Kabbalah Centre


Kabbalah Centre

Das Kabbalah Centre ist eine kabbalistische Organisation, die von Philip Berg und dessen Sohn und designierten Nachfolger Yehuda Berg geführt wird.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung und Strukturen des Kabbalah Centres

1969 gründete Philip Berg das erste Kabbalah Centre in Tel Aviv. Von den 2004 weltweit 50 Lokalitäten sind die in Los Angeles und London am wichtigsten, doch existiert auch eines in Berlin. Das Vermögen der Organisation soll sich auf etwa 25 Millionen US-Dollar belaufen. Der Bewegung gehören schätzungsweise 60.000 bis 200.000 Anhänger an. Bekannt wurde sie, weil sich zahlreiche Prominente zu den Lehren bekennen.

Traditionelle Lehren

Traditionelle Kabbalisten investieren Jahre in das ernsthafte Studium von Tora, Talmud und Sohar, um die Mystik des Lebensbaumes und der Sefirot verstehen zu können und streben durch ihr Tun ein heiligmäßiges Leben an als Beitrag zum Tiqqun Olam, der die gefallene Schöpfung erlösen soll.

Kritik

Im Kontrast dazu predigt Philip Berg angeblich eine bequeme, konsumentenfreundliche Lehre. Man solle - auch wenn man der hebräischen Schrift oder der hebräischen Sprache nicht mächtig ist - nur mit seinen Augen über entsprechende Zeilen des Sohars bzw. Die 72 Namen Gottes (Genien) „scrollen”, schon habe man den Inhalt „gescannt”. Durch das Meditieren über den Schriftzug soll eine Verbindung mit den "Qualitäten des Genius" erfolgen, was je nach Zuständigkeitsbereich des Genius zu finanziellen Vorteilen, Gesundheit, Erfolg u. dgl. verhelfen soll. Diese These wird zwar dort verbreitet, wird aber von Kritikern verkürzt wiedergegeben, denn in der Tat sollte man sich auch hier ernsthaft mit seinem Tikkun und seinen Qlipot auseinandersetzen, um spirituell „weiter” zu kommen. Gnadenwirkungen sollen auch durch eine „20-Sekunden-Meditation” oder durch bestimmte Konsumartikel wie geweihtes Trinkwasser, Gesichtscreme oder Mystik-Schmuck entfaltet werden. Berg versteht seine Lehre im übrigen nicht als spezifisch jüdisch, sondern als eine „Technologie für die Seele”, welche problemlos auch von Christen oder Muslimen praktiziert werden könne.

Weiter verkündigt Berg asiatische Reinkarnations- und Karma-Lehren wie „Jeder hat verdient, was er hat”. Das kommt millionenschweren Stars besonders entgegen, sagen Kritiker. Jedoch soll sich, laut Kabbalah Centre, eine Seele deshalb wieder inkarnieren dürfen, nicht um reich zu werden, sondern um versäumte Lebensziele „abzuarbeiten” bzw. in erneut gewährter Gelegenheit „zu bewältigen” (Stichworte: Tikkun, Qlipot). Bezug zu materiellem Reichtum wird in symbolischer Verbindung mit dem Geben des Zehnten gesehen. Mit dem Hinweis, dass das - allerdings freiwillige - Geben des Zehnten Segen für Gebende verspricht, berufen sich diverse Kirchen, Gruppen und Sekten - auch christliche - unter anderem auf Spr 3,9-10 und Mal 3,10-11.

Rabbiner, Judaisten und echte Kabbala-Kenner kritisieren deren extreme Oberflächlichkeit. So erklärt Rabbi David Wolpe aus Los Angeles: „Wenn tiefe geistliche Wahrheiten in einen Mixer getan und als seichter Aufwasch serviert werden, schadet das einer großen Tradition und ist nicht besser als Quacksalberei.”

Literatur

  • Yehuda Berg: Die Macht der Kabbalah. Von den Geheimnissen des Universums und der Bedeutung unseres Lebens. Deutsche Erstausgabe. 4. Auflage. Goldmann, München 2003, ISBN 3-442-21641-9, (Goldmann 21641 Arkana).
  • YehudaBerg: Die 72 Namen Gottes. Technologie für die Seele. Hans-Nietsch-Verlag, Freiburg 2005, ISBN 3-934647-79-0.
  • Michael Berg: Werden wie Gott. Kabbalah und die wahre Bestimmung des Menschen. Hans-Nietsch-Verlag, Freiburg 2005, ISBN 3-934647-88-X.
  • Sven F. Goergens: Der rote Faden. Mit dem Ausverkauf einer jüdischen Philosophie fesselt das Kabbalah Centre Promis und Normalos. In: Focus 25/14. Juni 2004.
  • Julia Goldman: Kabbalah in Kalamazoo. Like yoga and feng shui, Jewish mysticism is part of New Age spirituality. Is it good for America and for the Jews? In: The Jewish Week 1. Juni 2004, (http://www.thejewishweek.com).

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