Kastell Unterfeld


Kastell Unterfeld

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Kastell Unterfeld
Limes ORL -- (RLK)
Strecke (RLK) Rätischer Limes,
Strecke 15
Datierung (Belegung) ab ca. 172 n. Chr.
bis vor 179 n. Chr.[1]
Typ Vexillationskastell
Einheit Legio III Italica
Größe 328 × > 320 m = über 10,6 ha
Bauweise Holz-Erde; einige Steinbauten
Erhaltungszustand Gräben teilweise als leichte Bodensenkung im Gelände sichtbar
Ort Eining
Geographische Lage 48° 51′ 34,4″ N, 11° 46′ 35,4″ O48.85956666666711.776491666667Koordinaten: 48° 51′ 34,4″ N, 11° 46′ 35,4″ O
Vorhergehend Kastell Pförring (westlich)
Kastell Eining (südlich)
Anschließend Kleinkastell Weltenburg-Frauenberg (nördlich)
Kleinkastell Weltenburg-Galget (nördlich)
Vorgelagert Kleinkastell am Hinteren Seeberg (westnordwestlich)

Das ehemalige römische Kastell Unterfeld liegt heute nördlich des bayerischen Dorfes Eining im Landkreis Kelheim in der Flur „Unterfeld“ und wurde als wichtiger Standort eines Teils der in Regensburg stationierten Legio III Italica während der Markomannenkriege ab ca. 172 n. Chr. für rund zehn Jahre genutzt und danach wieder geräumt.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Das Kastell mit Befunden der letzten hundert Jahre und seiner Lage an der Donau

Die heutige Flur „Unterfeld“ zählte in der Antike zum Einflussgebiet des nur rund 1 km südlich liegenden Kohortenkastells Abusina und dessen Vicus (Lagerdorf). Der Grenzort Abusina, um 79 n. Chr. gegründet, gehörte ob seiner strategisch günstigen Lage zu den besonders wichtigen und am längsten belegten Kastellplätzen am Obergermanisch-Rätischen Limes und erlitt während der Markomannenkriege schwere Zerstörungen. Davon wurde das Kastell Unterfeld nach heutigem Wissensstand nicht betroffen, was darauf hindeuten könnte, dass der Platz erst nach dem verheerenden „Erstschlag" der Germanen eingerichtet wurde. Die beiden bisher nicht gefundenen Nebentore des damals entstandenen Vexillationskastells lagen genau dort, wo heute die Landesstraße den militärischen Stützpunkt durchschneidet, was bedeutet, dass im Mittelalter der gut erhaltene römerzeitliche Straßendamm von Eining nach Weltenburg übernommen worden ist. Zudem waren die römerzeitlichen Wälle und Durchlässe damals sicher noch deutlich im Gelände sichtbar. Die ursprünglichen Ausmaße der Verschanzung können jedoch nicht mehr vollständig rekonstruiert werden, da der ehemalige Nordwestwall der Anlage in späteren Zeiten durch die Donau fortgespült worden ist.

Forschungsgeschichte

Das konkrete Wissen um die antike Stätte Unterfeld bestand schon seit einer Grabung im Jahr 1900[2] durch Generalmajor a. D. Karl von Popp für die Reichs-Limes-Kommission (RLK), der offenbar Teile der Principia, des Stabsgebäudes, anschnitt. Doch erst 1968 konzentrierte sich die Forschung unter Hans Schönberger, dem damaligen Direktor der Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt am Main, wieder auf diesen Ort. Noch 1970 schrieb er in einem Aufsatz über seine Zweifel, dass das Karree tatsächlich als römische Militäranlage anzusprechen sei. Doch Sondagegrabungen ergaben bald die richtige Zuordnung sowie die Bestätigung, dass die RLK mit ihren Überlegungen weitgehend Recht behalten hatte. Einen neuen Anstoß zu fortsetzenden Forschungen ergaben die regelmäßigen Überfliegungen des Platzes durch den Luftbildarchäologen Otto Braasch seit 1977. Anhand seiner Aufnahmen konnten genauere Strukturen der Innenbebauung ausgemacht werden. Bei den Sondagen wurde auch kleinteilige Militaria aufgefunden.

