bevölkerung) sind ein Turkvolk und bekennen sich überwiegend zum sunnitischen Islam. Außerdem leben Usbeken (13,8 %), Russen (12,5 %), Dunganen (chinesische Muslime, 1,1 %), Uiguren (1,0 %), Ukrainer (1,0 %), Tadschiken (0,9 %), Tataren (0,9 %), Kasachen (0,9 %) und Angehörige weiterer Ethnien, wie etwa 57.000 Mescheten, im Lande. Anfang der 1990er Jahre lebten noch ca. 100.000 Deutsche (Kirgisistandeutsche) (meist Baptisten oder Mennoniten) dort; sie sind inzwischen mehrheitlich nach Deutschland ausgewandert, aber es gibt noch kleine deutsche Gemeinden in Dörfern wie Luxemburg und Bergtal. 1999 gab es noch etwa 20.000 Deutsche (Bevölkerungsanteil 0,4 %) in Kirgisistan. 2007 wurde ihre Zahl auf ca. 12.000 geschätzt.

Religion

Die Kirgisische Republik ist seit ihrer Unabhängigkeit 1991 ein säkulärer Staat. Das Land ist seit der Islamisierung im 8. Jahrhundert vorwiegend muslimisch geprägt. Zweitstärkste Gruppe ist das Christentum, 20 Prozent der Bevölkerung sind russisch-orthodox, während ein anderer Teil auf die Nestorianer zurück geht.

Siehe Hauptartikel: Religionen in Kirgisistan

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Kirgisistans

Mittelalter und Neuzeit

Zentralasien am Ende des 19. Jahrhunderts

Das Gebiet des heutigen Kirgisistan wurde seit dem 8. Jahrhundert von turkstämmigen Kirgisen bevölkert. Ab 1219 gehörte es zum Mongolenreich Dschingis Khans, nach dessen Tod zum Erbe Tschagatais, einem Sohn von Dschingis Khan. Das Gebiet blieb mongolisch, bis es im 18. Jahrhundert von den Chinesen unterworfen wurde.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eroberte das russische Zarenreich schrittweise das Land. Die russische Dominanz in Kirgisistan dauerte schließlich von 1876 bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 an.

Staatliche Unabhängigkeit

Am 31. August 1991 erklärte Kirgisistan seine Unabhängigkeit. Erster Präsident wurde Askar Akajew, der seit 1990 Staatspräsident der Kirgisischen SSR war.

In den ersten Jahren der Unabhängigkeit tat sich Kirgisistan als „Insel der Demokratie“ unter den Nachfolgerepubliken der Sowjetunion hervor. Der Regierungsstil Akajews wurde indes ab Ende der 1990er Jahre zunehmend autoritär. In der Folge kam es häufiger zu Unruhen, in denen sich der ärmere Süden gegen den reicheren Norden erhob. Höhepunkt dieser Unruhen war die „Tulpenrevolution“ nach den Parlamentswahlen vom Februar 2005. Sie führte zum Sturz von Präsident Akajew.

Aus der „Tulpenrevolution“ gingen der frühere Premierminister Kurmanbek Bakijew als neuer Staatspräsident und der ehemalige Oberbürgermeister von Bischkek Felix Kulow als Regierungschef hervor. Das Tandem hielt jedoch nicht lange, und Kulow ging – Anfang 2007 – in die Opposition.

Politik

Die Staatsform Kirgisistans ist eine Präsidialrepublik. Der Präsident konnte das Parlament auflösen, er bestimmte den Regierungschef, die Minister, Richter und Gouverneure der Oblaste. Die Exekutive besteht aus dem Regierungskabinett, den Ministerien und staatlichen Komitees, den Oblasten (Verwaltungsbezirken) und der lokalen Administration.

Nach dem Wahlgesetz hat jeder kirgisische Staatsbürger ungeachtet seiner Herkunft, Rasse, Geschlecht, Ethnie, religiösen oder politischen Überzeugungen ab 18 Jahren das Recht zu wählen und kann ab 25 Jahren selbst gewählt werden. Gemäß dem seit 2007 geltenden Wahlrecht werden die Abgeordneten ausschließlich über Parteilisten für 5 Jahre gewählt; die Möglichkeit von Einzelkandidaturen wurde damals gestrichen. Als erstes Land in Zentralasien hat Kirgisistan im Dezember 2001 Wahlen auf Ebene der Lokalverwaltungen abgehalten.

