Kajak


Kajak
Seekajaks bei Okinawa
Wildwasser: Süddeutsche Slalom-Meisterschaft an der Isar bei München
Inuit-Seehund-Jäger im Kajak mit Harpune.
Kajak von 1605/06 in der Lübecker Schiffergesellschaft
Einer-Rennkajaks im Rennen auf der deutschen Kanurennsportmeisterschaft 2003
Tourenkajaks (gelb ein Zweier, rot ein Einer) nebeneinander
Wildwasserkajak („Cross“)
Seekajakfahrer kreuzt Lastschiff im Golf von Mexiko

Das Wort Kajak kommt von dem grönländischen Qajaq (Singular:Qajaup, Dual:Qajaak, Plural:Qajait), einem Paddelboot mit Ursprung in der Arktis und bezeichnet einen Bootstyp, der mittels Doppelpaddel angetrieben wird und dessen Insassen in Fahrtrichtung sitzen.

Kajaks und Kanadier bilden die beiden wesentlichen Untergruppen von Kanus.

Inhaltsverzeichnis

Ursprung

Das Kajak wurde von den Inuit (Eskimos) als schnelles, wendiges Boot für die Jagd entwickelt. Die Inuit bauten einen Rahmen aus Holz und Knochen, der mit Tierfellen bespannt wurde. Vor allem in Grönland wird die traditionelle Kajakbauweise noch immer angewendet, wobei die Haut heute meist aus imprägnierter Leinwand besteht. Zum Kajakfahren trugen die Inuit während der kalten Jahreszeit spezielle Kajakhandschuhe, mit zwei Daumen.

Die Bauweise der Kajaks unterliegt regionalen Unterschieden; in Alaska eher kurz und breit, in Grönland eher lang und schmal. Das Ka-i-ak ist traditionell ein geschlossenes Männerboot, das oben offene Frauenboot ist das Umiak. Ähnliche Boote, nämlich die Baidarkas wurden auf den Aleuten verwendet. Eine Erfindung der Inuit ist auch die als Eskimorolle (auch: Kenterrolle) bekannte Technik, sich beim Kentern schnell und ohne Aussteigen wieder aufzurichten.

Eines der ältesten vollständig erhaltenen Kajaks befindet sich in der Schiffergesellschaft in Lübeck. Es wurde anfang des 17. Jahrhunderts im Nordatlantik geborgen.[1]

Moderne Kajaks

Entwicklung und Verbreitung in Europa

Anfang des 19. Jahrhunderts sind vereinzelte „Grönländer“ in Deutschland aufgetaucht. 1860 wurde in Breslau der erste Grönländer-Club gegründet. 1866 veröffentlichte der Schotte John MacGregor A Thousand Miles in the Rob Roy Canoe on Rivers and Lakes of Europe. Vor der Erfindung des Faltbootes breitete sich das Kajak hauptsächlich in Nord- und Mitteldeutschland aus. Der Rücktransport war gegen die stärkere Strömung der Flüsse in Süddeutschland schwierig. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert war die Blütezeit der Faltboote (faltbare Kajaks aus Holz- oder Metallgerüst, mit imprägniertem Stoff bespannt). Mit der zunehmenden Motorisierung nahm ihre Notwendigkeit ab, wenngleich das Faltboot besonders bei Bahn- und Fernreisen nach wie vor Vorteile hat.

Design

Moderne Kajaks sind meist aus Polyethylen, ABS, GFK, CFK, aramidfaserverstärktem Kunststoff oder Holz gefertigt. Bei Schlauchkajaks sind Kautschuk oder PVC die gängigsten Materialien. Es existieren verschiedene Typen für unterschiedliche Anwendungen und Kanusportarten, die sich in ihrer Konstruktion stark unterscheiden können (geschlossen, offen oder Sit-on-Top; Verhältnis von Länge und Breite, Form des Rumpfes). Sie sind meist für ein bis zwei Personen, im Rennsport für bis zu vier Personen ausgelegt.

Verschiedene Typen (Auswahl)

Seekajak

Seekajaks sind lang und relativ schmal mit einem besonders geformten Bug und Heck. Die Konstruktion trägt der besonderen Situation an der Küste zu paddeln (Küstenkanuwandern) Rechnung. Sie bieten eine geringe Angriffsfläche für den Wind und sind geeignet für Wellengang. Diese sollten regulär für einen guten richtungsbezogenen Geradeauslauf bei natürlicher Wasserwelle auch im oberflächlichen Meeresstrom sorgen. Die meisten Seekajaks sind mehrfach geschottet, um ein Volllaufen und Sinken nach einer Kenterung zu vermeiden. Die Verwendung erfordert fachliches Wissen und besonderes Training.

