Kanton Zug


Kanton Zug
Kanton Zug
Wappen
Basisdaten
Staat: Schweiz
Amtssprache: Deutsch
Hauptort: Zug
Beitritt zum Bund: 1352[1]
Kürzel/Kontrollschild: ZG
ISO 3166-2: CH-ZG
Fläche: 239 km²
Einwohner: 111'775[2] (31. Dezember 2010)
Bevölkerungsdichte: 468 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 24,0 %[3] (April 2011)
Arbeitslosenquote: 1,9 %[4] (Juli 2011)
Website: www.zug.ch
Lage des Kantons in der Schweiz
Lage des Kantons in der Schweiz
Karte des Kantons
Karte des Kantons
Gemeinden des Kantons
Gemeinden des Kantons

Zug (französisch Zoug, italienisch Zugo, rätoromanisch Zug, lateinisch Tugium) ist ein deutschsprachiger Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Der Hauptort ist Zug.

Der Kanton Zug liegt in der Zentralschweiz und ist mit einer Fläche von 239 Quadratkilometern der kleinste Kanton, der – im Gegensatz zu den früher als Halbkantone bezeichneten Kantonen – zwei Sitze im Ständerat hat. Er ist in elf Gemeinden unterteilt und hat eine relativ hohe Bevölkerungsdichte. Der Kanton Zug gehört zu den reichsten Kantonen der Schweiz.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Zug liegt zwischen den Kantonen Zürich, Schwyz, Luzern und Aargau im Übergangsgebiet zwischen den Voralpen und dem Mittelland. Die an der Schwyzer Grenze gelegenen höheren Berge, wie Rossberg (1'582 m ü. M.), Kaiserstock (1'417 m ü. M.), Morgarten (1'236 m ü. M.) und Höhrohnen (1'232 m ü. M.), werden in Richtung Nordwesten durch Vorberge abgelöst. Zu den Vorbergen gehören unter anderem der Zugerberg (991 m ü. M.) und Gubel (circa 1'000 m ü. M.).

Landnutzung

Der Kanton Zug hat eine Fläche von circa 239 Quadratkilometern. Davon sind circa 110 Quadratkilometer Wies- und Ackerland, circa 61 Quadratkilometer Wald, circa 33 Quadratkilometer Gewässer, circa 27 Quadratkilometer überbautes Gebiet und circa 9 Quadratkilometer Weiden und Ödland.

Flüsse und Seen

Der Hauptfluss des Kantons ist die Lorze, die dem voralpinen Ägerisee entspringt und zwischen Zug und Cham in den Zugersee mündet. Von dort fliesst sie weiter in die Reuss, die, wie an der Nordostgrenze die Sihl, den Kanton bloss streift.

Flora und Fauna

Flora

Noch im Jahre 1845 gab es nur 2400 Hektar Wald. Der Wald wurde durch intensive Aufforstung bis ins Jahr 1950 auf eine Fläche von 6'000 Hektar vergrössert. Dies entspricht rund 30 Prozent der Fläche des Kantons Zug (ohne Seeanteil). Seit 56 Jahren nimmt der Waldbestand jährlich leicht zu. Es wird weniger Holz genutzt als nachwächst. Dadurch werden die Bäume älter und das Alter der Wälder nimmt zu.

Der grösste Teil des Waldes liegt im Voralpengebiet (circa 80 Prozent). Das Mittelland hingegen besitzt eher viele kleinere Wälder wie die Baarburg oder der Steinhauser Wald. Der Wald gehört zu 6 Prozent dem Kanton, zu 30 Prozent privaten Eigentümern und zu 64 Prozent verschiedenen Kooperationen.

Die Waldschäden im Kanton Zug nehmen jährlich (seit circa 40 Jahren) zu. Ursachen sind Pilzerkrankungen, Weisstannensterben, Sturmschäden und Insektenschäden vor allem durch den Borkenkäfer.

Fauna

Der verbreitete Rothirsch

Im Kanton Zug leben viele verschiedene Arten. Besonders zahlreich sind die Rehe. Auf dem Kantonsgebiet verbreitet sind auch Rothirsche und Feldhasen. Auch Gämsen sind in den hügeligeren Regionen vereinzelt anzutreffen.