Verfassung

Die Verfassung von 1993 ist an westlichen Vorbildern orientiert und sieht ein gewaltenteilendes Regierungssystem mit einer starken Stellung des Staatspräsidenten sowie eine weite Palette an Grundrechten vor. Durch Referenden zur Verfassungsänderung im Februar 1996 und Oktober 1998 wurde die ohnehin starke Stellung des Präsidenten zu Lasten des Parlaments weiter ausgebaut und der Trend zur autoritären Präsidialdemokratie bestätigt. Ein Verfassungsreferendum im Februar 2003 änderte daran wenig.

Präsident Bakijew ließ am 21. Oktober 2007 ein erneutes Verfassungsreferendum durchführen. Durch die Verfassungsänderungen – die nach offiziellen Angaben von 75 % der Stimmenden angenommen wurden – stärkte der Präsident seine Position beim Besetzen von Regierungsposten und beim Auflösen des Parlaments. Nach Annahme der Verfassungsänderungen löste Bakijew das Parlament[2] und die Regierung[3] von Premierminister Almasbek Atambajew auf.

Parlament

Die Legislative liegt beim Einkammerparlament (Dschogorku Kenesch). Dieses besteht aus 90 Abgeordneten. Um den Einzug ins Parlament zu schaffen, muss eine Partei

  1. 5 % der Stimmen erzielen (bezogen auf die Gesamtzahl der Wahlberechtigten landesweit),
  2. in jedem der sieben Gebiete und in den Städten Bischkek und Osch mindestens 0,5 % der Stimmen erreichen (bezogen auf die Gesamtzahl der Wahlberechtigten in jedem Gebiet).[4]

Die Präsidentenpartei Ak Dschol ging denn auch als große Gewinnerin aus den vorgezogenen Parlamentswahlen vom Dezember 2007 hervor: Bei einer Wahlbeteiligung von offiziell 73,86 % erreichte sie mehr als 45 % der Stimmen und erhielt dafür 71 der 90 Parlamentssitze.

Aus Sicht der OSZE waren die Wahlen indes weder fair noch frei: Kirgisistan habe eine Reihe von Verpflichtungen nicht eingehalten und damit eine Gelegenheit verpasst, das Land auf dem Weg zur Demokratie einen Schritt voranzubringen.[5] Die mutmaßlichen Manipulationen hatten folgende Auswirkungen:

  • Die Oppositionspartei Ata Meken kam zwar landesweit auf über 8 % der Stimmen, erhielt aber im Stadtbezirk Osch nur 590 statt der nötigen 670 Stimmen. Sie scheiterte somit an der 0,5-Prozent-Klausel, wonach eine Partei in jedem Oblast und in den Städten Bischkek und Osch mindestens 0,5 % der Stimmen erreichen muss. Ata Meken versuchte erfolglos vor Gericht zu beweisen, dass sie die erforderliche Stimmenzahl deutlich übertroffen hatte.[6]
  • Um die Präsidentenpartei nicht als einzige Partei ins Parlament einziehen zu lassen, wurden die Kommunistische Partei und die Sozialdemokratische Partei auf über 5 % gehievt. Nach Auszählung von 95 % der Wahllokale lagen die Parteien noch bei etwa 3 %.[7]

Als Resultat der Parlamentswahlen war abzusehen, dass die Zusammenarbeit zwischen Parlament und Präsident ohne größere Konflikte ablaufen werde.[8]

Parteien

Es gibt in Kirgisistan mehr als 80 politische Parteien (Februar 2007).[9] Zu den Parlamentswahlen im Dezember 2007 wurden 12 Parteien zugelassen.[10]

Die gegenwärtig einflussreichste Partei ist die im Vorfeld der Parlamentswahlen 2007 gegründete Präsidentenpartei Ak Dschol. Aufseiten der bei den Wahlen geschlagenen Opposition schlossen sich Anfang 2008 18 Organisationen (Oppositionsparteien und NGOs) zu einer Bewegung mit dem Namen „Für Gerechtigkeit“ zusammen.[11]

Offizielles Ergebnis der Parlamentswahlen vom 16. Dezember 2007:[12]

(Die Prozentzahl bezieht sich auf das Total der Wahlberechtigten.)