Wanderkajak

Wander- oder Tourenkajaks sind meist zwischen 3,50 und 5 Meter lang und variieren in der Breite von 50 bis 70 Zentimeter. Wanderkajaks bieten vor und hinter dem Paddler meist viel Stauraum. Gepaddelt wird auf Flüssen (zum Beispiel Lahn) oder auf Seen (zum Beispiel Mecklenburgische Seenplatte).

Wildwasserkajak

Wildwasserkajaks sind kurz und wendig. Bug und Heck sind den Erfordernissen des Wildwassers angepasst. Man unterscheidet Untergruppen für die verschiedenen Arten des Wildwasserpaddelns: Riverrunner (Funcruiser), Creeker, Slalomboot und Squirter.

Spielboote (Rodeoboote)

Spiel- oder auch Rodeoboote genannte Kajaks sind Boote zum „Spielen“, die beim Playboating eingesetzt werden. Sie sind besonders kurz (max. 2,00 Meter) und wendig, haben meist im Raum des Cockpits das größte Volumen, damit das Kerzen und damit verbundene Figuren erleichtert werden. Meistens wird auf einer Welle oder einer Walze gespielt. Spielbootfahren im Wettkampf wird Kanu-Freestyle genannt, darin werden auch Welt- und Europameisterschaften, sowie Weltcups ausgetragen.

Gängige Ausrüstungsgegenstände

Die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände sind Doppelpaddel, Schwimmweste und passendes Schuhwerk, das nicht beim Schwimmen behindert und ausreichend Schutz vor Verletzungen beim Aussteigen bietet (z. B. Wassersportschuhe oder Füßlinge). Paddler tragen spezielle Bekleidungen, die geeignet sind, sich komfortabler zu bewegen mit spezieller Funktionsunterwäsche und Paddeljacken und -hosen. Um das Kajak unsinkbar zu machen, gehören zur Ausrüstung Auftriebskörper, falls das Boot nicht durch Schotten unterteilt ist. Das Eindringen von Wasser in den Bootskörper kann durch eine Spritzdecke aus Nylon oder Neopren vermindert werden, wenn der Fahrer ausreichend mit der Bedienung vertraut ist, um beim Kentern aussteigen zu können. Viele See- und Tourenkajaks und alle Rennkajaks sind mit einem Steuer versehen, um das Boot auf Kurs zu halten. Zur Ausrüstung kann eine Einrichtung zum Steuern gehören. Diese besteht aus einer Steuerflosse im Heck (entweder unter dem Heck oder hinten am Heck) und wird über einen Seilzug mit den Füßen bedient. Die Steuerflosse kann einziehbar sein, damit sie bei niedrigem Wasser keinen Schaden nimmt. Besonders in Wanderkajaks, die genug Stauraum bieten, wird gerade bei längeren Touren Wechselkleidung und z. T. auch Campingbedarf mitgenommen. Es wird möglichst alles wasserdicht verpackt.

Sprachliche Besonderheiten

Im Deutschen werden Kajaks zu den Kanus gezählt und es existiert im Gegensatz zu anderen Sprachen außer dem Kompositum Kajakfahrer kein spezieller Ausdruck für den Sportler in einem Kajak. (Im englischen Sprachraum heißen die Fahrer kayaker, auf Französisch kayakistes.) Außerdem existiert kein eigenes Verb zu „Kajak“, weshalb die Tätigkeit als „Kajakfahren“ oder „Paddeln“ bezeichnet wird (anders im Englischen: „to kayak“).

Das Wort Kajak ist ein Palindrom.

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Kajak – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikibooks Wikibooks: Wikibuch zum Thema Kajak – Lern- und Lehrmaterialien
 Commons: Kayak – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Siehe Werner Neugebauer: „Der Grönländer" – ein Eskimo-Kajak im Hause der Schiffergesellschaft zu Lübeck, in: Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft zu Lübeck 55 (1982), S. 199–230. Es wurde 2002 vermessen, so dass es heute eine Anzahl Replicas davon gibt.

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