Daneben gibt es viele Nager wie Eichhörnchen, Mäuse, Ratten und teilweise Biber. Wegen der Vielzahl an Nagern ist auch der Mäusebussard im ganzen Kanton weit verbreitet. Im Zugersee und Ägerisee gibt es zudem Schwäne, Enten, Tauben und Möwen. Gefährdet ist der Auerhahn, weshalb ein Schutzprojekt im Gange ist.

Der Fuchs ist weiterhin stark verbreitet, wobei es in den letzten Jahren durch Impfungen praktisch keine Tollwuterkrankungen mehr gegeben hat. Der Fuchs taucht auch immer mehr in den Städten auf, um dort auf Nahrungssuche zu gehen.

Der Mäusebussard

Der Dachs ist seit den letzten Jahren immer häufiger geworden. Auch er wird immer weniger menschenscheu und besucht immer öfter die Städte.

Aktuell gibt es in den Seen des Kantons Zug 32 Fischarten. Neben der Bach-, der Regenbogen- und der Seeforelle, dem Hecht, dem Egli und dem Aal gibt es folgende Fischarten: Alet, Äsche, Barbe, Bitterling, Blicke, Brachsmen, Elritze, Felchen, Groppe, Gründling, Hasel, Karpfen, Kaulbarsch, Laube, Nase, Rotauge, Rotfeder, Schleie, Schmerle, Schneider, Seesaibling, Sonnenbarsch, Steinbeißer, Stichling, Trüsche und Zander. Ausserdem gibt es eine Rundmaulart, das Bachneunauge, und drei Krebsarten: den Steinkrebs, den Edelkrebs und den Gallizierkrebs.

Bevölkerung

Heute leben etwa 114'711 Menschen aus etwa 128 verschiedenen Nationen in Zug. 76 Prozent sind Schweizer. Die Bevölkerung hat sich in den letzten 40 Jahren verdoppelt.

Religion

Der Kanton Zug ist traditionell katholisch geprägt, 62 % der Einwohner gehören der Römisch-katholischen Kirche an und sind damit dem Bistum Basel zugeteilt. Daneben gehören 18 % einer Reformierten Kirche an (Stand: 2000).[5] In Zug sind auch viele andere Religionen und Konfessionen vertreten.

Regierung

Zug war in seiner eidgenössischen Geschichte immer Teil der sogenannten Fünf Innern Orte, also der Zentralschweiz – in den Reformationswirren, im kurzen Widerstand gegen Napoleons Truppen 1798, im Sonderbundskrieg von 1847. Die mentale Verbundenheit mit der Zentralschweiz zeigt sich in seiner Politik. Die beiden Zuger Bundesräte Philipp Etter (im Bundesrat 1934–1959) und Hans Hürlimann (1973–1982) gehörten der Katholisch-Konservativen Partei bzw. der CVP an. Noch heute ist die CVP im Kantonsrat die grösste Partei – wie fast überall in der Zentralschweiz. Allerdings bröckelt ihr Wählerpotential auch im Kanton Zug. Unter Druck steht auch die zentralschweizerische Kooperation; sie ist in Teilen gefährdet.

Legislative

Die Legislative bildet der in den Gemeinden nach dem Proporzverfahren gewählte Kantonsrat mit 80 Mitgliedern. Diese werden alle vier Jahre, gleichzeitig mit dem Regierungsrat, von der Zuger Bevölkerung gewählt.

Bei den Wahlen zum Kantonsrat erhielten die Parteien folgende Sitzzahlen:

Sitzverteilung Zuger Kantonsrat (2006)
Partei 1998 2002 2006 2010
CVP 26 26 23 23
FDP 27 20 20 20
SVP 9 18 17 19
SP 8 9 8 8
A 10 7 12 8
GLP 2

Exekutive

Die Exekutive bildet ein ebenfalls im Proporzverfahren (eine Ausnahme in der Schweiz) gewählter siebenköpfiger Regierungsrat, der gleichzeitig mit dem Kantonsrat alle vier Jahre gewählt wird. Er besteht nach der letzten Wahl am 3. Oktober 2010 aus folgenden Vertretern der einzelnen Parteien:

Vertreter in der Bundesversammlung

Der Kanton Zug hat drei Nationalräte:

und zwei Ständeräte:

Wirtschaft

Der kleine Kanton Zug ist heute gesuchter Wohnraum, attraktiver Lebensraum, erfolgreicher Wirtschaftsraum. Den Grundstein dazu legte eine kluge Gesetzgebung in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Zug senkte – wie der Pionierkanton Glarus – die Abgaben für Holding- und Domizilgesellschaften. Die Steuergesetzrevision nach dem Zweiten Weltkrieg kam vor allem Firmen zugute.