Partei Stimmen  % Mandate
Ak Dschol 1.245.331 45,22 71
Ata Meken 228.125 8,28 -
SDPK 188.585 6,85 11
KPK 140.258 5,09 8

Menschenrechte

Kirgisistan ist den wichtigsten Menschenrechtsabkommen beigetreten und hat sich dem OSZE-Wertekanon unterworfen. Die kirgisische Verfassung garantiert eine weite Palette von Grundrechten, deren Durchsetzbarkeit aber selten von den Bürgern getestet wird. Das Verfassungsgericht hat jedoch am 2. Juli 2008 der Klage von Menschenrechtsaktivisten gegen die Verschärfung des Demonstrationsrechts in Bischkek stattgegeben; der entsprechende Artikel widerspreche der Verfassung. [13]

Die Todesstrafe ist seit 1998 nicht mehr vollstreckt worden. Am 27. Juni 2007 wurde sie per Gesetz in Friedenszeiten endgültig abgeschafft und durch lebenslange Haft ersetzt.

Außenpolitik

Seit 2003 unterstützt die Weltbank die ländlichen Gemeinden bei der Erstellung und Durchführung ihrer eigenen örtlichen Investitionspläne, und ein deutsches Projekt, von der KfW finanziert, hat sich 2005 ebenfalls an dieser Aufgabe beteiligt.

Nach dem 11. September 2001 wurden auf einem Stützpunkt nahe Manas, dem Flughafen von Bischkek, 5000 Soldaten der USA stationiert. Nach stärkeren Unruhen im Land wurde 2002 bei Kant wieder eine Truppenbasis der Streitkräfte Russlands eingerichtet, das auch nach der Errichtung der US-Truppenpräsenz die wichtigste Rolle als Ordnungsmacht im östlichen Zentralasien spielt. Anfang 2009 wurde beschlossen, dass die amerikanische Basis geräumt werden soll.[14]

Mitgliedschaften in internationalen Institutionen: Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS), Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO), Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS), Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft (EURASEC), Economic Cooperation Organization (ECO), Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) und Zentralasien-Gipfel der Türkischen Republiken (OATCT).

Verwaltungsgliederung

Verwaltungsgliederung Kirgisistans

Kirgisistan ist in sieben Gebiete (kirgis. область/oblast, pl. областтар/oblasttar) und den zu keinem Gebiet gehörenden Hauptstadtdistrikt (шаар/schaar, dt. Stadt) Bischkek gegliedert. Die Gebiete untergliedern sich wiederum in 40 Landkreise (район/rajon, pl. райондор/rajondor). Die Stadt Bischkek ist in vier Kreise untergliedert. Die Landkreise wiederum untergliedern sich in insgesamt 473 ländliche Lokalverwaltungen (айыл өкмөтү/ajyl ökmötü, dt. Dorfregierung) und 22 Städte.

Oblast kirgisische Bezeichnung Nr. auf
der Karte
Verwaltungssitz
Gebiet Batken Баткен областы (2) Batken
Gebiet Tschüi Чүй областы (3) Tokmok
Gebiet Dschalalabat Жалалабат областы (4) Dschalalabat
Gebiet Naryn Нарын областы (5) Naryn
Gebiet Osch Ош областы (6) Osch
Gebiet Talas Талас областы (7) Talas
Gebiet Yssykköl Ысыккөл областы (8) Karakol
Stadt Bischkek Бишкек шаары (1) Bischkek

Siehe auch: Liste der Städte in Kirgisistan

Infrastruktur

Straße

Straße im Landesinneren ca. 300 km von Bishkek

Hochgebirge trennen den Norden und den Süden Kirgisistans. Die Verkehrsverbindungen sind grundsätzlich mangelhaft, abgesehen von der Gegend um Bischkek. Eine ganzjährig benutzbare Straßenverbindung von Bischkek in den Süden besteht erst seit 2003. In den Gebieten Osch, Batken und Dschalalabat sind die Hauptdurchgangsstraßen durch häufige Grenzübergänge durch usbekisches und tadschikisches Gebiet behindert, da der Straßenbau während der Sowjetzeit ohne Berücksichtigung administrativer Grenzen ausgeführt wurde. Es gibt zwei Straßenverbindungen nach China – den Torugart-Pass und die Route über Irkeschtam –, die aber im Winter häufig durch schwere Schneefälle und Lawinen blockiert sind.

