Karl Peter Wilhelm Maurenbrecher


Karl Peter Wilhelm Maurenbrecher

Karl Peter Wilhelm Maurenbrecher (* 21. Dezember 1838 in Bonn; † 6. November 1892 in Leipzig) gehörte zu den bedeutendsten Reformationshistorikern des 19. Jahrhunderts.

Inhaltsverzeichnis

Familiärer Hintergrund

Maurenbrecher entstammt dem alten Düsseldorfer Postmeistergeschlecht der Maurenbrecher. Er war verheiratet mit seiner Cousine Mary Maurenbrecher und hatte vier Söhne: den Altphilologen Berthold Maurenbrecher, den Schauspieler Wilhelm Maurenbrecher Jr., den Intendanten Otto Maurenbrecher und den Theologen Max Maurenbrecher. Der Liedermacher Manfred Maurenbrecher ist sein Ur-Enkel.

Werdegang

Maurenbrecher studierte in Bonn, München und Berlin. In Bonn studierte er hauptsächlich bei Albrecht Ritschl und Heinrich von Sybel. In Berlin war sein bedeutendster Lehrer ohne Frage Leopold von Ranke. Dort studierte er auch bei Siegfried Hirsch. In München studierte er außer bei Sybel bei Bernhard Windscheid. Maurenbrecher promovierte 1861 in Bonn bei Heinrich von Sybel, bei dem er 1862 auch habilitierte. Er war Geschichtsprofessor in Dorpat von 1867–1869, in Königsberg von 1869–1876 sowie in Bonn (1877–1884) und Leipzig (1884–1892). In Königsberg war er ab 1873 mit dem Weggang von Karl Wilhelm Nitzsch nach Berlin alleiniger Direktor des historischen Seminars. In Bonn hatte er ab 1877 diese Funktion inne. Im Jahr 1879 befand sich unter seinen Bonner Studenten der Kronprinz und spätere Deutsche Kaiser Wilhelm II. Ab 1884 war er Direktor des historischen Seminars in Leipzig. Sein Schwerpunkt lag auf der Geschichte der Reformation und der Glaubenskämpfe. Dennoch arbeitete er auch auf dem Gebiet der Geschichte des Mittelalters und der Geschichte des 19. Jahrhunderts ab der Zeit der Befreiungskriege.

Maurenbrecher ist Mitglied der Königlich-Sächsischen Gesellschaft für Wissenschaften zu Leipzig.

Maurenbrecher ist uneingeschränkter Anhänger von Bismarck. An der Führungsrolle Preußens gab es für ihm keine Zweifel. Seine Vorträge im Leipziger Kaufmännischen Verein, die 1892 als Sammelband herauskamen, sind hierfür beredtes Zeugnis. In seinem Hörsaal in Bonn saß auch der Kronprinz und spätere Deutsche Kaiser Wilhelm II. Auf dessen Geschichtsbild übte er prägenden Einfluss aus.

Maurenbrecher bekam den preußischen Roten Adler Orden IV. bzw. III. Klasse verliehen.

Haupttcharakteristik seiner Geschichtsschreibung

Maurenbrecher wollte ursprünglich das Zeitalter Philipps II. von Spanien, das der eigentlichen Gegenreformation, erforschen. Zunehmend kommt er durch seine Studien im spanischen Simancas und anderen Archiven wie Madrid und Wien zu der Erkenntnis, dass die Gegenreformation in den katholischen Reformbestrebungen Vorläufer hat. Er erkennt, dass trotz der gegensätzlichen Zielrichtung von erasmianischer (humanistischer) Reformation, lutherischer Reformation, „katholischer Reformation“ wie schließlich der Gegenreformation deren gemeinsame Wurzel in der Reformbedürftigkeit der spätmittelalterlichen Kirchenverfassung lag. Er bleibt mit seinem Begriff „katholische Reformation“ nicht unkritisiert, wie unter anderem auch bei Hermann Baumgarten, Ludwig von Pastor, Hubert Jedin, weil das Wort „Reformation“ eigentlich durch die lutherische Bewegung terminologisch besetzt ist. Deshalb plädieren sie dazu entweder zu sagen „katholische Restauration“ (Pastor) oder „katholische Reform“ (Jedin), früher sogar schon bei Baumgarten. Der Begriff Gegenreformation setzt sich mit Moriz Ritter durch. Die Gegenreformation allerdings, die im Zuge des Konzils von Trient einsetzt, meint aber das schrittweise, auch gewaltsame Zurückdrängen des Protestantismus in den protestantischen und zum Teil katholischen Territorien durch den Katholizismus. Das aber die Reformbewegungen hier ihren Ursprung haben, bleibt unbestritten. Maurenbrecher sieht bei der Ausbreitung der der lutherischen Bewegung entgegengerichteten Bewegung die Rolle der spanischen Tradition, und damit das Kaisertum Karl V. und Ferdinand I. wie des spanischen Königtums unter Philipp II. als vorrangig bedeutend an. Pastor hingegen anerkennt zwar den Ursprung dieser Bewegung in Spanien, sieht aber bei der Ausbreitung eher die italienischen Kräfte, und damit das Papsttum und die römisch-katholische Kirche als die wichtigeren Träger der Gegenreformation an. Über die Zeit der eigentlichen Gegenreformation insbesondere Philipp II. von Spanien schreibt Maurenbrecher einige Aufsätze. Seine wesentliche Quellengrundlage bleiben auch hierbei seine Abschriften aus dem Archiv von Simancas. Sein Schüler Walter Goetz gibt eine Edition im 5. Band in den Beiträgen zur Reichsgeschichte (Bd. 1–3 August von Druffel, Bd. 4 Karl Brandi, Bd. 5 Walter Goetz) heraus , wo diese Abschriften verwendet werden. Die Abschriften sind zu einem großen Teil erhalten geblieben und befinden sich in der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Leipzig.

