Karo Batak


Karo Batak
Gerichtsstätte der Batak auf Samosir
Ahnenhaus der Batak Toba
Puppenspieler der Toba-Batak

Die Batak sind indigene Bewohner der indonesischen Insel Sumatra.

Inhaltsverzeichnis

Ethnie und Religion

Das Volk der Batak wird in fünf Volksgruppen gegliedert, deren Ursprung in Samosir, der Insel im Tobasee, liegt. Die größte Gruppe sind die Toba, die um die südliche Hälfte des Tobasees und auf Samosir siedeln. Südlich folgen die Angkola, die mit den Mandailing weiter südlich bis zur Grenze von Westsumatra zusammengefasst werden können. Die beiden letztgenannten Gruppen sind Muslims, alle anderen Batak sind überwiegend christianisiert. Die Karo leben nördlich des Sees. Ihre Hauptorte sind Kabanjahe und Berastagi. Im Osten des Tobasees leben die Simalungun. Die Pakpak siedeln im Nordwesten und Westen um Sidikalang.

Der Legende nach stammen alle Batak von einem Götterhelden namens Si Raja Batak ab, der auf einem heiligen Berg in der Nähe des Tobasees geboren wurde. In Wirklichkeit kamen sie vermutlich in mehreren Einwanderungsschüben aus den Berggegenden Thailands und Birmas ins Toba-Hochland und breiteten sich von dort aus. Insgesamt leben dort etwa 4,9 Millionen der insgesamt 6 Millionen Batak.

Aus wirtschaftlichen Gründen ziehen jedoch immer mehr in die Hauptstadt von Nordsumatra, Medan wo bereits etwa 20 000 bis 30 000 Batak leben. Angehörige des Volkes der Batak leben auch in Jakarta und in anderen Städten Sumatras und Javas.

Die Batak entwickelten eine kriegerische Kultur mit vielen Kämpfen zwischen den einzelnen Dörfern und praktizierten Kopfjägerei mit rituellem Kannibalismus. Ihre Religion war animistisch mit hinduistischen Einflüssen. Belegt ist die rituelle Einnahme von Zauberpilzen.

Die Batak bestatten die Vornehmsten ihrer Toten in Ahnenhäusern, die ähnlich den Wohnhäusern mit Schnitzereien verziert sind, oder in steinernen Grabmälern (Tugu). Die im traditionellen Glauben zentrale Ahnenverehrung wird vor allem im Fest der Knochenumbettung ausgedrückt. Es ist eine Zweitbestattung, bei der die Überreste von verstorbenen Familienangehörigen in teilweise aufwendig aus Zement gestaltete Tugu umgebettet werden.[1]

Die später eingeführten Religionen wie das Christentum und der Islam wurden von diesem Glauben stark mitgeprägt. Die christliche Missionierung geht weitgehend auf die Arbeit des deutschen Missionars Nommensen zurück. Etwa 85 % der Batak sind heute Christen, wobei die meisten davon der Huria Kristen Batak Protestan Church angehören. Es gibt Minderheiten von Muslimen (10 %) und viele Batak, die ihre ursprüngliche Religion praktizieren.

Die Batak gelten als herausragende Sänger und Musiker und spielen in der zeitgenössischen indonesischen Musik eine bedeutende Rolle. Die moderne Musik wird als Batak-Rock bezeichnet.

In der Kultur der Batak spielte der Porhalaan, ein Mondkalender, der aber nicht der Zeitrechnung diente, eine wichtige Rolle.

Bataksprachen

Es gibt sechs verschiedene Bataksprachen, sie heißen Angkola-, Mandailing-, Toba-, Pakpak-, Simalungun- und Karo-Batak. Dabei fasst man drei Sprachgruppen zusammen: Nord-Batak (Pakpak- und Karo-Batak), Zentral-Batak (Simalungun-Batak) und Süd-Batak (Angkola,- Mandailing- und Toba-Batak). Innerhalb jeweils einer dieser Sprachgruppen ist es möglich zu kommunizieren, da die Sprachen sich sehr ähneln. Gruppenübergreifend ist eine Verständigung aber nicht ohne weiteres möglich. Zur überregionalen Kommunikation musste man sich einer lingua franca bedienen, aus der auch die heutige Nationalsprache Indonesiens, Bahasa Indonesia, hervorgegangen ist. Jede der sechs genannten Sprachen verfügt über ein eigenes Alphabet phonetischer Natur. Den Alphabeten ist gemein, dass sie einerseits über Radikalzeichen, welche in der Regel den Vokal A mit einem oder mehreren Konsonanten kombinieren, und andererseits über diakritische Zeichen, die in der Regel zur Modifizierung der Vokale dienen, verfügen.