Luft

Kirgisistan verfügt über zwei internationale Flughäfen: In Bischkek (Flughafen Manas) und in Osch.[15]

Schiene

Das minimale Schienennetz – im Grunde lediglich letzte Ausläufer des ehemaligen sowjetischen Eisenbahnnetzes und heute durch die Grenzen mit Kasachstan und Usbekistan durchschnitten – hat eine Länge von nur 370 km und spielt kaum eine Rolle im inländischen Verkehr. Die eingleisige, nicht elektrifizierte Zweigstrecke der Turksib von Lugowaja über Bischkek nach Balyktschy stellt dagegen die einzige längere Strecke der Kirgisischen Staatseisenbahn (kirgisisch Кыргыз Темир Жолу/ Kyrgys Temir Scholu) dar. Allerdings bestehen fahrplanmäßige Personen- und Frachtverbindungen bis nach Moskau, Nowokusnezk und Jekaterinburg.[16]

Wasser

Auf dem See Yssykköl besteht geringer Schiffsverkehr.

Die öffentliche Wasserversorgung im ganzen Land ist unzureichend. Selbst Gemeinden, die nahe am Yssykköl liegen haben teilweise nur wenige Stunden am Tag fließendes Wasser.

Wirtschaft

Das 1991 unabhängig gewordene Land übernahm eine vollkommen auf den Markt der Sowjetunion ausgerichtete Wirtschaftsstruktur. Die Restrukturierung derselben und die Privatisierung der Betriebe wurden zwar in Angriff genommen, auch mit Hilfe internationaler Organisationen wie des IWF und der Weltbank, gerieten aber immer wieder wegen Korruption, politischer Opposition und mangelndem Investoreninteresse ins Stocken. Dennoch bekam die Regierung ein ökonomisches Grundproblem postsowjetischer Staaten, hohe öffentliche Ausgaben bei gleichzeitigem Einbruch der Staatseinnahmen, relativ gut in den Griff. Das Haushaltsdefizit nahm im Laufe der 1990er Jahre stetig ab, sodass 2001 sogar ein kleiner Überschuss vermeldet werden konnte. Die Haushaltsplanung aber blieb problematisch. Naturkatastrophen in den darauffolgenden Jahren erhöhten die öffentlichen Ausgaben und sorgten für ein Haushaltsdefizit 2002 und 2003. Ein großer Schwarzmarkt (geschätzte 40–50 % des BIP), korrupte und inkonsequente Steuereintreibung und niedrige Steuersätze sorgen für sehr beschränkte Haushaltsmittel; Maßnahmen wie eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 20 % im Jahre 2004 wurden ergriffen.

Eine strenge Währungspolitik konnte die Inflation von über 700 % (1993) und 200 % (1994) auf Werte um 4 % im Jahre 2006 drücken. Dennoch ist die Armut nicht zurückgegangen. Laut dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen leben 41 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze.[17] Im Jahr 2008 ist die Inflation wieder auf 25 % gestiegen.[18]

Regionale Disparitäten

Während zu Sowjetzeiten im Norden moderne urbane Zentren gegründet wurden, blieb der Süden mit seiner großen usbekischen Minderheit ländlicher geprägt. Ethnische Konflikte im Süden sowie eine Unterrepräsentanz des Südens in der kirgisischen Politik bergen weiter ein Spannungspotenzial. Diesem wird mit präsidentaler Kontrolle über die Provinzgouverneure einerseits sowie Investitionsprogrammen für den Süden andererseits zu begegnen versucht.

Landwirtschaft

Kirgisische Hochweide mit dem Tianshan-Gebirge im Hintergrund

Mit 35 % des BIP ist die Landwirtschaft die Basis kirgisischer Wirtschaft. 75 % des Ackerlandes wurden an die ländliche Bevölkerung verteilt, der Rest wurde den ländlichen Gemeindeverwaltungen unterstellt, damit sie durch Pachteinnahmen eine eigene Finanzquelle haben. 85 % der landwirtschaftlichen Produktion stammen mittlerweile aus Privatbetrieben. In der kirgisischen Landwirtschaft sind nach dem starken Rückgang im Zuge des Zusammenbruchs der UdSSR seit einigen Jahren wieder Zuwächse zu verzeichnen, und die Gesamtproduktion liegt heute deutlich über der der letzten Sowjetjahre. Angebaut werden in den Tälern vorwiegend Weizen, Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse, im Süden außerdem Tabak und Baumwolle. Problematisch für die Landwirtschaft sind das unbeständige Wetter, zahlreiche Naturkatastrophen und die Knappheit von Düngemitteln, Maschinen und Treibstoff.

Dienstleistungen

Mit über 35 % trägt der Dienstleistungssektor seit einiger Zeit mehr zum BIP bei als die dominierende Landwirtschaft. Die Liberalisierung der kirgisischen Wirtschaft führte zum Erstehen unzähliger Familienbetriebe im Einzelhandels- und Nahrungsmittelgewerbe.

