Karl Joseph Stieler


Karl Joseph Stieler
Josef Stieler, Fotografie von Franz Hanfstaengl, ca. 1857
Familienporträt des Herzogs Joseph von Sachsen-Altenburg
Beethoven (1820)
Goethe (1828)
König Ludwig I. im Königsornat, 1826, in der Neuen Pinakothek in München

Joseph Karl Stieler (* 1. November 1781 in Mainz; † 9. April 1858 in München) war ein deutscher Maler.

Stieler war der Sohn August Friedrich Stielers (1736–1789), eines Stempelschneiders der kurfürstlichen Münze in Mainz. Die Familie Stieler war eine bekannte Künstlerfamilie, die zahlreiche Wappen- und Stempelschneider, Graveure und Petschaftstecher, aber auch Maler, hervorbrachte.

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung und Wanderjahre

Eine erste künstlerische Ausbildung bekam er von seinem Vater, der bereits 1789 verstarb. Die folgenden Jahre übte sich Stieler sehr erfolgreich autodidaktisch als Pastell- und Miniaturmaler. Ein Minitiaturbild seiner Mutter veranlasste den Koadjutor von Fürsterzbischof Karl Theodor von Dalberg, den 14-Jährigen ausbilden zu lassen.

Mit 17 Jahren unternahm Stieler 1798 eine Reise nach Würzburg. Dort wurde er für fast zwei Jahre der Schüler des Hofmalers Christoph Fesel. Dieser, ein Schüler von Anton Raphael Mengs, führte Stieler in die Ölmalerei ein. Im Anschluss daran ging Stieler nach Wien an die Akademie der bildenden Künste. Dort wurde er 1802 Schüler von Heinrich Friedrich Füger und debutierte als Portraitmaler.

Die Jahre 1805 bis 1806 verbrachte Stieler an den Höfen von Budapest und Warschau, wo er sich vor Aufträgen kaum mehr retten konnte. 1807 nahm er das Angebot wahr, nach Paris zu reisen und mit François Gérard zu arbeiten. 1808 kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich als selbstständiger Portraitmaler in Frankfurt am Main nieder.

1810 unternahm Stieler eine längere Reise durch Italien. Er kam 1811 über Rom bis nach Neapel und porträtierte Joachim Murat. Zurück in Mailand hielt er sich längere Zeit am Hof von Eugène de Beauharnais auf, um dessen Kinder für seinen Schwiegervater König Maximilian I. Joseph von Bayern zu malen.

Stieler am Münchner Hof

Schon im darauffolgendem Jahr rief ihn König Maximilian I. Joseph zu sich an den Hof nach München, das fortan seine Heimat blieb. 1816 schickte ihn sein Dienstherr an den Hof nach Wien, um den Kaiser Franz Joseph zu malen. Dort heiratete Stieler die Deutschrussin Pauline Beckers († 1830), die ihm fünf Kinder gebar.

Zwischen Februar und April 1820 entstand Stielers Portrait Ludwig van Beethovens, das heute die vermutlich bekannteste Darstellung des Komponisten ist. Dieser hatte sich zu den vier Modell-Sitzungen nur auf Bitten der mit ihm befreundeten Auftraggeber, Franz und Antonie Brentano, bereit erklärt. Das Stillsitzen nahm er als „eine Art Buße“ wahr. Die Geduld reichte denn am Ende auch nicht ganz - Stieler musste die Hände des Maestros aus dem Gedächtnis malen. Andy Warhol verwendete das Gemälde 1987 als Grundlage für seine Beethoven-Darstellungen. Der Kopf vor der Beethovenhalle ist dem Bild ebenso nachempfunden wie das Cover des Toten Hosen Albums Ein kleines bisschen Horrorschau.

1820 kehrte Stieler nach München zurück und wurde vom König persönlich zum Hofmaler ernannt. 1821 malte er noch in der Nacht vor der Bestattung dessen jüngste, gerade verstorbene Tochter Maximiliane Josepha Karoline.

Für König Ludwig I. von Bayern schuf Stieler die berühmte Schönheitengalerie im Schloss Nymphenburg. Auch das bekannte Goethe-Bildnis (1828), das die Vorstellung von Johann Wolfgang von Goethes Aussehen weitgehend bestimmt hat, entstand auf Veranlassung des Königs. Von seinen Arbeiten sind noch hervorzuheben die Bildnisse Friedrich Wilhelm Joseph Schellings, Ludwig Tiecks, Alexander von Humboldts und der Familie des Königs Maximilian I. Joseph.

1824 war Stieler einer der Mitbegründer des Münchner Kunstvereins. 1833 heiratete er die Dichterin Josephine von Miller. Mit ihr hatte er drei Kinder: Ottilie, den späteren Maler Eugen von Stieler, und den späteren Schriftsteller Karl Stieler. Sein Neffe und Schüler war Friedrich Dürck (1809–1884).

Einen großen Teil seiner letzten Lebensjahre verbrachte Stieler in Tegernsee, wo er sich am Leeberghang (mundartl. Literatenhügel) ein Sommerhaus gebaut hatte. 1829 hatte ihm der König hier den Grund geschenkt, und im folgenden Jahr wurde das Haus mit sechs Zimmern und einem großen Atelier erbaut. Sein Hauptwohnsitz war in München in der Barerstraße 6½, wo er im Alter von 76 Jahren starb.

Literatur

  • Karl Alexander von Müller: Der Hofmaler Joseph Stieler, in: Unbekanntes Bayern. Porträts aus acht Jahrhunderten, Süddeutscher Verlag, 1959, Nachdruck 1976, ISBN 3-7991-5839-1

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