Vom Armenhaus zum reichsten Kanton

Die wirtschaftsfreundliche Steuerpolitik des Kantons zeigte Wirkung. Von einem Armenhaus schwang sich Zug bis 1990 zum reichsten Kanton der Schweiz auf. Noch in den sechziger Jahren hatte er die höchste Pro-Kopf-Verschuldung, und das Durchschnittseinkommen lag unter dem schweizerischen Durchschnitt. Heute zahlt Zug mit annähernd 300 Millionen Schweizer Franken im Jahr und 2'042 Franken pro Kopf am meisten in den interkantonalen Finanzausgleich NFA. Die Steuerbelastung beträgt aber nur rund die Hälfte des Schweizer Durchschnitts, und das Volkseinkommen pro Kopf zählt zu den höchsten in der Schweiz. 2010 lag das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf im Kanton Zug bei schätzungsweise 100'000 Schweizer Franken.

Ende 2010 zählte der Kanton Zug fast 30'000 Unternehmen, davon an die 17'000 Aktiengesellschaften. Von den rund 83‘000 Arbeitsplätzen fielen nicht ganz Dreiviertel auf den dritten Sektor (Landwirtschaft: 2,2 %; Industrie: 24,8 %; Handels- und Dienstleistung: 73 %). Täglich kommen etwa 37'000 Personen nach Zug zur Arbeit, davon allein 12'000 aus dem Kanton Luzern.

Grösste private Arbeitsgeber

Der Lebensmittelkonzern Nestlé hat einen seiner Unternehmenssitze im Kanton Zug. Zug ist der Hauptsitz der V-Zug AG. Diese entwickelt, produziert und vertreibt Geräte für Küche und Waschraum. Ein wichtiger Arbeitgeber ist Siemens in der Stadt Zug mit circa 2250 Mitarbeitern. Roche Diagnostics hat hier ein Entwicklungszentrum für Laborgeräte, und Rotkreuz ist der Sitz des schweizerischen Vertriebs von Roche Diagnostics. Des Weiteren haben sich im Kanton Zug zahlreiche internationale Handelsunternehmungen niedergelassen, die vor allem mit Rohstoffen handeln. Eines davon ist Glencore, dessen Gründer Marc Rich für Schlagzeilen sorgte, als er wegen mutmasslichem Steuerbetrug auf der Fahndungsliste des FBIs stand. In den 1970er Jahre beschäftigte die Landis & Gyr rund 6500 Leute, was rund jeder vierten Arbeitstelle im Kanton entsprach.[6]

Das renommierte Great Place to Work® Institut publiziert jedes Jahr eine Benchmark-Studie mit den besten Arbeitgebern aus 40 Ländern. Vier der 15 besten Arbeitgeber in der Schweiz haben ihren Standort in Zug: Abbott AG, Biogen Idec International AG, Janssen-Cilag AG, Mars Schweiz AG.

Dynamisches Wachstum

Der Wirtschaftsraum Zug wächst noch immer. 2010 trugen sich über 500 Firmen neu im Handelsregister ein. Zug ist eines der weltweit wichtigsten Handelszentren für Rohstoffe wie Rohöl und für Agrargüter wie Kaffee. Zahlreiche Firmen und nationale wie globale Unternehmenszentralen verlegten ihren Sitz nach Zug. Gemäss einer Studie der Arthur D. Little (Schweiz) AG von 2009, einem weltweit vernetzten Unternehmen für Managementberatung, ist «the Canton of Zug [...] the most preferred location in Switzerland for headquarters». Das macht den Kanton attraktiv und wohlhabend – und auch anders. Mit einem Mix aus Neugierde, Staunen und Neid schaut darum die Schweiz auf den kleinsten Kanton und seine wirtschaftlichen Erfolge. Die tiefen Steuern für Unternehmen und Privatpersonen wecken Arg-wohn, Kritik und Begehren. Doch „Zug [bleibt] das Schweizer „Steuerparadies“ schlechthin“ – und unschlagbar, schrieb NZZ Online vom 17. Februar 2011.