Die landschaftliche Schönheit Kirgisistans birgt ein gewisses touristisches Potenzial, das zur Realisierung aber eine entsprechende, noch nicht vorhandene Infrastruktur voraussetzt. So beschränkt sich der Fremdenverkehr bisher größtenteils auf die jährlich etwa 400.000 Besucher aus den ehemaligen Sowjetrepubliken und auf junge Abenteuertouristen.

Bergbau

Die zum größten Teil ebenfalls staatlich kontrollierte Förderung von Gas, Öl und Kohle ist im Vergleich zu den anderen zentralasiatischen Republiken marginal. Das ohnehin beschränkte Potenzial kann aufgrund mangelnder und mangelhafter Anlagen nicht optimal genutzt werden.

Kirgisistan besitzt Uranvorkommen; eine Anlage zur Herstellung von angereichertem Uran ist in Planung. Diese soll von einem russisch-kasachisch-kirgisischem Joint Venture erstellt und betrieben werden; die Gelder kommen zum Großteil aus Russland. Ein erhebliches Problem, das dringend gelöst werden muss, sind die vielen ungesicherten nuklearen Abfalllager aus sowjetischer Zeit; die Weltbank hat 2004 mit einem ersten Projekt diese Problematik in Angriff genommen.

Industrie

Weitere 15 % des BIP bildet die Industrie, vorrangig die Gewinnung von Gold und in geringerem Ausmaß Antimon aus Minen in den abgelegenen Bergregionen des Landes. Die staatseigene Gesellschaft Kyrgysaltyn überwacht die Tätigkeiten aller Minen. Es wird mit der Erschöpfung der betriebenen Minen im Jahre 2009 gerechnet; es gibt nur wenig Fortschritt im Entdecken und Erschließen neuer Vorkommen.

Mit Ausnahme der Textil- und Nahrungsmittelindustrie können andere Industriebranchen kein oder kaum Wachstum seit den frühen 1990er Jahren nachweisen; sogar im Vergleich zu den anderen GUS-Staaten war der Rückgang der Industrieproduktion um 70 % sehr dramatisch. Kaum Investitionen und Umstrukturierungen lassen darauf schließen, dass es in näherer Zukunft keine Basis für eine grundlegende Erholung der kirgisischen Industrie geben wird.

Wirtschaftsbeziehungen

Als erster GUS-Staat wurde Kirgisistan 1998 Mitglied der WTO. Geschichte und isolierte Lage des Landes binden es aber weiterhin eng an die anderen ehemaligen Sowjetrepubliken. Die Auslandsverschuldung beläuft sich auf 1 Mrd. Euro (das entspricht 85 % des BIP) und ist vor allem auf schlecht geplante und durchgeführte Investitionsprogramme zurückzuführen, die mit ausländischen (insbesondere türkischen und russischen) Krediten in den ersten Jahren der Unabhängigkeit finanziert wurden. Ziel der Regierung war es daher, ausländische Direktinvestitionen ins Land zu bekommen sowie den Exportsektor jenseits des traditionellen Goldexports auszubauen. Dieser sorgt für 40 % der Exporteinnahmen und sogar für über zwei Drittel der Einnahmen aus Exporten in Nicht-GUS-Staaten. Importiert wird immer noch hauptsächlich aus den GUS, vor allem Kasachstan bildet sich als Haupthandelspartner in der Region heraus, zu ungunsten des anderen Nachbarn Usbekistan, mit dem es wiederholt zu Grenzstreitigkeiten gekommen ist.

Kultur

Kirgisischer Manastschi beim Rezitieren des Manas-Epos

Einen zentralen Platz in der kirgisischen Kultur nehmen Pferdezucht und Jurte ein. Der Stellenwert der Jurte lässt sich leicht an der Tatsache ablesen, dass die Nationalflagge das Gestänge einer Jurte um die obere Rauchabzugsöffnung (den Tündük) darstellt. Die Strahlen im Kreis sollen übrigens die verschiedenen kirgisischen Stämme darstellen, die sich unter Manas vereinigt haben.

Es existiert eine lange Tradition der Filz- und Lederbearbeitung.

Die Falknerjagd, insbesondere mit Adlern, wie auch die Jagd mit Windhunden (insbesondere mit dem einheimischen Taigan) hat eine lange Tradition im Land.