Durch seine Ausbildung in Berlin bei Leopold von Ranke und Heinrich von Sybel in München und Bonn geprägt, ist er stets bemüht, seinen historischen Gegenstand möglichst objektiv, das heißt hier im Verständnis der so genannte preußischen Schule, auf der Grundlage von Quellenkritik und Quelleninterpretation zu bearbeiten. Seine Geschichtsschreibung ist vorrangig politische Geschichte, die nach seiner Auffassung auch die Vorrangige sein sollte. Auf dieser Grundlage kommt er zu einem durchaus anders gearteten Verständnis dafür, wie der Reformation und damit Luther zu begegnen ist, wie auch des Protestantismus und damit Kurfürst Moritz von Sachsen. Bislang sah man Luther und die Reformation in der Regel von einem dogmatisch-theologischen Standpunkt aus, von dem man das Luthertum oder besser gesagt den Protestantismus generell bejaht oder verneint wie im Katholizismus. Ebenso verhält es sich mit Moritz von Sachsen, der allerdings auch aus solchen Erwägungen von Teilen der protestantischen wie auch der katholischen Geschichtsschreibung abgelehnt wird. Maurenbrecher geht es im Unterschied zu vielen Historikern sowohl aus dem protestantischen als auch katholischen Spektrum nicht um das Bedienen politischer, kirchlicher oder theologischer Interessengruppen, sondern um historisch begründete Tatsachen. In seiner Geschichtsauffassung steht er Leopold von Ranke näher als Heinrich von Sybel und Heinrich von Treitschke. Sowohl was Martin Luther und die Reformation als auch Kurfürst Moritz von Sachsen betrifft, liefert er Ansätze, die den Beginn der Auflösung eines dogmatisch-theologischen Geschichtsbildes zugunsten einer historischen Sichtweise auf der Grundlage der überlieferten Quellen bedeuten. Seiner Zeit, die durch konfessionelle Auseinandersetzungen geprägt ist, geht er damit weit voraus. Daran ändert nichts, dass er hierbei von Zeitgenossen, bis auf Ausnahmen wie zum Beispiel Georg Voigt für Moritz von Sachsen wenig berücksichtigt und später, was das betrifft, geradezu vergessen wird.


Hauptwerke

  • Karl der V. und die deutschen Protestanten, Düsseldorf 1865
  • England im Reformationszeitalter, Düsseldorf 1866
  • Studien und Skizzen zur Geschichte der Reformationszeit, Leipzig 1874.
  • Geschichte der katholischen Reformation, Bd. I, Nördlingen 1880.
  • Die preußische Kirchenpolitik und der Kölner Kirchenstreit, Stuttgart 1881.
  • Geschichte der deutschen Königswahlen, Leipzig 1889.
  • Zur Geschichte der Reichsgründung: Geschichte der Gründung des Deutschen Reiches 1859–1870, Leipzig 1892.

Literatur zu Maurenbrecher

  • Wilhelm Busch: Zur Erinnerung an Wilhelm Maurenbrecher. Neue Bonner Zeitung, Bonn 1893.
  • Gustav Wolf: Wilhelm Maurenbrecher. Ein Lebens- und Schaffensbild. Berlin 1893.
  • Hubert Jedin: Katholische Reformation oder Gegenreformation Luzern 1946.
  • Walther Hubatsch: Wilhelm Maurenbrecher. In: Bonner Gelehrte. Geschichtswissenschaften. Bonn 1968, S. 155–161.
  • Gangolf Hübinger: Maurenbrecher. In: Neue Deutsche Biographie Bd.16. Berlin 1990, S. 433 f.
  • John C. G. Röhl: Wilhelm II. Die Jugend des Kaisers 1859–1888. München 1993, S. 312–319.
  • Mario Todte: Wilhelm Maurenbrecher und die Lutherische Reformation. Leipzig 2001.
  • Mario Todte: Wilhelm Maurenbrecher als Reformationshistoriker. Leipzig 2002.

Weblinks


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