Steuern

Viele Domizilfirmen und Holdings haben ihren Sitz im Kanton Zug, da die Unternehmungsbesteuerung auf einem im internationalen Vergleich sehr niedrigen Niveau ist. Aber auch viele Unternehmen, die der ordentlichen Besteuerung unterliegen, sind im Kanton Zug ansässig. Die Rolle als Steueroase wird international und auch in der Schweiz selbst kritisch gesehen.

Domizilfirmen sind gemäss den Bestimmungen der kantonalen Steuerverwaltung «Unternehmungen, die in der Schweiz nur eine Verwaltungstätigkeit, aber keine Geschäftstätigkeit ausüben». Sie dürfen in der Schweiz weder eigenes Personal beschäftigen noch Büros unterhalten. Unter dem alten Steuergesetz (vor 2001) wurden die Gewinne von Domizilgesellschaften gar nicht und das Kapital nur reduziert besteuert. Mit dem neuen Steuergesetz, gültig ab dem 1. Januar 2001, werden die Gewinne mit 4 Prozent auf den ersten 100'000 Schweizer Franken und für den 100'000 Schweizer Franken übersteigenden Gewinn wird mit 7 Prozent besteuert. Die Kapitalsteuer beträgt 0,075 Promille des zu versteuernden Eigenkapitals, mindestens jedoch 150 Schweizer Franken multipliziert mit dem geltenden Steuerfuss (siehe § 75 Abs. 1 StG). Eine Besonderheit der Domizilfirmen ist, dass Erträge die im Ausland erzielt worden sind, zum Beispiel Dividenden von ausländischen Firmen oder Honorarerträge, steuerfrei sind. Erträge aus Beteiligungen sind für alle Besteuerungsarten steuerfrei. Oft sieht man bei Domizilfirmen auch die Fifty-Fifty-Regel. Diese wurde aber per 1. Juli 2005 abgeschafft. Für bestehende Gesellschaften (gegründet vor 1. Juli 2005) gilt eine Übergangsfrist bis 2009. Bis dahin wird diese Regel weiterhin akzeptiert.

Verkehr

Die Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) betreiben ein Netz von Linienbussen, das sich über den ganzen Kanton erstreckt. Durch die Stadt Zug verlaufen die Eisenbahn-Hauptachsen ZürichArth-Goldau und Zürich–Luzern. Zusätzlich verläuft die Nord-Süd-Hauptachse BaselBellinzonaMailand durch Rotkreuz.

Seit 2004 verkehrt auf den Gleisen der Schweizerischen Bundesbahnen, aber unter der Leitung des Zuger Amtes für öffentlichen Verkehr, die Stadtbahn Zug. Durch insgesamt 15 Haltestellen im Kanton, bedient im 15-Minuten-Takt, wurde so ein ungewöhnlich dichtes Bahn-Netz geschaffen, das ähnlich wie eine Strassenbahn funktioniert.[7]

Tourismus

Schlösser, Burgen und Ruinen

  • In der Stadt Zug liegt, östlich der Altstadt, die Burg Zug welche heute als Museum dient.
  • In Buonas befindet sich das Alte Schloss Buonas der Herrschaft Buonas, welches ein Nachfolgebau der Burg Buonas ist und zwischenzeitlich Schloss Hertenstein genannt wurde. Bis 1970 gab es in Buonas zudem das Neue Schloss Buonas, welches jedoch abgerissen wurde. Zusätzlich befindet sich noch das Schloss Freudenberg in der Gemeinde Risch, ein anfangs der 1930er Jahre errichtetes Herrenhaus.
  • In Hünenberg befindet sich die Burg Hünenberg die wie die Wildenburg von den Herren von Hünenberg erbaut wurde.
  • In Cham befindet sich das Schloss St. Andreas direkt am See, ist jedoch der Öffentlichkeit nicht zugänglich.
  • In der Gemeinde Baar befindet sich Lorzental zwischen Unterägeri und Zug die Ruine Wildenburg, von welcher nur noch einige Mauern erhalten sind.

Denkmäler

Am Ägerisee befindet sich bei Morgarten das Morgarten-Denkmal, das an die Schlacht am Morgarten vom 15. November 1315 erinnert.