Architektur

Die Batak-Häuser erinnern mit ihren mächtigen gebogenen Satteldächern an die Häuser der Bewohner des Toraja-Landes in Sulawesi. Die Bauten der Batak sind Holz-Skelettbauten, die traditioneller Weise mit Stroh gedeckt werden. Heute ist an die Stelle des Strohs oft eine Wellblechdeckung getreten.

Die unterschiedlichen Gruppen der Batak haben je charakteristische Haus- und Architekturformen entwickelt. Grob lässt sich ein dreiteiliger Aufbau aus Unterbau, Wandzone und Dach unterscheiden. Die Häuser stehen auf Pfählen, ihre Vorder-und Rückwände sind nach außen geneigt und mit Schnitzereien oder dekorativen Verschnürungen versehen. Symbolisch entspricht der schmucklose Unterbau der Sphäre der Unterwelt und der animalischen Begierden. Mitunter wird hier Unrat gelagert oder es werden Schweine gehalten. Der darüber liegende Aufenthaltsort der Bewohner (er entspricht von außen der Wandzone) ist die Sphäre des Menschlichen. Der große Bereich der voluminösen und verzierten Dächer ist annähernd frei von praktischer Nutzung. Auf der symbolischen Ebene ist dies die Zone der Ahnen und Götter. Nach einer anderen Auffassung sollen die Dächer an die Boote erinnern, mit denen die Vorfahren der Batak einst über das Meer kamen. Bei den Karo-Batak sind die Giebelenden eines Hauses häufig mit geschnitzten Büffelköpfen verziert. Bemalungen finden sich in der Wandzone, vor allem aber an den Giebelseiten. Die vorherrschenden Farben sind Weiß, Schwarz und Rot, die den Himmel, die Hölle und die Erde symbolisieren sollen.

Bei den Karo-Batak sind große Haustypen üblich, in denen mehrere Familien einer Sippe in einem einzigen großen Raum zusammenleben. Demgegenüber sind die Häuser der Toba-Batak deutlich kleiner und für eine einzige Familie ausgelegt. Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen, die auch in Sumatra einen Trend weg vom großen Verband der Sippe einleiten, haben die Haustypen der Toba-Batak daher eine bessere Überlebenschance und haben sich in größerer Zahl erhalten.

Die traditionelle Architektursprache ist für die Ethnien der Batak ein lebendiges Element der kulturellen Identität. So finden sich Elemente der traditionellen Baukunst auch teilweise in modernen Verwaltungsbauten, Läden oder christlichen Kirchen.[2]

Literatur

  • David Gintings: The Society and Culture of the Batak Karo. Medan 1993. 
  • Uli Kozok: Die Bataksche Klage. Toten-, Hochzeits- und Liebesklagen in oraler und schriftlicher Tradition. Universität Hamburg, 2000 (Volltext; alternativer Download ; Dissertation). 
  • Herlan Panggabean (Hrsg.): Ornamen (ragam hias) rumah adat Batak Toba. Medan 1997/1998. 
  • Reimar Schefold, Gaudenz Domeniug, Peter Nas: Indonesian houses. Tradition and transformation in vernacular architecture. KITLV Press, Leiden 2003, ISBN 90-6718-205-2. 
  • Gunawan Tjahjono: Architecture. Archipelago Press, Singapur 1998, ISBN 981-3018-32-1 (formal falsche ISBN) (Indonesian Heritage Series; Vol. 6). 
  • Roxana Waterson: The Living House. An Anthropology of Architecture in South-East Asia. Oxford University Press, Singapur 1990, ISBN 0-19-588941-X. 

Einzelnachweise

  1. Franz Simon und Artur Simon: Toba-Batak (Indonesien, Nordsumatra). Fest der Knochenumbettung. Ulaon panongkokhon saring-saringa. Encyclopaedia Cinematographica, Publ. Wiss. Film, Ethnol. 17, 1992, S. 193–229
  2. Erich Lehner: Architekturtradition und ethnische Identität. Bautypen der Karo-Batak und Toba-Batak auf Sumatra. archimaera, Heft 1/2008

Weblinks


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