Kalkbeton


Kalkbeton
Opus caementitium als Baustoff der Kuppel des Pantheons in Rom
Segment der römischen Eifelwasserleitung aus opus caementitium und gemauertem Segmentbogen aus Naturstein

Opus caementitium ist die lateinische Bezeichnung für eine betonähnliche Substanz, mit der die Römer nachweislich bereits vor mehr als 2000 Jahren Fundamente von Bauwerken befestigten. Insbesondere Wasserleitungen und Hafenmolen wurden mit dem opus caementitium ausgekleidet, um eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegen Wasser zu erreichen. Große Teile des Kolosseums in Rom bestehen aus opus caementitium, aber auch Kuppelbauten mit riesigen Spannweiten (z. B. Pantheon in Rom: Kuppel mit 43 Metern Durchmesser) wurden erst durch die Verwendung des opus caementitium möglich. Es handelt sich also um einen Vorläufer unseres heutigen Betons.

Opus caementitium wurde aus Steinen, Sand und gebranntem Kalkstein gemischt, wobei als Zuschlag Puzzolane beigesetzt wurden. Erst durch die Beimengung der Puzzolane erhielt das opus caementitium jene hydraulischen Eigenschaften, durch die dieses Gemisch nach der Zugabe von Wasser zu druckfestem Stein aushärtete - ähnlich wie unser heutiger Beton. Opus caementitium härtet daher auch unter Wasser aus. Durch die Zugabe von Wasser reagierte der gebrannte Kalk unter starker Hitzeentwicklung und das so entstandene opus caementitium wurde heiß oder warm geformt und verarbeitet, wobei die Kalkbestandteile stark ätzend waren und bei Kontakt mit den Augen zur Erblindung führen konnten.

Das opus caementitium machte den Menschen unabhängig von der Form von Findlingen und vom mühsamen Behauen von Natursteinen, denn erstmals wurden die Formen gegossen. Dabei wurde der Zwischenraum einer äußeren und inneren, sauber aus Quadern gemauerten Schale mit opus caementitium ausgegossen. Dieses Gussmauerwerk / Schalenmauerwerk nannte man opus implectum.

Aber auch von den Phöniziern (> 1300 v. Chr.) ist bekannt, dass sie ihre Mörtel mit Puzzolanen abmischten, um die Verfestigung unter Wasser zu erreichen.

Im Mittelalter ging man teils von der Verwendung des opus caementitium ab, weil die Kenntnis von der Wirkung von Puzzolanen verloren gegangen war oder diese nicht verfügbar waren. Dennoch wurden nicht selten lokal abgebaute Trasse als Zuschlagstoffe verwendet.

Um einen Eindruck von der Festigkeit und Zähigkeit des opus caementitium zu bekommen, seien die Tiefbauarbeiten der Nord-Süd-Fahrt in Köln angeführt: Es war nach dem letzten Krieg nicht möglich, die in einer Tiefe von mehreren Metern liegenden römischen Mauerreste mechanisch zu zertrümmern und wegzuschaffen. Die einzige Möglichkeit war, kurzerhand die 2000 Jahre alten Fundamente mit Dynamit zu zerstören.

Literatur

  • Heinz O. Lamprecht: Opus caementitium. Bautechnik der Römer. Bau und Technik, 5. Aufl. 2001, ISBN 3-7640-0350-2

Siehe auch


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