Museen

Im Kanton Zug gibt es mehrere Museen die wichtigsten sind das Museum in der Burg, das Museum für Urgeschichte (n) und das Kunsthaus Zug. Das Ortsmuseum in Buonas gibt einen Einblick in die Geschichte der Gemeinde Risch.

Städte und Orte

Gemeinden des Kantons Zug

Die Städte im Kanton Zug sind Zug, Baar und Cham.

Nachfolgend aufgelistet sind alle elf Gemeinden per 31. Dezember 2009:

Ort Einwohner
Zug 25'726
Baar 21'586
Cham 14'552
Steinhausen 8841
Risch 8784
Hünenberg 8299
Unterägeri 7932
Oberägeri 5363
Menzingen 4330
Walchwil 3525
Neuheim 1952

Bezirke

Der Kanton Zug kennt keine Einteilung in Bezirke. Das Bundesamt für Statistik führt den gesamten Kanton jedoch als einen Bezirk unter der BFS-Nr.: 0900.

Geschichte

Verschiedene archäologische Ausgrabungen insbesondere am Zugersee haben eine Besiedelung bereits in der Jungsteinzeit nachgewiesen. Grosse Pfyn-Zeitliche Siedlungen gab es zum Beispiel in Oberrisch. Auch die Eisenzeit ist gut belegt, und in Baar wurden grosse Alamannische Gräberfeld entdeckt und ausgegraben.

Die ältesten menschlichen Spuren führen in die Zeit um 14'000 v. Chr. zurück. Es sind alt-steinzeitliche Funde am Nordufer des Zugersees; sie stammen von nomadisierenden Jägern und Sammlern. Aus der Epoche der ersten sesshaften Bauern, der Jungsteinzeit (5500–2200 v. Chr.), konnten die Archäologen am Zugersee über vierzig Seeufersiedlungen nachweisen («Pfahlbaudörfer»). Der Schwerpunkt dieser Uferdörfer liegt im Zeitraum zwischen 3800 und 2450 v. Chr. Für die gleiche Epoche sind erste voralpine Landnutzungen in Menzingen und im Ägerital belegt. Das forschungsgeschichtlich bekannte und interessante Uferdorf im «Sumpf» datiert aus der späten Bronzezeit (bis 850 v. Chr.). Die reichhaltigen Funde ergeben ein recht differenziertes Bild des damaligen Lebens. Dies ist im Museum für Urgeschichte (n) anschaulich dargestellt. Auch aus der Eisenzeit (850–50 v. Chr.) und aus römischer bzw. keltoromanischer Zeit (ab 50 v. Chr.) wurden viele Spuren zutage gefördert.

Das habsburgische Städtchen Zug wurde 1352 von den Eidgenossen erobert und zum Bündnis-Beitritt gezwungen. Man konnte dadurch den territorialen Zusammenhang und die militärische Verteidigung besser sicherstellen. Der eidgenössische Stand Zug war damit Mitglied der achtörtigen Eidgenossenschaft und nahm in der Folge an diversen kriegerischen Aktionen des Bündnisses teil. Auch an den Kappelerkriegen, als es darum ging, den alten katholischen Glauben gegen die Reformation zu verteidigen.

Nach dem Einmarsch von Napoleons Revolutionstruppen in die Schweiz im Jahr 1798 wurde der vormalig selbständige Landsgemeinde-Ort Zug im neuen helvetischen Einheitsstaat einem völlig neu gebildeten Kanton Waldstätten zugeschlagen, diese Kantone waren reine Verwaltungsbezirke ohne innere Autonomie. Allerdings wurde erstmals versucht, allen mündigen Männern persönliche Freiheiten zuzugestehen. Das ganze blieb allerdings in Ansätzen stecken, die Bevölkerung blieb noch stark in traditionellen Verhaltensmustern verhaftet. Bereits 1803 wurde der föderalistische Staatsaufbau wieder hergestellt und viele andere Neuerungen wurden wieder rückgängig gemacht. Allerdings schritt die Demokratisierung des Staatslebens nun doch allmählich und schrittweise voran.

Im Sonderbundskrieg 1847, dem letzten Schweizer Bürgerkrieg, wehrte sich Zug mit den übrigen katholischen Kantonen gegen den von den liberalen Kantonen geplanten Bundesstaat, unterlag aber und musste seine kantonale Souveränität teilweise an den Bund preisgeben.

