Kalandsbruderschaft


Kalandsbruderschaft

Kaland (Kalandbrüderschaften) ist die Bezeichnung für die ab dem 9. Jahrhundert gegründeten und von Kaisern und Päpsten begünstigten Brüderschaften zur Verrichtung guter Werke. Gründungen dieser religiösen Bruderschaften erfolgten offenbar in vielen Städten Mitteldeutschlands, so zum Beispiel im Jahr 1541 in Geithain und 1375 in Bernburg (Saale). Die Gründung einer solchen Bruderschaft ist beispielsweise in der „Kalandstube“ Geithain im Museum des Pfarrhauses der Nikolaikirche dokumentiert. Die meisten Kalandbruderschaften bestanden bis zum Beginn der Reformationszeit im 16. Jahrhundert. In Westfalen ist ein Drittel der Bruderschaften erst im 19. und 20. Jahrhundert beendet. Die in Neuenheerse kommen noch zwei mal im Jahr zusammen.

Kalandsbruderschaften setzten sich aus männlichen und weiblichen Mitgliedern zusammen und unterschieden keine Standesformen oder weltliche und geistliche Herkunft. Einige Kalande bevorzugten die feste Anzahl von 12 Priestern (12 Apostel Kaland).

Zweck der Zusammenkünfte des Kalands war das gemeinschaftliche Gebet und die gemeinsame Verrichtung wohltätiger Werke an Armen und Kranken. Die Kalande gedachten außerdem gemeinschaftlich ihrer verstorbenen Mitglieder und lasen für sie Seelenmessen. Die Treffen wurden oft mit einer opulenten Mahlzeit beendet.

Das Wort Kaland ist von dem lateinischen Wort „kalendae“ abgeleitet. Es bedeutet den ersten Tag eines Monats und bezieht sich auf den Brauch der Mitglieder eines Kalandes, sich regelmäßig an diesem Tag zu treffen. Da die Treffen der Brüder immer üppiger und deren Mitglieder immer wohlhabender wurden, wandelte sich die Kurzbezeichnung „Kaland“ über „Kolund“ schließlich zu „Kohlhund“, einem Schimpfwort für „Zechbruder“ oder „Prasser“.

Davon berichtet auch eine unter der Ägide des Leipziger Professors Joachim Feller (1638–1691) verfasste Dissertation: Die Calender aber waren Häuser, darinnen die Geistlichen Bier ausschencken liessen, und da die geistlichen Fratres ihre Zechen zu halten pflegten. Daher man noch immer von den Trunckenbolden zu sagen pfleget: Er calendert die gantze Woche hindurch (Feller, J., Dissertatio solennis de fratribus Kalendariis. Notis verò illustrata et edita a Christiano Francisco Paullini. Frankfurt, Andreae für Knochius, 1692. [4°. 36 S.], Zitat S. 31 f).

Kaland findet sich heute in manchen Orts- und Familiennamen. Die Kalandsglocke (Nr. 8) des Herforder Münsters stammt aus der Zeit um 1200.

Literatur

  • Wilhelm Averesch: Ein münsterländischer Kaland – ein Beitrag zur Geschichte der Kalande. Wattenscheid, 1942.
  • Franz-Josef Jakobi: Der Große Kaland am Dom zu Münster - In: Der Große Kaland am Dom zu Münster Hrsg. von Josef Albers. Bearb. von Thomas Kortmann. Münster, 2002. S. 30–47.
  • Karl Hengst und Michael Schmitt: Lob der brüderlichen Eintracht. Die Kalandsbruderschaften in Westfalen. 650 Jahre Kaland in Neuenheerse. Paderborn 2000.

Weblinks


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