Kenneth Wilbur Anglemyer


Kenneth Wilbur Anglemyer

Kenneth Anger (* 3. Februar 1927 in Santa Monica, Kalifornien als Kenneth Wilbur Anglemyer) ist ein US-amerikanischer Underground-/Avantgarde-Filmemacher und Autor. Er gilt als Pionier des amerikanischen Underground-Films.

Inhaltsverzeichnis

Die frühen Jahre

Schon als Kind spielte Anger den "Wechselhaften Prinzen" in der Verfilmung Max Reinhardts von Ein Sommernachtstraum aus dem Jahr 1935. Später besuchte er die Maurice Kossloff Dancing School, an der auch Shirley Temple Unterricht nahm.

Anger begann bereits im Alter von elf Jahren Filme zu machen. Viele seiner frühen Arbeiten sind jedoch nicht mehr existent. Sein künstlerischer Ausdruck ist stark durch seine Faszination für Übernatürliches und Aleister Crowley beeinflusst. Von Beginn an setzte sich Anger mit okkulten Themen auseinander. Er wurde später auch Mitglied des Ordo Templi Orientis, einem magischen Orden der die Crowleysche Religion namens Thelema zelebriert. Mit seinem preisgekrönten Kurzfilm Fireworks schaffte es Anger 1949 erstmals einen Verleih zu finden. Viele seiner Filme sind kurze bis sehr kurze (3,5 Minuten bis 30 Minuten) Streifen, in denen er düstere Visionen und Stimmungen umsetzt.

Im Jahr 1950 reiste Anger nach Paris und traf dort neben Édith Piaf, Sidonie-Gabrielle Colette und Jean Genet auch Jean Cocteau. Beide, Cocteau und Anger, waren von den Arbeiten des jeweils Anderen beeindruckt. Seinen Aufenthalt in Europa nutzte Anger 1955 für eine Reise nach Cefalù auf Sizilien, um dort die Ruinen der Abtei Thelema seines guten Freundes Aleister Crowley fotografisch zu retten. Während dieser Reise entstand der heute als verschollen geltende Dokumentarfilm Thelema Abbey.

Einer breiten Öffentlichkeit wurde Anger 1959 durch die Veröffentlichung von Hollywood Babylon bekannt. In dem in Paris erschienenen Buch durchleuchtete er eine ganze Reihe von Skandalen der High Society Hollywoods.

Angers Einfluss auf die Popkultur der 60er und darüber hinaus

Anger hatte eine starke Affinität zur Popkultur – nicht zuletzt, um Musiker für die musikalische Untermalung seiner Filme zu gewinnen. Anger zog in den späten 60er Jahren nach London, wo er Mick Jagger von den Rolling Stones traf und inspirierte ihn zu dem Lied Sympathy For The Devil. Mick Jagger schrieb 1969 die Musik für den Film Invocation Of My Demon Brother. Auch die Machart seines Films Scorpio Rising, der eine fiktive Motorradbande (siehe auch: Hells Angels) fokussiert und mit Musik wie Bobby Vintons Blue Velvet unterlegt ist, zeigt den Einfluss der Popkultur auf Anger.

Bemerkenswert sind die Arbeiten an dem Kurzfilm Lucifer Rising, die oft unterbrochen wurden. Die erste Version konnte aufgrund der Inhaftierung des Hauptdarstellers Bobby Beausoleil wegen Mordes nicht fertiggestellt werden. Für die zweite Version konnte Anger für die Rolle von Lilith Marianne Faithfull gewinnen und für die Rolle des Osiris den Regisseur Donald Cammell. Die zweite Version scheiterte zunächst an der Zusammenarbeit mit Jimmy Page für den Soundtrack. Dieser wurde dann letztendlich von Bobby Beausoleil im Gefängnis eingespielt. Anger war jedoch erst mit der letzten überarbeiteten Fassung von 1980 zufrieden.

Die Arbeiten von Anger beeinflussten Martin Scorseses Umgang mit Filmmusiken. Einflüsse finden sich z.B. auch in den Filmen von David Lynch, Donald Cammell, Roger Corman oder in Rainer Werner Fassbinders Film Querelle.

Aktuelles

Am 1. April 2007 gaben David Tibet, Sänger der Band Current 93, und William Breeze, Leiter des thelemischen Ordens Ordo Templi Orientis (bei dem Anger seit vielen Jahren leitendes Mitglied ist) und Musiker sowohl bei Current 93 als auch bei Coil, die Veröffentlichung einer Tribut-CD für Kenneth Anger mit dem Namen Brother Focus bekannt. Die Erlöse dieser CD sollten Kenneth Anger zugute kommen, der sich zu dieser Zeit von einer schweren Operation erholte. Außerdem veröffentlichte die Firma Fantoma 2007 zwei DVD-Editionen (The Films Of Kenneth Anger Volume I & II), die neben seinen Filmen auch Audiokommentare von Anger selbst und bisher unveröffentlichtes Material beinhalten. 2007 brachte das kanadische Label "filmswelike" Elio Gelminis Dokumentation über Angers Leben und Werk Anger Me heraus.

Filmografie

  • 1941 Who Has Been Rocking My Dreamboat
  • 1942 Tinsel Tree
  • 1942 Prisoner of Mars
  • 1943 The Nest
  • 1944 Escape Episode
  • 1945 Drastic Demise
  • 1946 Escape Episode (kürzere vertonte Fassung)
  • 1947 Fireworks*
  • 1949 Puce Moment*
  • 1949 The Love That Whirls
  • 1950, 1972 Rabbit's Moon*
  • 1952 Maldoror (unvollendet)
  • 1953 Eaux d'Artifice*
  • 1953 Le Jeune Homme et la Mort
  • 1954 Inauguration of the Pleasure Dome (neu geschnitten 1966)*
  • 1955 Thelema Abbey
  • 1961 Historie d'O
  • 1963 Scorpio Rising*
  • 1965 Kustom Kar Kommandoes*
  • 1966 Lucifer Rising (verschollene Version)
  • 1969 Invocation of My Demon Brother*
  • 1970 Lucifer Rising (zweite Version)
  • 1979 Rabbit's Moon* (dritte, überarbeitete Version)
  • 1980 Lucifer Rising (dritte, überarbeitete Version)
  • 2000 Ich will!
  • 2000 Don't Smoke That Cigarette
  • 2002 The Man We Want to Hang
  • 2004 Mouse Heaven
  • 2004 Anger Sees Red

mit * gekennzeichnete Filme sind Teil des Magick Laterne Cycle

Bedeutende Auszeichnungen

  • 2001 The Golden Gate Persistence Of Vision Award (Auszeichnung für sein Lebenswerk)

Weblinks


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