Der wirtschaftliche Aufschwung und damit der Abschied vom landwirtschaftlich geprägten Staatswesen setzte im Kanton Zug erst im 20. Jahrhundert ein.

Kyburger Gründung

Um 600 n. Chr. wanderten alemannische Familien und Sippen ins Gebiet des heutigen Kantons Zug ein. Der Name Blickensdorf und Ortsnamen mit – ikon belegen den ersten alemannischen Siedlungsraum. Die Kirchen von Baar und Risch führen ebenfalls ins Frühmittelalter zurück.

Die erste schriftliche Quelle stammt aus dem Jahr 858. König Ludwig der Deutsche schenkte den Hof „Chama“ (Cham) dem Zürcher Fraumünsterkloster. Das heutige Zuger Gebiet gehörte damals ganz unterschiedlichen klösterlichen und weltlichen Grundherren. Die wichtigsten waren die Habsburger. Sie erbten 1264 die kyburgischen Rechte und blieben bis gegen 1400 eine zentrale politische Macht.

Im Zuge des hochmittelalterlichen Städtebaus erhielt auch die Siedlung Zug nach 1200 eine Stadtmauer. Stadtgründer sind vermutlich die Grafen von Kyburg. 1242 wird Zug erstmals als „oppidum“, d.h. als „Stadt“ bezeichnet. Die Forschung zeigt es: Zug war wichtig als Verwaltungszentrum des kyburgischen und später des habsburgischen Amts Zug, als lokaler Marktplatz und als Etappenort für den Warentransport über den Hirzel nach Luzern (vor allem von Salz und Eisen).

1478 begann man mit dem Bau einer grösseren Mauer, die das Stadtgebiet versechsfachte – im gleichen Jahr wie die spätgotische St. Oswaldskirche. Baumeister der neuen Ringmauer war Hans Felder aus Bayerisch-Schwaben. Der Grundriss der Stadtbefestigung weist auf einen symmetrischen Idealplan aus der Renaissance hin – etwas ganz Seltenes. Die Kleinstadt Zug realisierte eine modern wirkende Gesamtplanung.

Das Jahr 1352 – eine Episode

Das Bündnis der vier Waldstätte Uri, Schwyz, Unterwalden und Luzern mit der Stadt Zürich 1351 brachte vieles in Bewegung. Die Stadt Zug wurde als habsburgischer Riegel zwischen den Städten Zürich und Luzern empfunden und musste deshalb erobert werden. Dabei ging es wohl eher um wirtschaftliche als um politische Gründe: Der für die ganze Innerschweiz wichtige luzernische Markt war stark von Zürich abhängig. Auf zürcherische Initiative belagerte Anfang Juni 1352 ein eidgenössisches Heer die Stadt. Zug kapitulierte. Am 27. Juni 1352 schlossen Zürich, Luzern, Zug, Uri, Schwyz und Unterwalden ein Bündnis ab. Beim «Zugerbund» handelte es sich aus zürcherischer Sicht um ein Zweckbündnis. Für die Stadt und das Amt Zug änderte sich wenig. Zug blieb weiterhin habsburgisch. Noch im gleichen Jahr wurde der «Zugerbund» von allen Beteiligten stillschweigend als ungültig anerkannt. Dann folgte einer Zeit unter schwyzerischer Herrschaft. Souverän und eidgenössisch wurde Zug erst nach und nach.

Parallel dazu erweiterte die Stadt Zug ihren Herrschaftsbereich. Sie erwarb sich eine Reihe ländlicher Vogteien als Untertanengebiete (Walchwil, Cham, Gangolfswil [Risch], Hünenberg und Steinhausen, dazu Oberrüti, das heute zum Kanton Aargau gehört). Zug wurde eine Eidgenossenschaft im Kleinen – mit der „Stadt“ und ihren Untertanengebieten sowie den drei «Äusseren (‹freien›) Gemeinden» Ägeri, Menzingen (mit Neuheim) und Baar. Dieser problematische Dualismus prägte bis 1798, also bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft, die politische Struktur des Standes Zug. Verbindende Klammer dieses Miniaturstaatenbundes war u. a. die Landsgemeinde sowie der vierzigköpfige Stadt-und-Amt-Rat.