Medien

In Kirgisistan erscheinen 4 national verbreitete Tageszeitungen; der Anteil der Tageszeitungsleser beträgt 27 Leser pro 1000 Einwohner.[19] 14,1% der Bevölkerung verfügte 2008 über einen Internetanschluss; die Breitbandverbreitungsquote lag bei 0,05%.[20]

Kirgisische Literatur

Das zentrale Werk der kirgisischen Literatur ist das große Manas-Epos, erheblich länger als die Odyssee und seit etwa 1000 Jahren durch mündliche Überlieferung bewahrt und weitergeformt. Es besingt die Taten des mythologischen Helden Manas und seiner Gefährten, die im 10. Jahrhundert im Kampf gegen die benachbarten Uiguren die kirgisische Freiheit bewahrten.

Der wohl bekannteste moderne kirgisische Autor war der in russischer Sprache schreibende Tschingis Aitmatow.

Sport

Die Kirgisen konnten seit ihrer Unabhängigkeit bisher drei olympische Medallienträger feiern. Zu den Sommerspielen 2008 in Peking sandte Kirgisistan 20 Athleten ins Nachbarland. Die Weltsportart Fußball ist in dem zentralasiatischen Land bisher noch nicht richtig angekommen. Die kirgisischen Auswahlspieler konnten sich bisher auch weder für eine Asien- noch für eine Weltmeisterschaft qualifizieren. Nationalstadion ist das Spartak-Stadion in Bischkek.

Literatur

  • Judith Beyer, Roman Knee: Kirgistan: Ein ethnografischer Bildband über Talas / Kirgistan: A photoethnography of Talas. Hirmer-Verlag, München 2007, ISBN 978-3-7774-3805-4
  • Wassilios Klein: Das nestorianische Christentum an den Handelswegen durch Kyrgyzstan bis zum 14. Jh.. Brepols, Turnhout 2000 (Silk Road Studies, 3), ISBN 2-503-51035-3
  • Thomas Scholl: Kirgistan entdecken, Trescher Reihe Reisen, 2. Aufl. Berlin 2006, ISBN 3-89794-076-0

Einzelnachweise

  1. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2008
  2. Kirgisiens Präsident löst Parlament auf. RIA Novosti, 22. Oktober 2007.
  3. Kirgisiens Präsident löst nach Verfassungsreferendum Regierung auf. RIA Novosti, 24. Oktober 2007.
  4. Kirgistan nach den Parlamentswahlen: Bakijew stärkt seine Machtkontrolle. Caucaz.com, 27. Januar 2008.
  5. Schlussbericht der OSZE zu den vorgezogenen Parlamentswahlen vom 16. Dezember 2007, 24. April 2008 (englisch).
  6. Kirgistan: Wahlergebnisse – Opposition im Hungerstreik auf aktuell.ru vom 20. Dezember 2007.
  7. Schlussbericht der OSZE zu den vorgezogenen Parlamentswahlen vom 16. Dezember 2007, 24. April 2008 (englisch).
  8. Kirgistan nach den Parlamentswahlen: Bakijew stärkt seine Machtkontrolle. Caucaz.com, 27. Januar 2008.
  9. OSCE Centre in Bishkek strengthens political parties in south of Kyrgyzstan.
  10. Schlussbericht der OSZE zu den vorgezogenen Parlamentswahlen vom 16. Dezember 2007, 24. April 2008 (englisch).
  11. Kirgistan nach den Parlamentswahlen: Bakijew stärkt seine Machtkontrolle. Caucaz.com, 27. Januar 2008.
  12. Результаты досрочных выборов депутатов Жогорку Кенеша Кыргызской Республики 16 декабря 2007 года.
  13. aktuelles Beispiel gegen diese These: Quelle: Zentralasien-Analysen Nr.07, 31.7.08, S.15
  14. [1]
  15. Flughäfen in Kirgisistan
  16. Homepage der Kirgisischen Staatseisenbahn (Кыргыз Темир Жолу)
  17. Die GTZ in Kirgisistan
  18. Zentralasien-Analysen Nr. 14 vom 27. Februar 2009.
  19. http://dev.prenhall.com/divisions/hss/worldreference/KG/media.html
  20. http://www.itu.int/ITU-D/icteye/DisplayCountry.aspx?countryId=280

Siehe auch

Weblinks

Wikipedia Wikipedia auf Kirgisisch

41.26666666666774.9833333333337Koordinaten: 41° N, 75° O


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