Großflächige Grabungen haben hier bisher jedoch nicht stattgefunden.

Baugeschichte

Im Zuge der Markomannenkriege,[3] vielleicht in der Endphase, wurde wohl um 172 eine halbe Legion, rund 3000 Mann, der Legio III Italica aus Regensburg abkommandiert, den wichtigen römischen Stützpunkt Abusina zu sichern und von hier aus wohl auch Operationen gegen den Feind vorzunehmen. Außerdem war die Legion am Wiederaufbau des Kohortenkastells und Vicus Abusina beteiligt.

Die Bautrupps der Legion hoben für das Kastell Unterfeld einen dreifachen, an den Ecken abgerundeten Spitzgraben aus. Die Tiefe dieses Spitzgrabensystems betrug von außen nach innen 2,8 m, 2,4 m und erneut 2,8 m. Die Breite war entsprechend rund 6,5 m, 4,5 m und 4,0 m. Dies bedeutet, dass der äußere Graben am steilsten und der mittlere am flachsten war. Den Außen- und Mittelgraben trennten 4,5 m, den Mittel- und Innengraben 2,5 m.

Das Auswurfmaterial der Gräben wurde für den Bau des Walls verwendet, der nach Grabungsbefund als Rasensoden-Konstruktion[4] ausgeführt wurde.

Durch die Ausrichtung der 70 × 70 m großen Principia nach Nordwesten, zur Donau hin, wird auch die Prätorialseite – die Richtung zum Feind – deutlich. Der Aufbau dieses Stabsgebäudes folgte dem normierten römischen Schema. Das Fahnenheiligtum (Aedes oder Sacellum) und die Truppenkasse befand sich in einer halbrunden Apsis im hinteren Teil der Principia; um einen Innenhof gruppierten sich die Verwaltungsräume; den Kopfbau bildete die Exerzierhalle.

Neben dem Stabsgebäude konnte bisher nur noch ein Repräsentationsbau im Lagerinneren deutlich identifiziert werden, der in der kurzen Bestandsphase der Anlage aufwändig in Stein ausgebaut worden ist; der etwas höher als die Principia im Gelände liegende sogenannte „Legatenpalast“ im hinteren Kastellbereich. Er entspricht der bekannten Bauart einer ebenerdigen ländlichen römischen Villa rustica und besitzt an seiner Schaufassade zwei mit Apsiden versehene Eckrisaliten, die durch einen überdachten Säulengang miteinander verbunden sind. Die Breite der Anlage beträgt rund 50 Meter. Ein seitlich rückwärtig an die sonst geometrische Anlage angebauter Raum könnte zu einem Bad gehören. Bis auf weiteres wird dieser Bau von der Forschung als Wohnpalast (Praetorium) des Lagerkommandanten verstanden.

Wie Luftbildaufnahmen zeigen, wurde neben dem Praetorium ein weiterer großer Steinbau ausgeführt, dessen Grundriss und Funktion sich aus der Luft jedoch nicht erschließt. Auch vor dem südlichen kubischen Eckrisaliten des Wohnpalastes konnte auf diese Art ein nicht näher erklärbares kleines Mauerkarree beobachtet werden.[2]

Wichtige Funde

Im Lager wurde ein zerstreuter, 27 Stücke umfassender Münzschatz geborgen.[5] Insgesamt bricht die im Jahr 1999 aus 54 Stücken bestehende Münzreihe aus dem Unterfeld mit einem Denar des Kaisers Mark Aurel (161–180) für Lucilla von 161/169 sowie einem weiteren Denar des Kaisers Lucius Verus (161–169) von 166/167 ab,[6] doch sind noch Münzen des 3. Jahrhunderts vertreten, darunter ein Stück  aus der Regierungszeit des Kaisers Severus Alexander (222–235) sowie einige spätantike Exemplare. Die Reihe der Terra-Sigillata-Funde scheint nach dem bisherigen Stand mit dem mutmaßlichen Ende der Garnison zusammenzupassen. Es gibt indes Spekulationen, eine Wiederbesiedlung des Platzes im 3.  und 4. Jahrhundert anzudenken. Hierauf könnten der spärliche Fundausweis späterer Sigillaten bzw. die späteren Münzen hinweisen.[7]