Während der Reformationswirren stand Zug auf der katholischen Seite der Innerschweiz und blieb beim alten Glauben. Bei Kappel am Albis (1531) und am Gubel bei Menzingen kam es zu Kämpfen zwischen den religiös verfeindeten Eidgenossen. Die Lage am Rande der Innerschweiz machte Zug zum konfessionellen Grenzort.

Die Zeit bis 1798 war geprägt von innenpolitischen Rivalitäten und Turbulenzen. Der Einmarsch der französischen Truppen brachte das Ende der alten Ordnung und mit der Helvetik einen radikalen politischen Bruch. Zug wurde Teil des Kantons Waldstätten und für kurze Zeit zum Kantonshauptort. Nach 50-jährigem Ringen zwischen Föderalismus und Zentralismus, zwischen Staatenbund und Zentralstaat, zwischen konservativer und liberalradikaler Sicht entstand 1848 die bundesstaatliche Schweiz von heute. Zug erhielt die aktuelle Kantonsstruktur mit elf Einwohnergemeinden.

Industrialisierung und Internationalisierung

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war Zug ein Agrarland. Die eigentliche Industrialisierung begann mit dem Unternehmer Wolfgang Henggeler. 1834 errichtete er in Unterägeri eine Baumwollspinnerei. Es folgten die beiden Betriebe von Neuägeri und Baar. 1866 gründete der Amerikaner George Ham Page in Cham die erste europäische Kondensmilchfabrik; sie fusionierte später mit Nestlé. Dominiert wurde die Zuger Industrie von der Firma Landis & Gyr, gegründet 1896 und heute im Besitz der japanischen Toshiba. Der Anschluss ans schweizerische Eisenbahnnetz 1864 war wichtig, ebenso die Verbindung von Berg und Tal mit einer elektrischen Strassenbahn zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

In der zweiten Jahrhunderthälfte erfolgte der dynamische Ausbau zu einem nationalen und internationalen Finanz- und Handelsplatz, begünstigt durch die Nähe zu Zürich und eine attraktive Steuerpolitik. Parallel dazu entstanden grosse Industrie- und Gewerbezonen. Die Arbeitsplätze nahmen rasant zu, die Einwohnerzahl stieg markant, der Bauboom brach fast explosionsartig aus. Der Kanton Zug katapultierte sich an die Spitze der finanzstarken Kantone. Und die Stadt stellt heute, wie der britische Guardian einmal schrieb, eine „Haupthimmelsrichtung der globalen Wirtschaft“ dar.

Literatur

  • Direktion für Bildung und Kultur des Kantons Zug (Hrsg.): ZG - Ein Heimatbuch. Balmer Verlag, Zug 1999. ISBN 3-85548-052-4
  • Sibylle Omlin, Christian Raschle, Sonja Stauffer, Josef Wüest: Zug – Stadt und Kanton. Balmer Verlag, Zug 2002. ISBN 3-85548-048-6
  • Eugen Gruber: Geschichte des Kantons Zug. Francke, Bern 1968.
  • Eugen Gruber: Grundfragen zugerischer Geschichte. Buchdruckerei Dossenbach, Baar 1952.
  • Eugen Gruber: Geschichtliche Tatsachen aus den mittelalterlichen Urkunden und Dokumenten von Stadt und Land Zug. Zürcher, Zug 1951
  • Fritz Schaffer: Abriss der Schweizer Geschichte, 1972

Einzelnachweise

  1. Nach 1352 wieder habsburgisch, erst nach und nach eidgenössisch
  2. Zug in Zahlen, Staatskanzlei des Kantons Zug
  3. Bestand der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung nach Wohnkanton und Ausländergruppe Ende April 2011 (PDF), Bundesamt für Migration (BFM), abgerufen am 31. August 2011
  4. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt – Juli 2011 (PDF), Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), Pressedokumentation, abgerufen am 31. August 2011
  5. Gesellschaft und Bevölkerung Statistische Daten des Kantons Zug
  6. DVD: Verlorene Welt – Aus dem Innenleben des einstigen Konzerns Landis & Gyr
  7. Webseite der Stadtbahn Zug: http://www.stadtbahnzug.ch

Weblinks

 Commons: Kanton Zug – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Kanton Zug – Quellen und Volltexte

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