Neben den Zahlungsmitteln kam der Rest einer Fibel (Form Exner Gruppe II 18) zu Tage, wie sie u.a. auch aus der Augusta Raurica (Augst/Kaiseraugst) vom Limeskastell Stockstadt sowie aus der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln) und aus Gallien bekannt ist. Die von Kurt Exner vorgenommene Datierung dieses Fibeltyps in die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts wurde von Sabine Rieckhoff bezweifelt.[8] Aus dem Kastellareal stammt zudem ein vierkantiger bronzener Fingerring wie er in ähnlicher Form auch in Aub-Baldersheim entdeckt wurde (Beckmann Typ 8b bzw. Rihas Typ 25 Var. I).[9]

Heutiger Zustand

Mit bloßem Auge ist von dem Kastell heute im Gelände nur noch sehr wenig zu erkennen. Witterung und Pflug haben die Erdwälle und Gräben fast völlig eingeebnet. Es ist jedoch möglich, östlich der Staatsstraße die ehemaligen Nordgräben an ihrer Umbiegung nach Südosten als einen bis zu 2 m tiefen, teils baumbestandenen Ödlandeinschnitt wahrzunehmen und südöstlich durch einen anliegenden Feldweg rund 250 m nachzuvollziehen.

Die Kastellfläche wird auch heute landwirtschaftlich genutzt.

Denkmalschutz

Das Kastell Unterfeld ist als Abschnitt des Obergermanisch-Rätischen Limes seit 2005 Teil des UNESCO-Welterbes. Außerdem ist es geschützt als eingetragenes Bodendenkmal im Sinne des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes (BayDSchG). Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind erlaubnispflichtig, Zufallsfunde sind den Denkmalbehörden anzuzeigen.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. Hans-Jörg Kellner (bearb.): Die Fundmünzen der römischen Zeit in Deutschland. Abteilung I. Bayern, Band 2. Niederbayern. Mann Verlag, Berlin 1970, S. 47.
  2. a b Rainer Christlein, Otto Braasch: Das unterirdische Bayern. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-8062-0855-7, S. 188.
  3. Thomas Fischer: Die Römer in Deutschland. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3806213259, S. 110.
  4. Thomas Fischer, Erika Riedmeier Fischer: Der römische Limes in Bayern. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2008. ISBN 978-3-7917-2120-0. S. 160
  5. Wolfgang Czysz, Lothar Bakker: Die Römer in Bayern. Konrad Theiß Verlag, Stuttgart 2005. ISBN 3806210586. S. 154
  6. Thomas Fischer: Die Römer in Deutschland. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1999. ISBN 3806213259. S. 110.
  7. Allard Wijnand Mees: Organisationsformen römischer Töpfer-Manufakturen am Beispiel von Arezzo und Rheinzabern. Unter Berücksichtigung von Papyri, Inschriften und Rechtsquellen, Teil 1. Verlag Rudolf Habelt, Bonn 2002. ISBN 3884670735. S. 72, 74 und 84.
  8. Kerstin Hoffmann: Kleinfunde der römischen Kaiserzeit aus Unterfranken. Studien zur Siedlungsgeschichte und kulturellen Beziehung zwischen Germanen und Römern. Verlag Marie Leidorf, Rahden 2004. ISBN 3896463527. S. 30.
  9. Kerstin Hoffmann: Kleinfunde der römischen Kaiserzeit aus Unterfranken. Studien zur Siedlungsgeschichte und kulturellen Beziehung zwischen Germanen und Römern. Verlag Marie Leidorf, Rahden 2004. ISBN 3896463527. S. 70.

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